Bei dem erweiterten Tuckman-Modell handelt es sich um eine allgemeine Theorie, die unabhängig von einer bestimmten Altersgruppe oder dem Anlass der Gruppenbildung (berufliche Fortbildung, Freizeitgruppe, …) betrachtet werden kann. Hier werden die Anwendungsmöglichkeiten des Modells auf schulische Gruppenprozesse untersucht. Dabei soll es auch darum gehen, inwiefern das angewandte Wissen über verschiedene Entwicklungsphasen der Gruppe einen Beitrag zur Entwicklung von Leitungskompetenz leisten kann.
Für die tägliche Arbeit an allgemeinbildenden Schulen spielen Gruppenprozesse eine wesentliche Rolle. Dabei wird insbesondere nach Möglichkeiten gesucht, mit denen im Unterricht die Gruppendynamik positiv unterstützt und gleichzeitig der inhaltliche Fachbezug gewahrt werden kann.
In der Praxis wird allein das Wissen über verschiedene Gruppenphasen und Methoden kaum eine Rolle spielen, wenn es nicht der Zielgruppe entsprechend situationsgerecht umgesetzt werden kann. Daher sollen in dieser Arbeit auch die Hintergründe zum allgemeinen Kompetenzerwerb und die praktische Anwendung von Leitungskompetenzen betrachtet werden. Insbesondere die Tatsache, dass hier neben professionellem Wissen auch eigene Einstellungen, Werte und Erfahrungen eine wichtige Rolle spielen, soll berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ANWENDUNG VON LEITUNGSKOMPETENZEN ALS VORAUSSETZUNG FÜR EINE ERFOLGREICHE GESTALTUNG VON GRUPPENPROZESSEN
2.1 Definition und Erwerb von Kompetenzen
2.2 Leitungskompetenzen - Aufgaben und Handlungsfelder
2.3 Leitungskompetenz im Schulalltag
3. DIE ERFOLGREICHE GESTALTUNG SCHULISCHER GRUPPENPROZESSE NACH DEM ERWEITERTEN TUCKMAN-MODELL
3.1 Gruppenentwicklung nach dem erweiterten Tuckman-Modell
3.2 Besonderheiten schulischer Gruppenprozesse
3.3 Anwendung des erweiterten Tuckman-Modells als Beispiel für Leitungskompetenz im Fachbereich Musik
3.3.1 Spezifische Anforderungen an die Gruppe im Musikunterricht
3.3.2 Auswahl konkreter Handlungsmöglichkeiten und Methoden für verschiedene Phasen des erweiterten Tuckman-Modells im Musikunterricht
4. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das erweiterte Tuckman-Modell als theoretisches System dazu beitragen kann, die Leitungskompetenz von Lehrkräften bei der Gestaltung schulischer Gruppenprozesse zu fördern. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf dem Fachbereich Musik, wo spezifische Anforderungen an die Gruppendynamik und die Unterrichtsführung bestehen, für die konkrete Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden sollen.
- Grundlagen des Kompetenzerwerbs für Lehrkräfte
- Leitungskompetenz im Kontext des pädagogischen Alltags
- Analyse der Phasen des erweiterten Tuckman-Modells
- Besonderheiten schulischer Gruppen und deren Herausforderungen
- Praktische Methoden zur Unterstützung der Gruppendynamik im Musikunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Gruppenentwicklung nach dem erweiterten Tuckman-Modell
Stellvertretend für eine Vielzahl von Theorien liefert das ursprünglich vierstufige Modell von B. W. Tuckman (1965) einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung einer arbeitsfähigen Gruppe. Das Modell unterteilt die gruppendynamischen Entwicklungsschritte in verschiedene Phasen, wobei jede einzelne einen wichtigen Schritt für die erfolgreiche Gestaltung des Gruppenprozesses darstellt. Stahl (2002) erweitert Forming, Storming, Norming und Performing noch um das Re-Forming als fünfte Phase, verzichtet an dieser Stelle jedoch darauf, zu erwähnen, dass Tuckman selbst bereits 1977 das Modell um das Adjourning ergänzt hat, welches mit dem Re-Forming nur teilweise übereinstimmt.
Für jede der Grundphasen gibt es charakteristische Inhalte und Ziele. Stahl (2002) beschreibt das Einhalten der Phasenabfolge und ihre „weitgehend separate Erledigung“ als wichtige Voraussetzung für eine arbeitsfähige Gruppe. Allerdings können durch eine allmähliche Dominanzverlagerung der Zielaktivitäten fließende Übergänge entstehen und manche Schritte des Modells mehrmals durchlaufen werden. Abkürzungen, Ausdehnungen sowie „Verwaschungen und Verklumpungen“ können jederzeit in allen Phasen auftreten. Somit dient das erweiterte Tuckman-Modell für die Gruppenleitung eher „der vereinfachenden Beschreibung komplexer Zusammenhänge, ohne deren Komplexität umfassend abbilden zu können“ und nicht als ein auf jede Situation übertragbarer „Standardfahrplan“. Der Zeitbedarf und die Ausdehnung der einzelnen Phasen lassen sich besonders bei unbekannten Gruppen nur schwer vorhersagen, da jeder Gruppenprozess einzigartig ist und die unterschiedlichsten „Entwicklungsaufgaben“ für die Gruppe und ihre Leitungsperson(en) mit sich bringt.
Jedes Aufeinandertreffen einer neugebildeten (oder auch durch Austausch, Wegfall oder Hinzukommen einzelner Mitglieder veränderten) Gruppe beginnt mit einer Gründungsphase, dem sogenannten Forming. Hier finden, unabhängig davon, ob die Leitung dies aktiv mit gezielten Methoden begleitet oder nicht, Kennenlernprozesse statt. Bei der Entstehung einer neuen Gruppe ist es für jedes einzelne Mitglied wichtig, im Sinne einer inneren Entwicklung „tragfähige Kontakte herzustellen und die Zugehörigkeit zur Gruppe abzusichern“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Relevanz von Gruppenprozessen in der Schule ein und skizziert das Ziel der Arbeit, das Tuckman-Modell für die schulische Praxis nutzbar zu machen.
2. DIE ANWENDUNG VON LEITUNGSKOMPETENZEN ALS VORAUSSETZUNG FÜR EINE ERFOLGREICHE GESTALTUNG VON GRUPPENPROZESSEN: Hier werden theoretische Grundlagen zu Kompetenzen und deren Erwerb sowie spezifische Anforderungen an Leitungskompetenzen im schulischen Alltag behandelt.
3. DIE ERFOLGREICHE GESTALTUNG SCHULISCHER GRUPPENPROZESSE NACH DEM ERWEITERTEN TUCKMAN-MODELL: Das Hauptkapitel erläutert die Phasen des Modells, die Besonderheiten schulischer Gruppen und leitet Methoden für den Musikunterricht ab.
4. FAZIT: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse und betont die Notwendigkeit einer situationsgerechten Anwendung von Modellen und Methoden zur Unterstützung der Gruppendynamik.
Schlüsselwörter
Leitungskompetenz, Tuckman-Modell, Gruppendynamik, Musikunterricht, Gruppenleitung, Klassenführung, Kompetenzerwerb, pädagogisches Handeln, Forming, Storming, Norming, Performing, Re-Forming, Interaktionserziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Leitungskompetenzen und gruppendynamischen Modellen, speziell dem erweiterten Tuckman-Modell, zur Steuerung von Gruppenprozessen im schulischen Umfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Kompetenzerwerb von Lehrkräften, die theoretischen Phasen der Gruppenentwicklung und deren spezifische Umsetzung im Fach Musik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Lehrkräften ein theoretisches Verständnis sowie praxisnahe Methoden an die Hand zu geben, um schulische Gruppenprozesse erfolgreich zu gestalten und die Gruppendynamik positiv zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der theoretische Ansätze zur Gruppenleitung und Kompetenzentwicklung zusammengeführt und auf den Kontext Schule sowie das Fach Musik bezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Phasen der Gruppenentwicklung nach Tuckman detailliert beschrieben, schulische Besonderheiten analysiert und konkrete Methoden zur Phasenunterstützung im Musikunterricht vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Leitungskompetenz, Tuckman-Modell, Gruppendynamik und Musikunterricht charakterisieren.
Warum ist das Fach Musik besonders für diese Analyse geeignet?
Musikunterricht bietet durch die hohe Anzahl an Gruppenaktivitäten und das Ziel der „Gemeinschaftspraxis“ besondere Herausforderungen und Chancen für die Anwendung gruppendynamischer Leitungsmethoden.
Was bedeutet "Leitung" im Gegensatz zu "Führung" laut der Arbeit?
Die Arbeit differenziert zwischen Führung als allgemeiner Beeinflussung durch Gruppenmitglieder und Leitung als zugewiesener Aufgabe einer verantwortlichen Person, die den Prozess strukturiert.
Wie verändert sich die Rolle der Lehrkraft im Performing-Stadium?
Im idealen Performing-Stadium kann sich die Lehrkraft als Coach weitgehend zurücknehmen, da die Gruppe über eine funktionierende Vereinbarungsstruktur verfügt.
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- Luisa Gester (Author), 2017, Gestaltung schulischer Gruppenprozesse nach dem erweiterten Tuckman-Modell. Praktische Anwendung von Leitungskompetenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429378