Nach einer kurzen Darstellung der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) werde ich in der folgenden Hausarbeit die Befunde zweier psychobiologischer Studien näher erläutern. Im Anschluss daran werde ich kurz weitere Einblicke in Studien zu psychobiologischen Charakteristiken der DIS geben und abschließend mit einem Ausblick und künftigen Forschungsanregungen enden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzdarstellung der dissoziativen Identitätsstörung
3. Studie zu psychobiologischen Charakteristiken der dissoziativen Identitätsstörung (Reinders et al., 2006)
3.1. Hintergrund und Hypothesen
3.2. Methoden
3.3. Ergebnisse
3.4. Schlussfolgerungen
4. Psychobiologische Studie zu echten und simulierten dissoziativen Identitätszuständen (Reinders et al., 2012)
4.1. Hintergrund und Hypothesen
4.2. Methoden
4.3. Ergebnisse
4.4. Schlussfolgerungen
5. Weitere Studien über neuronale Prozesse bei Patienten mit dissoziativer Identitätsstörung
6. Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht anhand psychobiologischer Studien, ob die dissoziative Identitätsstörung (DIS) eine reale, neurobiologisch nachweisbare Traumafolgestörung ist oder auf Simulation, Fantasie oder Suggestion beruht. Ziel ist es, durch die Analyse bildgebender Verfahren und psychophysiologischer Daten zu belegen, dass verschiedene Identitätszustände mit unterschiedlichen neuronalen Netzwerken einhergehen und die Störung valide ist.
- Neurobiologische Grundlagen und funktionelle Hirnaktivität bei DIS
- Differenzierung zwischen anscheinend normalen (ANP) und emotionalen Persönlichkeitsanteilen (EP)
- Wissenschaftliche Evidenz gegen das Modell der Simulation und Fantasie
- Vergleich der psychobiologischen Reaktionsmuster von DIS und PTBS
Auszug aus dem Buch
3.4 Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Patienten in verschiedenen Identitätszuständen ein unterschiedliches Muster an Hirnaktivität aufweisen, welches unabhängig vom dargebotenen Erinnerungsskript ist. Grundsätzlich ist erkennbar, dass der ANP ein wesentlich breiteres Muster an Hirnaktivität aufweist, als dies beim EP der Fall ist. Dies ist konsistent zu der Tatsache, dass ANPs in der Regel den Alltag gestalten, wohingegen EPs häufig sehr spezialisiert und in ihren Handlungsoptionen eingeschränkt sind.
Der ANP scheint das traumabezogenen Skript ähnlich wie neutrale Erinnerungen zu verarbeiten. Das Muster der Hirnaktivität ist hierbei ähnlich wie bei Patienten mit Depersonalisationsstörung (Hollander, Carrasco, Mullen, Trungold, DeCaria & Towey, 1992) oder PTBS Patienten, die bei Konfrontation mit traumatischen Erinnerungen negative dissoziative Symptome aufweisen (Lanius et al., 2004). Der ANP zeigt eine Änderung der parietalen und okzipitalen Aktivität, was auf einen niedrigen Level an sensomotorischer Wachsamkeit hindeutet.
Im Gegensatz dazu, kommt es beim EP während der Konfrontation mit dem traumatischen Erinnerungsskript zu einer verstärkten Aktivierung subkortikaler Areale. Ähnlich wie bei PTBS Patienten scheint der insuläre Kortex eine wichtige Bedeutung zu haben. Dieser agiert als inneres Alarmzentrum und ist an der emotionalen Reaktion, der interozeptiven Stimulation sowie an Körpersensationen beteiligt (Reiman, Lane, Ahern, Davidson & Schwartz, 2000). Außerdem kommt es zu einer veränderten Aktivität des Nucleus caudatus, der Amygdala und der Basal Ganglien.
Diese Befunde zeigen, dass der EP eine ähnliche Hirnaktivität aufweist, wie es bei Frauen mit einer PTBS der Fall ist, wenn diese mit ihren Erinnerungen an kindlichen Missbrauch konfrontiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die DIS als umstrittene Diagnose ein und postuliert, dass bildgebende Verfahren deren Validität als schwerste Traumafolgestörung belegen.
2. Kurzdarstellung der dissoziativen Identitätsstörung: Dieses Kapitel definiert die DIS als komplexe Traumafolgestörung, beschreibt die Entstehung unterschiedlicher Innenpersonen und deren physiologische sowie kognitive Differenzen.
3. Studie zu psychobiologischen Charakteristiken der dissoziativen Identitätsstörung (Reinders et al., 2006): Die Studie analysiert mittels PET-Scans unterschiedliche neuronale Aktivierungsmuster zwischen ANP und EP bei Konfrontation mit traumabezogenen Skripten.
4. Psychobiologische Studie zu echten und simulierten dissoziativen Identitätszuständen (Reinders et al., 2012): Diese Untersuchung erweitert die Evidenzbasis durch den Einbezug von Kontrollgruppen und widerlegt die Hypothese, dass DIS-Symptome durch Simulation oder Fantasie erklärbar sind.
5. Weitere Studien über neuronale Prozesse bei Patienten mit dissoziativer Identitätsstörung: Hier werden ergänzende fMRT- und SPECT-Studien vorgestellt, die strukturelle und funktionelle Hirnveränderungen bei DIS-Patienten untermauern.
6. Ausblick: Der Ausblick diskutiert zukünftige Forschungsansätze, insbesondere hinsichtlich Längsschnittstudien zum Therapieverlauf und der neurophysiologischen Erforschung des Co-Bewusstseins.
7. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Dissoziative Identitätsstörung, DIS, Psychobiologie, Trauma, PET-Scan, Identitätszustand, ANP, EP, Gehirnaktivität, Neurobiologie, Traumafolgestörung, Simulation, Fantasie, neuronale Netzwerke, Affektregulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die dissoziative Identitätsstörung (DIS) eine biologisch fundierte Störung ist, die durch schwerste frühkindliche Traumatisierung entsteht, und nicht etwa durch Suggestion oder Simulation vorgetäuscht wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die psychobiologische Charakterisierung von Identitätszuständen, die Abgrenzung zur PTBS, die Rolle von Fantasie und Suggestion bei der Diagnosestellung sowie die Darstellung neuronaler Korrelate mittels bildgebender Verfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob sich durch empirische, psychobiologische Studien nachweisen lässt, dass DIS-Patienten in unterschiedlichen Identitätszuständen abgrenzbare und valide neuronale Aktivierungsmuster zeigen, die sich von simulierten Zuständen unterscheiden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Auswertung und Diskussion von fMRT- und PET-Studien sowie psychophysiologischen Messungen, die bei DIS-Patienten und Kontrollgruppen durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei spezifische Studien von Reinders et al. (2006 und 2012), die neuronale Unterschiede zwischen anscheinend normalen (ANP) und emotionalen Persönlichkeitsanteilen (EP) aufzeigen und dabei die Kontrollvariablen Fantasie und Simulation berücksichtigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Schlüsselwörter sind Dissoziative Identitätsstörung, psychobiologische Charakteristiken, neuronale Netzwerke, Trauma, ANP/EP-Differenzierung und Validitätsforschung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen ANP und EP für die Forschung so bedeutend?
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, weil diese Persönlichkeitsanteile jeweils andere Funktionen erfüllen: Während der ANP den Alltag bewältigt, trägt der EP die traumatischen Erinnerungen in sich. Die Forschung zeigt, dass diese Anteile mit grundlegend verschiedenen neuronalen Netzwerken interagieren.
Was ergab die Substudie zur Fantasieneigung bei DIS-Patienten?
Entgegen der Behauptung, DIS-Patienten hätten eine erhöhte Fantasiebegabung, ergab die Untersuchung, dass sie im Vergleich zur Normalbevölkerung sogar eine leicht geringere Fantasierneigung aufweisen, was das Modell der Simulation entkräftet.
Welche Rolle spielt der Nucleus caudatus bei der Konfrontation des EP mit Trauma?
Bei DIS-Patienten zeigt sich bei der Konfrontation mit traumatischen Inhalten eine erhöhte Aktivierung des Nucleus caudatus anstelle des bei Gesunden üblichen Hippocampus, was als stressinduzierte Reaktion gedeutet wird, die fight-flight-freezing Mechanismen begünstigt.
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- Katrin Gehlhaar (Author), 2013, Psychobiologische Charakteristiken der dissoziativen Identitätsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429590