Das Ziel dieser aktuellen Studie war es, ein Messinstrument zu entwickeln, welches die motivationalen Orientierungen beim Lesen und Schreiben von Schülerinnen und Schülern erfasst. Ein besonderes Augenmerk war darauf gerichtet, die Faktorenstruktur, Reliabilitäten und die Höhe der Skalenwerte herauszuarbeiten. Dazu wurde ein Fragebogen entworfen, der stark an den für den US-amerikanischen Raum entwickelten Fragebogen von Hamilton, Nolen und Abbott (2013) angelehnt ist. Die theoretische Grundlage bildeten im weiteren Sinne das Erwartungs-Wert-Modell aus dem Jahr 1983 nach Eccles, Adler, Futterman, Goff, Kaczala, Meece und Midgley, sowie die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan (1985) und im engeren Sinne die Achievement Goal Theory nach Elliot und McGregor (2001). Durchgeführt wurde eine Querschnittstudie in zwei fünften und zwei sechsten Klassen in einer bayerischen Mittelschule. Eine explorative Faktorenanalyse brachte für die motivationalen Orientierungen zum einen beim Lesen ein aus 14 Items bestehendes und zum anderen beim Schreiben ein aus 15 Items bestehendes drei-faktorielles Faktorenmodell hervor. Diese drei Faktoren setzten sich zusammen aus der Lernziel-Orientierung, Arbeitsvermeidung und dem Vermeidungs-Leistungsziel. Im Vergleich zu der Original-Studie zeigten sich abgesehen von der Arbeitsvermeidung keine Auffälligkeiten. Bei dieser stellte sich heraus, dass die deutschen Kinder mehr dazu neigten als die Kinder der amerikanischen Studie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bedeutung und Erfassung motivationaler Orientierungen
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Überblick über Motivations-Konstrukte
2.1.1 Das Erwartungs-Wert-Modell der Leistungsmotivation von Eccles, Adler, Futterman, Goff, Kaczala, Meece und Midgley (1983)
2.1.2 Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan (1985)
2.2 Motivationale Orientierungen
2.2.1 Die Achievement Goal Theory nach Elliot und McGregor
2.2.2 Lern- und Leistungszielorientierung nach Dweck (1978)
2.2.3 Aufgaben- und Ich-Orientierung nach Nicholls (1984)
2.3 Entwicklung motivationaler Orientierungen im Laufe der Schulzeit
2.3.1 Studie zu Zielorientierungen von Köller, Baumert und Rost (1998)
2.3.2 Studie zur Entwicklung der Zielorientierungen im Fach Mathematik von der 3. Bis 5. Jahrgangsstufe von Schwinger und Wild (2006)
2.4 Messen motivationaler Orientierungen
2.4.1 SELLMO von Spinath, Stiensmeier-Pelster, Schöne und Dickhäuser (2002)
2.4.2 Developing measures of motivational orientation to read and write von Hamilton, Nolen und Abbott (2013)
3. Zielsetzung und Fragestellung
3.1 Zielsetzung der Arbeit
3.2 Formulierung der Forschungsfragen
4. Methode
4.1 Design der Studie und Beschreibung der Stichprobe
4.2 Eingesetztes Erhebungsinstrument Fragebogen
4.2.1 Entwicklung
4.2.2 Struktur
4.3 Ablauf der Befragung
5. Ergebnisse
5.1 Vorgehen bei der Auswertung
5.1.1 Vorgehen bei einer exploratorischen Faktorenanalyse in SPSS
5.1.2 Exploratorische Faktorenanalyse für die motivationalen Orientierungen beim Lesen und Schreiben
5.2 Ergebnisse und Faktorenstruktur
5.2.1 Ergebnis für die erste Fragestellung: die Faktorenstruktur
5.2.2 Ergebnis für die zweite Fragestellung: die Reliabilitäten
5.2.3 Ergebnis für die dritte Fragestellung: Die Ausprägung der Skalenwerte
6. Diskussion
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Gegenüberstellung des entwickelten Fragebogens mit dem Original-Fragebogen
6.3 Praxisrelevanz
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit war die Entwicklung und Pilotierung eines deutschsprachigen Messinstruments zur Erfassung motivationaler Orientierungen beim Lesen und Schreiben für Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe, basierend auf dem US-amerikanischen Fragebogen von Hamilton et al. (2013).
- Theoretische Fundierung durch Erwartungs-Wert-Modelle und Zielorientierungstheorien.
- Explorative Analyse der Faktorenstruktur von Motivationskonstrukten beim Lesen und Schreiben.
- Überprüfung der Reliabilität (interne Konsistenz) der entwickelten Subskalen.
- Vergleich der Ergebnisse mit der amerikanischen Originalstudie zur Einschätzung von Kultur- oder Altersunterschieden.
- Diskussion der pädagogischen Praxisrelevanz zur Förderung individueller Lernorientierungen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Bedeutung und Erfassung motivationaler Orientierungen
Heutzutage hat Lesen und Schreiben eine ganz andere Bedeutung als noch vor einigen Jahren. Damals war Lesen und Schreiben für Menschen ein Luxus und es konnten sich nur wenige leisten. Deshalb konnten die Wenigsten lesen und schreiben. Ganz im Gegenteil zu heute. Heutzutage wird Schreiben und vor allem Lesen als Freizeitbeschäftigung angesehen. Schon im ersten Schuljahr werden diese zwei Grundfertigkeiten den Kindern übermittelt. Doch warum lernen die Kinder Lesen und Schreiben? Aus eigenem Antrieb, weil sie es können möchten, oder etwa doch nur weil es von ihnen erwartet wird?
Mit dieser Frage beschäftigten sich viele Forschungen in den letzten Jahren, da motivationale Variablen – neben kognitiven Variablen wie Intelligenz und Vorwissen – zu den wichtigsten Determinanten von Schulleistung gehören (Helmke, 1992; Schrader & Helmke, 2001). Nicht nur die Höhe der Motivation ist entscheidend für den Lernerfolg, sondern auch die Art der Motivation. Dies bedeutet, dass neben der Frage, „wie sehr“ Lernende motiviert sind, auch die Frage „wie“ sie motiviert sind eine wichtige Rolle spielt für die Erklärungen von Lernverhalten und -erfolg.
In der Motivationsforschung nimmt einen großen Teil der Theoriekomplex „Zielorientierungstheorien“ ein. Unter unterschiedlichen Begriffspaaren, wie zum Beispiel Lern- und Leistungszielorientierung (Dweck & Legett, 1988; Elliot & McGregor, 2001) oder Aufgaben- und Ich-Orientierung (Nicholls, 1984), die alle beide Ähnliches meinen, werden zwei Bereiche von Zielen zusammengefasst. Die motivationalen Orientierungen von Lernenden im Lernprozess sind gekennzeichnet durch das Streben nach diesen Zielen und wirken sich quantitativ ebenso gut wie qualitativ auf den Lernerfolg aus. Während sich die einen danach bemühen, ihre vorhandenen Kompetenzen zur Schau zu stellen bzw. mangelnde Kompetenzen zu verbergen, wenden sich andere einer Aufgabe zu, um ihre Kompetenzen zu steigern. Diese Unterschiede in den motivationalen Orientierungen von Lernenden ziehen Unterschiede im Erleben und Lernverhalten nach sich, diese wiederum rufen Konsequenzen für Lernerfolg und Leistungsentwicklung hervor (Nicholls, 1984; Dweck & Leggett, 1988).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die zunehmende Bedeutung von Lese- und Schreibkompetenzen und begründet das Fehlen eines geeigneten, deutschsprachigen Instruments zur Erfassung der motivationalen Orientierungen bei Mittelschülern.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Motivationsmodelle wie das Erwartungs-Wert-Modell und die Selbstbestimmungstheorie vorgestellt sowie der aktuelle Forschungsstand zu Zielorientierungen im schulischen Kontext dargelegt.
3. Zielsetzung und Fragestellung: Die explorative Zielsetzung zur Entwicklung eines Fragebogens wird formuliert und in drei spezifische Forschungsfragen zur Faktorenstruktur, Reliabilität und Ausprägung der Skalenwerte unterteilt.
4. Methode: Das Design als Querschnittstudie, die Stichprobenzusammensetzung der Mittelschüler sowie die detaillierte Entwicklung und Struktur des eingesetzten Fragebogens werden beschrieben.
5. Ergebnisse: Die Ergebnisse der exploratorischen Faktorenanalyse werden präsentiert, wobei die Faktoren Lernziel-Orientierung, Arbeitsvermeidung und Vermeidungs-Leistungsziel für beide Domänen identifiziert und hinsichtlich ihrer Reliabilität geprüft wurden.
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden mit der amerikanischen Originalstudie verglichen, wobei insbesondere Unterschiede in der Arbeitsvermeidung aufgezeigt und die praktische Relevanz des Instruments für die individuelle Förderung im Unterricht erörtert werden.
Schlüsselwörter
motivationale Orientierungen, Lese-Motivation, Schreib-Motivation, exploratorische Faktorenanalyse, Lernziel-Orientierung, Arbeitsvermeidung, Vermeidungs-Leistungsziel, Schulleistung, Zielorientierungstheorien, pädagogische Diagnostik, Mittelschule, Instrumententwicklung, Reliabilität, Cronbachs Alpha, Kompetenzerwerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung der motivationalen Orientierungen von Mittelschülern beim Lesen und Schreiben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Motivationspsychologie, insbesondere die Zielorientierungstheorien, sowie deren praktische Anwendung im Bereich der Lese- und Schreibförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein psychometrisch valides deutschsprachiges Instrument zu pilotieren, das auf einer US-amerikanischen Vorlage basiert, um spezifische Motivationsmuster bei Schülern der 5. und 6. Klasse zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Querschnittstudie und wendet eine exploratorische Faktorenanalyse an, um die Struktur der motivationalen Orientierungen der befragten Schüler zu bestimmen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der Konstrukte, die methodische Konstruktion des Fragebogens, die statistische Auswertung mittels SPSS und die Interpretation der Faktorenstrukturen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie motivationale Orientierungen, Lese-/Schreibmotivation, exploratorische Faktorenanalyse und pädagogische Diagnostik kennzeichnen.
Wie unterscheiden sich die Ergebnisse bei der Arbeitsvermeidung von der amerikanischen Originalstudie?
Die deutsche Stichprobe zeigte im Vergleich zu den amerikanischen Ergebnissen eine stärkere Tendenz zur Arbeitsvermeidung, was auf eine unterschiedliche Ausprägung der Lernmotivation hindeutet.
Warum spielt die Faktorenstruktur eine zentrale Rolle für die Reliabilität?
Die Faktorenstruktur bildet die Basis für die Einzelskalen; nur durch eine empirisch belegte Reduktion auf stabile Faktoren kann eine zuverlässige interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) gewährleistet werden.
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- Anna Weigele (Autor), 2015, Die motivationalen Orientierungen beim Lesen und Schreiben von Schülerinnen und Schülern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428871