Heterotopische Orte nach Michel Foucault im Rahmen einer Feldforschung


Ausarbeitung, 2005
8 Seiten, Note: 2
Elisabeth Khalo (Autor)

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Der erste Kontakt

Repräsentation der Cafeteria

Der Auffällige

Alleinsitzende Menschen

Das Personal

In wiefern ist dieser Ort eine Heterotopie?

Schlussfolgerung

Einleitung

Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Ausführung einer Feldforschung, die eine bestimmte Fragestellung als Ziel hatte, nämlich inwiefern das untersuchte Feld eine Heterotopie sei. Als Forschungsfeld wählte ich die Cafeteria des Krankenhaus Bremen-Ost, das hauptsächlich auf psychologische bzw. psychiatrische Erkrankungen spezialisiert ist. Ursprünglich plante ich eine psychiatrische Station als Forschungsfeld, doch ich entschied mich dagegen, da es für mich persönlich zu belastend und den Patienten gegenüber moralisch fraglich wäre. So besuchte ich die Cafeteria drei Mal und führte teilnehmende Beobachtung durch. Diese Arbeit beginne ich mit der Darstellung des ersten Kontaktes mit dem Forschungsgegenstand, in der ich meine ersten unerwarteten Eindrücke und Erfahrungen festhalte, und gehe zur Vorstellung der ´Repräsentation der Cafeteria´ über. Darauf gliedere ich die Beschreibung der Handlungen und Diskurse der beobachteten Menschen in ´Der Auffällige´, ´Alleinsitzende Personen´ und ´Das Personal´. Schließlich beantworte ich die Fragestellung und ziehe eine Schlussfolgerung. Ich weise darauf hin, dass die mit Anführungsstrichen versehenen Textabschnitte Tagebuchauszüge sind.

Der erste Kontakt

Als ich zum ersten Mal diesen Raum betrat, blieb ich in der Nähe der Tür stehen. Ich benötigte nämlich einige Zeit, um mich an diesem Ort überhaupt bewegen zu können.

„Fühlte mich unsicher, wollte nicht auffallen. Obwohl die Cafeteria kein geschlossener Ort ist, fühlte mich nicht berechtigt ihn zu betreten. Denn ich weiß oder glaube zu wissen, die Menschen, die sich dort aufhalten, haben eine bestimmte Beziehung zu diesem Ort und verfolgen eine gewisse Absicht, wenn sie dort ihre Zeit verbringen. Sie sind Patienten, Besucher oder Personal. Erkannte eine Frau als Verkäuferin, sie trug weiße Dienstbekleidung welche Köche oder Pfleger tragen, ging auf sie spontan zu und fragte sie, ob die Cafeteria für Besucher offen wäre. Lächelnd erwiderte sie, ja natürlich. Suchte ich unbewusst nach Bestätigung oder wollte ich vortäuschen, eine Besucherin zu sein, um nicht aufzufallen? Vielleicht war es auch ein Versuch der Kontaktaufnahme.“ Ich ordnete den Raum in Sitzbereich und Thekenbereich. Registrierte, dass die meisten Leute etwas zu trinken hatten und entschied mich ebenfalls für ein Getränk. Der Kauf der Heißen Schokolade diente als Beschäftigung, Verlängerung der Orientierungszeit, Kennen lernen des Thekenbereichs und als Tarnung. Ich entschied mich, am Rand, mit der Wand im Rücken zu sitzen und wählte einen freien Tisch zwischen zwei Besetzten aus. So saß ich allein, schlürfte die Heiße Schokolode und blickte hinaus in den Raum. Ich mochte das warme Licht, das bei der gerade angebrochenen Dunkelheit, noch mehr hervortrat und die Geräusche, die sich aus einem Gemenge von relativ leisen Gesprächen ergaben. „Ich versuchte die Gespräche meiner Nachbarn mitzuhören, was sich als schwierig herausstellte. Alle redeten leise, noch gut für sein Gegenüber hörbar. Zu meiner linken saßen ein Mann und eine Frau. Sie saßen sich gegenüber, berührten sich kein einziges Mal, solange ich sie beobachtete, ihre Mimik, Körpersprache und ihr Sprechrhythmus waren langsam, gewöhnlich und träge, drückten weder Freude noch Trauer aus, aber gegenseitige Vertrautheit. Bei dem Anblick dieses Paares fiel mir auf, dass die Tische breit sind, wodurch viel Abstand zwischen den Gegenübersitzenden herrscht. Solch ein Abstand wäre für Tische und Gäste in Cafes zu groß. Zu meiner Rechten saßen vier Personen, ein alte Frau im Rollstuhl, die deutlich die Patientin war, neben ihr vermutlich ihr Mann und gegenüber ein jüngeres Paar. Die alte Frau wirkte niedergeschlagen, ich hörte sie sogar stöhnen, ich wurde besonders aufmerksam gegenüber dem Verhalten ihres Mannes. Dieser war zu ihr zugewandt, streichelte ihre Arme, ihre Haare und ihr Gesicht, und hielt ihre Hände bis er angespannt anfing, ihre Stirn und ihre Wangen zu küssen und auf sie leise einzureden. Ich sah , dass sie weinte, ich war sehr gerührt und schaute auf mein Getränk, um mich zu beruhigen.“ Irgendwann verspürte ich Lust zu rauchen und merkte, dass die Cafeteria in einen Raucherbereich und einen Nichtraucherbereich eingeteilt ist. Doch ich blieb an meinem Platz, da fast alle Plätze besetzt waren. Auch fiel mir die Weihnachtsdekoration auf. An der Fensterwand stand ein geschmückter Tannenbaum, die Stehlampen waren mit aus Tannenzweigen und Lichterketten geflochtenen Girlanden umrungen und auf jedem Tisch befand sich eine kleine Dekoration.

Repräsentation der Cafeteria

Wenn man in den Raum eintritt, sieht man den gut erleuchteten Thekenbereich vor sich. Dort werden Süßigkeiten, kalte und warme Getränke, Kuchen und warme Speise angeboten, wobei außer bei dem warmen Essen Selbstbedienung gilt. Links vor dem Eingang und gegenüber dem Thekenbereich befindet sich der Sitzbereich mit einem abgegrenzten mittleren Kern und Randreihen entlang den Wänden. Zwischen den beiden Bereichen verläuft ein bogenförmiger Weg. Der mittlere Bereich mit vielen Tischen wird ebenfalls durch einen krumm verlaufenden Gang geteilt. Dieser Gang führt zu der Tür in der Glaswand, die mehrmals während meiner Beobachtung genutzt wurde. Diese Fensterwand ermöglicht einen angenehmen Ausblick aufs Grüne. Auch gibt es kleine Fenster in einer anderen Wand, aber mit Vorhängen zugedeckt und kaum zu bemerken. Der Blick wird gelenkt auf den Park oder auf die Theke. Obwohl der Raum fast quadratisch geschnitten ist, wirkt er auf mich nicht symmetrisch, wahrscheinlich wegen den bogenförmigen Gängen. Die Inneneinrichtung ist modern, leicht und einfach. Das Design entspricht dem durchschnittlichen Geschmack, die Farben sind hell, harmonisch und einladend. Die Wände sind in beige gestrichen, an der Decke befinden sich viele kleine Lämpchen, die Tische sind aus hellem Holz, die Stühle in Schwarz mit blau-grünem Polster, passend zum hellgrünem Boden. Im mittleren Teil stehen Garderobeschränke, die aber selten benutzt werden. An der Wand, in der Nähe vom Eingang bzw. Ausgang hängen Informationen über kulturelle Veranstaltungen, die auf dem Krankenhausgelände stattfinden. Darunter befinden sich das Programm von der Galerie im Park, vom Krankenhaus- Museum, vom Haus im Park und von einer in einer Kirche angebotenen Konzertreihe. Zum Beispiel kann man im Haus im Park ein Weihnachtsmusical, ein Kindertheaterstück „Frau Holle“ oder Kammerkonzerte bestaunen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Heterotopische Orte nach Michel Foucault im Rahmen einer Feldforschung
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Einführung in Kulturwissenschaft
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
8
Katalognummer
V429086
ISBN (eBook)
9783668737396
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feldforschung, Heterotopie
Arbeit zitieren
Elisabeth Khalo (Autor), 2005, Heterotopische Orte nach Michel Foucault im Rahmen einer Feldforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429086

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