Seit Menschengedenken verlassen Menschen ihre Heimat und ziehen in eine ungewisse Zukunft, um an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen. Aber nicht immer ist dies eine freiwillige Auswanderung, sondern oft eine Flucht aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung, Hunger, Armut, Naturkatastrophen oder Krieg. Aber es spielen auch die sogenannten Push- und Pullfaktoren eine Rolle, die zum einen die wirkenden Faktoren im Herkunftsland und zum anderen die Anreize des Einwanderungslandes bezeichnen. Im Einwanderungsland angekommen, haben Flüchtlinge dennoch nicht alle den gleichen Status.
Im Folgenden wird ein Unterrichtsentwurf für die Oberstufe entwickelt, der dieses sehr aktuelle Thema mit der biblischen Welt in Verbindung bringt. Biblische Textgrundlage bilden Ex 1, 1-14; Gen 47, 1-6 und Lev 19,33f.
Inhaltsverzeichnis
1. Orientierung
1.1 Lernziele
1.2 Unterrichtseinheit
1.3 Worauf richtet sich mein Unterricht?
1.4 Bezug zu Bildungsplan 2016
2. Sachanalyse und theologische Entfaltung
3. Didaktischer Übergang
3.1 Unterrichtlicher Zusammenhang
3.2 Konkrete Stundenkonzeption
4. Anhänge
4.1 Anhang I: Arbeitsblatt Nr. 1
4.2 Anhang II: Arbeitsblatt Nr. 2
4.3 Anhang III: Tafelbild (Sicherung)
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung einer konzeptionellen Unterrichtseinheit zum Thema „Flucht und Migration“, die durch einen Dialog zwischen biblischen Texten und aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen religiöse Lernprozesse initiiert. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Schülerinnen und Schüler alttestamentliche Erfahrungen als zeitlose Wahrheiten begreifen und diese zur ethischen Reflexion heutiger Flucht- und Migrationsdebatten sowie zur eigenen Identitätsbildung nutzen können.
- Verbindung biblischer Fluchterzählungen mit moderner Migrationsproblematik.
- Analyse ethischer Konfliktfelder (Integration, Inklusion, Assimilation).
- Reflexion kirchlicher Verantwortung und christlicher Handlungsansätze.
- Förderung der Urteilsfähigkeit und Selbsttätigkeit von Oberstufenschülern.
- Entwicklung multiperspektivischer Sichtweisen auf Flucht und Ankommen.
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse und theologische Entfaltung
Seit Menschengedenken verlassen Menschen ihre Heimat und ziehen in eine ungewisse Zukunft, um an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen. Aber nicht immer ist dies eine freiwillige Auswanderung, sondern oft eine Flucht aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung, Hunger, Armut, Naturkatastrophen oder Krieg. Aber es spielen auch die sogenannten Push- und Pullfaktoren eine Rolle, die zum einen die wirkenden Faktoren im Herkunftsland und zum anderen die Anreize des Einwanderungslandes bezeichnen. Im Einwanderungsland angekommen, haben Flüchtlinge dennoch nicht alle den gleichen Status. Ein Sonderfall liegt zum Beispiel vor, wenn Personen sich längerfristig im Land aufhalten, ohne eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis zu besitzen. Sie verstoßen gegen die geltenden Gesetze und leben in der Illegalität, woraus für sie selbst selbstverständlich erhebliche Schwierigkeiten u. a. bezüglich medizinischer Versorgung oder Bildung erwachsen. Diese Art der Migration wird häufig als „illegale Migration“ bezeichnet, wobei dieser Ausdruck jedoch wenig passend erscheint, da das Adjektiv „illegal“ schließlich nicht die Personen beschreiben kann, sondern nur deren Handlungen. Stattdessen sollte in Anlehnung an MARIANNE HEIMBACH-STEINS der Begriff „irreguläre Migration“ gebraucht werden.
Groben Schätzungen zufolge leben weltweit betrachtet mehr als 150 Millionen Menschen in einem Staat, der nicht deren ursprüngliche Heimat ist. Deutschland ist nach einer sowohl von Kriegen, als auch von wirtschaftlichen Faktoren geprägten, durch unterschiedliche Dynamiken bestimmten Aus- und Einwanderungsgeschichte seit dem 17. Jahrhundert eines der wichtigsten Einwanderungsländer europa- und auch weltweit. Flüchtlinge und Asylsuchende genießen in Deutschland, aber auch in fast allen anderen Ländern der Welt besonderen Schutz, da als Reaktion auf die Verfolgungen des NS-Regimes 1949 entsprechende Normen in den Artikel 16 des deutschen Grundgesetzes aufgenommen und 1951, also nur unwesentlich später, aufgrund der Flüchtlingsströme infolge des Zweiten Weltkrieges schließlich auch die Genfer Flüchtlingskonvention verabschiedet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Orientierung: Dieses Kapitel beschreibt die Konzeption der Unterrichtseinheit inklusive der Lernziele sowie den Bezug zum Bildungsplan 2016.
2. Sachanalyse und theologische Entfaltung: Hier werden die historischen und soziologischen Grundlagen von Flucht und Migration sowie deren biblische Verankerung und theologische Deutung dargelegt.
3. Didaktischer Übergang: Das Kapitel erläutert den unterrichtlichen Zusammenhang und die konkrete Stundenkonzeption zur Durchführung der Einheit.
4. Anhänge: Dieser Teil enthält die ergänzenden Lehrmaterialien wie Arbeitsblätter und das Tafelbild zur Ergebnissicherung.
Schlüsselwörter
Flucht, Migration, Integration, Inklusion, Assimilation, Xenophobie, Menschenwürde, Religionspädagogik, Bibel, Altes Testament, Nächstenliebe, Flüchtlingshilfe, Identität, Unterrichtsentwurf, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Die Arbeit entwirft eine Unterrichtseinheit für die Oberstufe, welche die Thematik „Flucht und Migration“ sowohl biblisch als auch unter aktuellen soziopolitischen Gesichtspunkten beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtseinheit?
Die Felder umfassen biblische Fluchterzählungen, die Analyse von Integrationsmodellen, die Rolle der Kirche bei der Flüchtlingshilfe und die ethische Bewertung von Fluchtursachen und -schicksalen.
Was ist das primäre Ziel des Unterrichts?
Die Schüler sollen befähigt werden, biblische Texte methodisch zu reflektieren und diese als Impuls für die Auseinandersetzung mit der heutigen Flüchtlingsproblematik und die eigene christlich-ethische Positionierung zu nutzen.
Welche didaktische Methode wird bevorzugt eingesetzt?
Es wird ein korrelativer Ansatz verfolgt, der einen ständigen Dialog zwischen biblischer Tradition und modernen Lebenswelten der Schüler herstellt, ergänzt durch Methoden wie die „Fishbowl-Diskussion“ und projektorientiertes Arbeiten.
Welche spezifischen biblischen Texte werden behandelt?
Die Einheit basiert primär auf den Texten Ex 1, 1-14 (Bedrückung in Ägypten), Gen 47, 1-6 (Jakob in Ägypten) und Lev 19, 33f. (Umgang mit Fremden).
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Migration, Inklusion, Xenophobie, Menschenwürde, Religionspädagogik und Nächstenliebe.
Warum wird im Entwurf von „irregulärer“ statt „illegaler“ Migration gesprochen?
In Anlehnung an Marianne Heimbach-Steins wird dieser Begriff bevorzugt, da das Adjektiv „illegal“ laut Autorin Handlungen beschreiben kann, jedoch nicht die betroffenen Personen selbst stigmatisieren sollte.
Welche Bedeutung kommt dem Lied „Meermenschen“ von Moop Mama zu?
Das Lied dient als motivierender Einstieg, um die Flüchtlingsproblematik als existentielle Herausforderung darzustellen und die Schüler für eine Diskussion über Wohlstandsgesellschaften und Menschlichkeit zu öffnen.
Wie soll die Kirche laut diesem Entwurf in der Flüchtlingsdebatte positioniert werden?
Die Kirche wird als Akteur gesehen, der einerseits Projekte der Flüchtlingshilfe unterstützt und andererseits als moralischer Kompass dient, dessen Selbstanspruch in Bezug auf den Umgang mit Fremden durch die Schüler kritisch hinterfragt werden soll.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2018, Flucht und Migration: Ein langer Weg seit Menschengedenken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429452