In den letzten Jahren hat sich viel getan im Bereich der Kinderbetreuung. Neue Gesetze, Regelungen und Möglichkeiten wurden geschaffen. Relativ frisch ist der gesetzliche Anspruch auf Kinderbetreuung. Seit dem 1. August 2013 haben Eltern für ihre Kinder einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Es ist im Sozialgesetzbuch verankert, dass Familien auch einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung haben. Dies heißt, dass die Kommune auch die Betreuung von Kindern unter drei Jahren Familien zusichern muss. Diese gesetzliche Regelung ist für Familien natürlich primär eine Entlastung und ein weiterer Mechanismus für garantierte Bildung im frühen Kindesalter vom Staat aus. Jedoch gab es nach dem Beschluss des Gesetzes große Probleme. Der Bedarf an Betreuung stieg schnell an und konnte von den Kommunen nicht gedeckt werden. Bei betroffenen Familien ohne Betreuungsplatz für ihr Kind sorgte dies für Frustration. Die Lage spitze sich zu und es gab eine große Klagewelle. Die Kommunen wurden verklagt, da sie den Anspruch auf Betreuung nicht geltend machen konnten. Gleichzeit wurden Kindergärten vergrößert und neue gebaut. Auch gab es einen Anstieg an der Inanspruchnahme von Kindertagespflegepersonen. Diese sind gut zu erreichen für die Familien und bieten eine eher familiäre Betreuung an. Der große Bedarf und die schnelle Ausbildung weckte das Interesse.
In dieser Hausarbeit werde ich anhand dieser Ausgangssituation den Beruf der Kindertagespflegeperson näher betrachten. Ich werde darüber informieren, wie die aktuelle Ausbildungssituation aussieht und vergleiche zum Erzieherberuf ziehen, da diese beiden Berufe in gewisser Art und Weise konkurrieren, wenn eine Familie sich zwischen Kindergarten und Kindertagespflege entscheidet. Welche Art von Betreuung bietet die Kindertagespflege und mit welchen Erwartungen treten Familien, Gesellschaft und Professionelle an diesen Beruf heran? Die Nachfrage ist gestiegen, doch wie wird die Qualität der Betreuung gesichert? Auf diese Fragen möchte ich auf den nachfolgenden Seiten detailliert Antworten finden. Auch wird es in einem großen Teil meiner Arbeit darum gehen herauszufinden, wie der Beruf in der Zukunft aussehen wird. Nicht nur durch die große Nachfrage, sondern auch durch das gestiegene Interesse an hohen qualitativen Standards in der Kinderbetreuung seitens der Politik muss der Beruf qualitativ weiterentwickelt werden. In dieser Hausarbeit versuche ich Ideen zu finden, wie dies zukunftsorientiert angegangen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
3. Tätigkeitsfelder und Ausbildung
3.1 Der KinderpflegerInnen Beruf
3.2 Der Beruf des Erziehers
3.3 Der Beruf der Kindertagespflegeperson
3.4 Bedarf und Inanspruchnahme
4. Erwartungen an den Beruf der Kindertagespflege
5. Lösungen und neue Ansätze zur Weiterentwicklung
6. Conclusio
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Professionalisierung des Berufs der Kindertagespflegeperson im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, die aktuelle Ausbildungssituation und das Tätigkeitsfeld zu beleuchten, Herausforderungen in der Akzeptanz sowie Qualitätssicherung zu identifizieren und zukunftsorientierte Lösungsansätze zur Aufwertung des Berufsbildes zu formulieren.
- Vergleich der Berufsfelder Kindertagespflegeperson, KinderpflegerIn und ErzieherIn.
- Analyse des steigenden Bedarfs und der Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen.
- Untersuchung der Qualitätsanforderungen und Ausbildungsstandards.
- Identifikation von Hürden für die gesellschaftliche und fachliche Anerkennung.
- Erarbeitung von Reformvorschlägen für eine qualitätsorientierte Weiterentwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Beruf der Kindertagespflegeperson
Umgangssprachlich werden Kindertagespflegepersonen auch Tagesmutter oder Tagesvater genannt. Diesen Beruf kann jeder ausüben und erfordert nur eine Qualifizierung über 160 Unterrichtsstunden. Zusätzlich muss auch ein erweitertes Führungszeugnis ohne Eintragung vorliegen. Ansprechpartner, für alle die sich für die Ausbildung interessieren ist das örtliche Jugendamt. Das Jugendamt wacht über die Kindertagespflegepersonen und ist auch für die Förderung des Berufes zuständig. Die Erteilung der Erlaubnis der Kindertagespflegepersonen und auch die Eignungsprüfung erfolgt auch über das Jugendamt. Der Beruf kann im Haushalt der Tagespflegeperson, bei den Inanspruchnahmnehmern zu Hause oder in geeigneten Räumen stattfinden. Interessant ist die Feststellung der Eignung als Kindertagespflegeperson. Aus der Handreichung zum Thema der Kindertagespflege des Landes NRW, geht folgendes hervor: „Um auch in der Kindertagespflege die Anforderungen an die frühkindliche Bildung einschließlich einer alltagsintegrierten individuellen sprachlichen Bildung der Kinder erfüllen zu können, sollte die Tagespflegeperson in der Regel mindestens über einen Hauptschulabschluss (bzw. vergleichbaren ausländischen Schulabschluss) und deutsche Sprachkenntnisse mindestens auf Niveaustufe B nach dem gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen verfügen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die veränderte rechtliche Situation der Kinderbetreuung und die damit einhergehende gestiegene Nachfrage nach qualifizierter Kindertagespflege.
2. Definitionen: In diesem Abschnitt wird der Begriff der Kindertagespflege gesetzlich durch das SGB VIII und das KiBiz des Landes NRW definiert.
3. Tätigkeitsfelder und Ausbildung: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Ausbildungswege und Tätigkeitsmerkmale von KinderpflegerInnen, ErzieherInnen und Kindertagespflegepersonen.
3.1 Der KinderpflegerInnen Beruf: Beschreibung der zweijährigen Ausbildung, der Lernfelder und der Rolle als unterstützende Fachkraft in Kindertageseinrichtungen.
3.2 Der Beruf des Erziehers: Darstellung des vielfältigen Berufsfeldes und der dreijährigen Ausbildung an Fachschulen für Sozialwesen.
3.3 Der Beruf der Kindertagespflegeperson: Erläuterung der Qualifikationsanforderungen, der Rolle des Jugendamtes und der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausübung.
3.4 Bedarf und Inanspruchnahme: Statistische Analyse zur Entwicklung der Betreuungszahlen und dem anhaltenden Fachkräftebedarf in NRW.
4. Erwartungen an den Beruf der Kindertagespflege: Untersuchung der noch vorhandenen Skepsis gegenüber der Betreuungsform und der Notwendigkeit einer qualitativeren Aufwertung.
5. Lösungen und neue Ansätze zur Weiterentwicklung: Diskussion notwendiger Reformen hinsichtlich Standardisierung der Ausbildung und bürokratischer Vereinfachungen.
6. Conclusio: Abschließende Zusammenfassung über die Notwendigkeit einer langfristigen, qualitativ hochwertigen Professionalisierung des Berufsfeldes.
Schlüsselwörter
Kindertagespflege, Professionalisierung, NRW, Frühkindliche Bildung, Erzieher, Kinderpfleger, Qualifizierung, Jugendamt, Betreuungsanspruch, Qualitätssicherung, SGB VIII, KiBiz, Berufsfeld, Fachkräftebedarf, Sozialpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert den Status quo des Berufs der Kindertagespflegeperson im Vergleich zu anderen pädagogischen Berufen in Nordrhein-Westfalen und beleuchtet Ansätze zur notwendigen Professionalisierung.
Welche Berufe werden als Vergleichsgrößen herangezogen?
Die Arbeit vergleicht das Tätigkeitsfeld der Kindertagespflegeperson explizit mit dem der KinderpflegerInnen und der ErzieherInnen, um Unterschiede in der Qualifikation und Aufgabenstellung aufzuzeigen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie der Beruf der Kindertagespflegeperson durch höhere Standards und eine einheitliche Ausbildung qualitätsorientiert weiterentwickelt werden kann.
Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Gesetzesgrundlagen, aktuellen Studien (u.a. Bertelsmann Stiftung) und offiziellen Handreichungen des Landes NRW.
Was sind die zentralen Themenfelder im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ausbildungsstrukturen, die Analyse statistischer Bedarfszahlen sowie die kritische Reflexion der öffentlichen Wahrnehmung und der rechtlichen Gleichstellung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Professionalisierung, Kindertagespflege, Ausbildung, Qualitätssicherung und frühkindliche Bildung.
Warum wird die Qualifizierung von 160 Unterrichtsstunden kritisiert?
Die Arbeit führt an, dass dieser Standard im Vergleich zu den Ausbildungen von Erziehern oder Kinderpflegern als zu gering wahrgenommen wird, um das nötige Vertrauen und die volle rechtliche Gleichstellung zu erreichen.
Welche Rolle spielt das Jugendamt bei der Kindertagespflege?
Das Jugendamt ist die zentrale Instanz für die Ausbildung, die Eignungsprüfung der Personen, die Erteilung der Erlaubnis und die Aufsicht über die Kindertagespflegepersonen.
- Arbeit zitieren
- Marcel Paulsens (Autor:in), 2017, Professionalisierung im Feld der Kindertagespflegepersonen. Wie hat sich der Beruf weiterentwickelt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428854