In den letzten Jahrzehnten haben Naturschutzorganisationen und Unternehmen Whale-Watching als nachhaltige Alternative zum kommerziellen Walfang beworben. Der Wunsch der Gesellschaft mit Walen zu interagieren ist gewachsen und mit diesem wachsenden Interesse kommt auch die Verantwortung sicherzustellen, dass diese neue kommerzielle Nutzung den Populationen nicht schadet, die sie behauptet zu schützen. Whale-Watching hat sich zu einem ernstzunehmenden Industriezweig entwickelt. In vielen Gegenden hat das rapide Wachstum der Whale-Watching Industrie die Entwicklung von Managementplänen überholt und so zu Bedenken in Bezug auf die langfristige Nachhaltigkeit dieser geführt. Das Bestreben das Potenzial für Störungen zu reduzieren, hat zur Entwicklung von Richtlinien geführt (IWC 1996), welche von über 100 Ländern und zahlreichen kommerziellen Whale-Watching Anbietern rund um die Erde übernommen wurden. Die Annahme dieser Richtlinien ist oft freiwillig, was ihre Effektivität einschränkt. Selbst wenn die Richtlinien verpflichtend sind, ist es schwierig diese durchzusetzen. Daraus entstand die Sorge, dass Whale-Watching in all seinen Formen, sei es kommerziell, zufällig (Besichtigungstouren, Sporttauchen, usw.), mit Privatbooten oder anders, möglicherweise langfristig einen negativen Einfluss auf die diesem ausgesetzte Population hat. Aus diesem Bedenken heraus wurde der größte Fokus auf das kommerzielle Whale-Watching gelegt, da es hier einen Wirtschaftszweig des Tourismus repräsentiert und damit die Möglichkeit zum Eingriff und zur Regulation am größten ist. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BIOLOGIE DER CETACEA
3. WHALE-WATCHING IN ZAHLEN
4. MANAGEMENT
4.1 Problematik der Regulation
4.2 Fallbeispiele
4.3 Schutzgebiete
5. ÖKOTOURISMUS UND NACHHALTIGKEIT
6. BIOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE WALE
6.1 Kurzfristige Auswirkungen
6.2 Langfristige Auswirkungen
6.3 Fallbeispiele
6.4 Fitness
6.4 Lärmbelastung
7. EINLFUSS DES WHALE-WATCHING AUF DIE ENTWICKLUNG EINER SCHWERTWALPOPULATION
8. STÖRUNG DER REPRODUKTION BEIM BARTENWAL
9. AUSWIRKUNGEN UNTER EINZELNEN FAKTOREN
9.1 Konsequenzen der Störung in Nahrungshabitaten
9.2 Habitatwechsel aufgrund von Störungen
9.3 Auswirkungen auf die Gesamtpopulationszahl
9.4 Abhängigkeit der Konsequenzen vom jeweiligen Habitat
9.5 Auswirkungen auf Schulen
10. SCHUTZ STARK BEDROHTER ARTEN
11. DISKUSSION
12. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Whale-Watching-Tourismus auf das Verhalten und die Populationsdynamik von Walen. Dabei wird analysiert, inwieweit anthropogene Störungen durch Boote und Lärm zu Verhaltensänderungen, Energieverlusten und langfristig negativen Auswirkungen auf die Reproduktion und das Überleben der Tiere führen können.
- Sozioökonomische Entwicklung der Whale-Watching-Industrie
- Biologische Auswirkungen auf das Verhalten und die Fitness von Walen
- Komplexität von Managementplänen und Schutzgebieten
- Reaktionen auf Lärmbelastung und Störungen in Nahrungshabitaten
- Zusammenhang zwischen Populationsdynamik und Tourismusdruck
Auszug aus dem Buch
6.4 Lärmbelastung
Wale zeigen sensible Reaktionen auf Lärm. Wasser leitet Geräusche sehr gut weiter. So reagieren Belugas (Delphinapterus leucas) auf das Geräusch von brechendem Eis in der Arktis. Der akustische Sinn spielt eine Rolle bei der Wahrnehmung der Umwelt, der Paarung, dem Informationsaustausch zwischen Artgenossen, liefert Informationen über potenzielle Beute, der räumlichen Verteilung und dem Zusammenhalt der Gruppe (TYACK 2000).
Das Gehör von Walen ist überlebenswichtig und nötig um eine soziale Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Durch Geräuschbelastung kann dieses akustische System zeitweise oder auch permanent gestört werden. Über die letzten Jahrzehnte wurde der Unterwassergeräuschpegel in ausgewählten Regionen permanent überwacht und er verdoppelt sich jedes Jahrzehnt (HIGHAM et al. 2014).
In Washington State hoben Schwertwale die Dauer ihrer Rufe um 15% an, nach einem fünffachen Anstieg der Bootsanzahl die sie begleiteten. Schnelle Boote überdecken Rufe von Schwertwalen im Umkreis von 14 km und können nach 30-50 min in einem Umkreis von 450 m zu einer temporären Verschiebung der wahrgenommen Höhenlagen führen. Potenzielle Beute wird mit dem Echolot erkannt und bei Geräuschbelastung muss sich der Wal deutlich näher an dieser befinden, um sie zu lokalisieren. Ein Boot welches in 400 m Entfernung am Wal vorbeifährt, stört das Echolot zu 90% (HOLT 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des kommerziellen Whale-Watchings als ökonomischer Industriezweig und die damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich der langfristigen Nachhaltigkeit.
2. BIOLOGIE DER CETACEA: Übersicht über die anatomischen Anpassungen, Sozialstrukturen und Lebensweisen der verschiedenen Walarten sowie deren unterschiedliche ökologische Anforderungen.
3. WHALE-WATCHING IN ZAHLEN: Analyse der sozioökonomischen Entwicklung der Industrie und des rasanten Anstiegs der Teilnehmerzahlen weltweit seit den 1950er Jahren.
4. MANAGEMENT: Erörterung verschiedener Ansätze zur Regulierung des Whale-Watchings durch gesetzliche Vorgaben, Richtlinien und Meeresschutzgebiete sowie deren praktische Umsetzung.
5. ÖKOTOURISMUS UND NACHHALTIGKEIT: Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Whale-Watching als Bildungs- und Schutzinstrument und den negativen ökologischen Folgen durch ständige Störungen.
6. BIOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE WALE: Untersuchung der kurz- und langfristigen Verhaltensänderungen bei Walen sowie der Auswirkungen auf Fitness und Lärmbelastung durch Bootsverkehr.
7. EINLFUSS DES WHALE-WATCHING AUF DIE ENTWICKLUNG EINER SCHWERTWALPOPULATION: Fallstudie zur Korrelation zwischen zunehmendem Bootsverkehr und dem Rückgang der Populationszahlen bei Schwertwalen.
8. STÖRUNG DER REPRODUKTION BEIM BARTENWAL: Analyse, wie Whale-Watching die kritische Phase der Aufzucht und Säugezeit bei Bartenwalen beeinträchtigt.
9. AUSWIRKUNGEN UNTER EINZELNEN FAKTOREN: Detaillierte Betrachtung spezifischer Einflussfaktoren wie Störungen in Nahrungshabitaten, Habitatwechsel und Auswirkungen auf soziale Schulen.
10. SCHUTZ STARK BEDROHTER ARTEN: Analyse der Effektivität nationaler und internationaler Schutzgesetze und der Problematik bei der Umsetzung für bedrohte Meeressäuger.
11. DISKUSSION: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des ökologischen Kontexts bei der Bewertung von Störungen für die Fitness und Anpassungsfähigkeit von Populationen.
12. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Auswirkungen des Whale-Watchings unter Berücksichtigung sowohl der ökologischen Risiken als auch der Potenziale für Naturschutzbildung.
Schlüsselwörter
Whale-Watching, Wale, Delfine, Verhaltensänderung, Lärmbelastung, Meeresschutzgebiete, Populationsdynamik, Ökotourismus, Fitness, Reproduktion, Anthropogene Störungen, Cetacea, Nachhaltigkeit, Habitatnutzung, Artenschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen des Whale-Watching-Tourismus auf das Verhalten von Walen und Delfinen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für ihre Populationsentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die sozioökonomische Bedeutung von Whale-Watching, biologische Auswirkungen auf Wale, Managementstrategien, Lärmbelastung durch Schiffsverkehr und die Auswirkungen auf die Fortpflanzungsrate.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, den Einfluss menschlicher Interaktionen (Boote, Lärm) auf Wale wissenschaftlich zu beleuchten und zu hinterfragen, ob und unter welchen Bedingungen Whale-Watching als nachhaltig betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturstudie, die eine Vielzahl internationaler Studien und Fallbeispiele aus verschiedenen Regionen analysiert und vergleicht, um die Auswirkungen von Störungen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biologische Grundlagen, das Management von Tourismusaktivitäten, detaillierte Analysen von Verhaltensänderungen bei Walen sowie eine Diskussion über Faktoren wie Habitatqualität und Energiehaushalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Whale-Watching, Fitness, anthropogene Störungen, Lärmbelastung, Meeresschutzgebiete und Populationsdynamik.
Warum ist das Gehör für Wale so entscheidend?
Das Gehör ist für Wale überlebenswichtig, da es für die Kommunikation, die soziale Interaktion, die Paarung und die räumliche Orientierung bzw. Jagd mittels Echolot essenziell ist.
Wie beeinflusst Whale-Watching die Fortpflanzung bei Bartenwalen?
Die Störung während der Hauptsäugephase kann zu vermindertem Wachstum bei Kälbern führen, was wiederum die Sterblichkeit erhöhen kann, da Mütter wertvolle Energie für Ausweichmanöver aufwenden müssen.
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- Julia Thielert (Autor), 2018, Untersuchung zum Einfluss des Whale-Watching auf das Verhalten der Wale, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429242