Frauen zwischen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der soziale Wandel der Rolle der Frau
2.1 Erwerbsbeteiligung der Frauen
2.2 Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern

3. Strukturelle Voraussetzungen für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbsbeteiligung und Familie
3.1 Kindererziehung
3.2 Probleme beim Wiedereinstieg in die Erwerbsbeteiligung
3.3 Verkürzung der Arbeitszeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Als traditionelle Normalfamilie wird ein gemeinsamer Haushalt verstanden, in dem der Mann und die Frau amtlich gepaart mit ihren Kindern dauerhaft zusammenleben. Während der Mann seiner Arbeit nachgeht und sich dem Familieneinkommen widmet, wendet sich die Frau vom Berufsleben ab und kümmert sich ausschließlich um den Haushalt und die Kindererziehung (Schneewind 1998: 10). Da die Familie und somit die Rollen und die -Erwartungen des Mannes und der Frau einem starken Wandel unterlaufen sind, unterscheidet sich das heutige Famili- enmodell enorm von der traditionellen Normalfamilie. Das Selbstverständnis der Frau hat sich stark verändert. Frauen, die sowohl Kinder haben und einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wer- den in der Gesellschaft akzeptiert und dieser Zustand wird als normal betrachtet, wobei es im traditionellem Verständnis hieß, dass die Frau zu Hause bleibt und den ganzen Haushalt und die Kindererziehung übernimmt. Außerdem haben sich die Lebensverläufe der Frauen in Ost- und Westdeutschland drastisch umgeformt. Die Bildungsabschlüsse der Frauen, die in den letzten Jahren deutlich aufgestiegen sind, spielen eine entscheidende Rolle bei dem Wandel des Lebensverlaufs. Durch Erlangen eines höheren Bildungsabschlusses haben Frauen bes- sere Karrierechancen als ihre Großmütter. Zugleich hat sich das Erwerbsverhalten im Lebens- verlauf der Frauen reformiert (Blossfeld 2011: 11).

In der DDR wurde das sozialpolitische Augenmerk auf die Integration von Frauen in den Ar- beitsmarkt gelegt, wobei das Ziel der Vollzeiterwerbstätigkeit der Frauen umfassend erreicht wurde. Nach der Nachkriegszeit ist die weibliche Erwerbsbeteiligung gesunken, hat aber nach den Wirschaftswunderjahren in Deutschland wieder zugenommen. Während in Westdeutsch- land weibliche Teilzeitbeschäftigte verbreitet sind, gibt es in Ostdeutschland überwiegend voll- zeitbeschäftigte Frauen. Erwähnenswert ist jedoch, dass die Vollzeiterwerbstätigkeit der Frauen in Westdeutschland minimal zunimmt (Kreyenfeld & Geisler 2006: 337ff.).

Die Zunahme der Erwerbsbeteiligung und die Verbesserung der Berufsmöglichkeiten der Frauen sind Einflussfaktoren für den Wandel familiären Phänomens. Es lässt sich festhalten, dass Frauen sowohl im Westen als auch im Osten weiterhin für die Erziehung ihrer Kinder und für den größten Teil des Haushaltes zuständig sind und dadurch der Wandel des Erwerbsver- haltens eine doppelte Beeinträchtigung für Frauen durch Familie und Beruf darstellt. Insbe- sondere gibt es Vereinbarkeitsprobleme hinsichtlich des Kinderwunsches sowie von Familie und Beruf bei Frauen.

Der Fokus dieser Arbeit richtet sich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen in West- und Ostdeutschland, wobei die individuelle Ebene und Einstellungen der Frau zur Ver- einbarkeit ihrer Erwerbsbeteiligung und Familie außer Acht gelassen wird, da keine Untersu- chungen und somit keine Literatur zu diesem Themenzweig zu finden sind. Mit Bezug auf Studien und Analysen zum Erwerbsverhalten der Frauen soll deren Erwerbsbeteiligung mit und ohne Kindern geschildert werden. Darauf aufbauend werden im zweiten Teil Probleme der Vereinbarkeit dargestellt. Folgende Frage bildet den Ausgangspunkt meiner Darstellung: Ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiblich?

2. Der soziale Wandel

Der Wandel der Frauenrolle kennzeichnet eine Reform westlicher Gesellschaft im 20. Jahr- hundert. Die Einstellungen und Handlungsweisen von Frauen in Bezug auf die Erwerbstätig- keit und Mutterschaft wurden stark erneuert. Bis Ende der 60er Jahre war das weibliche Le- bensmuster familienorientiert (Sommerkorn & Liebsch 2002: 99). In einer Erhebung aus dem Jahre 1961 stimmten 55% der befragten Männer und 61% der Frauen für ein Gesetz zu, wel- ches die Erwerbsarbeit der Mütter mit Kindern unter zehn Jahren untersagt. Demzufolge übten verheiratete Frauen nur dann eine Erwerbsarbeit aus, wenn die finanzielle Lage nicht ausrei- chend war (Peuckert 2012: 405).

In der gegenwärtigen Zeit möchten Frauen finanzielle Unabhängigkeit und kein völliges Haus- frauen-Leben führen und folglich Beruf und Familie miteinander verbinden. Beck-Gernsheim erklärt den Umschwung der weiblichen Lebensperspektive als eine Formel, die „vom Dasein für Andere zum Ausdruck auf ein Stück eigenes Leben“ (Beck-Gernsheim 2008: 19) wird. Zum Selbstbewusstsein und zur Selbstständigkeit der Frauen haben besonders die Bildungspolitik und die Bildungsexpansion beigetragen. Die staatliche Bildungspolitik hat beispielsweise durch die Abschaffung des Gesetzes im Jahre 1976, welches die Verantwortlichkeit der Frau für den Haushalt und die Familie vorschrieb, gewährleistet, dass Frauen nun ebenfalls wie der Mann eine Erwerbsarbeit ausüben können und die Aufgaben im Haushalt zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden. Des Weiteren wurde durch die Bildungsexpansion höhere Bildungsab- schlüsse erreicht und der Frauenanteil an Universitäten erhöht. Demnach haben Frauen mit mehr Bildung und viel Wissen neue Denkweisen und größeres Selbstbewusstsein bewiesen, wodurch ihre eigenen beruflichen Leistungen und die Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräf- ten auf dem Arbeitsmarkt gestiegen sind. Besonders Frauen in Ostdeutschland haben ein sehr anspruchsvolles Leben, wobei sie trotz Kinder ihre Erwerbsbeteiligung und ihre finanzielle Un- abhängigkeit nicht aufgeben wollen. Im Gegensatz zu Frauen in Westdeutschland möchten sie wegen der Kindererziehung und der Partnerschaft nicht aufhören zu arbeiten und keine Einkommensverluste erleiden (Peuckert 2012: 406ff.).

2.1 Erwerbsbeteiligung der Frauen

Aufgrund der gestiegenen weiblichen Erwerbstätigkeit hat sich die traditionelle „Hausfrauen- ehe“ eindeutig zurückgezogen. Von 1970 bis 2009 hat die weibliche Erwerbstätigenquote auf- fällig zugenommen. Im Jahre 1970 lag sie bei 46% und 39 Jahre später, also im Jahre 2009 bei 65%. Die Erwerbstätigenquote der Männer liegt immer noch über der Frauen aber der Abstand beider Quoten ist von 15% im Jahr 2000 auf 10% im Jahr 2009 zurückgegangen (Kreyenfeld et al. 2007: 20ff.). In einer Umfrage aus dem Jahre 2009 teilen ostdeutsche Frauen mit, dass sie Vollzeit arbeiten möchten, damit sie das notwendige Einkommen für ihre Lebens- grundlage erlangen, wohingegen westdeutsche Frauen sehr unterschiedliche Angaben zu ih- rer Arbeitszeit machen und eher geringfügige bis Teilzeitbeschäftigungen bevorzugen (Peu- ckert 2012: 409). Der Anstieg der gesamten Erwerbstätigenquote der Frauen wurde vorwie- gend durch die Erwerbsbeteiligung der Frauen mit Kindern und durch früheres und mehrmali- ges Zurückkommen von Müttern in die Erwerbsbeteiligung nach der Geburt eines Kindes be- günstigt (Kreyenfeld 2007: 21).

2.2 Erwerbsbeteiligung der Frauen mit Kindern

Einerseits hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Müttererwerbstätigkeit erhöht, ande- rerseits übt die Mehrzahl der Mütter in Deutschland keinen Beruf aus. Zwischen 1976 und 2004 ist die Müttererwerbstätigenquote in Westdeutschland von 41% auf 55% angewachsen (Kreyenfeld 2007: 21). Im Jahre 2012 waren 69,2% der Mütter in den neuen Bundesländern und 65,8% der Mütter in den alten Bundesländern erwerbstätig (BMFSFJ 2014: 25).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lebensalterbezogene Erwerbstätigenquote von Frauen nach Alter und Anzahl der Kinder, Geburtsjahrgänge 1945-1960

Quelle: Scientific-Use-File VSKT 2010; eigene Berechnungen

In Abbildung 1 wird die Erwerbstätigenquote von Frauen nach Alter und Anzahl der Kinder veranschaulicht. In Westdeutschland sind Diskrepanzen hinsichtlich der Erwerbstätigenquote zwischen Frauen ohne Kindern und Müttern zu erkennen. Im 20. Lebensjahr erreicht die Quote ihr Maximum bei 70% und bei Frauen ohne und mit einem Kind verläuft die Kurve konstant weiter, während die Erwerbstätigenquote der Mütter mit zwei und mehreren Kindern stark ab- nimmt und ihr Minimum bei 40% und bei 30% erreicht. In Westdeutschland gehen die meisten Mütter mit zwei und mehreren Kindern schon ab dem 21. Lebensjahr keiner Erwerbsbeteili- gung nach aufgrund der Geburt eines Kindes und der nachfolgenden Kindererziehung. An- hand des Graphen ist zu erkennen, dass das Maximum der jeweiligen Kurven unterschiedlich ist; je mehr Kinder, desto niedrigeres Maximum der Erwerbstätigenquote der Frauen ist zu beobachten. Frauen mit zwei und mit drei Kindern haben gemeinsam, dass bei ihnen durch die Kindererziehung die Erwerbstätigkeit ordnungsgemäß abgebrochen wird. Mit ca. 32 Jahren beteiligen sich lediglich 27% der Mütter mit drei Kindern und 37% der Mütter mit zwei Kindern am Erwerb. Ab dem 35. Lebensjahr beginnen die Erwerbstätigenquoten der Frauen wieder anzusteigen, wobei nicht mehr hohe Quoten angetroffen werden. Frauen mit drei Kindern kom- men nur noch maximal auf 43% und mit zwei Kindern auf 57%. Die maximale Erwerbstätigen- quote in den folgenden Lebensjahren der Frauen mit einem Kind beträgt 63% und die der Frauen mit einem Kind 67%. In Ostdeutschland steigt die Erwerbstätigenquote der einzelnen Frauengruppen kontinuierlich bis ca. Mitte 30 an. Kinderlose Frauen erreichen ab Mitte 20 bis Ende 30 über 90%, während 80% bis 90% der Frauen mit einem Kind in derselben Alters- spanne erwerbstätig sind. Auch in Ostdeutschland sinkt die Erwerbstätigenquote mit der Ge- burt der Kinder. Dennoch ist zu erwähnen, dass trotz der Anzahl der Kinder durchschnittlich ca. 70% der Frauen mit zwei Kindern und durchschnittlich ca. 65% der Frauen mit drei Kindern eine Erwerbstätigkeit ausüben. Der konstitutive Unterschied zu den alten Bundesländern ist, dass die Abnahme der Erwerbstätigenquote besonders geringer und der Anstieg der Erwerbs- tätigenquote viel schneller zu Stande kommt. Ein weiterer bedeutungsvoller Unterschied liegt darin, dass in Westdeutschland der kindbedingte Rückgang der Erwerbstätigenquote essen- ziell größer ist als in Ostdeutschland (Stegmann & Mika 2013: 230ff.).

Beachtenswert ist ferner der Einfluss der kindbedingten Erwerbsunterbrechung auf das Ein- kommen von Frauen. Die Nichterwerbstätigkeit aufgrund der Kindererziehung und die Inan- spruchnahme der Elternzeit für jedes Jahr involviert ein Einkommensverlust bei Rückkehr in die Erwerbstätigkeit bis zu 5%. Außerdem ist zu betonen, dass Frauen mit mehreren Kindern größere Einkommensverluste erleiden als Frauen mit einem Kind (Ziefle 2004: 9ff.).

3. Strukturelle Voraussetzung für eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbsbeteili- gung und Familie

Wegen den hohen Erwartungen sowohl in der Erwerbsarbeit als auch im Privatleben wird die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit erschwert. Einerseits kann aufgrund familialer Beeinträchtigung in der Erwerbstätigkeit Konflikte entstehen („Family-to-Work Conflict“) und andererseits kann die Ausübung der Erwerbsarbeit die Familie intervenieren („Work-to-Family Conflict“). Die Konflikte lassen sich in zeitbasierte, beanspruchungsbasierte und verhaltens- basierte unterteilen. Zeitbasierte Work-to-Family Conflicts entstehen, wenn Erwerbstätige in- folge zeitlicher Investition in die Erwerbsarbeit das Familienleben vernachlässigen. Wenn sich der belastbare Stress und der Druck der Arbeit negativ auf das Privatleben ausüben, wird der Work-to-Family Conflict beanspruchungsbasiert genannt. Verhaltensbasierte Work-to-Family Conflicts tauchen auf, wenn erwartete Verhaltensweisen, die im Beruf gezeigt werden müssen wie zum Beispiel Durchsetzungsvermögen, in Widerspruch mit den in der Familie erwünschten Verhaltensweisen stehen (Greenhaus & Beutell 1985: 77ff.). Die Konflikte bei der Vereinbar- keit hängen insbesondere vom Alter des jüngsten Kindes ab. So waren 47% der Eltern mit einem Kind unter drei Jahren und nur 29% der Eltern mit einem Kind zwischen sechs und 18 Jahren der Meinung, dass sich die Familie und Erwerbstätigkeit nicht vereinbaren lassen (Insti- tut für Demoskopie Allensbach 2010: 34). Des Weiteren erleben Eltern mit mehreren Kindern größere Work-to-Family Conflicts als Eltern mit einem Kind (Pollmann-Schult 2015: 630).

Demgegenüber können die soziale Unterstützung des Arbeitsgebers und flexible Arbeitszeiten Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit hemmen. Die folgenden Abschnitte befassen sich mit strukturellen Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit diese Probleme im Zusammenhang mit Familie und Arbeit beseitigt werden.

3.1 Kindererziehung

Kindertageseinrichtungen bilden eine Grundbedingung für eine bessere Vereinbarkeit von Fa- milie und Erwerbstätigkeit. Aus diesem Grund ist es sinnvoll den Betreuungsbedarf der Kinder und die tatsächlichen Betreuungsquoten zu untersuchen. Nach einer Untersuchung des Sta- tistischem Bundesamtes im Jahre 2005 lässt sich festhalten, dass deutschlandweit der Bedarf der Kindertageseinrichtungen größer ist als die tatsächliche Besucherzahl. Ca. 49% der Kinder im Alter von 0-3 Jahren besuchten im Jahre 2015 eine Betreuungseinrichtung, während der Betreuungsbedarf der Eltern bei 64% lag. Die Grundvoraussetzung für eine bessere Verein- barkeit von Familie und Erwerbstätigkeit wird in Westdeutschland in niedrigem Maße erfüllt. Westdeutschland gehört zu den Ländern mit besonders niedrigem Anteil an Betreuungsein- richtungen für Kinder. Der Anteil der Betreuungswünsche in Westdeutschland liegt bei 39,5% und der der Betreuungsquote lediglich bei 28,2%. Die Differenz zwischen dem Wunsch und dem tatsächlichem Wert ist groß (11,3%). In Ostdeutschland ist diese Diskrepanz nur halb so groß wie in Westdeutschland. Die Betreuungsquote beträgt 51,9% und der Betreuungswusch liegt bei 57,7% (Statistisches Bundesamt 2015: 8f.). Wird das Augenmerk auf die Dauer der Erwerbstätigkeit im Zusammenhang mit der Anzahl der Kinder gestellt, stellt sich heraus, dass Frauen in Ostdeutschland trotz Anzahl der Kinder deutlich längere Erwerbstätigkeit aufweisen als Frauen in Westdeutschland. Eine Frau mit vier Kindern in Ostdeutschland übt genauso viele Jahre eine Erwerbstätigkeit aus wie eine Frau ohne Kinder in Westdeutschland. Die Er- werbskarriere der Frauen in Westdeutschland ist enorm kurz. So arbeiten beispielsweise Frauen mit einem Kind lediglich 25 Jahre, wogegen Frauen mit einem Kind in Ostdeutschland 33 Jahre tätig sind. Mit steigender Anzahl der Kinder nimmt die Dauer der Erwerbstätigkeit in Westdeutschland stark ab; Frauen ohne Kinder sind durchschnittlich 30 Jahre und Frauen mit fünf Kindern durchschnittlich 16 Jahre tätig. In Ostdeutschland nimmt die Dauer der Erwerbs- tätigkeit mit jedem einzelnen Kind nur um ein Jahr ab (Stegmann & Mika 2013: 226ff.).

3.2 Probleme beim Widereinstieg in die Erwerbsbeteiligung

Insgesamt haben sich 78& der Mütter mit einem minderjährigem Kind nach der Elternzeit wie- der am Erwerb beteiligt. Davon arbeiteten 34% direkt im Anschluss an die Elternzeit und 44% zu einem späteren Zeitpunkt (BMFSFJ 2009: 25). Mütter mit höherem Bildungsabschluss keh- ren nach der Elternzeit schneller in die Erwerbsarbeit zurück als Mütter mit niedrigem Ab- schluss. Höher qualifizierte Mütter praktizieren entweder den gleichen oder einen gleichwerti- gen Job, wobei Mütter mit niedrigem Abschluss nicht über berufliche Stabilität verfügen (Grunow et al. 2011: ff.). Ein weiterer wichtiger Punkt der Berufsrückkehr ist der Zeitpunkt des Wiedereinstiegs. Mütter, die direkt nach der Elternzeit wieder in die Erwerbstätigkeit eingestie- gen sind, konnten zu einem großen Anteil zu ihren früheren Arbeitsplätzen oder Arbeitgeber zurückkommen, während Mütter mit längerer Erwerbsunterbrechung mehrheitlich nach einer neuen Stelle suchen mussten und Schwierigkeiten bei der Erwerbssuche hatten. Durch die spätere Rückkehr in die Erwerbstätigkeit mussten 35% der Mütter eine neue Stelle suchen und 16% der Mütter mussten eine Stelle annehmen, die ihrem Ausbildungsniveau nicht ent- sprach. Insofern führt der spätere Einstieg in die Erwerbstätigkeit nach der Elternzeit zur Ar- beitslosigkeit und Dequalifizierung (BMFSFJ 2009: 25).

3.3 Verkürzung der Arbeitszeit

Damit sich Familie und Erwerbsbeteiligung besser vereinbaren lässt, wird die Arbeitszeit in meisten Fällen verkürzt. Die Teilzeiterwerbstätigkeit verkörpert eine wichtige Erwerbsform für Mütter. Im Jahre 2012 arbeiten im früheren Bundesgebiet von den 66% der erwerbstätigen Müttern 35% Teilzeit und 16% Vollzeit. Im neuen Bundesgebiet gehen unter den 69% der erwerbstätigen Müttern 28% einer Teilzeitbeschäftigung und 37% einer Vollzeitbeschäftigung nach. Zu erkennen ist, dass in den neuen Bundesländern die meisten Frauen eine Vollzeit- stelle haben, wobei der Anteil der Teilzeitbeschäftigungen in Ostdeutschland zugenommen hat. Von 2000 bis 2012 ist die Teilzeitbeschäftigung von 18% auf 28% gestiegen und die Vollzeitbeschäftigung von 47% auf 37% gesunken. Auch in Westdeutschland hat sich der Anteil der Teilzeitstellen von 26% auf 35% vergrößert (BMFSFJ 2014: 45).

Nachdem das durchschnittliche Erwerbsvolumen der Mütter in Deutschland von 16,2 Stunden auf 14,9 Stunden zurückgegangen war, ist seit 2006 ein leichter, aber kontinuierlicher Anstieg festzuhalten. In Westdeutschland sind die Arbeitsstunden pro Woche von 2000 bis 2012 um 1,5 Stunden gestiegen und in Ostdeutschland ist ein Abstieg der Arbeitsstunden pro Woche um 1,5 Stunden zu beobachten (BMFSFJ 2014: 43). Die Arbeitsstunden der Frauen sind glei- cherweise abhängig vom Alter des jüngsten Kindes. Das Erwerbsvolumen der Mütter steigt mit dem Alter des jüngsten Kindes an. So arbeiten 2,6% der Mütter mit einem Kind unter einem Jahr und 22% der Mütter mit dem jüngsten Kind im Alter von 15 bis unter 18 Jahren (BMFSFJ 2014: 38).

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es Diskrepanzen zwischen den gewünschten und tatsächlichen Arbeitszeiten von Frauen herrschen. Im Allgemeinen liegt in den alten Bundes- ländern die gewünschte Arbeitszeit deutlich unter der tatsächlichen Arbeitszeit, was zu bedeu- ten hat, dass Frauen weniger arbeiten wollen. Allerdings wollen einige Frauen auch ihre Ar- beitszeit ausdehnen. Der Wunsch nach Reduktion oder Erweiterung der Arbeitszeit divergiert stark mit der familialen Situation. Frauen ohne Kinder wünschen sich häufiger eine Verringe- rung der Arbeitsstunden pro Woche. Ein großer Anteil der Frauen mit Kindern hat ebenfalls eine Reduzierung ihres Erwerbsumfangs auf dem Herzen, während auch viele Mütter ihr Er- werbsumfang steigern wollen. Der Wunsch der Mütter nach Ausweitung der Arbeitszeit lässt sich aufgrund ihrer bereits geringen Arbeitszeit erklären. Da sie längst weniger arbeiten als dem Durchschnitt, neigen sie eher zu einer Arbeitszeitverlängerung (Pollmann-Schult 2009: 166ff.).

In beiden Teilen Deutschlands geht es also nicht um die Entscheidung zwischen Familie oder Erwerbsbeteiligung, sondern es wird - im Osten ausgeprägter als im Westen - nach Methoden zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsbeteiligung gesucht (Peuckert 2012: 464).

4. Fazit

Zielsetzung der vorliegenden Arbeit war, die Erwerbsbeteiligung der Frau im Hinblick auf die Familie zu untersuchen und Grundlagen der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsbeteiligung aufzuführen. Der Erwerbsverlauf von Frauen wird durch familiale Veränderungen beeinflusst. In besonderer Weise wirkt sich die Familiengründung negativ auf den Erwerbsverlauf der Frau aus. Die Mehrheit der Mütter reduziert nach der Familiengründung kontinuierlich die Erwerbs- tätigkeit oder gibt sie ganz auf. Die Müttererwerbsbeteiligung ist in den vergangenen Jahren angestiegen, wobei Teilzeitarbeit als Einigung zwischen Familie und Erwerbsbeteiligung eine wichtige und wachsende Rolle spielt. Da Frauen sich nach der Geburt eines Kindes familien- freundlichere Arbeitszeiten wünschen, steigt der Anteil der Teilzeitbeschäftigungen der west- und ostdeutschen Frauen an. Trotzdem liegt der Anteil der vollzeitbeschäftigten ostdeutschen Frauen deutlich über dem der westdeutschen Frauen und ostdeutsche Frauen weisen eine erheblich längere Erwerbskarriere auf als westdeutsche Frauen. Das Vollzeitmodell der Frauen in den neuen Bundesländern ist weiterhin hergebracht als in Westdeutschland.

Aufgrund der besseren Betreuungsangebote in Ostdeutschland ist es für ostdeutsche Mütter nicht verwunderlich, dass sie trotz der Anzahl der Kinder Vollzeit tätig sind und wegen der Familie ihre Erwerbsbeteiligung nicht aufgeben wollen. Weil in Ostdeutschland die Grundvo- raussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsbeteiligung, nämlich die Kinderbe- treuungseinrichtungen, erfüllt wird, steht die Vollzeiterwerbstätigkeit der ostdeutschen Mütter kurz nach der Geburt eines Kindes im Vordergrund, während bei den westdeutschen Frauen diese Grundvoraussetzung nicht verbreitet ist und demnach zur familialen Erwerbsunterbre- chungen und Teilzeiterwerbsform führt.

Das Bildungsniveau der Frauen kann gegen die Erwerbsunterbrechung wirken. Frauen mit einem hohen Bildungsniveau und einer höheren Karriereneigung sind zum größten Teil weni- ger bereit ihre Erwerbstätigkeit wegen Familiengründung aufzugeben oder zu unterbrechen. Das Rückkehrverhalten der Frauen in den Arbeitsmarkt nach einer Erwerbsunterbrechung ver- anschaulicht, dass mit steigender Unterbrechungsdauer die Rückkehr in den Arbeitsmarkt schwieriger wird. Vor allem Frauen in Ostdeutschland kehren nach der Geburt eines Kindes viel schneller wieder in die Erwerbsbeteiligung zurück als Frauen in Westdeutschland.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Frauen nicht leicht ist, Familie und Erwerbs- beteiligung zu vereinbaren und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit dieses Prinzip ausgelebt werden kann. Es steht aber außer Zweifel, dass in beiden Teilen Deutsch- lands nach Opportunitäten der Vereinbarkeit zwischen Familie und Erwerbsbeteiligung ge- sucht und nicht entweder die Familie oder die Erwerbsbeteiligung gestrichen wird.

Literaturverzeichnis

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Details

Titel
Frauen zwischen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Soziologie)
Veranstaltung
Erwerbsbeteiligung der Frauen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V429291
ISBN (eBook)
9783668729261
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwerbsbeteiligung der Frauen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Vereinbarkeitsproblematik von Familie und Beruf, Frauen zwischen Familie und Beruf
Arbeit zitieren
Melike Kayan (Autor), 2016, Frauen zwischen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429291

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