Die Pflege und die in Deutschland noch sehr junge Pflegewissenschaft hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Mit ihr wuchs und wächst der Anspruch eine bessere, bedürfnisgerechtere und professionellere Pflege zu leisten und zu entwickeln. Die alltägliche Konfrontation mit anderen Kulturen ist in der Pflege dagegen nichts Neues, wohl aber das breiter werdende Bewusstsein dieser Anforderung nicht zu genügen. Insbesondere die Anforderung auf die spezifischen Belange von Migranten angepasster, situations - und kontextgerechter eingehen zu wollen, kann oft nicht erfüllt werden und führt bei den meisten Pflegekräften zu Frustration und Verunsicherung.
Die Theorie der transkulturellen Pflege umschreibt die Berücksichtigung des kulturellen Hintergrundes eines Patienten, der auf pflegerische Hilfe angewiesen ist. Madeleine Leininger beschäftigte sich seit Mitte der 50er Jahre mit der transkulturellen Pflege; sie gilt als Pionierin auf diesem Gebiet.
In den folgenden Kapiteln versuche ich die Begriffe Kultur und Migration zu erläutern und kulturelle Aspekte des Pflegens zu beleuchten. Des Weiteren stelle ich die Theorie Leiningers vor und möchte zum Schluss Probleme der interkulturellen Pflegesituation aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Kultur
3. Was ist Migration?
3.1. Verschiedene Ausprägungen der Migration
4. Kulturelle Aspekte des Pflegens
4.1. Aspekte der Pflegekultur
4.2. Kulturelle Alltagstheorien in der Pflegepraxis
5. Die Theorie von M. Leininger
5.1. Menschliche Fürsorge
5.2. Leiningers Kulturbegriff
5.3. Entwicklung der Theorie
5.4. Konzepte in Leiningers Theorie
5.5. Das Sunrise- Modell
5.6. Kritikpunkte an Leiningers Theorie
6. Probleme der interkulturellen Pflegesituation
7. Warum Transkulturelle Pflege?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die Relevanz der transkulturellen Pflege in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft zu erläutern, zentrale Begrifflichkeiten wie Kultur und Migration zu klären und die Pflegetheorie von Madeleine Leininger kritisch zu beleuchten, um Wege für eine bedürfnisgerechtere Pflegepraxis aufzuzeigen.
- Grundlagen der Kulturbegriffe und Migration
- Kulturelle Einflussfaktoren auf die Pflegepraxis
- Theoretische Fundierung der transkulturellen Pflege nach Leininger
- Analyse und Kritik am Sunrise-Modell
- Problematiken in der interkulturellen Pflegebeziehung
Auszug aus dem Buch
5.4. Konzepte in Leiningers Theorie
Leininger legte 13 Grundanahmen nieder, diese dienten als Hilfestellung für die Erforschung der Phänomene der kulturspezifischen Fürsorge. Die theoretischen Annahmen wurden bewusst offen gehalten, damit ein offenes und induktives Forschen möglich war. Des Weiteren legte sie 18 orientierende Definitionen für Konzepte vor, die im Rahmen der Untersuchung für wichtig erachtet werden. Diese Definitionen wurden ebenfalls offen formuliert, um die Ergebnisse der Untersuchung nicht im Voraus festzulegen. Beide Schemata können als wichtige Konzepte von Leiningers Theorie gesehen werden.
Grundannahmen:
1. Die Fürsorge bildet den Kern der professionellen Pflege und ist unzweifelhaft ihr dominierender, zentraler und verbindender Mittelpunkt.
2. Die Fürsorge und Fürsorgen sind Voraussetzung für das Wohlbefinden, die Gesundheit, die Heilung, das Wachstum, das Überleben und den Umgang mit Behinderungen und Tod.
3. In der kulturspezifischen Fürsorge finden wir das umfassende ganzheitliche Mittel vor, um mit Hilfe dieser methodischen Vorgabe die Phänomene der professionellen Pflege zu verstehen, zu erklären, zu interpretieren und dazu Prognosen abzugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Entwicklung der Pflegewissenschaft und die Notwendigkeit, transkulturelle Hintergründe von Patienten in der Pflege zu berücksichtigen.
2. Der Begriff Kultur: Diskussion der Komplexität des Kulturbegriffs und dessen Wandel im Zeitalter der Globalisierung weg von statischen Identitäten.
3. Was ist Migration?: Definition von Migration als räumliche Bewegung von Menschen und Erläuterung der verschiedenen Facetten wie Arbeits-, Asyl- oder Zirkuläre Migration.
4. Kulturelle Aspekte des Pflegens: Analyse der Berufskultur in der Pflege und der Einfluss von kulturellen Alltagstheorien auf die Interaktion mit Patienten.
5. Die Theorie von M. Leininger: Detaillierte Vorstellung der Theorie der transkulturellen Pflege, des Sunrise-Modells sowie der zugrunde liegenden Konzepte und Kritikpunkte.
6. Probleme der interkulturellen Pflegesituation: Darstellung der Kommunikationsbarrieren und der Auswirkungen von Vorurteilen auf die Qualität der pflegerischen Betreuung.
7. Warum Transkulturelle Pflege?: Plädoyer für die Notwendigkeit von interkultureller Kompetenz und vorurteilsfreiem Handeln in der täglichen Pflegepraxis.
Schlüsselwörter
Transkulturelle Pflege, Madeleine Leininger, Sunrise-Modell, Kulturspezifische Fürsorge, Migration, Pflegekultur, Berufskultur, Interkulturelle Kompetenz, Kommunikation, Pflegetheorie, Gesundheitswesen, Patientenversorgung, Kulturkongruente Pflege, Gesundheitsverhalten, Alltagstheorien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der transkulturellen Pflege in der professionellen Versorgung, wobei insbesondere der theoretische Ansatz von Madeleine Leininger im Vordergrund steht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Kultur und Migration, die Analyse der professionellen Pflegekultur sowie die Identifikation von Problemen in interkulturellen Pflegesituationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Relevanz der transkulturellen Pflege aufzuzeigen und Strategien für eine kultursensible Pflegepraxis vor dem Hintergrund der Theorie von Leininger zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und einer theoretischen Analyse der Konzepte von Madeleine Leininger sowie der Diskussion bestehender pflegewissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Kulturbegriff, das Phänomen Migration, die pflegetheoretischen Grundlagen von Leininger inklusive des Sunrise-Modells sowie die praktischen Probleme in der interkulturellen Pflege detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Transkulturelle Pflege, Leiningers Theorie, Sunrise-Modell, interkulturelle Kommunikation und kulturspezifische Fürsorge.
Warum wird das Sunrise-Modell als „kognitive Landkarte“ bezeichnet?
Es fungiert als Orientierungshilfe für Forscher und Pflegende, um die komplexen, ineinandergreifenden kulturellen Faktoren zu visualisieren, die das Pflegehandeln beeinflussen.
Welche Kritikpunkte äußert der Autor an Leiningers Theorie?
Der Autor kritisiert insbesondere die Verwendung eines klassischen, homogenen Kulturbegriffs, der in einer globalisierten Welt, in der Identitäten konstruiert und vermischt sind, an Bedeutung verloren hat.
Wie beeinflussen Sprachbarrieren den Pflegeprozess?
Sie führen häufig dazu, dass die Bedürfnisse des Patienten nicht adäquat erfasst werden, die Pflegezeit verkürzt wird und eine Entfremdung zwischen Pflegendem und Patient entsteht.
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- Diplom Pflegewirt (FH) Christoph Poß (Author), 2004, Transkulturelle Pflege. Merkmale und Problemstellungen bei einer interkulturellen Pflegesituation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42926