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Trauma und die Zeit danach. Ein individuelles oder gesellschaftliches Problem?

Title: Trauma und die Zeit danach. Ein individuelles oder gesellschaftliches Problem?

Term Paper , 2015 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Gehlhaar (Author)

Psychology - General
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Immer wieder wird sichtbar, wie Personen nach einem traumatischen Ereignis Schwierigkeiten haben, dieses zu verarbeiten. Die klassische Sicht- und Vorgehensweise fokussiert hierbei auf das zurückliegende Trauma und dessen Bearbeitung sowie auf die Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten des Einzelnen.

Eine alternative Sichtweise von Keilson sieht Trauma hingegen als einen Prozess, der über das eigentliche traumatische Ereignis hinausgeht. Der Zeit nach dem Trauma wird eine wesentliche Bedeutung beigemessen und die Bewältigung wird weniger ausschließlich den Betroffenen zugeschrieben, sondern vielmehr werden gesellschaftliche und politische Bedingungen mit einbezogen. Diese alternative Sichtweise entpathologisiert die Betroffenen.

In der Bewältigung traumatischer Ereignisse sind individuelle Lösungen unabdingbar. Ebenso wichtig scheint eine kritische und aktive Auseinandersetzung der Gesellschaft und Politik mit der Thematik, da nur so verhindert werden kann, dass Betroffene auch nach dem eigentlichen Trauma weitere traumatische Sequenzen, die durch gesellschaftliche Situationen und Normen entstehen, erleben. Ein wichtiger Bestandteil hierbei ist die Anerkennung und Bewusstwerdung in der Gesellschaft, dass beispielsweise auch extreme Gewaltformen in unserer unmittelbaren Nähe existieren und keine Ausnahme darstellen, ohne dass sich dabei Verleugnung in eine Art Voyeurismus umkehrt. Die Bewältigung traumatischer Ereignisse ist im Wesentlichen mit davon abhängig, welchen Bedingungen Betroffene nach dem Ereignis ausgesetzt sind und die gesellschaftliche, soziale und politische Situation hat hier deutlich mehr Einfluss, als häufig angenommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Standardmäßige Klassifizierung von Traumafolgestörungen

3 Alternative Betrachtungsweisen von Traumatisierung

4 Diskussion und kritische Auseinandersetzung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das Verständnis von Trauma als ein isoliertes, in der Vergangenheit liegendes Ereignis zu einer problematischen Pathologisierung des Individuums führt. Ziel ist es, das Konzept der "sequentiellen Traumatisierung" nach Keilson zu beleuchten und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche, soziale und politische Faktoren den Verlauf von Traumafolgestörungen beeinflussen und verstärken können, anstatt die Verantwortung für die Bewältigung einseitig dem Betroffenen zuzuschreiben.

  • Kritik an der standardmäßigen Klassifizierung von Traumafolgestörungen (z.B. DSM-V)
  • Einführung des Trauma-als-Prozess-Modells nach Hans Keilson
  • Die Rolle gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und öffentlicher Reaktionen bei der Traumabearbeitung
  • Problematiken bei der therapeutischen Behandlung von Extremtraumatisierungen (z.B. DIS)
  • Notwendigkeit einer Entpathologisierung und Übernahme gesellschaftlicher Mitverantwortung

Auszug aus dem Buch

4 Diskussion und kritische Auseinandersetzung

Bei der Darstellung der herkömmlichen Betrachtungsweise von Traumatisierung, bei der der Fokus auf der Behandlung des zurückliegenden traumatischen Ereignisses liegt, fällt bereits auf, dass hier die Gefahr besteht, dass eine Stigmatisierung des Opfers stattfindet und die Pathologie des Individuums im Vordergrund steht. Soziale und gesellschaftliche Umstände, die in manchen Fällen erst zur Traumatisierung geführt haben, aber die vor allen Dingen eine gute Verarbeitung der traumatischen Erfahrung erschweren, werden verschoben und zu klinischen Problemen des Opfers gemacht (Brenssell, 2013). Durch die Annahme, dass die Probleme der Betroffenen mit der Betrachtung und Verarbeitung des Traumas gelöst sind, werden die Probleme aus der gesellschaftlichen Situation herausgelöst (Brenssell, 2013). Wie Keilson (2005) jedoch zeigen konnte, spielt die Situation, in der sich die betroffene Person nach dem Trauma befindet, eine sogar wesentlichere Rolle als die Schwere des traumatischen Ereignisses und häufig setzt sich die Traumatisierung aufgrund der äußeren Umstände, in denen sich eine Person nach dem Trauma befindet, fort.

Therapeutisch gesehen bedeutet dieser Umstand häufig zunächst die Zusammenfassung und Verkürzung der individuellen Schwierigkeiten des Betroffenen auf eine festgelegte Diagnose und im Folgenden dann eine standardisierte Behandlung dieser, was im Falle einer Traumafolgestörung in der Regel die Bearbeitung des traumatischen Ereignisses bedeutet. Die Bearbeitung des Traumas ist meiner Meinung nach auch sehr sinnvoll und von großer Bedeutung. Die Fokussierung und Bearbeitung des traumatischen Ereignisses ist einer stützenden Beratung oder einer Hilfe beim Stress Management deutlich überlegen (Bisson, Ehlers, Matthews, Pilling, Richards, & Turner, 2007; Ehlers et al., 2010; Ponniah & Hollon, 2009). Was hierbei jedoch nicht aus dem Blick geraten sollte, ist die Zeit nach dem Trauma und die gegenwärtige Situation des Betroffenen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Traumabearbeitung und stellt die Frage, ob die Verantwortung für die Überwindung eines Traumas primär beim Individuum oder in gesellschaftlichen Strukturen liegt.

2 Standardmäßige Klassifizierung von Traumafolgestörungen: Dieses Kapitel kritisiert die aktuellen Diagnosesysteme wie das DSM-V, da diese durch eine starke Fokussierung auf das Ereignis zur Stigmatisierung und Entkontextualisierung der Betroffenen beitragen.

3 Alternative Betrachtungsweisen von Traumatisierung: Hier wird das Konzept der sequentiellen Traumatisierung nach Keilson eingeführt, welches das Trauma nicht als singuläres Ereignis, sondern als langfristigen Prozess unter Einbeziehung sozialer und politischer Faktoren betrachtet.

4 Diskussion und kritische Auseinandersetzung: Das Abschlusskapitel diskutiert die therapeutische Praxis im Umgang mit Extremtraumatisierungen und fordert eine Abkehr von rein standardisierten Schemata hin zu einer gesellschaftlichen Mitverantwortung.

Schlüsselwörter

Trauma, Traumafolgestörungen, sequentielle Traumatisierung, DIS, Pathologisierung, therapeutische Standards, psychische Gesundheit, gesellschaftliche Verantwortung, Traumaprozess, PTBS, Entpathologisierung, soziale Bedingungen, Trauma-Bewältigung, Extremtraumatisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit hinterfragt die gängige Praxis, Traumafolgestörungen ausschließlich als individuelles klinisches Problem zu betrachten, und argumentiert für eine stärkere Einbeziehung gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Kritik an der psychiatrischen Diagnostik (DSM-V), die Theorie der sequentiellen Traumatisierung, die Rolle von Therapeuten bei komplexen Traumata sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Verleugnung auf Betroffene.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu verdeutlichen, dass eine isolierte Betrachtung des traumatischen Ereignisses zu kurz greift und dass die Lebenssituation der Betroffenen nach dem Trauma für den Heilungsprozess entscheidender ist als das ursprüngliche Ereignis selbst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturrecherche kritisch-psychologischer Ansätze, insbesondere unter Bezugnahme auf das Konzept der sequentiellen Traumatisierung von Hans Keilson.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Standardklassifizierungen, stellt das Modell der sequentiellen Traumatisierung gegenüber und erörtert die daraus resultierende Notwendigkeit, gesellschaftliche Verantwortung in die therapeutische Arbeit zu integrieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Traumaprozess, sequentielle Traumatisierung, Entpathologisierung, therapeutische Verantwortung und gesellschaftliche Bedingtheit definiert.

Warum ist das Konzept der "sequentiellen Traumatisierung" so wichtig?

Es erweitert den Blickwinkel dahingehend, dass nicht nur die Gewalt selbst, sondern auch die Bedingungen, unter denen ein Mensch nach dem Trauma weiterlebt (z.B. gesellschaftliche Reaktionen, Ausgrenzung), als Teil der Traumatisierung begriffen werden müssen.

Wie steht die Autorin zur Zwangseinweisung bei Suizidalität?

Die Autorin plädiert dafür, auch bei akuter Suizidalität den individuellen Kontext zu berücksichtigen, anstatt lediglich nach starren Standards zu handeln, die Betroffene, insbesondere Opfer organisierter Gewalt, retraumatisch belasten könnten.

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Details

Title
Trauma und die Zeit danach. Ein individuelles oder gesellschaftliches Problem?
College
University of Tubingen
Grade
1,3
Author
Katrin Gehlhaar (Author)
Publication Year
2015
Pages
16
Catalog Number
V429599
ISBN (eBook)
9783668731684
ISBN (Book)
9783668731691
Language
German
Tags
trauma zeit problem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Gehlhaar (Author), 2015, Trauma und die Zeit danach. Ein individuelles oder gesellschaftliches Problem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429599
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