Im Rahmen dieser Seminararbeit werde ich mich mit dem Gedicht ‚Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort’ von Rainer Maria Rilke auseinandersetzen, das 1899 in dem Gedichtband ‚Mir zur Feier’ erschien. Ableitend von dem Titel des Gedichts handelt es von der Angst des lyrischen Ichs vor der Sprache des Menschen, wobei die Mangelhaftigkeit der Sprache und der damalige Sprachgebrauch kritisiert werden. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Analyse und Interpretation des Gedichts im Hinblick auf den Inhalt sowie die Besonderheiten des Aufbaus und der Sprache. Diesbezüglich werde ich mich in dem ersten Teil der Arbeit mit dem Inhalt, dem Aufbau sowie der Sprache des Gedichts beschäftigen. Darauf aufbauend werde ich in dem zweiten Teil meiner Arbeit das Gedicht angesichts der sprachlichen Besonderheiten sowie der Autorenaussagen aus dem 19. und 20.Jahrhundert über die Sprache und die Wahrheit interpretieren und in gewissen Aspekten einen Vergleich zwischen der Kernaussage des Gedichts und diesen Autorenaussagen durchführen. Schließlich werde ich das Gedicht mit einem anderen Gedicht, nämlich Eichendorffs Wünschelrute, aus dem gleichen Jahrhundert beruhend auf ihre Kernaussagen vergleichen. Ganz zum Schluss wird eine Übersicht der durchgeführten Analyse dargelegt. Die leitende Fragestellung der gesamten Arbeit ist, ob die von den Menschen geschaffene Sprache in der Lage ist oder dafür geeignet ist, die Wirklichkeit beziehungsweise die Welt zu beschreiben oder eher dazu tendiert, die Welt in konkrete, abgrenzende Rahmen zu setzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort
3. Struktuelle Analyse und Interpretation des Gedichts
3.1. Inhalt des Gedichts
3.2. Die Gedichtform und die Epochenzuordnung
3.3. Aufbau des Gedichts
3.4. Interpretation des Gedichts
4. Vergleich mit Joseph von Eichendorffs ‚,Wünschelrute‘‘
4.1. Wünschelrute
4.2. Inhaltlicher Vergleich von ‚, Wünschelrute‘‘und ‚,Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort’’
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ von Rainer Maria Rilke im Hinblick auf die darin geäußerte Sprachkritik. Ziel ist es zu analysieren, ob die menschliche Sprache in der Lage ist, die Wirklichkeit adäquat abzubilden, oder ob sie die Welt lediglich durch starre Begrifflichkeiten einschränkt.
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und des Aufbaus von Rilkes Gedicht.
- Untersuchung der zugrundeliegenden Sprachskepsis und des Verhältnisses von Subjekt und Objekt.
- Vergleich der Kernaussage mit philosophischen Autorenaussagen des 19. und 20. Jahrhunderts.
- Kontrastierende Betrachtung von Rilkes Sprachkritik gegenüber Eichendorffs „Wünschelrute“.
Auszug aus dem Buch
3.1. Inhalt des Gedichts
Das Gedicht thematisiert die Angst und den Vorwurf des lyrischen Ichs vor der Sprache der Menschen, durch die die Dinge ihren Sinn verlieren, einfach in Bedeutung unvollständig werden.
Die grobe inhaltliche Gliederung folgt der Stropheneinteilung.
In der ersten Strophe unterstellt das lyrische Ich den Menschen eine eindeutige Benennung der Dinge, die Welt mit Worten aufzuteilen und zu begrenzen. Es hat Angst vor dem eindeutigen Wort, vor der ‚,deutlich[en]‘‘ Aussprache von allem, wodurch die Dinge aus dem Zusammenhang herausgenommen und einfach isoliert werden.
In der zweiten Strophe wird die dieser sprachlichen Kategorisierung zugrundeliegende, anmaßende Wissenshaltung der Menschen dargestellt, die vor nichts Halt macht und Gottes Geheimnis durch Verstand zu erkennen sucht, wovor das lyrische Ich Angst hat.
Die Empfindungen des lyrischen Ichs steigern sich in der dritten Strophe zu der Aufforderung, von der begrifflichen Besitznahme abzulassen, um die Dinge in ihrer Wesensart zu bewahren und auf ihre Weise sprechen beziehungsweise singen zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Gedichts „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ sowie Darlegung der Fragestellung zur Leistungsfähigkeit der Sprache.
2. Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort: Wiedergabe des Primärtextes zur Analysegrundlage.
3. Struktuelle Analyse und Interpretation des Gedichts: Untersuchung der formalen Struktur, der inhaltlichen Aussagen und der Sprachkritik Rilkes im Gedicht.
4. Vergleich mit Joseph von Eichendorffs ‚,Wünschelrute‘‘: Gegenüberstellung von Rilkes Gedicht mit Eichendorffs Werk zur Differenzierung der jeweiligen Auffassungen von Sprache und Poesie.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse hinsichtlich der Problematik des sprachlichen Umgangs mit der Wirklichkeit.
Schlüsselwörter
Rainer Maria Rilke, Sprachkritik, Lyrik, Sprachkrise, Dinggedicht, Eichendorff, Wünschelrute, Wirklichkeit, Abgrenzung, Identitätskrise, Subjektivität, Sprachphilosophie, Moderne, Natur, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ und der darin enthaltenen kritischen Auseinandersetzung mit der menschlichen Sprache.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachskepsis, die Einschränkung der Wahrnehmung durch feste Begriffe und das Verhältnis zwischen dem Menschen und den Dingen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob Sprache die Wirklichkeit abbilden kann oder die Welt lediglich in starre Rahmen zwängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturelle Analyse und Interpretation des Gedichts durchgeführt, ergänzt durch einen literaturwissenschaftlichen Vergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Inhalt, Form und Aufbau des Rilke-Gedichts sowie dessen Vergleich mit Eichendorffs „Wünschelrute“ und philosophischen Ansichten von Nietzsche und Maeterlinck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachkritik, Sprachkrise, Dinggedicht, Subjektivität und die Entwertung der Welt durch Sprache.
Wie unterscheidet sich Rilkes Sichtweise von der Eichendorffs?
Während bei Eichendorff das Wort als Schlüssel zum Geheimnis dient, sieht Rilke das Sprechen als zerstörerischen Akt, der die Lebendigkeit der Dinge in starre, unbedeutende Begriffe überführt.
Welche Rolle spielt der Begriff „deutlich“ in der Analyse?
Das „deutliche“ Aussprechen wird als provozierend und einschränkend empfunden, da es die Dinge ihrer Aura beraubt und sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang isoliert.
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- Selin E. (Author), 2018, Analyse von Rainer Maria Rilkes "Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428897