“La inserción del afrodescendiente en el sistema de castas colonial y, posteriormente, en la sociedad chilena tiene una historia llena de sinsabores y esperanzas que nos ayudan a entender de qué estamos hechos como nación” (Leal 2011).
Der Artikel, aus dem dieses Zitat entstammt, gibt preis, dass es einen relevanten, aber auch tristen historischen Hintergrund gibt, der zum Verständnis der ethnischen Zusammensetzung Chiles beiträgt. Das übergreifende Thema „Afroamerika“ des zugrundeliegenden Geschichtsseminars ist der Ausgangspunkt für das Eintauchen in spezifischere Regionen, wie in unserem Fall Chile. Im engen Zusammenhang mit der ethnischen Bevölkerungsstruktur Chiles muss die Terminologie der Sklaverei eingehend erläutert werden, da diese die katalysierende Kraft hinter der „Afrikanisierung“ Amerikas war. Mich in die Seminarlektüre einlesend, fand ich die Tatsache, dass es nach Zeuske nicht nur die eine, sondern mehrere „Sklavereien“ gibt, einer Erläuterung bedürftig, um eine historisch vollkommenere Vorstellung des Konzepts „Sklaverei“ erhalten zu können. Dazu möchte ich zuallererst kurz auf die verschiedenen Ursachen und Formen der Sklaverei/-en eingehen, um die chilenische samt ihrer Besonderheiten, die hier im Fokus stehen sollen, globalhistorisch und im Hinblick auf die Tatsache, dass es multiple Sklavereien gab und gibt, besser einordnen zu können. Bei der Erläuterung empfiehlt es sich, auf den „großen“ Sklavenhandel im atlantischen Raum zuzusteuern, denn wie wir sehen werden, gibt es im Makrokulturraum „Afroamerika“ verschiedene Räume der Sklaverei. Innerhalb Chiles ergibt sich hinsichtlich der Sklaverei ein Forschungsbestand, der sich in zwei Kategorien einteilen lässt, da neben der „esclavitud negra“, deren Kulturerbe vor allem in der nördlichen Region Arica (aber auch im Zentrum und im Süden Chiles) wiederzufinden ist, auch indigene Sklaverei, etwa im südlich gelegenen Arauco, betrieben wurde. Insofern stellt es eine Obligation für mich dar, die Versklavung der Eingeborenen, wenn auch nur abstrakt, mit einfließen zu lassen. Die indigene Komponente werde ich in Relation zu der afrochilenischen vernachlässigen, um der thematischen Eingrenzung des Seminars „Afroamerika“ treu zu bleiben. Doch sehe ich nicht nur für mich, sondern für jeden, der mit diesem Thema in Berührung kommt, eine Art Verantwortung, das relativ wenig wahrgenommene Thema „Sklaverei in Chile“ zu behandeln und öffentlich zu machen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Sklaverei(en)
2.1 Definitionen & Formen der Sklaverei
2.2 Ursachen von Sklavereien
2.3 Atlantikslaverei
3. Sklaverei in Chile
3.1 Historischer Kontext
3.2 Die afrikanische Präsenz in Chile
3.3 Unabhängigkeit, Abolition und Widerstand
3.4 Die afrochilenische Bevölkerung und ihre Kultur
3.5 Bewahrung des afrochilenischen Kulturerbes
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten der chilenischen Sklaverei sowie die damit einhergehende afrikanische Kulturkomponente. Ziel ist es, die historischen Routen der Verschleppung nachzuvollziehen, das Gewaltpotential der Institution zu analysieren und die heutige Sichtbarkeit sowie den Einfluss des afrikanischen Erbes auf die chilenische Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.
- Historische Einordnung der Sklaverei im globalgeschichtlichen Kontext.
- Analyse der spezifischen Bedingungen und des Verlaufs der Sklaverei in Chile.
- Untersuchung des Widerstands gegen die Sklaverei und den Prozess der Abolition.
- Darstellung der afrochilenischen Kultur, Identität und Traditionen.
- Diskussion über die Sichtbarkeit und Anerkennung des afrikanischen Erbes in der modernen chilenischen Nation.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definitionen & Formen der Sklaverei
„Geschichte wird von Menschen, nicht von Konzepten oder Systemen gemacht“ (ebd., S. 98). Diese Aussage zeigt, dass es mit der Erstellung von Konzepten, Systemen oder Definitionen ein Problem gibt. Denn Definitionen dienen meist der Greifbarkeit eines Sachverhalts mittels eines Prozesses der Verallgemeinerung. Würde versucht werden eine einzige klare Definition für einen „sehr alten historischen Prozess und eine anthropologisch-historische Universalie“, wie die der Sklaverei, die womöglich seit mehr als zehntausend Jahren existiert (vgl., ebd.), aufzustellen, sähe man sich der Notwendigkeit gegenübergestellt, viele real stattgefundene Elemente wegzulassen. Dazu gehören „Aspekte der Entstehung, der Entwicklungsstufen, der realen Orte und des zeitlichen Werdens (und Vergehens, auch und gerade von Entwicklungen, die sich nicht durchsetzen oder abgebrochen werden), eben die Historizität, wenn man so will, die Zeitlichkeit und Individualität des Geschehens“ (ebd.). Die historische Einzigartigkeit und die Einzigartigkeit jedes Menschen und jeder Kultur sollten also „normativen Ordnungs-Kriterien“ (ebd.) nicht zum Opfer fallen. Doch andererseits machen historische Erzählungen ohne jegliche Systematik ebenso wenig Sinn. Man verfehle dabei das Eigentliche, indem man dem Empirischen zu viel Aufmerksamkeit schenke und sich zu ausgiebig der meist unvertrauten, sperrigen Sprache der Quellen von Besonderheiten und Individualitäten hingäbe. Die Folge dessen seien Publikationen ohne Essenz und nicht griffige Formulierungen mittels der Anwendung einer schillernden Fachsprache, die auch noch den waghalsigen Versuch einer kausalen Erklärung historischer Ereignisse offenbaren (vgl. ebd., S. 99).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund der ethnischen Zusammensetzung Chiles und begründet die Notwendigkeit, das Thema der Sklaverei in Chile im Kontext multipler „Sklavereien“ zu behandeln.
2. Die Sklaverei(en): Hier werden verschiedene Definitionen und Ursachen von Sklaverei weltweit sowie die spezifische Bedeutung der Atlantikslaverei theoretisch reflektiert.
3. Sklaverei in Chile: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Geschichte der Sklaverei in Chile, dem historischen Kontext, der afrikanischen Präsenz, dem Weg zur Abolition sowie der afrochilenischen Kultur und deren Bewahrung.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, afrochilenische Identität und Kultur öffentlich sichtbar und als Teil der nationalen Identität anzuerkennen.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Chile, Afroamerika, afrikanisches Kulturerbe, Atlantikslaverei, Abolition, Kolonialzeit, Zwangsarbeit, Identität, Diskriminierung, Afrochilenen, Geschichte, Menschenhandel, Widerstand, Transkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die oft wenig beachtete Geschichte der Sklaverei in Chile und die damit verbundenen afrikanischen Wurzeln innerhalb der chilenischen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die globale Definition der Sklaverei, die historischen Bedingungen der Versklavung in Chile, der Kampf um Unabhängigkeit und Abolition sowie die kulturelle Identität heutiger afrochilenischer Gemeinschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Besonderheiten der chilenischen Sklaverei und die kritische Analyse, wie das afrikanische Erbe trotz gesellschaftlicher Verdrängung heute wahrnehmbar ist und welchen Stellenwert es für die nationale Identität haben sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte der Globalgeschichte (insbesondere von Prof. Dr. Michael Zeuske) mit historischen Quellen zur chilenischen Geschichte verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in das Konzept der multiplen Sklavereien, die Darstellung der atlantischen Handelsstrukturen und eine detaillierte chronologische sowie thematische Aufarbeitung der Sklaverei in Chile, einschließlich ihrer soziokulturellen Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Sklaverei, Afroamerika, Chile, abolitionistischer Widerstand, kulturelle Identität und die kritische Auseinandersetzung mit historischen Leugnungsmechanismen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen „Sklavengesellschaften“ und „Gesellschaften mit Sklaverei“ im Falle Chiles?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Chile eine „Gesellschaft mit Sklaverei“ war, in der Sklaven zwar existierten, diese aber im Vergleich zu „Sklavengesellschaften“ (wie in Brasilien) keinen fundamentalen Teil der gesamten Wirtschaft ausmachten, was teilweise zu ihrer gesellschaftlichen Unsichtbarkeit beitrug.
Welche Bedeutung kommt der „Azapatal-Siedlung“ in Arica zu?
Die Siedlung in Arica dient der Arbeit als zentrales Beispiel für die sichtbare afrikanische Präsenz und das Fortbestehen afrochilenischer Kultur, da sie ein Ort ist, an dem diese Gemeinschaft trotz historischer Integrations- und Verleugnungsprozesse weiterhin lebendig ist.
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- Patrick Ubik (Author), 2018, Die Sklaverei in Chile (16. - 19. Jh.) und das afrikanische Kulturerbe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429551