Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe


Hausarbeit, 2014
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe

1 Definition Kollegialer Beratung

2 Soziale Gruppenarbeit in der Jugendhilfe

3 Kollegiale Beratung als gezielte Interventionsmaßnahme
3.1 Konkrete Anwendungsmöglichkeit und positive Effekte
3.2 Mögliche Schwierigkeiten und Risiken

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Bei der Kollegialen Beratung handelt es sich um ein systematisches Verfahren, das in der Regel zwischen Kollegen angewendet wird und bei dem sich die einzelnen Gruppenmitglieder gegenseitig zu bestimmten Fragen und Problemen beraten. Im Rahmen dessen erwerben die Teilnehmer automatisch eine Vielzahl sozialer und kommunikativer Kompetenzen (Tietze, 2002-2012). In der Sozialen Gruppenarbeit, wie sie im Rahmen der Jugendhilfe eingesetzt wird, sollen die Jugendlichen unter anderem solche Kompetenzen entwickeln (Koehler, 1998­2007; Textor, 1992). Somit scheint es eine interessante Möglichkeit, die Kollegiale Beratung gezielt als Interventionsmaßnahme in diesem Kontext zu verwenden. Die Jugendliche können die verschiedenen Rollen des Ratsuchenden und des Beraters sowie im weiteren Verlauf die Rolle des Moderators einnehmen und somit in vielerlei Hinsicht profitieren. Neben den positiven Aspekten und der Möglichkeit zentrale Kompetenzen zu erwerben, ist jedoch gerade zu Beginn auch mit Problemen zu rechnen, die sich aus den zugrundeliegenden Schwierigkeiten der Jugendlichen ergeben und die einen kompetenten Gruppenleiter voraussetzen. Meiner Meinung nach hat die Anwendung der Kollegialen Beratung als gezielte Interventionsmaßnahme insgesamt ein hohes Potential und es wäre lohnenswert diese praktisch anzuwenden.

Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe

Die Kollegiale Beratung, bei der sich die Teilnehmer gegenseitig beraten und Probleme oder Fragestellungen gemeinsam reflektiert werden (Tietze, 2002-2012), wird in vielen Kontexten sehr geschätzt. Beispielsweise in der Intervision (Hendriksen, 2002, S.9), der Einschätzung von Kindeswohlgefährdung (Nowotny, 2010) oder auch unter Lehrern (Schlee, 2008, S.7) ist die Kollegiale Beratung eine bewährte Methode, um zum Beispiel Problemsituationen von bestimmten Klienten gemeinsam zu reflektieren und Lösungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Sie führt außerdem zu einer Stärkung der Selbstsicherheit und Autonomie sowie einer besseren Reflexivität der Teilnehmer (Schlee, 2008, S.9). Betrachtet man die positiven Aspekte beim Einsatz der kollegialen Beratung, so stellt sich die Frage, ob diese nicht auch über ihre bisherigen Verwendungsmöglichkeiten hinaus von Nutzen sein kann und als gezielte Intervention eingesetzt werden kann.

In der Jugendhilfe ist die soziale Gruppenarbeit ein fester Bestandteil. Im Rahmen einer solchen Gruppenarbeit wäre es möglich, die Kollegiale Beratung als gezielte Interventionsmaßnahme für die Jugendlichen zu verwenden.

In der folgenden Hausarbeit soll diese Möglichkeit näher reflektiert werden. Zunächst wird die regulär verwendete Methode der Kollegialen Beratung vorgestellt und ein kurzer Einblick in die Soziale Gruppenarbeit im Rahmen der Jugendhilfe gegeben. Anschließend wird die Verwendung der Kollegialen Beratung als Interventionsmaßnahme im Rahmen der Jugendhilfe erörtert und positive Effekte, die sich hieraus ergeben können sowie mögliche Schwierigkeiten werden diskutiert. Abschließend erfolgen eine zusammenfassende Schlussbetrachtung und die Darstellung möglicher Entwicklungen.

1 Definition Kollegialer Beratung

Bei der Kollegialen Beratung handelt es sich um eine systematische Beratung, bei der sich die einzelnen Gruppenmitglieder gegenseitig zu bestimmten Fragen und Problemen beraten (Herwig-Lempp, 2012, S.8; Tietze, 2002-2012). Im Normalfall gibt es einen festen Ablauf mit sechs Phasen, bei dem zunächst die Rollen vergeben werden. Die Gruppe bestimmt einen Moderator, der durch die weiteren Phasen führt. Außerdem wird ein Fallerzähler ausgewählt, der im weiteren Verlauf seine Fragestellung schildert und von den übrigen Teilnehmern beraten wird. Einer der Teilnehmer übernimmt die Rolle des Sekretärs und schreibt die wesentlichen Beratungsaspekte mit. Nach der Rollenverteilung berichtet der Fallerzähler der Gruppe von seinem Problem und arbeitet zusammen mit dem Moderator in der nächsten Phase eine Schlüsselfrage heraus. Diese Schlüsselfrage dient der Gruppe als Beratungsgrundlage. Vor Beginn der eigentlichen Beratungsphase wählen die Teilnehmer in der vierten Phase zusammen eine geeignete Beratungsmethode aus. Die Beratung erfolgt anschließend nach der zuvor gewählten Methode, wobei der Fallerzähler die einzelnen Ideen der Berater auf sich wirken lässt. In der abschließenden sechsten Phase nimmt der Fallerzähler Stellung zu den Anregungen der Berater und äußert, welche Ideen für seine Schlüsselfrage hilfreich und weiterführend erscheinen. Geleitet und koordiniert werden die einzelnen Phasen vom Moderator, der aber ebenfalls ein Mitglied der Gruppe ist und bei jedem Ablauf von einer anderen Person besetzt werden kann (Tietze, 2002-2012).

Neben diesem gängigen und standardisierte Ablauf, bei dem man sich gezielt für die Beratung trifft, kann die kollegiale Beratung jedoch auch abgewandelt und in ganz verschiedenen Kontexten eingesetzt werden. Beispielsweise kann eine kollegiale Beratung auch unter wenigen Kollegen in einer Pause stattfinden, bei der ein Kollege ein Problem mit einem Klienten schildert und die anderen ihre Eindrücke dazu äußern (Herwig-Lempp, 2012, S.8-9). Hierbei werden nicht alle Schritte und Rollen berücksichtigt, sondern der Fallerzähler ergibt sich in diesem Fall aus der Situation heraus und die Fokussierung liegt auf der Phase der Problemschilderung sowie der Beratung und einer abschließenden Stellungnahme des Fallerzählers.

Grundsätzlich ist ein Vorteil der Kollegialen Beratung, dass die Ressourcen der einzelnen Mitglieder genutzt werden, wobei der Ratsuchende dennoch seine Autonomie behält und letztlich selber entscheidet, welche Ratschläge und Ideen für ihn nützlich erscheinen (Herwig- Lempp, 2012, S.10). Neben den inhaltlichen Vorteilen und daraus resultierenden Lösungsmöglichkeiten, die sich in den meisten Fällen durch die verschiedenen Sichtweisen ergeben, führt die kollegiale Beratung außerdem zu einer Verbesserung von Schlüsselkompetenzen der einzelnen Teilnehmer. Die Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten der Teilnehmer sowie die Selbstreflexion werden gesteigert. Außerdem lernen die Teilnehmer sich gegenseitig zu unterstützen und an schwierigen Situationen anderer anteilzunehmen. Dies führt insgesamt zu einer Verbesserung des Teamzusammenhalts und zu gegenseitiger Unterstützung, die über die Beratungssituation hinaus gehen kann (Tietze, 2002-2012).

2 Soziale Gruppenarbeit in der Jugendhilfe

Um ähnliche Schlüsselqualifikationen, wie sie bei der kollegialen Beratung gefordert werden, geht es auch bei der Sozialen Gruppenarbeit im Rahmen der Jugendhilfe. Die Soziale Gruppenarbeit ist eine klassische Methode der sozialen Arbeit (Behnisch, 2014). Wie in §29 des Sozialgesetzbuches festgehalten ist, soll „die Teilnahme an sozialer Gruppenarbeit [...] älteren Kindern und Jugendlichen bei der Überwindung von Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen helfen. Soziale Gruppenarbeit soll auf der Grundlage eines gruppenpädagogischen Konzepts die Entwicklung älterer Kinder und Jugendlicher durch soziales Lernen in der Gruppe fördern“ (Koehler, 1998-2007). Eine solche Entwicklung geschieht insbesondere durch die Stärkung der Beziehungs- und Verantwortungsfähigkeit sowie durch Üben und Reflektieren über den gegenseitigen Umgang miteinander (Textor, 1992).

Die Soziale Gruppenarbeit eignet sich einerseits für straffällige und aggressiven Jugendliche, aber auch bei Schwierigkeiten im Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, Beziehungsaufbau, Schulverweigerung oder familiären Problemen können Jugendliche von der Sozialen Gruppenarbeit profitieren (Textor, 1992).

3 Kollegiale Beratung als gezielte Interventionsmaßnahme

Betrachtet man die positiven Auswirkungen und die geforderten Kompetenzen bei der Kollegialen Beratung, wie beispielsweise das Einfühlen in das Gegenüber oder das gegenseitige Zuhören und die Ziele der Sozialen Gruppenarbeit, so fällt auf, dass es hier viele Parallelen gibt. Aus diesem Grund scheint es in meinen Augen eine interessante und wertvolle Möglichkeit, die Kollegiale Beratung über ihren bisherigen Einsatz hinaus zu verwenden und gezielt als Interventionsmaßnahme im Rahmen Sozialer Gruppenarbeit einzusetzen.

3.1 Konkrete Anwendungsmöglichkeit und positive Effekte

Im Rahmen der Sozialen Gruppenarbeit ist es denkbar, dass die Kollegiale Beratung nicht wie gewöhnlich unter den Mitarbeitern stattfindet, sondern auch die Jugendlichen diese Technik gezielt untereinander anwenden, um so verschiedene Kompetenzen zu üben und soziale Fertigkeiten auszubauen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe
Hochschule
Universität Ulm
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V429592
ISBN (eBook)
9783668735255
ISBN (Buch)
9783668735262
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kollegiale, beratung, interventionsmaßnahme, jugendhilfe
Arbeit zitieren
Katrin Gehlhaar (Autor), 2014, Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429592

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kollegiale Beratung als Interventionsmaßnahme in der Jugendhilfe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden