Im Rahmen dieses Teilleistungsnachweises wurden drei Mittelschüler einer Tertia (10. Schuljahr) der NMS Bern befragt. Die drei Schüler, welche ich bereits durch eine Stellvertretung kennengelernt habe, waren sofort zu einem Interview bereit.
Über die Antwort in Bezug auf die besonders beliebten und weniger beliebten Inhalte des Sportunterrichts sind sich die drei Schüler der NMS Bern relativ rasch einig: Abwechslung im Sportunterricht muss sein. Erwünscht wird eine Balance zwischen freiem Spiel und zielgerichtetem Üben. Eine bestimmte Sportart, die zumindest Schüler B und C gar nicht mögen, ist Fussball. Schüler A hingegen erwähnt, dass er besonders komplexe Inhalte, welche das Leistungsgefälle innerhalb der Klasse vergrössern, als problematisch erachtet. Als Beispiel werden dabei Spielsportarten wie Volleyball genannt.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden an dieser Stelle zwei zentrale Aspekte aus der Sichtweise der drei Mittelschüler (Kapitel 1) unter fachdidaktischem Theoriebezug differenziert analysiert und diskutiert. Es handelt sich dabei einerseits um Inhalt und Methodik im Sportunterricht, andererseits um die Evaluation. An dieser Stelle gilt es anzumerken, dass es sich bei den Äusserungen der befragten Schüler um individuelle Meinungsäusserungen handelt, welche nur bedingt generalisierbar sind. Allerdings waren sich die drei Schüler in vielen Themen einig, womit eine gewisse Tendenz ersichtlich wird. Dies lässt sich sicherlich partiell in Zusammenhang mit dem Setting bringen. In einem Gruppeninterview mit vier Personen werden Einstellungen und Äusserungen immer zu einem gewissen Grade durch die anderen Teilnehmer beeinflusst. Deshalb ist es durchaus möglich, dass man in Einzelinterviews andere Antworten erhalten hätte.
Inhaltsverzeichnis
1 Sichtweise der Schüler
2 Analyse
3 Didaktische Konsequenzen
4 Kompetenznachweis mit Bezug zum Orientierungsrahmen der PH Bern
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Perspektiven von Mittelschülern auf den Sportunterricht, um daraus fachdidaktische Ableitungen für eine kompetenzorientierte Unterrichtsgestaltung zu gewinnen. Im Zentrum steht die Frage, wie die Balance zwischen freiem Spiel und zielgerichtetem Üben sowie die Gestaltung von Evaluationsprozessen aus Sicht der Lernenden wahrgenommen werden.
- Wahrnehmung von Unterrichtsinhalten und Sportarten
- Bedeutung von Mitbestimmung und Mitgestaltung
- Evaluation und Bezugsnormen im Sportunterricht
- Verknüpfung von Fachdidaktik und schulpraktischer Anwendung
- Weiterentwicklung der eigenen Lehrkompetenz
Auszug aus dem Buch
2.1 Inhalt und Methodik
Die Aussagen der Mittelschüler zu besonders beliebten Inhalten im Sportunterricht stellen ein einheitliches Bild dar. Die drei jungen Männer sind sich darin einig, dass Abwechslung im Sportunterricht ein Muss ist. Dabei erwähnen sie allesamt unterschiedliche konkrete Sportarten und Disziplinen, womit es ratsam erscheint, dass sich die Lehrperson bei der Bestimmung von Inhalten nur bedingt von den Lernenden beeinflussen lassen sollte. Auch bei der Frage zu traditionellen oder neuen, modernen Inhalten zeichnet sich eine Tendenz zur gesunden Balance ab. Es ist also durchaus sinnvoll, Trendsportarten in den Sportunterricht einzubringen, um Interesse und Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern.
An dieser Stelle gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass die Lehrperson schlussendlich an den Lehrplan gebunden ist, was ein Schüler während des Interviews ebenfalls explizit erwähnt. So scheint die Lehrperson inhaltlichen Wünschen nur wenig entgegenkommen zu können. Nichtsdestotrotz würden die befragten Schüler ein gewisses Mitgestaltungsrecht sehr begrüßen. Sie wünschten, gewisse Unterrichtsinhalte, in Abgleich mit den groben Vorgaben der Lehrperson, mitgestalten und selbst erarbeiten zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Sichtweise der Schüler: Die befragten Mittelschüler äußern ihre Präferenzen hinsichtlich Unterrichtsinhalten, Mitbestimmung, Evaluationsmethoden und der Beziehung zur Lehrperson.
2 Analyse: Die Schüleraussagen werden fachdidaktisch reflektiert, wobei Themen wie der Balanceakt zwischen Spiel und gezieltem Üben sowie die psychologische Wirkung der Bezugsnormorientierung im Vordergrund stehen.
3 Didaktische Konsequenzen: Auf Basis der Analyse werden Handlungsempfehlungen für einen heterogenitätssensiblen und motivierenden Sportunterricht abgeleitet.
4 Kompetenznachweis mit Bezug zum Orientierungsrahmen der PH Bern: Das eigene professionelle Handeln als Lehrperson wird kritisch hinterfragt und mit den Handlungsfeldern des Orientierungsrahmens in Verbindung gebracht.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Mittelschüler, Kompetenzorientierung, Evaluation, Bezugsnorm, Mitbestimmung, Fachdidaktik, Unterrichtsplanung, Lehrperson, Motivation, Spiel, Üben, Schülersicht, Reflexion, Selbstbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Schüleraussagen zum Sportunterricht, um daraus Erkenntnisse für eine professionelle und schülerzentrierte Unterrichtsgestaltung abzuleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Gestaltung von Sportunterrichtsinhalten, der Umgang mit Schülermitbestimmung, die Anwendung verschiedener Bezugsnormen bei der Notengebung und die professionelle Identität der Lehrperson.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Erhebung der Schülerperspektive die eigene Unterrichtspraxis zu reflektieren und fachdidaktisch fundierte Konsequenzen für das zukünftige Lehrerhandeln zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Experteninterview in Form eines Gruppeninterviews mit drei Mittelschülern durchgeführt, welches anschließend theoriegeleitet analysiert wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Schülermeinungen mit sportpädagogischen Theorien (z. B. TGfU-Modell, Bezugsnormen nach Dysthe) verknüpft und in das Kompetenzmodell der PH Bern eingeordnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sportunterricht, Kompetenzorientierung, Evaluation, Bezugsnorm, Mitbestimmung und professionelle Reflexion.
Warum spielt die Unterscheidung von Bezugsnormen eine Rolle?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Schüler die soziale Bezugsnorm bei der Leistungsbewertung oft als unfair empfinden, während eine Mischung aus individueller und idealer Bezugsnorm die Motivation fördern kann.
Wie bewerten die Schüler die Lehrperson?
Die Schüler betonen, dass eine positive persönliche Beziehung zur Lehrperson sowie deren Erklärungs- und Demonstrationskompetenz wesentliche Faktoren für einen erfolgreichen Sportunterricht sind.
Welche Rolle spielt das TGfU-Modell in der Arbeit?
Das Modell wird als strukturgebendes Konzept diskutiert, um analytische Übungssequenzen mit dem Wunsch der Schüler nach freiem Spiel und Sinnhaftigkeit zu verbinden.
Welchen Bezug hat die Arbeit zum Orientierungsrahmen der PH Bern?
Die Arbeit dient als Kompetenznachweis, bei dem die Autorin oder der Autor die eigene Unterrichtsplanung, Durchführung und Beratungskompetenz anhand des Orientierungsrahmens selbst evaluiert.
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- Milo Häfliger (Autor), 2018, Didaktische Konsequenzen aus der Meinung von Schülern zum Sportunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428869