Im zweiten und dritten Jahrhundert v. Chr. focht Rom mit Karthago in drei Kriegen um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum. Der Sieg Roms mit der gleichzeitigen Zerstörung Karthagos ebnete den Weg Roms zur antiken Weltmacht. Trotz mehrerer Bündnisverträge zwischen Karthago und Rom, welche die gegenseitige Abgrenzung der Interessensphären klärte, brach der Erste Punische Krieg über Streitigkeiten um Sizilien im Jahre 264 aus. Der Krieg endete 241 mit der karthagischen Abtretung Siziliens an Rom. Um die territorialen Verluste und wirtschaftlichen Einbußen des Ersten Punischen Krieges aufzufangen, wurde der Feldherr Hamilkar Barkas nach Spanien zu dessen Eroberung gesandt (237). Durch diesen Schritt läutete Hamilkar Barkas die Ära seiner Familie, der Barkiden, in Spanien ein. Durch seinen Sohn Hannibal wurde Rom im Zweiten Punischen Krieg nahe an den Rand einer totalen Niederlage gebracht. Der Zweite Punische Krieg entzündete sich an dem Konflikt um die spanische, Rom freundlich gesinnte Stadt Sagunt, die von Hannibal belagert wurde (Frühjahr 219). Durch eine überraschende, für die Römer nicht für möglich gehaltene Überquerung der Alpen, stand Hannibal mit seiner Streitmacht, die durch Elefanten verstärkt wurde, auf italischem Boden und bereitete Rom am Trasimenischen See (217) und in Cannae (216) vernichtende Niederlagen. Aufgrund der Abnutzungsstrategie des Konsul Fabius Maximus Cunctator in den darauffolgenden Jahren gelang es Hannibal nicht, Rom zu einer weiteren großen Schlacht, in der er sein Militärgenie zur Entfaltung bringen konnte, herauszufordern. Hannibal begann infolgedessen, mit einigen Städten und Herrschern Bündnisverträge auszuhandeln, die seine Macht in Italien stützen sollten. Hier wären die Bündnisse mit Capua, Tarent, Kroton auf italischem Boden und mit Philipp V. von Makedonien im außeritalischen Bereich zu nennen. Dieses Bündnis, welches Hannibal im Jahre 215 mit Philipp V. von Makedonien abschloss, bildet den Kern meiner Seminararbeit. Der genaue Wortlaut des Bündnisses ist uns bei Polybios überliefert, so dass zu diesem Thema eine Vielzahl an Forschungsliteratur publiziert wurde.
Auf die einzelnen Facetten dieses Bündnis möchte ich im Folgenden näher eingehen. Zunächst werde ich dazu auf die Ausgangssituation der beiden Vertragspartner aufmerksam machen und darauf folgend mich dem eigentlichen Vertragstext und den Folgen des Bündnisses zuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangslage Hannibals
3. Philipp V. von Makedonien
3. 1. Die Anfänge Philipps
3. 2. Die neue makedonische Politik Phillips
4. Das Bündnis zwischen Hannibal und Philipp V. von Makedonien
4. 1. Der Vertragsinhalt
5. Die Auswirkungen des Bündnisses
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zustandekommen, den Inhalt sowie die Konsequenzen des im Jahr 215 v. Chr. geschlossenen Waffenbündnisses zwischen dem karthagischen Feldherrn Hannibal und Philipp V. von Makedonien vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen außenpolitischen Interessen und der militärischen Gesamtlage des Zweiten Punischen Krieges.
- Die militärische und politische Ausgangslage Hannibals in Italien nach der Schlacht bei Cannae.
- Die außenpolitische Neuorientierung des makedonischen Königs Philipp V. unter dem Einfluss von Demetrios von Pharos.
- Die diplomatischen Hintergründe und Beweggründe für den Abschluss des karthagisch-makedonischen Bündnisses.
- Die detaillierte Analyse des überlieferten Vertragsinhalts sowie die daraus resultierende faktische Bedeutungslosigkeit für den Kriegsverlauf.
- Die Auswirkungen des Bündnisses auf die diplomatischen Beziehungen zu Rom und den Ausbruch des Ersten Makedonischen Krieges.
Auszug aus dem Buch
4. 1. Der Vertragsinhalt
Livius behandelte diesen Vertrag in seinen Schriften, spätere Quellen folgten den Ansichten Livius. In diesem Vertrag wird von hochtrabenden Plänen Hannibals und Philipps gesprochen. Die Vereinbarungen des Bündnisses handeln von einer faktischen Teilung der südeuropäischen Welt. Italien soll im Ganzen Hannibal zufallen. Unterstützt wird Hannibal dabei von Philipp, der mit einer Seeflotte auf dem italischen Kriegsschauplatz eingreift. Nach der Bezwingung Roms soll vereint mit den Feinden Philipps in der gesamten griechischen Welt aufgeräumt werden, wobei nun nach Philipps Facon vorgegangen wird. Hierbei handelte es sich um die propagandistische, römische Art, Hannibal als den, von Weltherrschaftsträumen erfüllten, Romvernichter zu klassifizieren.
Der Vertragsinhalt selbst ist uns bei Polybios in seinen ‚Historien’ überliefert. Der Vertrag, den uns Polybios zugänglich gemacht hat, ist eine griechische Übersetzung des punischen Orginaltextes. In der Einleitungsformel wird deutlich, dass Hannibal als oberster Heerführer den Eid gegenüber der makedonischen Seite ausspricht, er aber nicht auf eigene Faust diesen Vertrag gestaltete, sondern Kontrollen unterlag, die von karthagischer Seite abgesichert waren. Dies entsprach auch der Tatsache, dass die im Eid von Hannibal aufgerufenen Götter die offiziellen Gottheiten Karthagos waren. Die Vereinbarung wurde geschlossen zwischen Karthago und der makedonischen Seite, die namentlich aus Xenophanes, der als Gesandter Philipps sprach, Philipp selbst, Demetrios, den Makedonen und deren hellenistischen Bundesgenossen bestand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet den Zweiten Punischen Krieg in den historischen Kontext der römisch-karthagischen Rivalität ein und definiert das Bündnis zwischen Hannibal und Philipp V. als zentrales Forschungsthema.
2. Die Ausgangslage Hannibals: Dieses Kapitel analysiert Hannibals militärische Lage in Italien nach Cannae und zeigt auf, warum er trotz taktischer Überlegenheit durch die Abnutzungsstrategie Roms gezwungen war, Bündnispartner zu suchen.
3. Philipp V. von Makedonien: Hier werden die frühen Regierungsjahre Philipps V. sowie der grundlegende Wandel seiner Außenpolitik unter dem Einfluss von Demetrios von Pharos beleuchtet.
4. Das Bündnis zwischen Hannibal und Philipp V. von Makedonien: Das Kapitel widmet sich der Initiative zum Bündnisschluss und der vertraglichen Vereinbarung zwischen den beiden Mächten.
4. 1. Der Vertragsinhalt: Eine detaillierte Untersuchung der bei Polybios überlieferten Vertragsbestimmungen und der Absichten der beteiligten Parteien.
5. Die Auswirkungen des Bündnisses: Hier wird dargelegt, wie die römische Abfangung der makedonischen Gesandtschaft das Bündnis frühzeitig gefährdete und warum Philipps militärische Expeditionen in Illyrien scheiterten.
6. Schluss: Der Schluss zieht Bilanz und kommt zu dem Ergebnis, dass das Bündnis aufgrund fehlender operativer Synergien letztlich wirkungslos blieb und lediglich den Ersten Makedonischen Krieg provozierte.
Schlüsselwörter
Zweiter Punischer Krieg, Hannibal, Philipp V., Makedonien, Karthago, Rom, Bündnisvertrag, Polybios, Illyrien, Demetrios von Pharos, Schlacht bei Cannae, Fabius Maximus Cunctator, Erster Makedonischer Krieg, Antike Diplomatie, Militärstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die diplomatische Allianz, die der karthagische General Hannibal im Jahr 215 v. Chr. mit dem makedonischen König Philipp V. einging, um Rom während des Zweiten Punischen Krieges von zwei Seiten unter Druck zu setzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die militärische Strategie Hannibals in Italien, die innenpolitische Entwicklung in Makedonien und die diplomatischen Verhandlungen zwischen beiden Mächten ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe für den Bündnisschluss zu klären und zu bewerten, inwieweit dieser Vertrag tatsächlich einen strategischen Nutzen für beide Parteien hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente, insbesondere der Überlieferungen bei Polybios und Livius, sowie der Auswertung einschlägiger moderner Forschungsliteratur.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Ausgangslage beider Akteure, die inhaltliche Zergliederung des Bündnisvertrages und die Untersuchung der Konsequenzen, die sich aus der Kooperation ergaben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie das Bündnis von 215, die illyrische Frage, römische Abnutzungsstrategie und die Rolle von Demetrios von Pharos charakterisiert.
Warum war das Bündnis für Hannibal aus militärischer Sicht von geringem Nutzen?
Die Allianz war vertraglich sehr locker gestaltet und verpflichtete Philipp V. zu keinem aktiven militärischen Engagement in Italien, wodurch die erhoffte Entlastung für Hannibal ausblieb.
Welche Rolle spielte die Entdeckung des Vertrages durch die Römer?
Durch die Aufbringung des Schiffes, das die makedonischen Gesandten transportierte, erlangte Rom Kenntnis von den Plänen, was zu einer schnellen Stationierung römischer Flottenverbände in illyrischen Gewässern führte.
Inwiefern beeinflusste das Bündnis die spätere Geschichte?
Das Bündnis diente Rom als Vorwand, um militärisch gegen Philipp V. vorzugehen, was den Ersten Makedonischen Krieg auslöste und Makedonien direkt in den Konflikt mit der römischen Macht zog.
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- Dirk Simon (Autor), 2004, Hannibal. Bündnispolitik während des Punischen Kriegs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428884