König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und der Adel


Term Paper, 2013
26 Pages, Grade: 1,0

Excerpt

Konig Friedrich Wilhelm I. von Preufien und der Adel

A) Friedrich Wilhelm I. - Burokrat und Autokrat

B) Die Beziehung Konig Friedrich Wilhelms I. zum Adel
I) Ausgangslage und Verhaltnisse in Brandenburg-Preu Ben im Jahre 1713
II) Regierungsantritt und Wandel des Reglements
III) Reformen und deren Auswirkung auf das Machtegleichgewicht zwischen Konig und Adel
3.1 Politische Umstrukturierung - personell und institutionell
3.2 Regionale Teilhabe der Stande und Domanenpolitik
3.3 Allodifikation der Lehen
3.4 Steuer- und Finanzwesen - Finanzielle Situation des Adels
3.5 Militarwesen und Militarisierung des Staatswesens

C) Resumee und Schlussbetrachtung

D) Quellen- und Literaturverzeichnis

A) Friedrich Wilhelm I. - Burokrat und Autokrat

„Dem Komodianten, der mehr oder weniger verschwenderisch, mehr oder weniger von by- zantinischen religiosen Vorstellungen durchdrungen ist, der mehr oder weniger mit der mittel- alterlichen Romantik kokettiert, folgt immer die gramliche Mischung von Feldwebel, Burokrat und Schulmeister. “1 Karl Marx

So fallt das Urteil des Philosophen Karl Marx uber den Regierungswechsel des Jahres 1713 in Brandenburg-Preu Ben aus. Der Komodiant, auch genannt Friedrich I. von Preu Ben, erscheint hier als verklarter Romantiker, sein Sohn hingegen als der Antagonismus dazu. Gerade die Einschatzung Friedrich Wilhelms I. ist, trotz der marxistisch-politischen Pragung der Aussage, nicht zu widerlegen, sondem bildet ein den Fakten entsprechendes Personlichkeitsabbild dieses Regenten. Der neue Monarch wollte ein Paradebeispiel an Stringenz, Effektivitat, Disziplin und Genugsamkeit verkorpern. Diese Ideale, gepragt und befeuert durch seinen pietistischen Glauben, formten sein Herrschaftsselbstverstandnis und seine Form des alleinigen Regierens. Der Anspruch als Herrscher, die von Gott erwahlte Instanz zu sein und das daraus abgeleitete Pflichtbewusstsein fur das Amt, bestimmten die Amtszeit des 2. hohenzollerschen Konigs. Aus seinem absolutistischen Herrschaftsverstandnis leitete sich die Vorstellung ab, politische Entscheidungen ohne Einvemehmen von beratenden (Stande-)Gremien zu treffen.

Dieser Machtanspruch erstreckte sich in vielen Gebieten der Politik so weit, dass er in Konflikt mit den Anspruchen der Stande geriet, die ebenfalls ihre politische Mitsprache bewahren, wenn moglich erweitern wollten. Friedrich Wilhelm I. zeigte sich - durch diese Zwiste gepragt - in seiner Amtszeit immer wieder als innerer Reformer, der versuchte, die Privilegien des Adels moglichst auszuschalten, wenigstens doch zu unterbinden. Daher formte sich das historisch teils immer noch negativ konnotierte Bild eines adelsfeindlichen Herrschers. In der neueren Forschung wird diese von vomherein implizierte Adelsfeindschaftjedoch relativiert betrachtet. So soil diese Arbeit das Ziel haben, die Beziehung zwischen diesem Monarchen und den Adelsstanden Brandenburg-Preu Bens zu untersuchen. Dabei werden verschiedene politische Bereiche aufgegriffen und diskutiert, die sich als besonders konflikttrachtig erwiesen. Anhand dieser Bereiche soil ersichtlich werden, mit welchen Mitteln Friedrich Wilhelm vorging, um den Adel seines Einflusses und seiner Mitsprache zu berauben, gleichzeitig aber auch versuchte, sich dessen Einfluss und Kompetenz zu Nutze zu machen. Dabei soil auch auf die Situation des Adels eingegangen werden, inwieweit dieser sich oppositionell zeigte und seine Rechte konservieren konnte.

Zu Beginnjedoch erfolgt zunachst eine Einschatzung der Verhaltnisse in Brandenburg-Preu Ben im Jahr des Regierungswechsels. Durch eine kurze Darstellung des Herrschaftsverstandnisses, die den notigen Hintergrund und das Verstandnis fur die Personlichkeit dieses Regenten schaffen soil, konnen entscheidende politische Beschlusse im spateren Verlauf der Arbeit darauf zuruckgefuhrt werden.

Als Quellenmaterial diente auf der einen Seite ma Bgeblich die Instruktion Friedrich Wilhelms I. fur seinen Nachfolger - seinen Sohn Friedrich II. - die personliche Ansichten, Herrschaft- spraktiken und Einschatzungen des Herrschers offenbar werden lasst. Auf der anderen Seite lieferten die Acta Borussica, eine Quellensammlung zur preu Bischen Geschichte, durch ver- schiedene Korrespondenzen, Protokolle und Kabinettsordres einen direkten Einblick.

B) Die Beziehung Konig Friedrich Wilhelms I. zum Adel

I) Ausgangslage und Verhaltnisse in Brandenburg-Preu Ben im Jahre 1713

„Huhtet euch fuhr die flatteurs oder schmeichelers, die seindt euer feinde“2

Um den Regierungsstil und das Herrschaftsverstandnis Friedrich Wilhelms in seiner Regie- rungszeit von 1713-1740 zu verstehen, soil zunachst ein Abriss der Zeit folgen, die denjungen Konigsanwarter in seiner Position und seinem Verstandnis von Regentschaft geformt hat. In dieser Zeit manifestierten sich bereits die Grundlinien seiner spateren Politik, die auch fur seine Beziehung zum Adel ausschlaggebend waren.

Der Amtsantritt Friedrich Wilhelms I. nach dem Tod Friedrichs I. war gepragt durch die Er- fahrungen, die der neue Regent in seiner Zeit vor der Herrschaftsubemahme am Hofe seines Vaters gemacht hatte. Durch seine Teilnahme (bereits in jungen Jahren) an den Sitzungen der beiden geheimen Ratskollegien, offenbarte sich Friedrich Wilhelm schon bald die Problematik der Staatsfuhrung, die sein Vater nicht zu beheben im Stande gewesen war. Seiner Ansicht nach fehlte Brandenburg-Preu Ben ein schlagkraftiges Militar in Form eines stehenden Heeres.3 Eine militarische Ubermacht erschien ihm als effektivstes Mittel der Herrschaftssicherung und zur Demonstration einer Vormachtstellung im europaischen Machtgefuge. Gewaltsam expansive Motive schienen allerdings keine Rolle gespielt zu haben (siehe dazu 3.5). Auch die hohe Stellung der Minister am Konigshof widersprach der Vorstellung des jungen Kronprinzen. Er hatte das Bild eines absolutistischen Herrschers vor Augen, der nicht durch die Plane und Machtkalkule seiner Minister gesteuert und hintergangen werden sollte.4 Ein dritter Umstand, der dem jungen Friedrich Wilhelm zu schaffen machte, waren die standigen Intrigen am Hofe seines Vaters, die sich um die Machtpositionen am Hofe entsponnen hatten und auch vor dem Kronprinzen nicht Halt machten.5 Schon fruh distanzierte er sich deshalb vom Konigshof in Berlin, um in Wusterhausen seiner Arbeit nachzugehen. Dort entwickelte der Kronprinz eine eigene Arbeitsweise, die sich durch Stringenz und Kompromisslosigkeit auszeichnete. Er erlie B durchweg Kabinettsordres, um Reformen und Beschlusse zu verfugen.6 Diesen Ordres war uneingeschrankt Folge zu leisten. Sie waren zumeist allein durch den Kronprinzen erstellt - ohne Hinzuziehen einer beratenden Instanz. Ebenso entwickelte er in Wusterhausen bereits grundlegende Plane fur eine enorme militarische Expansion in der Folgezeit. Friedrich Wilhelm hatte damit schon vor Amtsantritt das Militar in seiner Organisation neu strukturiert und organisiert, um es fur einen weiteren Ausbau vorzubereiten.7

Brandenburg-Preu Ben zeichnete sich durch stark regionalistische Strukturen aus.8 Das Konig- reich, das kein einheitliches Gebilde darstellte, wurde durch Gebiete unterbrochen, die dem Reich unterstanden.9 Die einzelnen Provinzen wiederum untergliederten sich in konigsnahe und -feme, was haufig davon abhing, wie lange diese schon Teil des hohenzollerschen Gebietes waren und wie gefestigt die Position der Stande imjeweiligen Gebiet war. Aufschluss uber die Haltung Friedrich Wilhelms I. zu den einzelnen Provinzen gibt seine 1722 verfasste Instruktion fur seinen Nachfolger10, in der er sich uber die Gebiete und die vorherrschenden Adelsfamilien auslasst (siehe dazu: 3.2). Auch bleibt fur die weitere Analyse der Beziehung zwischen dem zweiten preu Bischen Konig und dem Adel zu bemerken, dass sich zum Zeitpunkt des Regentschaftsantrittes ein Gro Bteil der Junker Brandenburg-Preu Bens in einer wirtschaftlichen Kleinkrise befand, die ma Bgeblich durch die Tilgung alter Erbschulden verursacht worden war.11 Daruber hinaus lasst sich fur die gesamte Amtszeit des 2. preu Bischen Konigs eine wirtschaftliche Stagnation verzeichnen, nicht zuletzt bedingt durch die kostspielige Finanzierung militarischer Ausstattung, die durch den Adel zu stellen war.12

Es wird deutlich, dass sich nun im Jahre 1713 ein deutlicher Wandel einstellte, der eine Um- strukturierung des politischen Systems Brandenburg-Preu Bens nach sich ziehen sollte.

II) Regierungsantritt und Wandel des Reglements

,,Der liebe Gott hat euch auf den thron gesetzet nicht zu faullentzen, sondern arbeitten und seine Lender wohll zu Regiren.“13

Mit dem Tod des ersten preu Bischen Konigs trat Friedrich Wilhelm den Posten seines Vaters an. Es erfolgte nun endgultig der Ubergang vom hofischen Absolutismus zur burokratischen Monarchic.14 Er hatte eine komplett andere Vorstellung davon, was es hie B, zu regieren. Die folgenden 27 Jahre Amtszeit sollten durch die Anspruche, abgeleitet aus seiner anspruchsvollen Personlichkeit und die Stringenz seiner Politik, gepragt sein. Zunachst einmal brach der neue Konig ganzlich mit dem hofisch-prunkvollen Regierungsstil seines Vaters und der Forderung der Kunste durch seine Mutter.15 Wolfgang Neugebauer beschreibt den Regierungswandel als „Strategie eines fallweisen Prunkes“16, was zum einen die extremen Sparma Bnahmen am Hofe, zum anderen die Auflosung eines hofischen Politikmodells meint. Die neue Politik stutzte sich auf drei Saulen: Militar, Finanzen und zentrale Burokratie. Geleitet durch seine pietistisch- calvinistische Strebsamkeit begann der neue Regent, sein Reich von innen heraus autokratisch zu reformieren.17 Auf dieser Einstellung beruht auch die Titulatur als „Burger- und Soldatenkonig“18 - eine Inszenierung seiner selbst als Gegenpool zur Aristokratie. Entgegen des in Europa vorherrschenden Prunkes bei Hofe, kurzte Friedrich Wilhelm die Ausgaben fur staatliche Representation auf ein Minimum. Der Luxus des Hofes wurde eingetauscht gegen militarische Ideale der Zucht, der Ordnung und des Gehorsams.19 Der Verwaltungsapparat sollte effizienter und effektiver werden, die Besteuerung umfassender und das Militar zu neuer Starke heranwachsen. Diese politischen Ziele waren nun ma Bgebend fur die Erlasse und Reformen, die Friedrich Wilhelm zu einem inneren Reformer werden lie Ben.

Im Folgenden sollen nun nach politischen Bereichen gegliedert die Umstrukturierungen in Brandenburg-Preu Ben und deren Auswirkung auf die Beziehung zwischen Regent und Adel, im Hinblick auf den Einfluss der Stande und des absolutistischen Herrschaftsbildes untersucht werden.

III) Reformen und deren Auswirkung auf das Machtegleichgewicht zwischen Konig und Adel

3.1 Politische Umstrukturierung - personell und institutionell

„Je suis Financier et Feldmarchall du Roy de Pruss, et cela soutiendra le Roy de Prusse“20 Kurz nach seinem Amtsantritt erfolgte eine Neuordnung der Hierarchie und Range der Staats- amter nach militarischem Vorbild. Samtliche Beamte seines Verwaltungsapparates wurden mit militarischen Titeln versehen und in dieses Reglement eingegliedert. Militarische Amter nah- men dabei die Spitzenpositionen ein. An der Spitze stand der Generalfeldmarschall.21 Damit einher ging auch eine geringere Besoldung im Amts- ebenso wie im Militarwesen.22 Die Amter am Hofe, vornehmlich der Hofstaat, wurden gekurzt und eingespart.23 Friedrich Wilhelm ging gezielt auf politische Distanz zu den Adelsgro Ben seines Reiches. Das Zentrum seiner Politik war nun Wusterhausen und nicht langer Berlin. In Potsdam ist kein adliger Hofstaat nachgewiesen, lediglich ehemalige Militars und ein kleiner Beraterstab.24 Dieser Trend, die Burokratie und das Amtswesen zunehmend mit niederem Adel oder Burgerlichen zu besetzen, nahm in der Folgezeit zu.25 Die Distanz zu Adeligen in Machtpositionen leitete sich aus der Vorstellung ab, dass die Burgerlichen loyaler seien, da sie auf das Gehalt angewiesen waren und somit keine Opposition wagten. Die Moglichkeit fur Burgerliche, ebenfalls hohe Positionen zu bekleiden, schuf eine Konkurrenz um die Amter und Posten, wodurch der Konig sich der Ergebenheit seiner Beamten noch sicherer sein konnte.26

Die militarische Strenge, Disziplin und Effizienz, die der Konig von seinen Beamten verlangte, sicherte er sich bevorzugt durch die bewusste Einberufung ehemaliger Militars in den Amtsdienst.27 Weiterhin gait fur alle Beamten unter Preu Bens Militarkonig, die sich etwas zu Schulden hatten kommen lassen, die Strafe nach Kriegsrecht.28 Dieses hohe Strafma B sollte zu Disziplin und Ordnung anspornen.

Somit erfolgte zunachst eine Militarisierung des Amterapparates und parallel dazu die Einbin- dung des Adels in die direkte militarische Laufbahn als Offizier (siehe 3.5).

Auch auf der Ebene der politischen Institution und Amter vollzog sich unter dem zweiten preu Bischen Konig ein Reformprozess.29 Das Ziel dieser Umstrukturierungsma Bnahmen war letztendlich die Zentralisierung der Herrschaftsgewalt, die Eindammung regionaler Teilhabe an der Regierungsgewalt und eine Effizienzsteigerung des Systems. Die wohl bedeutendste Ma Bnahme erfolgte 1722/23, als das Generalkriegskommissariat und das 1713 gegrundete Generalfinanzdirektorium in einer Institution, dem Generaldirektorium, zusammengeschlossen wurden. Dieses Exekutivorgan unterstand direkt dem Konig und wurde auf provinzieller Ebene durch die Kriegs-und Domanenkammern30 vertreten. Das Generaldirektorium wurde durch funf Minister geleitet31, wovon vier die Departements verwalteten und einer den Vorsitz inne hatte. Ein funftes Departement entstand 1737 auf Anlass Samuels von Cocceji - das Justizdepartement. Das Generaldirektorium vereinte somit, bis auf die seit 1728 durch das Kabinettsministerium verwaltete Au Benpolitik, alle Bereich der Politik in einer Institution. Der geheime Rat, das beratende Organ, das sich aus den Ministern der einzelnen Institutionen zusammensetzte, verlor zunehmend an Einfluss, lediglich die Gerichtsbarkeit als Privileg blieb ubrig.32 Ministerposten waren vom Bedeutungsgrad auf normale Beamtenposten zusammengeschrumpft. Die Ubermacht des absolutistisch-zentralistischen Herrschaftsanspruches lie B eine uberma Bige Einflussnahme durch Posten wie hochrangige Beamte und Minister, die zumeist durch Adelige besetzt waren, kaum zu. Diejenigen Bereiche der Politik, in denen Friedrich Wilhelm seine Kompetenzen sah, wie das Finanzwesen und das Militar, ubernahm er eigenmachtig. Den Bereich der Au Benpolitik, der fur ihn eine untergeordnete Rolle spielte, lie B er durch drei Minister des Kabinettsministeriums versorgen.33 Zudem stand fur ihn die Friedenswahrung mit den Machten Europas im Vordergrund.34

Trotz des autokratisch-absolutistischen Bewusstseins des Herrschers, das sich schon allein da- durch zeigte, dass der Konig fast nie bei den Sitzungen des Generaldirektoriums anwesend war, sondem lediglich per Post mit seinen Ministern verkehrte35, war Friedrich Wilhelm auf einen kompetenten Beraterstab angewiesen, um regieren zu konnen. Dieser Beraterstab setzte sich bis auf eine Ausnahme aus einflussreichen Adelsgro Ben zusammen. Diese Ausnahme bildete der treu untergebene Bogislaw von Creutz, der einzige Burgerliche im koniglichen Beraterstab.36 Auch wenn der Konig es sich vorbehielt, immer die finale Entschlussinstanz zu sein, zeigte sich, dass er auf die Kompetenz und Erfahrung von einflussreichen, sehr gebildeten Adligen Wert legte und sich bewusst war, dass sie seine Herrschaftsausubung erst ermoglichten. Resumierend lasst sich feststellen, dass der Amtsdienst vor allem fur Adelige in niedrigen Positionen kein Zuckerschlecken war, da der Konig militarische Strenge und Disziplin bei geringen Lohnen forderte. Fur diejenigen allerdings, die eines der hohen Amter, wie einen Ministerposten, bekleideten, verhie B dies den hochstmoglichen Sozialstatus der damaligen preu Bischen Gesellschaft.37 Auch zeigt sich gerade fur hohere Amter die zunehmende Tendenz, burgerliche Anwarter adligen vorzuziehen.

3.2 Regionale Teilhabe der Stande und Domanenpolitik

„ Wir sind doch Herr und Konig und konnen thun, was wir wollen“38

Die regionale Ausdifferenzierung Brandenburg-Preu Bens im beginnenden 18. Jahrhundert be- dingte durch die bereits erwahnten provinziellen Strukturen (siehe I.) auch eine sehr vielfaltige Organisation an regionalen Machtstrukturen und Organen der regionalen Teilhabe.

Je nachdem, wie lange die Provinzen bereits zum Gebiet der Hohenzollern gehorten und ab- hangig davon, wie gefestigt die Position der Stande dort war, untergliederten sich diese in ko- nigsnahe (loyale) und -femere. Die Tendenz zeigt, je langer die Gebiete bereits unter zoller- schem Einfluss standen und je weniger einflussreiche, lokale Adelsdynastien dort Macht aus- ubten, desto ergebener waren diese Gebiete. Aufschluss uber die personliche Einstellung zu seinen Junkern und den Provinzen gibt die 1722 verfasste „Instruktion fur seinen Nachfolger“39.40 Am renitentesten erschienen ihm die Provinz Magdeburg und die Altmark, ebenso Clehwe und Marck, Minden, Rawensberg, Tecklenburg und Lingen. Besonders altein- gesessene Dynastien mit gro Bem regionalen Einfluss, wie die Schullenburgische, Alvensle- bensche und Bismarcksche, waren ihm ebenso ein Dorn im Auge.41 Ebenso kommen der Mit- tel- und Uckermark sowie Pommern und der Neumarck eine positive Beschreibung zu.42

Das Ziel der Zentralisierung der Staatsorgane bildete nun den Gegensatz zu dem Bestreben der Landstande, ihre Teilhabe an der Macht regional zu festigen und auszubauen.

Ein gescheiterter Versuch, bereits 1714 in Cleve und Mark die Landtage zu verbieten, um die Teilhabe der Stande zu unterbinden, scheiterte schon bald am regen Protest des Adels. Unter der Bedingung eines Oppositionsverbotes wurden diese wieder zugelassen.43 44 Der Landtags- sitz war deshalb besonders fur katholische Adelige von so gro Ber Bedeutung, weil er die Stiftsfahigkeit mit einschloss. Dies garantierte ihnen die Aufnahme in ein Domkapitel, was vor allem fur nachgeborene Sohne eine Existenzsicherung versprach.45

Spatestens seit der Allodifikation (siehe 3.3) und deren Durchsetzung, muss dem Regenten die Bedeutung der regionalen Machtstrukturen und deren Einfluss auf die Umsetzung zentraler Beschlusse offenkundig gewesen sein.46 Eine zentrale Politik bedurfte loyaler Exekutivorgane vor Ort in den Provinzen, um diese auch umzusetzen. Sein Ziel war es somit, den regionalen Einfluss des Adels fur die Umsetzung zentraler Beschlusse zu nutzen und so wenig Opposition wie moglich zuzulassen. Nur so ist die Stellungnahme des Generaldirektoriums aus dem Jahre 1753 zu begrunden, dass die Landtage „eine Formalitat oder ein Schattenwerk der vormaligen Institution“47 seien.

[...]


1 Zitiert nach: Kathe, Heinz: Der Soldatenkonig. Friedrich Wilhelm I. (1688 - 1740). Konig in Preu Ben - Eine Biographie, Koln 1976, S. 31.

2 Benninghoven, Friedrich (Hrsg.): Die politischen Testamente der Hohenzollem, Koln und Wien 1986, S. 223.

3 Vgl. Oestreich, Gerhard: Friedrich Wilhelm I. - Preuflischer Absolutismus, Merkantilismus, Militarismus, Gottingen, Zurich, Frankfurt, 1977, S.26.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd. S. 27.

6 Vgl. ebd. S. 28 f.

7 Vgl. ebd. S. 30.

8 Vgl. Gose, Frank: Das Verhaltnis zwischen Friedrich -Wilhelms I. zum Adel, in: Beck, Friedrich; Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der Soldatenkonig - Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit, Potsdam 2003, S. 99- 141, hier: S. 120. Vgl. auch: Bahlcke, Joachim: Landesherrschaft, Territorien und Staat in der Fruhen Neuzeit, in: Enzyklopadie Deutscher Geschichte Bd. 91, Munchen 2012, S. 48.

9 Vgl. Scheuch,Manfred: Historischer Atlas Deutschland, Wien und Munchen 1997, S. 165.

10 Benninghoven, Friedrich (Hrsg.): Die politischen Testamente der Hohenzollem, Koln und Wien 1986, S. 221­244. Diese Seiten umfassen die edierte Fassung dieses Testaments.

11 Vgl. Gose 2003 S. 108 f.

12 Vgl. ebd. S. 109 f.

13 Benninghoven 1986, S. 224.

14 Vgl. Salmonowicz, Stanislaw: Preuflen - Geschichte von Staat und Gesellschaft, Heme 1995, S. 152. Zu beachten: In der Forschung wird zumeist die Amtszeit seines Vaters von 1701 bis 1713 als Ubergangsphase mit eingerechnet.

15 Vgl. Oestreich 1977, S. 44.

16 Neugebauer, Wolfgang: Der Adel in Brandenburg im 18. Jahrhundert, in: Asch, Ronald (Hrsg.): Der europaische Adel im Ancien Regime. Von der Krise der standischen Monarchien bis zur Revolution (1600 - 1789), Koln 2001, S. 49-77,hier: S. 62.

17 Vgl. Salmonowicz 1995, S. 152.

18 Baumgart, Peter: Der Adel Brandenburg-Preu Bens im Urteil der Hohenzollem des 18. Jahrhunderts, in: Endres, Rudolf (Hrsg.): Adel in der Fruhneuzeit. Ein regionaler Vergleich, Koln und Wien 1991, S. 141 -161, hier: S. 145.

19 Vgl. Angelow, Jurgen: Die formidable Armee - Der Mythos des „Soldatenkonigs“, in: Beck, Friedrich; Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der Soldatenkonig - Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit, Potsdam 2003, S. 183-204, hier S. 192 f.

20 Friedrich Wilhelm I. in einem Brief an Friedrich Wilhelm von Grumbkow, einen seiner Vertrauten. Zitiert nach Bennighoven 1986, S. 89.

21 Vgl. Angelow 2003,S .195.

22 Vgl. Kathe 1976, S. 36.

23 Vgl. Hahn, Peter-Michael: Pracht und Selbstinszenierung. Die Hofhaltung Friedrich Wilhelms I. von Preuflen, in: Beck, Friedrich; Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der Soldatenkonig - Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit, Potsdam 2003, S. 69-99, hier: S. 70f.

24 Vgl. Neugebauer 2001, S. 64.

25 Nach Neugebauer 2001, S. 65: Die Amter der staatlichen Institutionen waren mehrheitlich in burgerlicher Hand, die Ministerposten waren zur Halfte durch Burgerliche besetzt.

26 Vgl. Kathe 1976, S. 82.

27 Krach, Helga: Innerer Ausbau und Zentralisierung: Der preuflische Militar- und Beamtenstaat unter Friedrich Wilhelm I., 1713-1740, in: Schlenke, Manfred (Hrsg.): Preuflen-Ploetz, Freiburg und Wurzburg, 1983, S. 141 - 146,hier: S. 141.

28 Vgl. Kathe 1976, S. 84.

29 Weiterfuhrend siehe: Salmonowicz 1995, S. 155-160. Fur einen chronologischen Verlauf siehe: Krach 1983, S. 141-146.

30 Von 118 Raten und Direktoren der Kammem waren 1737 bereits 82 burgerlicher Abstammung und lediglich noch 36 adliger Herkunft. nach: Oestreich 1977, S. 109.

31 Zusammensetzung des Generaldirektoriums im Jahre 1740: 5 Minister, 19 Rate und 45 Subalteme, nach: Neugebauer 2001, S. 65.

32 Vgl. Salmonowicz 1995, S. 156/158.

33 Vgl. Oestreich 1977, S. 53 f.

34 Vgl. Benninghoven 1986, S. 83.

35 Vgl. ebd. S. 54 f.

36 Vgl. dazu: Kathe 1981, S. 79 f. Demanch fungierten als personliche Berater: Leopold von Anhalt-Dessau (Gouvemeur von Magdeburg, einflussreichster Mann neben dem Konig), Rudiger von Ilgen, Friedrich Wilhelm von Grumbkow, Marquardt Ludwig von Printzen, Samuel von Cocceji, Ehrenreich Bogislaw von Creutz, Johann Andreas von Crautt. Als Finanzberater: Leopold von Anhalt-Dessau, Friedrich Wilhelm von Grumbkow, Eherenreich Bogislaw von Creutz, Truchsefl zu Waldburg, Johann Andreas von Crautt, Kameke und Gome, die dies in Form eines Ministerpostens im Generaldirektorium taten.

37 Vgl. ebd. S. 83.

38 Zitiert nach: Birtsch, Gunter: Der Preuflische Hochabsolutismus und die Stande, in: Baumgart, Peter (Hrsg.): Standetum und Staatsbildung in Brandenburg-Preuflen, Berlin, New York 1983, S. 389-408.

39 Bennighoven 1986, S. 221-244.

40 Vgl. Gose 2003, S. 100f.

41 Vgl. Bennighoven 1986, S. 230 f.

42 Vgl. ebd. S. 229 f.

43 Vgl. Baumgart 1991, S. 148.

44 Siehe dazu vertiefend: Wollenhaupt, Leo: Die Cleve-Markischen Landstande im 18. Jahrhundert, in Historische Studien, Heft 158, Berlin 1924, S. 53-65.

45 Vgl. ebd. S. 149.

46 Vgl. ebd. S. 150.

47 Zitiert nach: Birtsch 1983, S. 400.

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Details

Title
König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und der Adel
College
University of Würzburg
Grade
1,0
Author
Year
2013
Pages
26
Catalog Number
V429167
ISBN (eBook)
9783668745674
ISBN (Book)
9783668745681
File size
586 KB
Language
German
Tags
Friedrich Wilhelm I, Preußen, Soldatenkönig, Landstände, Friedrich I, Friedrich der Große, Domäne, Brandenburg-Preußen, Allodifikation, Allod, Allodifizierung, Militarisierung
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Cornelius Eder (Author), 2013, König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und der Adel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429167

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