Topperformance beim Joggen durch den richtigen Beat?

Klarheit über den Mythos Stöpsel in den Ohren beim Joggen


Facharbeit (Schule), 2016
86 Seiten, Note: DE: 1 (= Schweiz: 6)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsbestimmung Musik
2.2 Wahrnehmung von Musik
2.2.1 Der Aufbau des Ohrs
2.2.2 Der Hörvorgang
2.3 Wirkung von Musik
2.3.1 Wirkung von Musik auf den Organismus
2.3.2 Wirkung von Musik auf die Emotionen
2.3.3 Einsatzbereiche von Musik im Alltag
2.4 Stand der Forschung
2.4.1 Aktuelle Studien
2.4.2 Kritik
2.4.3 Erkenntnisgewinn aus den Studien

3 Empirischer Teil
3.1 Untersuchungsziel und Hypothesen
3.2 Problemstellung
3.3 Methodik
3.3.1 Untersuchungsteilnehmer
3.3.2 Untersuchungsverfahren
3.3.3 Apparaturen und Messmethoden
3.3.4 Untersuchungsbedingungen
3.3.5 Untersuchungsauswertung

4 Ergebnisse
4.1 Musikverwendung beim Laufen in der Freizeit
4.1.1 Laufgewohnheiten der Probanden
4.1.2 Entwicklung der Musikverwendung
4.2 Zurückgelegte Laufdistanz
4.3 Geschlechtervergleich
4.4 Lauferfahrung
4.5 Motivation
4.6 Subjektives Belastungsempfinden
4.7 Liedervergleich
4.8 Interviews mit Spitzenläuferinnen

5 Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.1.1 Musikverwendung beim Laufen in der Freizeit
5.1.2 Zurückgelegte Laufdistanz
5.1.3 Geschlechtervergleich
5.1.4 Lauferfahrung
5.1.5 Motivation
5.1.6 Subjektives Belastungsempfinden
5.1.7 Liedervergleich
5.1.8 Interviews mit Spitzenläuferinnen
5.2 Kritische Reflexion der eigenen Untersuchung
5.3 Bedeutung der Ergebnisse in breiterem Kontext

6 Zusammenfassung

7 Schlusswort

8 Literaturverzeichnis
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Zeitschriftenverzeichnis
8.3 Internetverzeichnis
8.4 Verzeichnis wiederkehrender Abkürzungen
8.5 Abbildungsverzeichnis
8.6 Tabellenverzeichnis

9 Danksagung

Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Maturaarbeit handelt von Musik und ihrer Wirkung auf das Laufen, ein weit verbreiteter Sport, welcherüberall mit nur wenigen Mitteln und ohne teures Equipment betrieben werden kann. Egal ob auf dem Laufband oder unter freiem Himmel: Neben den Laufschuhen und den Sportkleidern sind die Ohrstöpsel für Viele ein Muss zur kompletten Sportausrüstung. Doch aus welchen Gründen ist das Laufen mit Musik so beliebt? Können Läufer durch sie wirklich bessere Leistungen vollbringen? Und was sagen Spitzenläuferinnen wie Nicola Spirig oder Simone Niggli dazu?

Folgende zentrale Hypothesen werden in der Arbeit näher untersucht, analysiert und diskutiert:

I. In einem 12'-Lauf kann mit Musik eine signifikant grössere Laufdistanz zurückgelegt werden als ohne Musik.

II. Der Unterschied zwischen der zurückgelegten Laufdistanz in einem 12'-Lauf mit Musik und jenem ohne Musik ist bei Frauen signifikant grösser als bei Männer.

III. Der Unterschied zwischen der zurückgelegten Laufdistanz in einem 12'-Lauf mit Musik und jenem ohne Musik ist bei unerfahrenen Läufern signifikant grösser als bei erfahrenen Läufern.

IV. Die Motivation ist in einem 12'-Lauf mit Musik signifikant grösser als ohne Musik.

V. Das Belastungsempfinden ist in einem 12'-Lauf mit Musik signifikant kleiner als ohne Musik.

Die Maturaarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Maturität, welcher ich besondere Aufmerksamkeit schenken möchte. Dass ich die Maturaarbeit im Themenbereich Sport absolvieren möchte, war mir schon zu Beginn klar. Seine positive Wirkung auf den Körper, wie auch unser Wohlbefinden, faszinieren mich enorm. Als experimentierfreudige Sportlerin hatte ich den Wunsch, nicht nur eine literaturbezogene Arbeit zu schreiben, sondern selbst zu neuen spannenden Erkenntnissen zu kommen. Während der Themensuche fiel mir auf, dass es nur sehr wenig Literaturüber die Wirkung von Musik beim Laufen gibt und in der Welt der Forschung noch eher Neuland ist. Eine solche Lücke gab mir den Anreiz, die Maturaarbeit in diesem spannenden Themenbereich zu verfassen.

Um den Leser mit dem Sachverhalt vertraut zu machen, beginne ich mit der Begriffsbestimmung von Musik, der Wahrnehmung von Musik, sowie der Wirkung von Musik auf den Organismus und die Emotionen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wissenschaftliche Informationenüber den Einfluss von Musik beim Laufen zu finden, stellte ich nach und nach fest, dass die einte oder andere englische Studie in diesem Themenbereich veröffentlicht wurde, welche kurz zusammengefasst vorgestellt werden. Um den Rahmen der Maturaarbeit nicht zuüberschreiten, beziehe ich mich daher lediglich auf jene Studien, die sich mit dem Laufen befassen. Für die hinreichende Prüfung der zentralen Hypothesen folgt ein empirischer Teil. Der Untersuch beinhaltet einen 12’-Lauf mit und ohne Musik, welcher mit 32 Probanden ausgeführt wurde. Die erhobenen Daten wurden mittels Mittelwertsvergleichen ausgewertet. Die aus dem Untersuch gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss analysiert und interpretiert. Zuletzt folgt eine kritische Reflexion der eigenen Untersuchung, sowie die Bedeutung der Ergebnisse in breiterem Kontext.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Begriffsbestimmung Musik

Da die vorliegende Maturaarbeit von Musik und ihrer Wirkung auf das Laufen handelt, erweist es sich als sinnvoll, den Begriff Musik zu definieren. Dieser wird in der Sportwissenschaft für Viele als selbstverständlich angenommen und meist nicht näher beschrieben.

Dazu wurde eine sachliche Beschreibung in diversen Nachschlagewerken und Büchern gesucht. An dieser Stelle werden einige Definitionen genannt:

Autoren definieren Musik als:

- „Die Musik ist eine Zufluchtsstätte für individuelles Erleben und zugleich eine Form der Kommunikation.“[1]
- „Musik nahezu aller Sparten und Stile umgibt uns von morgens bis abends, sie beeinflusst uns, motiviert uns positiv oder negativ, schafft Hörerwartungen und bestimmte Formen des Hörverhaltens, prägt Aversionen und Präferenzen, Musikgeschmack und Musikverständnis.“[2]
- „Musik ist eine symbolische Sprache. Sie ist begründet auf einer spezifischen, nichtinhaltlichen, formalen, konnotativen Beziehung zwischen Musik und dem subjektiven Erleben und Fühlen. Musik klingt in der Art und Weise, wie man erlebt und fühlt.“[3]

Musik im antiken Griechenland:

- „Musik (griech.): „Kunst der Musen“, was soviel wie Tonkunst heisst.“[4]
- „[griechisch] im antiken Griechenland zunächst eine zusammenfassende Bezeichnung für die Ton-, Dicht- und Tanzkunst, später für die Tonkunst allein.“[5]

Nachschlagewerke definieren Musik als:

- „Kunst, Töne in bestimmter (geschichtlich bedingter) Gesetzmäßigkeit hinsichtlich Rhythmus, Melodie, Harmonie zu einer Gruppe von Klängen und zu einer stilistisch eigenständigen Komposition zu ordnen; Tonkunst.“[6]
- „Musik ist eine Folge von Tönen. Dabei ist eine gesetzmäßige Ordnung zu erkennen, die sich im Verhältnis von langen zu kurzen Tönen und von hohen Tönen zu tiefen ausdrückt.“[7]
- „Die Form der Musik bilden Rhythmus, Melodie und Harmonie. Weitere Mittel beim Komponieren von Musik sind die Bestimmung des Tempos, der Lautstärke, der Klangfarbe oder der Tonlage.“[8]

2.2 Wahrnehmung von Musik

2.2.1 Der Aufbau des Ohrs

Das Ohr ist in drei Abschnitte gegliedert: demäusseren Ohr mit Ohrmuschel und Gehörgang, dem Mittelohr mit seinen Gehörknöchelchen, und dem Innenohr, worin sich das Gleichgewichtsorgan befindet. Zum einen nimmt das Ohr den eintreffenden Schall, also Töne oder Geräusche, auf, welche dann in Nervensignale umgewandelt und schliesslich ans Gehirn weitergeleitet werden. Zum anderen ist das Ohr für den Gleichgewichtssinn zuständig. Dieser besteht aus dem Vorhof sowie den drei Bogengängen, welche das Gehirnüber die Lage und Beschleunigung des Körpers im Raum informieren.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau des Ohrs. Oton (2016). URL: http://www.oton-hoerakustik.de/hoerprobleme/wie-aeussert-sich-eine-schwerhoerigkeit/wie-funktioniert-das-gehoer. [04.08.2016].

Dasäussere Ohr

Dasäussere Ohr besteht im Wesentlichen aus der Ohrmuschel und demäusseren Gehörgang. Die Ohrmuschel besteht bis auf das Ohrläppchen aus elastischem Knorpel undähnelt einem abgeflachten Trichter, welcher den Schall optimal auffangen kann. Seine Form ist dabei individuell und erblich bedingt.[10]

Durch denäusseren Gehörgang werden die Schallwellen zum Trommelfell geleitet. Diese ist mit Haut, Härchen sowie Zeruminaldrüsen ausgekleidet. Die Zeruminaldrüsen stellen dabei das Ohrenschmalz her. Dieses befindet sich ebenfalls imäusseren Gehörgang und ist dafür verantwortlich, dass Fremdkörper nach aussen transportiert und Krankheitserreger unschädlich gemacht werden. Deräussere Gehörgang ist vom Mittelohr durch das Trommelfell, einer dünnen elastischen Membran, getrennt.[11]

Das Mittelohr

Das Mittelohr befindet sich im Felsenbein des Schädels. Es besteht aus der Paukenhöhle, einem luftgefüllten hohlen Raum, sowie der Ohrtrompete. Die Paukenhöhle befindet sich hinter dem Trommelfell und ein Stücküber demäusseren Gehörgang. In ihm befinden sich die drei Gehörknöchelchen Amboss, Hammer und Steigbügel, welche mit dem Trommelfell den Schallleitungsapparat bilden.

Die Paukenhöhle ist mit Luft gefüllt, damit das Trommelfell frei schwingen kann, wenn Schallwellen darauf treffen. Die Ohrtrompete bildet die Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem oberen Rachenraum. Durch sie ist ein Luftdruckausgleich zwischen den beiden Räumen möglich, da sie beim Schlucken und Gähnen automatisch geöffnet wird. Auf diese Weise herrscht imäusseren Gehörgang und in der Paukenhöhle stets der gleiche Luftdruck, und das Trommelfell kann frei schwingen.

Der Hammergriff steht mit dem Trommelfell in Verbindung. Zwischen dem Hammer und dem Amboss, sowie Amboss und Steigbügel besteht eine Gelenkverbindung. Sieübertragen die Schallwellen, welche erst auf das Trommelfell treffen, schliesslich an das mit Flüssigkeit gefüllte Innenohr weiter. Das Innenohr ist mit dem Mittelohrüber das ovale und das runde Fenster verbunden.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das Mittelohr. Planet Schule (2016). URL: https://www.planet-schule.de/wissenspool/total-phaenomenal-sinne/inhalt/hintergrund/der-hoersinn/mensch.htm. [04.08.16].

Das Innenohr

Das Innenohr ist mit der Flüssigkeit Lymphe gefüllt und enthält die Sinnesrezeptoren für den Gehörsinn, wie auch für den Gleichgewichtssinn. Es liegt im knöchernen Labyrinth des Felsenbeins und besteht aus dem Vorhof, den drei Bogengängen, sowie der Schnecke. Die Schnecke ist in einen häutigen, und einen knöchernen Teil gegliedert. Der Knöcherne bildet den Schneckengang und ist mit der Flüssigkeit Perilymphe gefüllt. Die häutige Schnecke entspricht einem Hohlraum, welche durch zwei Membranen abgetrennt und mit der Flüssigkeit Endolymphe gefüllt ist. In ihm befindet sich das Corti-Organ, der Sitz des Gehörsinnes mit seinen Sinneszellen. Die Sinneszellen, welche für das Gehör zuständig sind, heissen Haarzellen und stehenüber den Hirnnerv mit dem Gehirn in Verbindung.[13]

In direkter Nachbarschaft liegt das Gleichgewichtsorgan. Es besteht aus den drei Bogengängen und dem Vorhof. Die Anzahl Bogengänge entsprechen den Anzahl Richtungen im Raum. Jeder von ihnen stehtüber den Gleichgewichtsnerv mit dem Gehirn in Verbindung und informiert ihnüber die Lage des Körpers im Raum. Sie ermöglichen es, das Gleichgewicht auch bei Drehbewegungen halten zu können.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das Innenohr. Apotheken Umschau (2014). URL: http://www.apotheken-umschau.de/Ohren/Morbus-Meniere-Ursachen-148959_2.html#bildlupe/1/. [04.08.16].

2.2.2 Der Hörvorgang

Wenn Musik gehört wird, schwirren Schallwellen durch die Luft. Beim Schall handelt es sich um Schwingungen, welche sich wellenförmig ausbreiten. Unsere Ohrmuschel leitet diese wie ein Trichter in den ca. 2cm langen Gehörgang. Im Mittelohr treffen sie auf das Trommelfell, welches die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel ebenfalls in Bewegung versetzt. Wie eine Kette gibt der Hammer die Schwingungen dem Amboss, und dieser wiederum dem Steigbügel weiter. Von hier aus werden die Schwingungen wiederumüber das ovale Fenster an das Innenohr weitergeleitet.[15]

Die Kraft, mit welcher an die Membran der Schnecke im Innenohr getrommelt wird, ist inzwischen vermehrfacht. Der Grund liegt im Grössenverhältnis zwischen dem Trommelfell und dem ovalen Fenster. Das Trommelfell besitzt eine Fläche von rund 50mm2, das ovale Fenster hingegen nur 3-4mm2. Durch das Flächenverhältnis wirkt auf das ovale Fenster ein grösserer Schalldruck. Auch die Hebelkräfte aus der Anordnung der drei Gehörknöchelchen verursachen eine weitere Verstärkung.[16]

Für diese Druckerhöhung sind zwei Muskeln als natürliche Ohrenschützer eingebaut, welche sich bei Lärm reflexartig zusammenziehen, die Gehörknöchelchen versteifen und auf diese Art und Weise die Schallübertragung dämpfen.[17]

Durch das Bewegen der Lymphe im Innenohr streift die Flüssigkeit auchüber die Sinneshaarzellen des Corti-Organs. Die ursprünglichen Schallwellen werden in elektrische Signale umgewandelt, undüber den Hörnerv zum Gehirn weitergeleitet. Der Ton wird wahrgenommen.[18]

Spannend ist, dass Musik vom Gehirn unterschiedlich aufgenommen wird. Die linke Hirnhälfte ist zuständig für den Rhythmus, während die rechte Hirnhälfte Melodien verarbeitet und stärker auf emotionale Reize reagiert. Eine weitere Erkenntnis ist, dass in der rechten Hirnhälfte musikalische Bilder lokalisiert sind, und in der linken Hälfte musikalische Lern- und Informationsprozesse stattfinden.[19]

Dezibel und Hertz

Ein Schall breitet sich wie bereits erwähnt wellenförmig aus. Dabei wird der für die Lautstärke zuständige Schalldruck gemessen. Dieser besitzt die Einheit Dezibel (dB). Die Frequenz entspricht der Tonhöhe, also die Häufigkeit der Schwingungen pro Sekunde, und wird in Hertz (Hz) gemessen. Je kleiner die Anzahl Schwingungen pro Sekunde ist, desto tiefer ist der Ton. Eine Zunahme um 10 dB entspricht der doppelten empfundenen Lautstärke. Es liegt also eine logarithmische Lärmskala vor. Ein gesundes Ohr hört ab bereits 0 dB.[20]

2.3 Wirkung von Musik

Sie ergreift Zuhörer, bringt sie zum Lachen oder zum Weinen: Musik. Musik ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Egal ob beim Einkaufen, beim Autofahren oder im Hintergrund von geselligen Veranstaltungen, sie ist ein fester Bestandteil. Spannend ist hier zu erfahren, wie Lieder unser Denken, unser Fühlen oder auch unsere Körperfunktionen generell beeinflussen kann. Wichtig zu erwähnen an dieser Stelle ist, dass es aufgrund der Individualität jedes Einzelnen schwierig ist, Musikwirkungen zu verallgemeinern. So wird auch das breite Spektrum an Musikformen von jeder Person anders aufgenommen, wodurch alle unterschiedlich darauf reagieren.

Um sich dem Einfluss von Musik auf die sportlichen Leistungen von Läuferinnen und Läufern nähern zu können erweist es sich als sinnvoll, die Wirkungen von Musik generell genauer in Betracht zu ziehen. Anschliessend wirdüber die Einsatzbereiche von Musik im Alltag berichtet.

2.3.1 Wirkung von Musik auf den Organismus

Die Wirkung von Musik kann nur bedingt wissenschaftlich festgestellt werden. Es handelt sich oftmals um eine subjektive Schilderung, die nur erahnt werden kann. Beobachtbares Verhalten können rhythmische Bewegungen wie das Trommeln mit den Fingern, oder das Wippen mit den Beinen sein. Spannend ist, dass dies häufig nur passiv, also im Unterbewusstsein geschieht. Dass Musik auf den Organismus wirkt, lässt sich demnach nicht verleugnen. Ob, und inwiefern Musik eine Wirkung auf den Organismus hat, ist abhängig von Eigenschaften wie dem Tempo, der Lautstärke, oder der Klangqualität. Auch die Hörgewohnheiten sowie kulturelle Hintergründe spielen hier eine grundlegende Rolle.[21]

Von dieser Wirkung der Musik wird auch in der Medizin heute häufig Gebrauch gemacht. Folgende Wirkungen können durch Musik hervorgerufen werden:[22]

Tabelle 1: Nützliche Wirkungen von Musik auf den Organismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachgewiesen werden konnte auch, dass laute Musik generell zu Aktivierung und Produktion von Adrenalin führt, leise Musik hingegen zu Entspannung. Die Erkenntnisse werden im Folgenden kurz in einer Tabelle zusammengefasst:[23]

Tabelle 2: erregende oder beruhigende Musikwirkung nach Gembris

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.2 Wirkung von Musik auf die Emotionen

Nachdem im letzten Unterkapitel dem Leser nähergebracht wurde, welche Wirkung Musik auf den Organismus haben kann, soll nun die Wirkung von musikalischen Reizen auf die Emotionen näher in Betracht gezogen werden. Wohl kaum würde einer daran zweifeln, dass Musik emotional ergreifen kann. Wissenschaftliche Untersuchungen stossen jedoch schnell auf ihre Grenzen, wodurch keine eindeutige Antwort auf die Frage der Wirkung von Musik auf die Emotionen gegeben werden kann. Zum einen ist es schwierig, die ausgelösten Gefühle exakt messen zu können, zum anderen auch das Rückschliessen, von welchem musikalischen Element welche Wirkung genau ausgeht. Daher ist die empirische Überprüfung von der Wirkung von Musik auf die Emotionen eher problematisch und schwierig. Dennoch werden im Folgenden spannende Erkenntnisse kurz zusammengefasst:

Wie aus dem Alltag bekannt ist, kann Musik Emotionen intensivieren oder abschwächen. Anderseits können Emotionen durch gewisse Lieder entstehen. Daraus folgt, dass Musik eine Ursache für emotionale Reaktionen ist. Die einen Songs lösen Trauer aus, andere hingegen stellen auf oder motivieren. Das gleiche Musikstück bewirkt aber nicht bei allen das gleiche, sondern kann bei verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Auch umgekehrt kann die gleiche Musik auf die gleiche Person je nach Gefühlslage unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Wie aber bestimmte Emotionen dadurch entstehen, ist in der Emotionspsychologie bis heute noch unbekannt.[24]

Musikpsychologen sind sich aber einig, dass bei den hervorgerufenen Emotionen individuelle und persönliche Erfahrungen, sowie die aktuelle Gefühlslage eine entscheidende Rolle spielen. Bei einem Lied einer vertrauten Musikrichtung geht der Zuhörer dadurch emotional viel stärker mit als bei unbekannter Musik. Es ist also nicht zu Hundert Prozent voraussagbar, ob bestimmte Gefühle oder Gänsehaut ausgelöst werden können, sondern ist von vielen weiteren Faktoren abhängig.

Die beiden kanadischen Neurologen Robert Zatorre und Anne Blood fanden zudem heraus, dass beim Hören von Musik die selben Hirnzentren aktiviert sind, wie wenn man mit einer attraktiven Person Blickkontakt hat, Drogen konsumiert werden oder mit Heisshunger Schokolade gegessen wird. Eine weitere Erkenntnis ist, dass Teile des Gehirns, welche für Angst zuständig sind, durch angenehme Musik gehemmt werden. Diese Resultate weisen darauf hin, dass das Belohnungssystem im Gehirn durch angenehme Musik aktiviert wird.[25]

Auch Forscher der McGill University konnten dies bestätigen, indem sie herausfanden, dass Menschen beim Hören bestimmter Stücke eine Gänsehaut bekommen. Beim Hören solcher Musik wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet, was im Gehirn also einen Belohnungsmechanismus auslöst.[26]

Auch Gembris konnte bestätigen, dass bei der Wirkung von Musik stets auch individuelle Erfahrungen wie das soziale und kulturelle Umfeld eine wichtige Rolle spielen. In den Lebensjahren zwischen 10 und 20 wird der individuelle Musikgeschmack festgelegt. In den darauffolgenden 5 Jahren wird dieser stabilisiert, wodurch die geformte musikalische Vorliebe schliesslich angeeignet wird. Dass die individuelle Gefühlslage des Hörers von grosser Bedeutung ist, konnte auch er bestätigen.[27]

2.3.3 Einsatzbereiche von Musik im Alltag

Funktionelle Musik

Funktionelle Musik ist diejenige, die einem bestimmten Zweck dient. So auch die Lautsprechermusik, welche kaum in den Vordergrund tritt und meistens nicht bewusst wahrgenommen wird. Wissenschaftliche Studienüber ihre Wirkung gibt es nur wenige. Jedoch konnte nachgewiesen werden, dass wenn am Arbeitsplatz das Radio im Hintergrund läuft, diese zu einer Leistungssteigerung führen kann. Im Fernsehen hingegen werden akustische Mittel verwendet, damit die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Werbung gelenkt wird. Die Musik dafür wird gezielt ausgesucht. Sie soll dem Publikum möglichst gut eingeprägt werden oder eine bestimmte Altersgruppe ansprechen. Neben der Lautsprechermusik ist auch die Filmmusik ein Bestandteil der funktionellen Musik. Das Ziel der Filmmusik ist, bestimmte Emotionen hervorzurufen oder zu verstärken.

Auch in der Politik findet sie ihren Nutzen. So ist beispielsweise in der DDR ein Buch erschienen, welche den Einsatz von Musik in der Politik zu jener Zeit beschreibt.[28]

Nicht zuletzt sei die Hintergrundmusik im Kaufhaus zu erwähnen, welche die Käufer nicht bewusst beeinflusst, trotzdem aber die Kaufwahrscheinlichkeit erhöht. Die Lautstärke ist auch hier von zentraler Bedeutung. Bei lauter Musik bleiben die Kundenüber eine kürzere Zeit im Laden, bei leiser Musik hingegen ist der Aufenthalt länger. Eine spätere Studieüber die Geschwindigkeit der Lieder brachte den gleichen Effekt: Bei langsamer Musik wurde durchschnittlich 127.5s benötigt, um den Laden zu durchlaufen, bei schneller Musik hingegen nur 108.9s.

Ähnliche Erkenntnisse konnten auch im Restaurant gemacht werden: Bei langsamen Songs assen die Gäste langsamer und tranken mehr als bei schnellen Liedern.[29]

Einsatz von Musik in der Medizin

Wie bereits erwähnt wurde, findet akustische Stimulation auch in der Medizin seinen Einsatz. Meist werden hier bestimmte psychische oder körperliche Symptome wie beispielsweise neurotische Ängste behandelt, welche zu Verspannungszuständen oder Krämpfen führen. Auch in der Medizin wird je nach Symptomüber die Art der Musik, dem Zeitpunkt, wann sie gehört werden soll, sowie der Dauer entschieden. Die Funktion der Lieder ist also, eine bestimmte Wirkung mit sich zu bringen. Die jeweiligen ausgewählten Songs sollen bewusst angehört werden.[30]

Auch zur Schmerzreduktion oder Bewältigung von Stress wird Musik häufig eingesetzt. Sie wird meist nur passiv gehört und hilft, auf Medikamente zu verzichten oder diese einzusparen. Bevorzugt wird hier die Lieblingsmusik des Patienten, welche bereits vor dem befürchteten oder schmerzhaften Eingriff eingesetzt wird. Auf diese Art und weise können Medikamente wie Beruhigungsmittel eingespart werden.[31]

Einsatz von Musik im Sport

Spannend ist auch der Musikgebrauch bei Spitzensportlern an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen. Die nutzbaren Eigenschaften werden häufig bei den Wettkampfvorbereitungen eingesetzt. Viele Sportler kommen dabei in Stresssituationen, besitzen nicht genügend Selbstvertrauen oder haben Mühe, sich konzentrieren zu können. In solchen Situationen wird versucht, mit Musik psychoregulativ einzuwirken. Sportler hören sich die Lieder als mentale Vorbereitung immer wieder an. Dadurch wird die Psyche angesprochen, was eine Auswirkung auf die sportlichen Leistungen mit sich bringt. Auch Leistungssportler wie Usain Bolt oder Dirk Nowitzki sieht man vor ihrem Auftritt nicht selten mit den Kopfhörern in den Ohren. Ihnen hilft Musik, die Konzentration aufzubringen, welche für einen Wettkampf benötigt wird, sie vorzubereiten, oder auch anzutreiben. Wichtig ist, dass die Songs stets vom jeweiligen Sportler selbst ausgewählt wird. Der Grund liegt auch hier wieder im individuellen Geschmack.

Im Sport kann Musik beim Erlernen von Bewegungen oder Bewegungsabläufen eine gute Hilfe sein. In diesem Bereich muss sie jedoch elementar, also mit der Stimme, Instrumenten, Geräten oder dem Körper verwendet werden. Der Rhythmus gibt dabei an, was der Körper wann tun soll. Verbessert sich die Bewegung, verändert sich demnach auch der rhythmische Fluss und die Musik muss angepasst werden. Die Dynamik zeigt, wie intensiv und mit welcher Spannung die Bewegung ausgeführt werden soll. Sobald eine gewisse Bewegungsqualität erreicht wurde, kann Musik ab Tonträgern abgespielt werden.[32]

Neben dem Fitnesscenter wo Gruppenkurse wie Aerobic beispielsweise nicht ohne Musik vorstellbar sind, ist sie in gewissen Sportartenüberhaupt ein wichtiger Bestandteil. Hier aufzuführen wäre unter anderem die rhythmische Sportgymnastik, das Eiskunstlaufen oder auch das Tanzen, bei welchen geeignete Lieder den Ausdruck noch mehr verstärkt.

2.4 Stand der Forschung

Das Ziel des letzten Kapitels war es, einen detaillierten Einblick in die Wirkung von Musik zu geben. Daraus wird klar, dass eine Wirkung auch auf das Laufen durchaus denkbar ist. Im folgenden Kapitel liegt nun genau diese im Fokus, um dem Ziel der Arbeit näher zu kommen. Dazu wurden Studien zum Einfluss von Musik auf das Laufen gesucht und zusammengefasst, welche auch in der Diskussion wieder aufgegriffen werden. Die Studien werden weiter kritisch betrachtet, sowie die wichtigsten Erkenntnisse festgehalten.

2.4.1 Aktuelle Studien

2004: „The effect of music type on running perseverance and coping with effort sen-sations“:

In der Studie von Tenebaum et al. aus dem Jahre 2004 wurde untersucht, ob durch Musik eine bestimmte Leistung unter hoher körperlicher Anstrengung länger ausgeführt werden kann als ohne Musik. Zum anderen war das Ziel, die Wirkung von unterschiedlichen Musikgenres zu analysieren. Der Untersuch beinhaltete 3 verschiedene Studien. In Studie 1 und 2 (n=15, wovon alle männlich waren) mussten die Läufer auf 90% ihrer maximalen Sauerstoffaufnahme insgesamt vier Mal auf dem Laufband laufen. Dies wurde beim ersten Mal mit Rock, beim zweiten Mal mit Dance, beim dritten Mal mit inspirierender Musik und beim letzten Mal ohne Musik ausgeführt. Beobachtet wurde dabei die Herzfrequenz (HR) sowie das Belastungsempfinden (RPE). Gleichzeitig wurden die Läuferüber Beschwerden untersucht undüber musikspezifische Inhalte befragt. In Studie 3 wurde der Untersuch in die Natur verlegt, wobei die Probanden eine hügelige Strecke absolvieren mussten.

Die Ergebnisse besagen, dass Musik keinen Einfluss auf die Herzfrequenz besitzt. Auch die gefühlte Anstrengung zeigt keine Veränderung. Die Probanden konnten nicht länger laufen. 30% der Läuferinnen und Läufer fühlte sich jedoch durch Musik motiviert, was sie vor allem zu Beginn des Laufs unterstützte und anspornte, weiter zu laufen. Grundsätzlich war inspirierende Musik bei den Probanden beliebter als Musik der Genre Rock oder Dance.[33]

2007: „Influence of tempo and subjective rating of music in step of frequency of running“:

Die Studie von Ahmaniemi aus dem Jahre 2007 befasst sich mit dem Einfluss von selbstgewählter Musik auf die Schrittfrequenz, die Geschwindigkeit, sowie die Motivation des Läufers. Bei der Stichprobe (n=8) handelt es sich um Marathonläufer aus dem Nokia Research Center. Dabei sollten die Läuferinnen und Läufer während 30min zu einer Musik ihrer Wahl draussen auf einer 350m-Laufbahn rennen, welche sieüber Kopfhörer ihres Handys hörten.

Aus der Studie geht heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Musik und der Schrittfrequenz gibt, sowie zwischen der Musik und der Motivation des Läufers. Auf die Geschwindigkeit der Läuferübte Musik jedoch keinen Einfluss aus.[34]

2009: „Psychophysical and ergogenic effects of synchronous music during treadmill walking“:

In der vorliegenden Studie aus dem Jahr 2009 wurde der Einfluss von motivierender Musik auf die Ausdauerfähigkeit der Probanden untersucht. Andererseits wurde das Anstrengungs-empfinden (RPE) beobachtet. Das Alter der Probanden (n=30) lag im Durchschnitt bei 20.5 Jahren. Sie begannen bei 75% ihrer maximalen Herzfrequenz und liefen bis zu ihrer Erschöpfung. Der Untersuch wurde auf dem Laufband ausgeführt. Dies wurde ein Mal mit motivierender Musik, ein Mal mit nicht motivierender Musik, sowie ein Mal ohne Musik ausgeführt.

Die Ergebnisse bestätigen in beiden Läufen mit Musik im Vergleich zu jenem ohne, dass die Probanden länger laufen konnten. Mit motivierende Musik konnten sieüber einen grösseren Zeitraum laufen als im Lauf mit nicht motivierender Musik. Auf das Anstrengungsempfinden hatte Musik jedoch keinen Einfluss.[35]

2014: „Influence of music on maximal self-paced running performance and passive post-exercise recovery rate“:

Die Studie von Lee & Kimmely aus dem Jahre 2014 befasst sich mit dem Einfluss schneller und langsamer Musik auf die maximale Laufgeschwindigkeit sowie das Anstrengungsempfinden (RPE). Der Untersuch wurde auf dem Laufband ausgeführt. Es wurden dafür 12 Probanden, davon 5 Frauen und 7 Männer, untersucht, welche während 20min ein Mal schnelle, ein weiteres Mal langsame Lieder hörten. Diese durfte dafür selbst ausgewählt werden. Auch das Lauftempo durften die Probanden selbst bestimmen. Die Lautstärke musste angenehm, aber genügend hörbar eingestellt werden, damit das Geräusch des Laufbandes nicht mehr wahrgenommen wurde.

Das Ergebnis besagt, dass schnelle Musik unbewusst die eigene Leistungsfähigkeit fördert. Mit schneller Musik wurde ein höheres Tempo gewählt, nämlich durchschnittlich 10.8km/h, während beim Lauf mit langsamer Musik im Durchschnitt 9.9km/h gelaufen wurde. Auf das Anstrengungsempfinden hatte Musik hingegen keinen Einfluss.[36]

2.4.2 Kritik

Die vorliegenden Studien bringen widersprüchliche Erkenntnisse mit sich mit. Um eine möglichst aussagekräftige Studie aufstellen zu können, müssen viele Parameter berücksichtig werden. Diese wurden hingegen vage formuliert wodurch dem Leser nicht ersichtlich wird, wie die Ergebnisse genau zu Stande kommen. Wie im Kapitel „2.3 Wirkung von Musik“ beschrieben wurde, ist die Wirkung von Musik sehr individuell und lässt sich nur schwierig verallgemeinern. Aus diesem Grund ist es eine zwingende Voraussetzung, möglichst viele Probanden bei solch einer Studie zu untersuchen. Die vorliegenden Studien wurden allerdings mit nur sehr wenigen Probanden ausgeführt. Namentlich zu erwähnen sind hier die Studien von Ahmaniemi (2007), welche an lediglich 8 Probanden, oder auch jene von Lee & Kimmely (2014), bei welcher 12 Probanden untersucht wurden. Es braucht möglichst viele Versuchspersonen, umüber die individuellen Musikgeschmäcker hinweg sehen zu können und die Ergebnisse zu verallgemeinern. Daher kann von Studie zu Studie ein eine andere Erkenntnis resultieren.

Auch wird nicht in allen Studien näher beschrieben, was für Musik verwendet wurde. In der Studie von Ahmaniemi (2007) sowie jener von Lee & Kimmely (2014) konnten die Probanden die Musik selber auswählen. Die Musikwirkung ist schliesslich abhängig von Eigenschaften wie das Tempo oder der Lautstärke. Je nach verwendeter Musik können dementsprechend ebenfalls unterschiedliche Ergebnisse resultieren, wodurch nicht gedeutet werden kann, wovon die unterschiedlichen Ergebnisse abhängig sind.

2.4.3 Erkenntnisgewinn aus den Studien

Wie bereits erwähnt gibt es widersprüchliche Erkenntnisse in den vier vorliegenden Studien. Laut Tenenbaum et al. (2004) können Probanden durch die musikalische Stimulation nicht länger laufen als ohne. Die Studie von Karageorghis (2009) hingegen bestätigt, dass mit Musik die Leistungüber einen längeren Zeitraum ausgeführt werden konnte.

Auch der Einfluss von Musik auf die Geschwindigkeit der Läufer ist umstritten. Die Studie von Ahamniemi (2007) kam zum Schluss, dass Musik keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Läufer ausübt. Die Studie von Lee & Kimmely (2014) hingegen bestätigt, dass mit schnellen Rhythmen eine grössere Geschwindigkeit gelaufen wird als mit langsamen Liedern und somit die Geschwindigkeit der Läufer beeinflusst.

Im Einfluss von Musik auf das Anstrengungsempfinden (RPE) scheinen sich die Studien einig zu sein. Alle drei Studien kamen zum Schluss, dass sie keinen Einfluss auf die gefühlte Anstrengung besitzt.

Zum Einfluss von Musik auf die Motivation der Probanden kann gesagt werden, dass diese motivierend auf Läuferinnen und Läufer wirkt.

Zusammenfassung zur Wirkung von Musik auf das Laufen

Folgende zentralen Erkenntnisse konnten aus den vorliegenden Studien gewonnen werden:

- Musik besitzt keinen Einfluss auf die Herzfrequenz der Läufer.
- Musik besitzt keinen Einfluss auf das Anstrengungsempfinden der Läufer.
- Musikbegleitung beeinflusst die Schrittfrequenz während dem Laufen.
- Mit motivierender Musik können Läufer länger laufen als mit nicht motivierender Musik.
- Mit schneller Musik laufen Läufer mit einer grösseren Geschwindigkeit als mit langsamer Musik.

Widersprüchliche Erkenntnisse gibt es in den Studien hinsichtlich des Einflusses von Musik auf die Geschwindigkeit der Läufer, sowie auf die Dauer, wie lange eine Leistung ausgeführt werden kann.

3 Empirischer Teil

Im ersten Teil der Arbeit wurde deutlich, dass die aufgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht ausreichen, um die zu untersuchenden Hypothesen hinreichend beantworten zu können. Basierend auf den theoretischen Grundlagen ist das Ziel der vorliegenden Maturaarbeit, eine Untersuchung aufzustellen und mithilfe dessen zu neuen spannenden Erkenntnissen zu kommen. Berücksichtigt wurde aus den bisherigen Studien, dass für eine aussagekräftige Untersuchung genügend Probanden untersucht werden sollen. Im folgenden Kapitel wird zunächst das Untersuchungsziel mit seinen Hypothesen, die Problemstellung, sowie die Methodik des Untersuchs vorgestellt. Genauer wird die Untersuchung in den Unterkapiteln wiedergegeben.

3.1 Untersuchungsziel und Hypothesen

Die Kopfhörer werden in Laufdisziplinen immer häufiger eingesetzt. Durch die Entwicklung der Technik gibt es heute bereits die Möglichkeit, auch mit kabellosen Geräten laufen zu können. Daraus ergibt sich die Frage, ob Musik die Laufleistung dennüberhaupt beeinflussen kann.

Das Ziel des Untersuchs war es, den Einfluss von Musik hinsichtlich der zurückgelegten Laufdistanz, des Belastungsempfindens, sowie der Motivation in einem 12’-Lauf zu untersuchen. Weiter wurde untersucht, ob sich hinsichtlich der Geschlechter, wie auch der Lauferfahrung Unterschiede bemerkbar machen. Um die Ergebnisse mit Meinungen von Spitzenläufern vergleichen zu können, wurden Interviews mit den beiden Idolen Nicola Spirig und Simone Niggli geführt. Zu folgenden zentralen Hypothesen wurden Schüler der Kantonsschule Frauenfeld sowie Läuferinnen und Läufer des LSV-Frauenfeld untersucht:

I. In einem 12'-Lauf kann mit Musik eine signifikant grössere Laufdistanz zurückgelegt werden als ohne Musik.

II. Der Unterschied zwischen der zurückgelegten Laufdistanz in einem 12'-Lauf mit Musik und jenem ohne Musik ist bei Frauen signifikant grösser als bei Männer.

III. Der Unterschied zwischen der zurückgelegten Laufdistanz in einem 12'-Lauf mit Musik und jenem ohne Musik ist bei unerfahrenen Läufern signifikant grösser als bei erfahrenen Läufern.

IV. Die Motivation ist in einem 12'-Lauf mit Musik signifikant grösser als ohne Musik.

V. Das Belastungsempfinden ist in einem 12'-Lauf mit Musik signifikant kleiner als ohne Musik.

3.2 Problemstellung

Für die empirische Untersuchung bestand die Problematik, welche Musik verwendet werden soll. Aufgrund der Individualität der Musikgeschmäcker der Probanden sollte eigentlich keine Musik vorgegeben werden, da es nicht gelingen kann, eine Musik für alle zu finden. Anderseits ist die Aussagekraft ebenfalls nur gering, wenn alle Probanden ihre Musik selber wählen. Die Resultate können auf diese Weise nicht genau gedeutet werden.

So bestand eine wichtige Aufgabe darin, Musikstücke zu finden, die zum einen im Toleranzbereich der Probanden liegt und zum anderen doch so gut wie möglich motivieren soll.

Für den Untersuch wurden schliesslich vier völlig unterschiedliche Lieder verschiedener Genres mit unterschiedlicher Geschwindigkeit gewählt, auf welche in der Diskussion schliesslich näher darauf eingegangen wird.

3.3 Methodik

In diesem Kapitel wird die Methodik des Untersuchs dargestellt. Der nachfolgend beschriebene Untersuch fand im Sommer 2016 in den Monaten von Juni bis August statt. Dieser beinhaltet einen 12’-Lauf mit, sowie ohne Musik, und wurde unter Feldbedingungen ausgeführt.

Tabelle 3: Der zeitliche Verlauf der im Rahmen der Maturaarbeit durchgeführten Untersuchungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.1 Untersuchungsteilnehmer

An dem Untersuch nahmen insgesamt 32 Probanden teil, davon 19 weiblich und 13 männlich. Die Spannweite des Alters der Probanden liegt bei 44 Jahren und variiert zwischen 16 und 60 Jahren. Das Durchschnittsalter aller Probanden liegt bei 27.5 Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Stichprobe der Untersuchung

Die Suche nach Probanden erfolgteüber Gespräche mit Lehrpersonen der Kantonsschule Frauenfeld sowie durch Kontaktaufnahme mit dem Präsidenten des LSV-Frauenfeld, einem Lauftreff der Region. Als „erfahrene Läufer“ wurden jene Probanden festgelegt, welche mindestens 2x pro Woche seit mindestens einem Jahr trainieren. Dies trifft auf 14 Probanden zu. Die restlichen 18 Probanden wurden in die Gruppe „unerfahrene Läufer“ eingestuft.

3.3.2 Untersuchungsverfahren

Für die Untersuchung wurde ein leistungsdiagnostisches Verfahren gewählt, welche die Probanden einmal mit, und einmal ohne Musik absolvierten. Der 12’-Lauftest von Cooper eignete sich hierfür optimal. Es handelt sich um einen Lauf mit der Dauer von zwölf Minuten, wobei die zurückgelegte Strecke ermittelt wird.

Der Test wurde auf einer 400m Laufbahn ausgeführt, wobei jeder Läufer eine grösst mögliche Distanz zurückzulegen versuchte. Die Rundbahn war zudem mit 25m-Markierungen versehen. Es wurden die Runden bis zum Schlusssignal gezählt. Bei diesem begab sich der Läufer zur nächsten 25m Markierung und die zurückgelegte Distanz konnte ermittelt werden. Zur Kontrolle der Zeit wurde die Timer-Funktion auf dem iPhone verwendet, wobei die Läufer stetsüber die aktuelle Zeit informiert wurden. Der 12’-Lauf musste zudem unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden. Aus diesem Grund wurde der Test von einem externen Fragebogen (siehe Anhang, begleitender Fragebogen mit und ohne Musik) begleitet, welcher sich in zwei Teile, mit und ohne Musik, gliedert. Auf diesem Fragebogen wurden neben den persönlichen Angaben und aktuellen Bedingungen zusätzlich auch die zurückgelegte Distanz, die Motivation und das Belastungsempfinden (RPE) notiert. Diese bildeten somit die Grundlage für die Auswertung des gesamten Untersuchs. Um eine Verfälschung der Resultate auszuschliessen, wurden jene Resultate vom Untersuch ausgeschlossen, sobald einer der beiden Läufe eines Probanden aufgrund der endogenen Faktoren nicht aussagekräftig war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Untersuchungsdesign zur Bestimmung der Wirkung von Musik auf das Laufen.

Die Playlist sowie die Lautstärke wurden den Probanden vorgegeben. Die Lautstärke sollte so gewählt werden, dass sie gut wahrnehmbar gehört werden konnte, aber nicht schmerzt. Dabei beinhaltete die Playlist vier Lieder verschiedener Genres sowie unterschiedlicher Musikgeschwindigkeiten. Die Lieder stammen aus den Genres Rock, Pop, Klassik und Reggae. Folgende vier Lieder wurden vorgegeben, welche je 3min liefen:

Tabelle 5: Lieder für den Untersuch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[37]

3.3.3 Apparaturen und Messmethoden

Begleitender Fragebogen

Zu den jeweiligen Läufen wurde den Probanden wie bereits erwähnt ein begleitender Fragebogen ausgeteilt. Der Fragebogen gliedert sich dementsprechend in einen Teil ohne, und einen Teil mit Musik. In diesen wurden folgende Daten festgehalten:

Tabelle 6: Erhobene Daten im begleitenden Fragebogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Musik und Playlist

Die vier verschiedenen Lieder unterschiedlicher Genres wurden den Probanden im Vorhineinüber das Mobiltelefon zur Verfügung gestellt. Somit hatten alle Probanden dieselben Lieder in der gleichen Reihenfolge. Die Lautstärke sollte so gewählt werden, dass sie beim Hören nicht als schmerzend empfunden wurde. Die Musik wurdeüber Kopfhörer gehört, damit von sämtlichen Umgebungsgeräuschen abgelenkt werden konnte und die Musik optimal wirkte. Beim Erstellen der Playlist wurde auf eine gute Klangqualität geachtet. Folgende vier Musikrichtungen wurden abgespielt:[38]

Tabelle 7: Verwendete Musik mit einer Beschreibung der zugehörigen Musikrichtungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[39] [40] [41] [42]

Motivation während dem Lauf

Zwei Fragen wurden auf dem begleitenden Fragebogen entworfen, um den Einfluss von Musik auf die Motivation der Probanden ermitteln zu können. Zum einen wurde der Verlauf der Motivation grafisch dargestellt, zum anderen in einer Skala von „1“ (gar nicht motiviert) bis „5“ (sehr motiviert) festgehalten. Zudem wurde die subjektive Beurteilung des Einflusses von Musik auf die Motivation in Form einer Multiple-Choice-Frage ermittelt.

[...]


[1] Vgl. Van Deest, H.: Heilen mit Musik. S.20.

[2] Vgl. Bruhn, Oerter, Rösing (Hg.): Musikpsychologie, Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. S. 269.

[3] Vgl. Bruhn, Oerter, Rösing (Hg.): Musikpsychologie, Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. S. 260.

[4] Vgl. Pape W.: Handwörterbuch der griechischen Sprache. S.211.

[5] Vgl. http://www.wissen.de/lexikon/musik-1. [08.08.16].

[6] Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Musik. [08.08.16].

[7] Vgl. http://definition-online.de/musik/. [08.08.16].

[8] Vgl. http://definition-online.de/musik/. [08.08.16].

[9] Vgl. Schäffler A., Menche N.: Biologie, Anatomie, Psychologie. S.190 ff.

[10] Vgl. Kahle W., Frotscher M.: Taschenatlas Anatomie. 3 Nervensystem und Sinnesorgane. S. 366.

[11] Vgl. Harland S., Hoffman K., Pahl K., Schieberle A.: Der menschliche Körper, wie funktioniert das? S.248.

[12] Vgl. Harland S., Hoffman K., Pahl K., Schieberle A.: Der menschliche Körper, wie funktioniert das? S.248 ff.

[13] Vgl. Schäffler A., Menche N.: Biologie, Anatomie, Psychologie. S.192.

[14] Vgl. Grillparzer M.: Körperwissen. S.125.

[15] Vgl. Grillparzer M.: Körperwissen. S.115-116.

[16] Vgl. Frings S., Müller F.: Biologie der Sinne, vom Molekül zur Wahrnehmung. S.191-192.

[17] Vgl. Grillparzer M.: Körperwissen. S.115.

[18] Vgl. Grillparzer M.: Körperwissen. S.115.

[19] Vgl. Schäffler A., Menche N.: Biologie, Anatomie, Psychologie. S.192.

[20] Vgl. Grillparzer M.: Körperwissen. S.115.

[21] Vgl. Van Deest, H.: Heilen mit Musik. S.28.

[22] Vgl. Bruhn, Oerter, Rösing (Hg.): Musikpsychologie, Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. S.93.

[23] Vgl. Gembris H.: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. S. 11.

[24] Vgl. Behne K.: Musikpädagogische Forschung. Gefühl als Erlebnis – Erlebnis als Sinn. S.38 ff.

[25] Vgl. Otto A.: Musik, die uns berührt. In: Psychologie heute. S.32 ff.

[26] Vgl. Spitzer M.: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. S.384 ff.

[27] Vgl. Gembris H.: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. S. 13-15.

[28] Vgl. Bruhn, Oerter, Rösing (Hg.): Musikpsychologie, Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. S.270 ff.

[29] Spitzer M.: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. S.380.

[30] Vgl. Willms H. Musik und Entspannung. S.13.

[31] Vgl. Spitzer M.: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. S.405.

[32] Vgl. Greder F.: Musik bewegt den Sport. Revue Musicale Suisse. Nr.9. S.12-13.

[33] Tenenbaum G., Lidor R., Lavyan N., Morrow K., Tonnel S., Gershgoren A., Johnson M.: The effect of music type on running perseverance and coping with effort sensations. In: Psychology of Sport and Exercise. 5(2). S. 89-109.

[34] Ahmaniemi, T. T. : Influence of Tempo and Subjective Rating of Music in Step Frequency of Running. In: ISMIR. S.183-184.

[35] Karageorghis CI1, Mouzourides DA, Priest DL, Sasso TA, Morrish DJ, Walley CJ.: Psychophysical and ergogenic effects of synchronous music during treadmill walking. In: J Sport Exerc Psychol. 31(1). S.18-36.

[36] Lee S., Kimmerly D.: Influence of music on maximal self-paced running performance and passive post-exercise recovery rate. In: The Journal of sports medicine and physical fitness, 56 (1).

[37] Vgl. https://jog.fm/workout-songs/, [25.05.16].

[38] Vgl. http://www.laut.de/Genres/. [07.09.16]

[39] Vgl. https://jog.fm/workout-songs/. [25.05.16].

[40] Vgl. https://jog.fm/workout-songs/. [25.05.16].

[41] Vgl. https://jog.fm/workout-songs/. [25.05.16].

[42] Vgl. https://jog.fm/workout-songs/. [25.05.16].

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Topperformance beim Joggen durch den richtigen Beat?
Untertitel
Klarheit über den Mythos Stöpsel in den Ohren beim Joggen
Veranstaltung
Maturaarbeit
Note
DE: 1 (= Schweiz: 6)
Autor
Jahr
2016
Seiten
86
Katalognummer
V429416
ISBN (eBook)
9783668731608
ISBN (Buch)
9783668731615
Dateigröße
4091 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maturaarbeit, Sport, Musik, Leistung, Joggen, Laufen, Rennen, Mythos, Ohr, Emotionen, Belastungsempfinden, Geschlecht, Lauferfahrung, Motivation, Lied, Interview, Studie, empirisch, Probanden, Lautstärke, Tempo, Forschung, Distanz
Arbeit zitieren
Muriel Kruyver (Autor), 2016, Topperformance beim Joggen durch den richtigen Beat?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429416

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