Die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau


Term Paper, 2013
24 Pages, Grade: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

Die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau…

1) Allgemeiner theoretischer Hintergrund

2) Studie: “Differentiation of Cognitive Abilities Across the Life Span” (Tucker-Drob, 2009)
2.1.Theoretischer Hintergrund
2.1.1 Theoretischer Hintergrund der Fähigkeiten Differenzierung
2.1.2 Theoretischer Hintergrund der altersabhängigen Differenzierung und Dedifferenzierung
2.1.3 Hintergrund der Methoden
2.2 Fragestellung und Hypothesen
2.3 Methoden
2.4 Ergebnisse
2.5 Schlussfolgerungen

3) Studie 2: „Intelligence Differentiation in Early Childhood” (Hülür et al., 2006)
3.1.Theoretischer Hintergrund
3.2 Fragestellung und Hypothesen
3.3 Methoden
3.4 Ergebnisse
3.5 Schlussfolgerungen

4) Praktische Konsequenzen und Ausblick

Literaturverzeichnis

Die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau

Betrachtet man das weite Ausmaßan kognitiven Fähigkeiten des Menschen, so stellt sich die Frage, wie diese Fähigkeiten strukturell organisiert sind. Neben unterschiedlichen Intelligenzmodellen ist eine weitere Überlegung, dass eine bestimmte Organisation von Fähigkeiten nicht interindividuell konstant ist, sondern von weiteren Faktoren wie beispielsweise dem Fähigkeitsniveau oder dem Alter einer Person mit abhängt. In der folgenden Hausarbeit werde ich dieser Fragestellung näher nachgehen. Nach einer allgemeinen theoretischen Einführung, werde ich durch die Darstellung einer Studie von Tucker-Drob (2009) sowie einer weiteren Studie von Hülür, Wilhelm und Robitzsch (2011) die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau näher erläutern. Abschließend ende ich mit einem Ausblick für weitere Forschungsanregungen sowie praktischen Konsequenzen.

1) Allgemeiner theoretischer Hintergrund

Schon lange versuchen Forscher der Frage nachzugehen, wie die kognitiven Fähigkeiten des Menschen strukturell organisiert sind. Hierzu wurden verschiedenste Modelle entwickelt, um die Organisation menschlicher Intelligenz darzustellen. Spearman (1904) fand heraus, dass verschiedene kognitive Leistungen miteinander korrelieren. Aus diesem Befund heraus entwickelte er die zwei Faktorentheorie, bei der er davon ausging, dass die kognitiven Leistungen einerseits von einem generellen Faktor, dem sogenannten g-Faktor und andererseits von einem spezifischen Faktor beeinflusst werden. Er nahm an, dass der g-Faktor für ein breites Spektrum an kognitiven Aufgaben eingesetzt wird wohingegen der spezifische Faktor nur begrenzt für den jeweiligen spezifischen Bereich eingesetzt werden kann. Die Korrelationen unter den spezifischen Fähigkeiten erklärte er durch den latenten g-Faktor.

Ein weiteres mögliches Modell der kognitiven Fähigkeiten beschreibt Carroll (1993) in seiner 3 Schichten Theorie. Carroll geht davon aus, dass die kognitiven Fähigkeiten in 3 Schichten angeordnet sind, wobei die oberste Schicht einen generellen Faktor besitzt, wie ihn auch Spearman (1904) in seiner Theorie beschreibt. In der darunterliegenden Schicht befinden sich laut Carroll breitere Fähigkeiten, die sich in einer dritten Schicht noch einmal weiter spezialisieren. Diese Theorie ist sehrähnlich zu der Horn-Cattell Theorie (Cattell, 1941; Horn, 1967), die die kognitiven Fähigkeiten in fluide und kristalline Intelligenz unterteilt. Die fluide Intelligenz ist eine weitgehend angeborene Fähigkeit und beinhaltet Fähigkeiten wie das schnelle und abstrakte Denken. Die kristalline Intelligenz wird hingegen durch Lernerfahrung erworben und umfasst eher Komponenten wie Ausdrucksfähigkeit und Faktenwissen (Stangl, 2012).

Solche Theorien werden als hierarchische Modelle bezeichnet, da sie davon ausgehen, dass generellere und spezifischere Faktoren genestet sind. Solche hierarchischen Repräsentationen werden durch verschiedene Befunde unterstützt, wie zum Beispiel die Beobachtung eines spezifischen Entwicklungstrends der kognitiven Fähigkeitenüber die Lebensspanne hinweg (Tucker-Drob, 2009). Biologisch basierte Fähigkeiten wachsen bereits im Kindesalter, erreichen in der späten Adoleszenz ihren Höhepunkt und nehmen im späten Erwachsenenalter wieder ab. Wissensbasierte Fähigkeiten tendieren hingegen zum Wachstum bis ins mittleres Erwachsenenalter (Li, Lindenberger, Hommel, Aschersleben, Prinz, & Baltes, 2004; McArdle, Ferrer-Caja, Hamagami, & Woodcock, 2002). Diese Befunde unterstützen die Annahme der fluiden, angeborenen und kristallinen, erworbenen Intelligenz.

Neben den verschiedenen Intelligenzmodellen sind solche Entwicklungstrends und die Beachtung weiterer Faktoren, wie beispielsweise dem Lebensalter nicht unerheblich bei der Frage nach der Organisation kognitiver Fähigkeiten. Bereits 1927 hatte Spearman die Idee, dass es einen Zusammenhang zwischen den kognitiven Fähigkeiten und dem Fähigkeitsniveau gibt. Seine Annahme, dass die Korrelation zwischen einzelnen Tests kognitiver Fähigkeiten mit steigendem Fähigkeitsniveau abnimmt, nannte er „Gesetz der nachlassenden Gewinne“. Er ging davon aus, dass bei einem niedrigeren Fähigkeitsniveau eher Ressourcen von generellen Fähigkeiten eingesetzt werden, wohingegen bei einem höheren Fähigkeitsniveau das Benutzen von domänenspezifischen Fähigkeiten möglich ist. Neben der Idee, dass die Korrelation nichtüber verschiedene Fähigkeitsniveaus konstant ist, ist auch die sogenannte Hypothese der Alters Differenzierung nicht neu. Garret ging bereits 1938 davon aus, dass sich die Organisation der kognitiven Fähigkeiten im Laufe der Kindheit von einer eher generellen Fähigkeit zu spezialisierteren und unabhängigeren Fähigkeiten hin entwickelt. Schließlich führte Balinsky im Jahr 1941 die Hypothese der Dedifferenzierung ein. Dieser Hypothese nach nimmt die Korrelation der spezifischen kognitiven Fähigkeiten im höheren Erwachsenenalter wieder zu. Daraus ergibt sich die sogenannte Alters Differenzierungs – Dedifferenzierungs Hypothese, die davon ausgeht, dass sich die verschiedenen kognitiven Fähigkeiten im Laufe der Kindheitsentwicklung immer weiter differenzieren und ihre Korrelationen zunehmend geringer werden. Ab einem bestimmten Punkt im Erwachsenenalter kehrt sich dieser Mechanismus schließlich um, sodass die Korrelationen wieder größer werden und eine Dedifferenzierung stattfindet.

Verschiedene Studien zeigten jedoch unterschiedliche Befunde bei der Überprüfung der Alters Differenzierungs – Dedifferenzierungs Hypothese. Beispielsweise konnten Li et al. (2004) oder Tideman und Gustafsson (2004) in ihren Studien zeigen, dass eine Differenzierung im Laufe der Kindheit stattfindet. Die Befunde anderer Studien, wie zum Beispiel von Juan-Espinosa, Garcia, Colom und Abad (2000) sprachen allerdings gegen eine solche Differenzierungs Hypothese. Aufgrund der Heterogenität von Methoden, Altersspanne und Messungen der Intelligenz, ist es jedoch nicht einfach diese Ergebnisse angemessen miteinander zu vergleichen (Hülür et al., 2011).

2) Studie: “Differentiation of Cognitive Abilities Across the Life Span” (Tucker-Drob, 2009)

In der Studie von Tucker-Drob (2009) werden sowohl die Fähigkeiten Differenzierungs Hypothese als auch die Alters Differenzierungs- Dedifferenzierungs Hypothese mit einem nicht-linearen Faktormodell untersucht.

2.1 Theoretischer Hintergrund

Obwohl der Prozess der Differenzierung und Dedifferenzierung im Laufe des Lebens auch durch eine Fähigkeiten Differenzierung erklärt werden könnte, wurden die Fähigkeiten Differenzierungs Hypothese und die Alters Differenzierungs- Dedifferenzierungs Hypothese in vergangenen Studien meistens unabhängig voneinander untersucht. Außerdem wurde in bisherigen Studien die lineare Beziehung zwischen verschiedenen Altersgruppen untersucht. Da die Hypothesen allerdings nicht linearer Natur sind, wird in dieser Studie eine nicht-lineare Faktorenanalyse durchgeführt. Außerdem werden keine Vergleiche zwischen den Altersgruppen durchgeführt sondern das Alter als stetige Variable genommen (Tucker-Drob, 2009).

2.1.1 Theoretischer Hintergrund der Fähigkeiten Differenzierung

Andersons Theorie (2001) ist eine der möglichen Erklärungen für die Fähigkeiten Differenzierungs Hypothese. Er geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zur kognitiven Leistung beisteuern, die alle von einem grundlegenden Verarbeitungsmechanismus bestimmt sind. Angenommen dieser Basismechanismus weist eine höhere Effizienz auf, beispielsweise in Form einer schnelleren Verarbeitung, so sind die spezifischeren Faktoren für die Leistung weniger an diesen Basismechanismus gebunden und deren Korrelation nimmt ab.

Dettermann und Daniel (1989) argumentiertenähnlich. Sie gingen davon aus, dass wenn zentrale, grundlegende Prozesse ineffizient sind, sie die Effizienz aller anderen Prozesse beeinträchtigen. Daraus folgt, dass Personen mit effizienten Basisprozessen eine wesentlich größere Variabilität weiterführender Prozesse entwickeln können als dies bei Personen der Fall ist, deren grundlegenden kognitiven Prozesse nur ineffizient funktionieren.

In bisherigen Studien wurde eine solche Fähigkeiten Differenzierung meist durch eine Aufteilung der Probanden in niedrige und hohe Fähigkeiten untersucht. Bei den beiden Gruppen wurde dann das Ausmaßder Korrelation oder die Varianz, die durch einen gemeinsamen Faktor erklärt werden kann, analysiert. Viele Studien konnten die Fähigkeiten Differenzierungs Hypothese belegen. Dettermann und Daniel (1989) haben zum Beispiel festgestellt, dass Subtests des Wechsler Intelligenz Tests bei Personen mit niedrigen Fähigkeiten höhere Korrelation aufweisen, als bei Personen auf einem höheren Fähigkeitsniveau. Ähnliche Befunde fanden auch Abad, Colom, Juan-Espinosa und García (2003) bei denen bei Personen mit niedrigen Fähigkeiten ein gemeinsamer Faktor mehr der beobachteten Varianz erklärte, als dies bei Personen auf einem hohen Fähigkeitsniveau der Fall war. Bis zum Zeitpunkt der hier dargestellten Studie gab es jedoch lediglich eine Studie, die zur Untersuchung der Fähigkeiten Differenzierungs Hypothese nicht-lineare Modelle benutze. Diese Studie war von Der und Deary (2003), die polynomiale Regressionen verwendeten.

2.1.2 Theoretischer Hintergrund der altersabhängigen Differenzierung und Dedifferenzierung

Wie schon unter Abschnitt 1 beschrieben, gibt es unterschiedliche Befunde bezüglich der Hypothese, dass im Laufe der Kindheit eine Differenzierung und im Erwachsenenalter eine Dedifferenzierung der kognitiven Fähigkeiten stattfindet.

In einer Studie von Facon (2006), wurde bereitsüberlegt, dass eine altersabhängige Differenzierung und Dedifferenzierung und die Differenzierung von Fähigkeiten womöglich in Zusammenhang stehen. Facon fand heraus, dass die Korrelation der Subtests zwischen einer Gruppe mit niedrigem Fähigkeitsniveau und einer mit hohem Fähigkeitsniveau beiälteren Probanden einen größeren Unterschied aufwiesen als dies bei jüngeren Probanden der Fall war.

Dieser bei Facon (2006) festgestellten Abhängigkeit von Fähigkeiten Differenzierung und altersabhängiger Differenzierung bzw. Dedifferenzierung wird auch in der hier dargestellten Studie näher nachgegangen.

2.1.3 Hintergrund der Methoden

In bisherigen Studien wurdenüberwiegend lineare Faktormodelle eingesetzt. Ein solches konventionelles Modell ist in Abbildung 1 graphisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das konventionelle Faktormodell, das davon ausgeht, dass die verschiedenen Ergebnisse (hier Outcome A, B und C) bestimmter Leistungen auf einen gemeinsamen Faktor laden. Die Faktorladungen λA, λB und λC entsprechen der Regression der Ergebnisse auf einen gemeinsamen Faktor. Quelle: Tucker-Drob (2009).

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Details

Title
Die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau
College
University of Ulm
Grade
2,0
Author
Year
2013
Pages
24
Catalog Number
V429589
ISBN (eBook)
9783668731707
ISBN (Book)
9783668731714
File size
961 KB
Language
German
Tags
differenzierung, fähigkeiten, abhängigkeit, alter, fähigkeitsniveau
Quote paper
Katrin Gehlhaar (Author), 2013, Die Differenzierung kognitiver Fähigkeiten in Abhängigkeit von Alter und Fähigkeitsniveau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429589

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