Diese Arbeit ist ein Appell dafür, dem Werk Wolfgang Borcherts in der Schule mehr Beachtung zu schenken und seine Texte nicht nur unter den sprachlich-formalen Aspekten des Unterrichtsfachs Deutsch zu untersuchen. Vielmehr ist es das Ziel dieser Arbeit, aufzuzeigen, welches Potential vornehmlich Borcherts prosaisches Kurzwerk insbesondere für den Geschichtsunterricht aufweist und in welcher Weise es eingesetzt werden kann.
Ein exemplarischer Stundenverlauf, der als Doppelstunde für eine 9. Klasse des bayerischen Gymnasiums konzipiert ist, soll beispielhaft veranschaulichen, auf welche Weise Borcherts Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ in den Unterricht eingebunden werden kann, sodass sowohl Lehrplanvorgaben des Faches Deutsch, wie auch des Fachs Geschichte abgedeckt werden. Anhand von Arbeitsaufträgen und ergänzenden kontrastiven Quellen – teils aus den nachgelassenen Dokumenten Borcherts - sollen sich die Schüler mit den psychischen und sozialen Folgen des 2. Weltkrieges auf die Bevölkerung auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
I) EINLEITUNG
II) BORCHERT - FIKTION UND HISTORIE
2.1 WOLFGANG BORCHERT – VITA
2.2 WOLFGANG BORCHERT – LITERARISCHES WERK
2.3 LITERARISCHE FIKTION UND ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND
III) „NACHTS SCHLAFEN DIE RATTEN DOCH“ - ANALYSE
3.1 „NACHTS SCHLAFEN DIE RATTEN DOCH“ (M 1)
3.2 INHALTLICHE UND FORMALE ANALYSE
IV) DIDAKTISCHE ANALYSE
4.1 LEHRPLANBEZUG UND DIDAKTISCHE VORTEILE DES THEMAS
4.2 LERNZIELE
V) UNTERRICHTSVERLAUF
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 3
Gruppe 4
Tafelbild M 7 (Kurzgeschichte)
VI) ARTIKULATIONSSCHEMA
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das pädagogische Potenzial von Wolfgang Borcherts Kurzprosa für den fächerübergreifenden Unterricht zwischen Deutsch und Geschichte aufzuzeigen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Borcherts Werk genutzt werden kann, um Schülern der 9. Klasse die psychischen und sozialen Folgen des Zweiten Weltkriegs sowie die historische Epoche der „Stunde Null“ authentisch zu vermitteln.
- Analyse der Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ als literarisches Dokument der Nachkriegszeit.
- Aufarbeitung des Lebens und Wirkens von Wolfgang Borchert als Ausdruck der Trümmerliteratur.
- Verzahnung von fachspezifischen Deutsch-Inhalten mit historischen Lehrplanvorgaben zur Nachkriegsgeschichte.
- Förderung des Generationenverständnisses durch die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der Großelterngeneration.
- Einsatz kontrastiver Quellen zur kritischen Kompetenzschulung im Bereich der Quellenauswertung.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Nachts schlafen die Ratten doch“ (M 1)
Das hohle Fenster in der vereinsamten Mauer gähnte blaurot voll früher Abendsonne. Staubgewölke flimmerten zwischen den steilgereckten Schornsteinresten. Die Schuttwüste döste. Er hatte die Augen zu. Mit einmal wurde es noch dunkler. Er merkte, daß jemand gekommen war und nun vor ihm stand, dunkel, leise. Jetzt haben sie mich! Dachte er. Aber als er ein bißchen blinzelte, sah er nur zwei etwas ärmlich behoste Beine. Die standen ziemlich krumm vor ihm, daß er zwischen ihnen hindurchsehen konnte. Er riskierte ein kleines Geblinzel an den Hosenbeinen hoch und erkannte einen älteren Mann. Der hatte ein Messer und einen Korb in der Hand. Und etwas Erde an den Fingerspitzen.
Du schläfst hier wohl, was? fragte der Mann und sah von oben auf das Haargestrüpp herunter. Jürgen blinzelte zwischen den Beinen des Mannes hindurch in die Sonne und sagte: Nein, ich schlafe nicht. Ich muß hier aufpassen. Der Mann nickte: So, dafür hast du wohl den großen Stock da?
Ja, antwortete Jürgen mutig und hielt den Stock fest.
Worauf paßt du denn auf?
Das kann ich nicht sagen. Er hielt die Hände fest um den Stock. Wohl auf Geld, was? Der Mann setzte den Korb ab und wischte das Messer an seinem Hosenboden hin und her.
Nein, auf Geld überhaupt nicht, sagte Jürgen verächtlich.
Zusammenfassung der Kapitel
I) EINLEITUNG: Die Einleitung begründet die Relevanz von Wolfgang Borcherts Werk für den Unterricht und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Kurzprosa für den Geschichtsunterricht nutzbar zu machen.
II) BORCHERT - FIKTION UND HISTORIE: Dieses Kapitel beleuchtet die Biografie des Autors sowie seine Rolle als prägender Vertreter der Trümmerliteratur im historischen Kontext.
III) „NACHTS SCHLAFEN DIE RATTEN DOCH“ - ANALYSE: Neben der Bereitstellung des Primärtextes erfolgt hier eine tiefgehende inhaltliche und formale Analyse des Werkes sowie dessen symbolischer Sprache.
IV) DIDAKTISCHE ANALYSE: Der Fokus liegt auf der Verknüpfung der literarischen Inhalte mit den bayerischen Lehrplanvorgaben für die 9. Klasse und der Definition konkreter Lernziele.
V) UNTERRICHTSVERLAUF: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert die methodische Planung einer Doppelstunde, inklusive der Gruppenarbeitsphasen und der Nutzung von kontrastiven Quellen.
VI) ARTIKULATIONSSCHEMA: Eine tabellarische Übersicht strukturiert die zeitliche Abfolge, die Lerninhalte sowie die gewählten Sozialformen und Medien der Unterrichtssequenz.
Schlüsselwörter
Wolfgang Borchert, Nachts schlafen die Ratten doch, Stunde Null, Trümmerliteratur, Nachkriegszeit, Didaktik, Geschichtsunterricht, Kriegskinder, Kurzgeschichte, Generationenverständnis, Quellenanalyse, Zweiter Weltkrieg, Symbolik, Literaturdidaktik, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufbereitung von Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ für den Einsatz im Geschichts- und Deutschunterricht der 9. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Zivilbevölkerung, die Lebenswelt der sogenannten „Kriegskinder“, die Epoche der Trümmerliteratur sowie die biographische Resistenz gegen den Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Schülern durch die literarische Auseinandersetzung ein tieferes Verständnis für die Folgen des Krieges zu vermitteln und eine Brücke zwischen historischen Sachtexten und menschlichen Schicksalen zu schlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische Unterrichtsplanung erstellt, die literaturwissenschaftliche Textanalyse mit historischen Quellenstudien und empirisch orientierten Ansätzen zum Generationendialog verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische und literarische Einordnung Borcherts, eine detaillierte Analyse der Kurzgeschichte sowie eine didaktische Konzeption mitsamt konkretem Unterrichtsverlauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Trümmerliteratur, Stunde Null, Nachkriegszeit, didaktische Analyse und das generationenübergreifende Verständnis.
Welche Rolle spielt die Notlüge in der Kurzgeschichte?
Die Notlüge des alten Mannes fungiert als Wendepunkt, der dem Protagonisten Jürgen ermöglicht, seine Bürde der Totenwache zu hinterfragen und sich wieder kindlichen Hoffnungen zu öffnen.
Wie werden die Kontrastquellen im Unterricht eingesetzt?
Die Quellen dienen dazu, die subjektiven Erfahrungen der erzählten Geschichte mit historischen Fakten abzugleichen, wodurch die Schüler lernen, verschiedene Perspektiven kritisch zu reflektieren und zu bewerten.
- Arbeit zitieren
- Cornelius Eder (Autor:in), 2014, Die Stunde Null. Auswirkungen, Folgen und Probleme der Nachkriegszeit in Deutschland (Geschichte, 9. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429179