Immer wieder wird sichtbar, wie Personen nach einem traumatischen Ereignis Schwierigkeiten haben, dieses zu verarbeiten. Die klassische Sicht- und Vorgehensweise fokussiert hierbei auf das zurückliegende Trauma und dessen Bearbeitung sowie auf die Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten des Einzelnen.
Eine alternative Sichtweise von Keilson sieht Trauma hingegen als einen Prozess, der über das eigentliche traumatische Ereignis hinausgeht. Der Zeit nach dem Trauma wird eine wesentliche Bedeutung beigemessen und die Bewältigung wird weniger ausschließlich den Betroffenen zugeschrieben, sondern vielmehr werden gesellschaftliche und politische Bedingungen mit einbezogen. Diese alternative Sichtweise entpathologisiert die Betroffenen.
In der Bewältigung traumatischer Ereignisse sind individuelle Lösungen unabdingbar. Ebenso wichtig scheint eine kritische und aktive Auseinandersetzung der Gesellschaft und Politik mit der Thematik, da nur so verhindert werden kann, dass Betroffene auch nach dem eigentlichen Trauma weitere traumatische Sequenzen, die durch gesellschaftliche Situationen und Normen entstehen, erleben. Ein wichtiger Bestandteil hierbei ist die Anerkennung und Bewusstwerdung in der Gesellschaft, dass beispielsweise auch extreme Gewaltformen in unserer unmittelbaren Nähe existieren und keine Ausnahme darstellen, ohne dass sich dabei Verleugnung in eine Art Voyeurismus umkehrt. Die Bewältigung traumatischer Ereignisse ist im Wesentlichen mit davon abhängig, welchen Bedingungen Betroffene nach dem Ereignis ausgesetzt sind und die gesellschaftliche, soziale und politische Situation hat hier deutlich mehr Einfluss, als häufig angenommen.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung
- 1 Einleitung
- 2 Standardmäßige Klassifizierung von Traumafolgestörungen
- 3 Alternative Betrachtungsweisen von Traumata
- 4 Diskussion und kritische Auseinandersetzung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Frage, ob Traumata ein individuelles oder ein gesellschaftliches Problem darstellen. Sie analysiert die Standardisierung der Traumafolgestörung in der Psychologie und setzt sie in Bezug zu einer alternativen Sichtweise, die Trauma als einen Prozess sieht, der über das eigentliche traumatische Ereignis hinausgeht. Die Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung gesellschaftlicher und politischer Bedingungen für die Verarbeitung von Traumata zu beleuchten.
- Standardisierung von Traumafolgestörungen
- Alternative Betrachtungsweise von Trauma als Prozess
- Gesellschaftliche und politische Bedingungen in der Traumaverarbeitung
- Entpathologisierung von Betroffenen
- Anerkennung und Bewusstwerdung von extremen Gewaltformen in der Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung
Das Kapitel führt in die Problematik der Traumafolgestörungen ein und zeigt auf, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, ihren individuellen Weg aus dem Trauma zu finden. Es wird diskutiert, ob die Bewältigung des Traumas der betroffenen Person alleine zugeschrieben werden kann oder ob auch gesellschaftliche Faktoren eine Rolle spielen.
2 Standardmäßige Klassifizierung von Traumafolgestörungen
Das Kapitel beleuchtet die Standardisierung von Traumafolgestörungen in der Psychologie, insbesondere die Einführung des DSM-V und die neue Kategorie „trauma- and stressor-related disorders“. Es wird auf die Gefahr der Pathologisierung von Reaktionen auf traumatische Ereignisse hingewiesen.
3 Alternative Betrachtungsweisen von Traumata
Das Kapitel stellt eine alternative Sichtweise von Trauma vor, die Trauma als einen Prozess sieht, der über das eigentliche Ereignis hinausgeht. Es wird die Bedeutung der Zeit nach dem Trauma und die Rolle gesellschaftlicher und politischer Bedingungen betont.
Schlüsselwörter
Trauma, Traumafolgestörung, PTBS, Dissoziative Störung, DIS, Pathologisierung, gesellschaftliche Bedingungen, politische Bedingungen, Entpathologisierung, Gewalt, Voyeurismus, Bewältigung, Verarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Trauma nur ein individuelles Problem?
Nein, die Arbeit argumentiert, dass Trauma ein Prozess ist, bei dem gesellschaftliche und politische Bedingungen nach dem Ereignis eine entscheidende Rolle für die Bewältigung spielen.
Was ist die alternative Sichtweise von Keilson auf Traumata?
Keilson sieht Trauma als einen Verlauf über das eigentliche Ereignis hinaus. Die Zeit danach ist wesentlich, und die Verantwortung für die Heilung liegt nicht allein beim Individuum, sondern auch bei der Gesellschaft.
Was bedeutet "Entpathologisierung" von Betroffenen?
Es bedeutet, die Reaktionen auf ein Trauma nicht nur als psychische Störung des Einzelnen zu sehen, sondern als verständliche Antwort auf extreme äußere Umstände und gesellschaftliche Normen.
Welche Gefahr besteht bei der standardmäßigen Klassifizierung (z.B. DSM-V)?
Die Arbeit weist darauf hin, dass eine rein medizinische Standardisierung dazu führen kann, Betroffene zu stigmatisieren und den Einfluss belastender gesellschaftlicher Strukturen zu ignorieren.
Warum ist gesellschaftliche Anerkennung von Gewalt wichtig?
Nur durch die Bewusstwerdung, dass extreme Gewalt existiert, können weitere traumatische Sequenzen durch Verleugnung oder Voyeurismus verhindert und echte Unterstützung ermöglicht werden.
- Quote paper
- Katrin Gehlhaar (Author), 2015, Trauma und die Zeit danach. Ein individuelles oder gesellschaftliches Problem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429599