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Die Kirchenkonzeption im Epheserbrief

Eph 2, 11-22 als Plädoyer für eine Einheit aus Juden und Heiden

Título: Die Kirchenkonzeption im Epheserbrief

Proyecto/Trabajo fin de carrera , 2015 , 57 Páginas , Calificación: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor)

Teología - Estudio bíblico
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Nach einer Notiz bei Eusebius flüchtete die Urgemeinde mit dem Ausbruch des jüdischen Krieges im Jahre 66 nach Pella. Auch wenn es sich dabei höchstwahrscheinlich um eine Legende handelt, hatte die jüdische Niederlage in diesem Krieg gravierende Folgen, nicht nur für die Urgemeinde, sondern auch für das Judenchristentum an sich. So traf die restriktive Judenpolitik der Flavier auch die judenchristlichen Gemeinden, was längerfristig zu einem Achtungs- und Einflussverlust der Judenchristen führte. Diesem Phänomen entgegenzuwirken, war eine zentrale Absicht des Epheserbriefes. Doch die Vertreibung der Jerusalemer Gemeinde nach der Niederschlagung des Bar-Kochba Aufstandes unter Hadrian im Jahre 135 n. Chr. deutete den endgültigen Niedergang des Judenchristentums schon an. Mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion 380 n. Chr. wurde die Trennung von Judentum und Christentum sowie das Ende judenchristlicher Einflüsse auf das Christentum besiegelt.

Hat der Epheserbrief, als Schreiben, welches die Einheit aus Juden- und Heidenchristentum propagiert, mit dem Verschwinden des Judenchristentums demnach so sehr an Aktualität eingebüßt, dass eine Beschäftigung mit ihm, insbesondere mit der zentralen Perikope Eph 2,11-22, obsolet geworden ist? Muss nicht eingestanden werden, dass die Konzeption der Kirche als Gegenentwurf zum Imperium Romanum nicht mehr zeitgemäß ist?

Ziel dieser Arbeit ist es schließlich, die Kirchenvision des Autors zu rekonstruieren und dabei aufzudecken, von welchen Leitlinien aus jüdischer Tradition, christlichem Selbstverständnis und aktuellen politischen Bezügen er sich dabei führen ließ. Diesbezüglich soll nach einer kurzen Klärung der Einleitungsfragen der Blick auf die gegenseitige Wahrnehmung von Juden und Heiden im Imperium Romanum geworfen werden. Dieser Schritt ist nötig, da nur auf diese Weise nachzuvollziehen ist, welche Sprengkraft das Kirchenverständnis des Epheserbriefes birgt. Den Hauptteil dieser Arbeit bildet eine ausführliche Exegese von Eph 2,11-22, der zentralen Stelle des Epheserbriefes.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Einleitungsfragen

1. Gattungsfrage

2. Verfasserfrage

3. Abfassungszeit und –ort

4. Das Adressenproblem

5. Anlass und Zweck

II. Das Gegenüber von Juden und Heiden im Imperium Romanum

1. Die Hellenisierung des Judentums

2. Die „Unbeschnittenheit“ – jüdische Sicht auf ihre heidnische Umwelt

3. Die jüdische Sonderstellung im Imperium Romanum

4. Die Etablierung des Christentums – von der innerjüdischen Erneuerungsbewegung zur hellenistischen Kultbewegung

III. Die Kirchenkonzeption in Eph 2,11-22

1. Kontext- und Strukturanalyse

2. Motivanalyse

A. τῆς πολιτείας τοῦ Ἰσραήλ

B. Μακράν καὶ ἐγγύς

C. Καινὸν ἄνθρωπον

D. Εἰρήνη

3. Exegese

A. Vers 11 – 13: Einst und jetzt – fern und nahe

B. Vers 14 – 18: Christus der Friedensbringer

C. Vers 19 – 22: Miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geiste

4. Parallelstellen

A. Das Ende des Gesetzes

B. Das Ende des Unterschieds

IV. Die Kirche im Epheserbrief – ein Gegenentwurf zum Imperium Romanum

1. Der Leib des Imperiums

2. Pax Christi und Pax Gentium

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die Kirchenvision des Epheserbriefes, indem sie die theologischen Leitlinien aus jüdischer Tradition und christlichem Selbstverständnis im Kontext des Imperium Romanum analysiert. Das primäre Ziel ist die Untersuchung der Perikope Eph 2,11-22, um aufzuzeigen, wie der Autor die Kirche als universale Einheit aus ehemaligen Juden und Heiden konzipiert und diese als theologischen Gegenentwurf zum römischen Herrschaftsanspruch positioniert.

  • Die Entstehung und der historische Hintergrund des Epheserbriefes im postpaulinischen Kontext.
  • Die Analyse der sozialen und religiösen Spannungen zwischen Juden und Heiden im Imperium Romanum.
  • Eine detaillierte Exegese von Eph 2,11-22 als zentralem theologischen Textblock.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Vorstellung von Kirche als „Leib“ im Vergleich zur römischen Idee des corpus rei publica.
  • Die Friedensbotschaft Christi als Gegenentwurf zur kaiserlichen Pax Gentium.

Auszug aus dem Buch

III. Die Kirchenkonzeption in Eph 2,11-22

Der Aufbau des Epheserbriefs orientiert sich sehr stark am Vorbild der Paulusbriefe sowie am Kolosserbrief. So orientiert sich die Zweiteilung des Briefkorpus in Narratio (Eph 2,1-3,21) und Exhortatio (Eph 4,1-6,9) deutlich an Römerbrief, 1. Thessalonicherbrief und Kolosserbrief. Eine klassische Einleitung in den Briefkorpus, wie sie für paulinische Briefe typisch ist, findet sich weder in 2,1 noch in 2,11. Doch das Gebet in 3,14-21, welches als Abschluss der Narratio und Hinführung zur Exhortatio dient und als dreifache Bitte um eine Vertiefung der Glaubenserkenntnis der Adressaten formuliert ist, stellt einen Rückverweis auf die dreifache Fürbitte in 1,15-23 dar, welche das Exordium abschließt und bereits auf die Narratio hinausweist. Auch dieses Exordium, bestehend aus Präskript, Eulogie und Proömium sowie die als Briefschluss fungierende Peroratio haben ihr Vorbild erneut in den paulinischen Briefen.

Obwohl die Parallelität von Eph 2,11-22 mit Eph 2,1-10 augenfällig ist, so ist es doch deutlich, dass mit V.11 ein neuer Abschnitt beginnt – der „theologische Hauptteil“ des Epheserbriefes. Denn erst mit den V.11 und V.13 kommt das ποτὲ … νῦν Schema, das bereits in V.2 angeklungen war, voll zur Entfaltung. Dieses Schema ist das maßgebliche Strukturelement, das der Dualität dieses Abschnitts Ausdruck verleiht. Auch die veränderte Semantik – die Adressaten werden nun ausdrücklich als Heiden in der 2. Pers. Pl. angesprochen und der Gemeinde Israels gegenübergestellt – ist Ausdruck des Neuansatzes, der mit V.11 beginnt. Obwohl der Modus der Anrede dadurch beibehalten wird, greift nun offenkundiger eine theologische Argumentation, die den Blick auf Christus den Friedensstifter (V.14-18), der den neuen Menschen schafft (V.15) und die zum heiligen Tempel des Herrn wachsende Kirche (V.20-22) richtet.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Niedergang des Judenchristentums und verortet den Epheserbrief als theologisches Dokument, das trotz seiner Entstehung in der postpaulinischen Zeit Relevanz für ökumenische und interreligiöse Diskurse behält.

I. Einleitungsfragen: Dieses Kapitel behandelt die Gattungsfrage, die Verfasserfrage, sowie Abfassungszeit, Adressaten und den Zweck des Epheserbriefes, wobei die Pseudepigraphie und die Rolle der „Paulusschule“ im Vordergrund stehen.

II. Das Gegenüber von Juden und Heiden im Imperium Romanum: Hier wird der historische Kontext der Diasporajuden und die soziopolitische Spannungssituation zwischen Juden und Heiden unter römischer Herrschaft analysiert.

III. Die Kirchenkonzeption in Eph 2,11-22: Der Hauptteil der Arbeit bietet eine umfassende Analyse der zentralen Perikope, unterteilt in Struktur-, Motiv- und Exegese-Abschnitte, inklusive eines Vergleichs mit relevanten Parallelstellen.

IV. Die Kirche im Epheserbrief – ein Gegenentwurf zum Imperium Romanum: Das Kapitel vergleicht die ekklesiologischen Begriffe des Briefes, wie Leib Christi und Frieden, mit römischen Konzepten wie corpus rei publica und Pax Gentium.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Epheserbrief die Kirche als metaphysische und universale Größe entwirft, die als Ersatz für den zerstörten Jerusalemer Tempel fungiert und den römischen Machtanspruch religiös unterwandert.

Schlüsselwörter

Epheserbrief, Judenchristentum, Heidenchristentum, Ekklesiologie, Imperium Romanum, Einheit, Christus, Friedensstifter, Pseudepigraphie, Tora, Versöhnung, Leib Christi, Tempel, Diaspora, Pax Gentium.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Kirchenkonzeption des Epheserbriefes, insbesondere wie dieser Text die Einheit von Juden und Heiden als göttlich gewollte neue Gemeinschaft darstellt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die historische Einordnung des Schreibens, das Spannungsfeld zwischen Judentum und Heidentum im ersten Jahrhundert sowie das ekklesiologische Verständnis des Autors.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Kirchenvision des Epheserbriefes zu rekonstruieren und zu prüfen, inwieweit die dort entworfene Vorstellung von Kirche als bewusster Gegenentwurf zum römischen Imperium zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Exegese der Perikope Eph 2,11-22 angewandt, kombiniert mit einer motivgeschichtlichen Analyse und einer vergleichenden Untersuchung politisch-sozialer Metaphorik der Antike.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auslegung von Eph 2,11-22, eine Untersuchung der jüdisch-heidnischen Beziehungen im Imperium sowie eine Analyse der politischen Metaphorik, die Christus als Haupt und Friedensstifter den römischen Herrschaftsstrukturen gegenüberstellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Ekklesiologie, Universalität, Frieden (Pax Christi), die Aufhebung der Tora-Trennwand sowie die Metaphern von Leib und Tempel.

Wie bewertet der Autor die Bedeutung der Tora im Epheserbrief?

Der Verfasser des Epheserbriefes betrachtet das Gesetz als eine Trennmauer zwischen Juden und Heiden, die durch das Wirken Christi „vernichtet“ wurde, um eine übergeordnete Einheit zu ermöglichen.

Inwiefern stellt die Kirche im Epheserbrief ein Gegenmodell zum Römischen Reich dar?

Der Epheserbrief nutzt Begriffe, die an kaiserliche Lobschriften erinnern (z.B. Friedensbringer), überträgt diese jedoch auf Christus. Damit wird die Kirche als eine universale, metaphysische Gemeinschaft definiert, die nicht auf staatlicher Gewalt, sondern auf der Versöhnung in Christus gründet.

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Detalles

Título
Die Kirchenkonzeption im Epheserbrief
Subtítulo
Eph 2, 11-22 als Plädoyer für eine Einheit aus Juden und Heiden
Universidad
University of Heidelberg
Calificación
2,0
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
57
No. de catálogo
V428866
ISBN (Ebook)
9783668743489
ISBN (Libro)
9783668743496
Idioma
Alemán
Etiqueta
kirchenkonzeption epheserbrief plädoyer einheit juden heiden
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2015, Die Kirchenkonzeption im Epheserbrief, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428866
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