Einheit oder Dreiheit der katholischen Kirche. Schisma und Unionsverhandlungen im Kontext des Konzils von Basel (1431-1449)


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Die Vorgeschichte der Unionsverhandlungen – das Morgenländische Schisma von 1054 und das II. Konzil von Lyon

3. Kaiser Sigismund und das Basler Konzil
3.1. Abwendung eines erneuten innerlateinischen Schismas
3.2. Erwartungen an den Kaiser – die Begrüßungsansprache Isidors von Kiev

4. Unionsverhandlungen zwischen okzidentaler und orientaler Kirche
4.1. Verhandlungen durch den Päpstlichen Legaten Garatoni in Konstantinopel
4.2. Die griechische Gesandtschaft in Basel – das Dekret „sicut pia mater“
4.3. Der Weg zum lateinischen Schisma – die endgültige Entscheidung über den Konzilsort in Konstantinopel

5. Das lateinische Schisma von 1437 – Konkurrenzkampf zwischen dem Konzil von Basel und Ferrara/Florenz

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Literatur

1 Einleitung

„Der Osten lächelt über den Wahnsinn der Lateiner, die,1 mit sich selbst uneins, andere mit sich vereinigen wollten.“[2] Mit dieser Einordnung trifft Aeneas Silvius, der spätere Papst Pius II. die Lage der Westkirche in den Jahren um das Basler Konzil sehr genau.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, eben diesen Prozess der „Vereinigung“ der beiden Kirchen abzubilden. Vor dem Hintergrund der Uneinigkeit zwischen Konzil und Papst, die in den Konflikten um 1432 und 1439 ihren Höhepunkt fanden, soll dargelegt werden, wie diese Konkurrenzsituation die Unionsverhandlung voranbrachte oder verzögerte. Um das Existieren der zwei Kirchen besser verstehen zu können, beginnt die Arbeit mit einer Darstellung des Schismas von 1054, sowie einem kurzen Überblick über das zweite Konzil von Lyon 1274. Besondere Beachtung soll hier die Frage finden, welche Ereignisse 1054 zum Schisma führten und ob der Bruch tatsächlich in besagtem Jahr stattfand.

Im weiteren Verlauf wird dargestellt, welche Rolle Kaiser Sigismund im „Krisenjahr“ 1432 für das Fortbestehen des Basler Konzils, in der Auseinandersetzung mit Eugen IV., gespielt hat und welche Erwartungen in Bezug auf die Kirchenunion in ihn gesetzt wurden. Hierzu soll die Rede eines griechischen Gesandten unter diesem Aspekt untersucht werden.

Darauf folgend werden die Verhandlungen zwischen Ost- und Westkirche untersucht. Die Tatsache, dass die Griechen mit den Baslern und der Kurie zwei Verhandlungspartner hatten, wird in der Betrachtung besondere Bedeutung finden. Es soll dargelegt werden wie diese „Dreierkonstellation“ die Verhandlungen der jeweiligen Seite veränderte und wie sich die Forderungen der Basler mit dem Voranschreiten der Vorbereitungen veränderten.

In einem weiteren Punkt soll schließlich das Auseinanderbrechen des Basler Konzils bewertet werden, bevor die Arbeit mit einem Fazit abgeschlossen wird indem die Frage geklärt werden soll ob nun eine Einheit der Kirche hergestellt wurde.

2. Die Vorgeschichte der Unionsverhandlungen – das Morgenländische Schisma von 1054 und das II. Konzil von Lyon 1274

Um die Verhandlungen zwischen der Ost- und der Westkirche besser nachvollziehen zu können, soll im Folgenden ein kurzer Überblick darüber gegeben werden, wie es zur Spaltung der Kirchen kam und was, am Beispiel des II. Konzils von Lyon, in den knapp 400 Jahren unternommen wurde, um das Schisma zu beseitigen.

Die Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel, Michael I. Kerularios, im Jahr 1054 gilt in der modernen Forschung nicht mehr als das Datum für den endgültigen Bruch zwischen Rom und Konstantinopel.[3] Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich beim Morgenländischen Schisma „um einen schrittweise vollziehenden, langgestreckten Prozeß handelt.“[4]

Einig ist sich die Forschung darüber, dass in der fortschreitenden kulturellen sowie geistigen Entfremdung die Hauptgründe für das Zustandekommen des Schismas liegen. Zum einen sprach man nicht die selbe Sprache und die Griechen sahen Latein als barbarisch an und ungeeignet für die Lösung theologischer Probleme. Zum anderen lag ein unterschiedliches Kirchenverständnis vor, mit dem Primat des Papstes im Westen und den Patriarchen im Osten.[5]

Der Dominikaner Humbert de Romanis, der auch am II. Konzil von Lyon teilnahm, sieht den Grund für das Schisma im entstehen des fränkisch-deutschen Kaisertums unter Karl dem Großen. Er war der Meinung, dass die byzantinischen Herrscher im Entstehen eines zweiten römischen Kaisertums einen Verrat an der Idee des Imperium Romanum sahen.[6]

Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Unionskonzils von Lyon hatte Papst Gregor X. (1271-1276), der ein ausgesprochener Unionsfreund war, zum einen aus seiner „innersten Überzeugung“[7] heraus, zum anderen, da er einen gemeinsamen Kreuzzug im Sinn hatte.[8]

Am 29. Juni 1274, nur fünf Tage nachdem die griechische Gesandtschaft auf dem Konzil von Lyon eingetroffen war, schien eine dauerhafte Überwindung des Schismas möglich. Denn in einem gemeinsam, in zwei Sprachen, gefeierten Gottesdienst wurde das Glaubensbekenntnis auch von den Griechen mit dem Zusatz des filioque[9] gesungen. Außerdem bekannte sich die Gesandtschaft aus Konstantinopel im Namen ihres Kaisers Michael VIII. Palaiologos zum Primat des Papstes.[10] Somit schienen die dogmatischen Hauptstreitpunkte aus dem Weg geräumt.

Der Grund für das Auseinanderbrechen der Union lag in den militärischen Interessen Karls I. von Anjou, dem König Neapels, der zusammen mit Venedig Byzanz zurückerobern wollte. Die Einflussnahme Karls auf Martin IV., der seit 1281 den Stuhl Petri innehatte, führte schließlich zur Exkommunikation des griechischen Kaisers am 18. November 1281.[11] Somit hielt die erste Union seit dem Schisma nur für etwas mehr als sieben Jahre.

3. Kaiser Sigismund und das Basler Konzil

In den folgenden zwei Abschnitten soll erläutert werden, welche Rolle Sigismund in der Auseinandersetzung zwischen Papst Eugen IV. (1431-1447) und den Basler Konzilsvätern gespielt hat. Außerdem soll überprüft werden, in wieweit Sigismund die Erwartungen erfüllen konnte, die Isidor von Kiev an ihn stellte, als es um das Zustandekommen eines Unionskonzils ging.

3.1. Abwendung eines erneuten innerlateinischen Schismas

Als Eugen IV. am 12. November 1431 auf Konfrontationskurs gegenüber dem Basler Konzil ging und es durch die Bulle „Quoniam alto“ für aufgelöst erklärte, lag es vor allem an Sigismund und dessen Verhandlungen, dass es nicht zum endgültigen Bruch zwischen Papst und Konzil kam.[12] Es gelang Sigismund mehrmals ein Ultimatum des Konzils an Eugen aufzuschieben, bis er schließlich im Mai 1433 von Eugen in Rom zum Kaiser gekrönt wurde und im Oktober auf dem Konzil in Basel eintraf. Dem gemeinsamen Druck von Konzil und Sigismund musste sich Eugen schließlich beugen. In der Bulle „Dudum sacrum“ vom 15. Dezember 1433 schenkte Eugen dem Konzil seine Anerkennung. Und so konnte in Basel am 5. Februar 1434 ein päpstlicher Erlass verlesen werden, der das Konzil anerkannte und das Auflösungsdekret zurücknahm. Ein erneutes Schisma war somit abgewendet.

3.2. Erwartungen an den Kaiser – die Begrüßungsansprache Isidors von Kiev 1434

„Denn mehr als alle anderen drängst Du darauf und kämpfst offen dafür, daß die großen, den ganzen Erdkreis umfassenden Teile der Kirche wieder vereinigt werden.“[13] Diese Lobpreisung Sigismunds durch Isidor von Kiev ist mehr als nur übertrieben. Denn als das Basler Konzil 1431 einberufen wurde, war die Union mit den Griechen für Sigismund eine fernstehende Angelegenheit – ähnlich wie für das Basler Konzil.[14] Auch während seines Romzuges unternahm Sigismund keine Versuche um mit Konstantinopel über die Abhaltung eines Unionskonzils zu verhandeln. Das Hussitenproblem, die Konkurrenz zwischen Eugen und dem Konzil sowie sein Romzug nahmen ihn so sehr in Anspruch, dass er auf Verhandlungen mit Konstantinopel verzichtete. Auch nach seiner Kaiserkrönung, als er am 11. Oktober 1433 in Basel eintraf beschäftigte ihn zunächst nur die Hussitenpolitik, sowie die Abwendung eines erneuten innerlateinischen Schismas.[15] Auch die Tatsache, dass Sigismund noch im Juni 1434 – wenige Tage nach der Rede Isidors – das Basler Konzil verließ, um seine Thronansprüche in Böhmen durchzusetzen, macht deutlich, dass Sigismund nicht so viel Energie in die Verwirklichung einer Union setzte, wie es die griechische Gesandtschaft gern gesehen hätte.

Auch die Prognose, dass „sich bereits mit Gottes Hilfe eine Heilung und Einigung“[16] abzeichnen würde war für das Jahr 1434 reichlich verfrüht. Doch vor allem die Vorstellung Isidors Sigismund hätte das Basler Konzil vor allem „wegen dieses göttlichen Werkes (der Kirchenunion) einberufen“[17] entspricht nicht der Realität: Zum einen wurde das Basler Konzil nicht von Sigismund, sondern von Papst Martin V. einberufen. Zum anderen war die Union anfangs, wie bereits gesagt, kein Thema auf dem Basler Konzil.

Abschließend kann festgestellt werden, dass sowohl die Lobpreisungen an Kaiser Sigismund, als auch die Ausblicke in die nahe Zukunft in der Begrüßungsansprache Isidors nicht der Realität entsprechen, sondern eher Ausdruck der Wünsche Isidors an Sigismund sind. Lediglich zu Beginn seiner Ansprache beschreibt Isidor die Wirklichkeit: „dann aber traten echter Haß, Zwietracht und Streit auf – […] – und summierten sich nach und nach bis hin zum völligen Schisma.“[18]

4. Unionsverhandlungen zwischen okzidentaler und orientaler Kirche

An dieser Stelle soll untersucht werden auf welche Weise die Verhandlungen zwischen Ost- und Westkirche das Zustandekommen des Unionskonzils beeinflussten. Ein besonderes Augenmerk soll darauf gelegt werden, wie es sich auswirkte, dass Konstantinopel in den Basler Konzilsvätern und dem Papst zwei separate Verhandlungspartner hatte, die ihre Angebote und Zugeständnisse an die Ostkirche auch für die Stärkung ihrer Position innerhalb der Westkirche nutzten und abhängig machten.

4.1. Verhandlungen durch den Päpstlichen Legaten Garatoni in Konstantinopel

Das Schweigen zwischen Ost- und Westkirche endete, als eine griechische Gesandtschaft im August 1432 im Namen des griechischen Kaisers und des Patriarchen von Konstantinopel offiziell Kontakt mit Eugen IV. aufnahm. Als Folge dieser Kontaktaufnahme entsandte Eugen im Spätsommer 1433 Christoph Garatoni mit der Mission nach Konstantinopel über den Ort und das Datum eines Unionskonzils zu verhandeln.[19]

Da der griechische Kaiser am 15. Oktober 1433 in Briefen bekanntgab auch mit Basel über ein Unionskonzil zu verhandeln, gestand Garatoni bei Verhandlungen den Griechen zu das Unionskonzil in Konstantinopel, unter Vorsitz eines päpstlichen Legaten, abzuhalten.[20] Erst als die Verhandlungen zwischen Basel und Konstantinopel zunehmend ernster wurden und das Dekret „Sicut pia mater“ beschlossen wurde, gestand Garatoni dem Patriarchen Joseph II. den Vorsitz auf einem Konzil in Konstantinopel zu. Auch wenn die Hauptintention Garatonis sicherlich darin lag, die Konzilsväter in Basel unter Zugzwang zu setzten, so hatte die Entscheidung das Konzil nicht in Italien abzuhalten noch einen anderen Grund: Zu dieser Zeit war es der Kurie in Rom schlicht nicht möglich ein Unionskonzil, welches in Italien stattfinden sollte, zu finanzieren.[21] Welche Umstände letztendlich verhinderten, dass das Konzil in Konstantinopel abgehalten wurde, soll in den folgenden Abschnitten dargelegt werden.

[...]


[1] Katholisch ist hier im Sinne des griechischen kaqoliko,j gebraucht und bezeichnet somit nicht die römisch-katholische Konfession.

[2] Zitiert nach: August Leidel: Die Einheit der Kirchen auf den spätmittelalterlichen Konzilien. Von Konstanz bis Florenz. Paderborn. 1966. S. 46.

[3] Axel Bayer: Spaltung der Christenheit. Das sogenannte Morgenländische Schisma von 1054. Köln/Weimar/Wien. 2002. S. 2.

[4] Ebd. S. 3.

[5] Ebd. S. 16f.

[6] Burkhard Roberg: Die Union zwischen der griechischen und lateinischen Kirche auf dem II. Konzil von Lyon (1274). Bonn. 1964. S. 89.

[7] Ebd. S. 81.

[8] Ebd.

[9] „Vek patro.j ui`ou/ te evkporeuo,menon“ (griechische Version des „qui ex patre filioque procedit“).

[10] Roberg: Union. S. 137-139.

[11] Ebd. S. 215f.

[12] Jörg Konrad Hoensch: Kaiser Sigismund. Ein Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. München. 1996. S. 377f.

[13] Herbert Hunger und Herbert Wurm: Isidors von Kiev, Begrüßungsansprache an Kaiser Sigismund (Ulm, 24. Juni 1434). in: Römische Historische Mitteilungen. Bd. 38. Wien. 1996. S. 163.

[14] Leidel: Einheit der Kirchen. S. 35.

[15] Hans-Joachim Schmidt: Sigismund und das Konzil von Basel. In: Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa. Tagungsband des internationalen historischen und kunsthistorischen Kongresses in Luxemburg, 8.-10. Juni 2005. Hrsg. von Michel Pauly und François Reinert. Mainz. 2006. S. 139.

[16] Hunger/Wurm: Begrüßungsansprache. S. 172f.

[17] Ebd. S. 173.

[18] Hunger/Wurm: Begrüßungsansprache. S. 172.

[19] Leidel: Einheit der Kirchen. S. 38.

[20] Leidel: Einheit der Kirchen. S. 38f.

[21] Ebd. S. 62.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Einheit oder Dreiheit der katholischen Kirche. Schisma und Unionsverhandlungen im Kontext des Konzils von Basel (1431-1449)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V428867
ISBN (eBook)
9783668745476
ISBN (Buch)
9783668745483
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einheit, dreiheit, kirche, schisma, unionsverhandlungen, kontext, konzils, basel
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Einheit oder Dreiheit der katholischen Kirche. Schisma und Unionsverhandlungen im Kontext des Konzils von Basel (1431-1449), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428867

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Einheit oder Dreiheit der katholischen Kirche. Schisma und Unionsverhandlungen im Kontext des Konzils von Basel (1431-1449)


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden