Anlässlich eines Besuches im Deutschen Historischen Museum im Berliner Zeughaus hat Hans Belde für seine Freundin diese kurze Darstellung begonnen. Es wurde für den Autor eine Selbstprüfung eigener alter Überzeugungen und vermeintlicher Gewissheiten.
Auf über sechzig Seiten führt der Autor von der Schlacht im Teutoburger Wald bis ins Berlin des 21. Jahrhunderts zwischen Hipsters und Gentrifizierung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Erstes Kapitel
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
Zweites Kapitel: Ritter und Junker
1356 – 1701: Das Kurfürstentum Brandenburg
1701 – 1871: Das Königreich Preußen
1871 – 1918: Das Deutsche Kaiserreich
Drittes Kapitel: Die Träume der Menschen
1918 – 1933: Der Traum des Michael Kohlhaas
1933 – 1945: Der Traum wird zum Albtraum
1945 – 1989: Der Traum vom Aufbau einer neuen Welt
1989 – 2018: Erneute Enttäuschung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, eine subjektive, literarisch fundierte deutsche Geschichte zu schreiben, die sich kritisch mit der Frage auseinandersetzt, wie wir leben sollen, und dabei insbesondere das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zwängen, utopischen Träumen und historischer Verantwortung beleuchtet.
- Kritische Aufarbeitung der deutschen Geschichte durch literarische Quellen.
- Untersuchung des Verhältnisses von Individuum, Gesellschaft und Utopie.
- Analyse des Antisemitismus als reaktionäre Form des Antikapitalismus.
- Betrachtung der brandenburgisch-preußischen Wurzeln bis zur Berliner Gegenwart.
- Hinterfragung der Sinnhaftigkeit von Fortschrittsglauben und ökonomischem Erfolgsdenken.
Auszug aus dem Buch
Drittes Kapitel: Die Träume der Menschen
Im Sommer 1914, beim Ausbruch des Krieges, gab es in Deutschland eine ungeheure Begeisterung. Die ausziehenden Soldaten wurden mit Jubel verabschiedet, es gab ein Gefühl von Gemeinschaft, das lange auch die Verwundeten in den Lazaretten in der Heimat spürten. Selbst der zarte Dichter Rainer Maria Rilke, der lange in Frankreich lebte, schrieb: „Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft / nicht mehr ergriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott. (...) Heil mir, dass ich Ergriffene sehe.“ Wir können hier im Stadium relativer Unschuld Gefühle sehen, die die Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts bestimmten. Thomas Mann versuchte sie in den Betrachtungen eines Unpolitischen zu analysieren, die er im Laufe des Krieges mit wachsenden Zweifeln schrieb. In diesem Buch verteidigte der Lübecker Senatorensohn Junkertum, Militarismus und selbst das preußische Dreiklassenwahlrecht als „Kultur“ gegen die „Zivilisation“.
Vor Jahren war oft von der „multikulturellen Gesellschaft“ die Rede, ich musste dabei immer an den Gegensatz von Kultur und Zivilisation bei Thomas Mann denken. Es gibt zivilisatorische Werte, wie Bildung, die Gleichachtung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung und die Ablehnung von Folter und Todesstrafe, und die Missachtung dieser Werte kann nicht als kulturelle Besonderheit entschuldigt werden. Aber es gibt auch die Gemeinschaft als positiven Wert, und die Kritik deutscher Autoren im ersten Weltkrieg an Frankreich und England richtete sich in ihren besten Teilen gegen die Leugnung dieser Werte. Man verteidigte die eigene Mischung aus feudalen und sozialen Elementen gegen den Kapitalismus. Es gibt höhere Werte als Geld.
Zusammenfassung der Kapitel
Erstes Kapitel: Eine historische Einordnung der frühen germanischen Stämme, des Fränkischen Reiches und der Entwicklung zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bis zur Auflösung des Kaisertitels durch Franz II.
Zweites Kapitel: Ritter und Junker: Eine Untersuchung der brandenburgisch-preußischen Geschichte, die von der askanischen Markgründung über die Ära der Hohenzollern bis hin zur Reichsgründung 1871 reicht.
Drittes Kapitel: Die Träume der Menschen: Eine tiefgreifende Analyse der deutschen Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung und darüber hinaus, die Träume, Utopien und die ideologischen Brüche dieser Epochen beleuchtet.
Schlüsselwörter
Deutsche Geschichte, Utopie, Kapitalismus, Antisemitismus, Preußen, DDR, Berliner Geschichte, Literaturgeschichte, Sozialismus, Erinnerungskultur, Identität, Gesellschaft, Widerstand, Ideologie, Epochenwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Das Buch bietet eine persönlich geprägte, literarisch orientierte Betrachtung der deutschen Geschichte, die insbesondere die moralischen und sozialen Fragestellungen der jeweiligen Epochen in den Mittelpunkt rückt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kultur und Zivilisation, die Entstehung und Entwicklung des Preußentums, die Rolle des Antisemitismus als Antikapitalismus sowie der Verlust utopischer Visionen im modernen Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Geschichte nicht als bloße Datenfolge zu betrachten, sondern die Frage „Wie sollen wir leben?“ vor dem Hintergrund vergangener Ideologien und politischer Umbrüche neu zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt primär literarische Quellen wie Romane, Dramen, Briefe und Tagebücher, da er wissenschaftlichen Historikern misstraut und die Perspektive von Zeitgenossen und Literaten als authentischer erachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil spannt den Bogen von der frühen germanischen Zeit über die wechselvolle Geschichte Preußens und des Kaiserreichs bis hin zu den tiefen Einschnitten des 20. Jahrhunderts (Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Teilung und Wiedervereinigung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Utopie, Identität, Antikapitalismus, Preußen, Erinnerungskultur und Gesellschaftskritik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Stadt Berlin im Text?
Berlin dient als konkreter lokaler Ankerpunkt, um historische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen exemplarisch an Orten wie dem Zeughaus, dem Nikolaiviertel oder der Berliner Universität greifbar zu machen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Literatur?
Literatur wird als essenzielle Quelle für das Verständnis menschlicher Emotionen und gesellschaftlicher Stimmungen gesehen, oft als korrigierendes Element zur einseitigen Sichtweise offizieller Geschichtsschreibung.
Was ist das Fazit des Autors zur Gegenwart?
Der Autor äußert Skepsis gegenüber einem rein ökonomisch getriebenen Gesellschaftsmodell und plädiert stattdessen für ein Leben, das sich an Werten abseits von Gier und Gewinnstreben orientiert.
Inwieweit ist das Buch autobiografisch geprägt?
Das Werk ist stark subjektiv durchdrungen; der Autor lässt seine eigenen Erfahrungen, etwa seine Kindheit in der DDR und seine Wahrnehmung der Nachwendezeit, in die historische Analyse einfließen.
- Arbeit zitieren
- Hans Belde (Autor:in), 2018, Deutsche Geschichte für Claudia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428963