"Neues Geistliches Lied". Didaktische Bemerkungen zur Umsetzung im Religionsunterricht


Hausarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 NGL im RU: Warum und wenn ja – wie kann sich das lohnen?

2 Sachanalyse: Das NGL

3 Bedingungsanalyse: Das Setting des RUs

4 Didaktische Analyse: Wie kann NGL im RU thematisiert werden?

5 Konkrete Zugänge und Erschließungswege für Lieder

6 Persönliches Fazit für den Umgang mit NGL im RU

7 Literaturverzeichnis

1 NGL im RU: Warum und wenn ja – wie kann sich das lohnen?

Das „Neue Geistliche Lied“ (NGL) bezeichnet „Lieder und Gesänge, die unterschiedlichste Stile der Folklore und der Popmusik für den geistlichen Raum adaptieren“.[1] Für den Einsatz von NGLs im Religionsunterricht (RU) kann vom Gegenstand, genauer dessen Bildungswert und den Lernenden aus argumentiert werden. Hierfür wird der Bildungswert des Lerngegenstands NGL auf Exemplarität, Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung befragt. Für das NGL sind folgende Anfragen zu klären und diskussionswürdig:[2]

Was ist das NGL und ist es exemplarische Kirchenmusik? Ist NGL gar die „Zukunft der Kirchenmusik“?[3] Ist das dem NGL zugeordnete und für den RU ausgewählte Lied exemplarisch für NGL? Außerdem stellt sich für den Gegenwartsbezug wie auch für die Bedeutung des Lerngegenstands aus der aktuellen Schülerperspektive die Frage, ob das NGL für die Lernenden momentan bedeutsam ist - oder normativ gefragt: gewinnbringend für ihr derzeitiges Leben sein könnte. En vogue und hip war das NGL zumindest vor einigen Jahrzehnten in den 1970er und 1980er Jahren, in denen es seine Hochzeit hatte.[4] Jedoch werden noch immer Lieder veröffentlicht die sich als NGL bezeichnen[5]. Bekannte Autoren sind nach den Pionieren Alois Albrecht und Peter Janssens: Gregor Linßen, Tobias Lübbers und Kathi Stimmer-Salzeder[6]. Um diese Protagonisten herum macht der Religionspädagoge Peter Bubmann religionssoziologisch mehrere, zum Teil dann von den Bistümern strukturell geförderte NGL-Szene und Milieus aus[7], die sich aus kirchennahen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammensetzen. Insofern hat die NGL-Bewegung für ihre Mitwirkenden zwar wohl große Bedeutung; jedoch keinesfalls für eine größere Gruppe der Schülerschaft. Auch die Lieder selbst können zwar für den kirchlichen Bereich einen gewissen Bekanntheitsgrad beanspruchen, jedoch nicht gesamtgesellschaftlich. Sie können außerdem weder für die aktuelle Popkultur noch für die etablierte Kirchenmusik als exemplarisch gelten. Für die Charts sind die Lieder und ihre Texte nicht dem Zeitgeist entsprechend und für die Zuordnung zu etablierter Kirchenmusik mangelt es (noch) an theologischer Aussagekraft und musikalischer Qualität. Da jedoch insbesondere sogenannte NGL Werkstätten genau hier Entwicklungsimpulse und –förderung geben, bleibt die Stärkung der Zukunftsbedeutung auf sachlicher Ebene denkbar.

Lohnend kann der Einsatz von NGL – aller genannten Einwände zum Trotz – dennoch sein, da die Gestaltung immerhin näher an der Lebenswelt der Lernenden ist als sperrigere Formate wie beispielsweise Bachs Matthäus Passion. Außerdem lassen sich aus methodischer und religionsdidaktischer Sicht einige Argumente und Einsatzmöglichkeiten finden. Wie NGL dann zum Thema werden kann und Themen gestalten kann wird in dieser Arbeit aufgezeigt.

2 Sachanalyse: Das NGL

[8] NGL setzte sich als Bezeichnung für ein jüngeres von verschiedenen Musikstilen geprägtes „Genre“, das seit den 1960er in Settings mit kirchlichem beziehungsweise geistlichem Bezug entstand, gegenüber Begriffen wie „Sacro-Pop“ und „rhythmische Lieder“ durch.[9] Deshalb wird im Folgenden der Sachgegenstand anhand von Hahnens Charakterisierung des NGL entlang der Begriffe neu, geistlich und Lied mit der Problemfokussierung entlang selbiger Adjektive durch Konrad dargelegt. Einsatzorte des NGLs sind zu meist geistlich statt profan, zum Beispiel Gottesdienste, gottesdienstliche Veranstaltungen oder Mitsingkonzerte christlichen Kontextes. Das Geistliche spiegeln die Texte wieder. Sie thematisieren christliche Werte und setzen Erfahrungen mit Liturgie und biblischen Texten für das umfassende Verständnis dessen, was gesungen wird voraus. An den zuvor genannten Orten erfüllt das NGL liturgische Funktion und ermöglicht der Gemeinde das Mitsingen der Lieder. Diese Lieder werden in ihrer musikalischen Struktur meist als Strophen- oder Kehrverslied gestaltet. Das Neue am NGL wirft – wie in der Einleitung bereits skizziert – Schwierigkeiten auf. Neu kann zeitlich jung oder aktuell bedeuten. Neu kann auch musikalisch oder theologisch anders als bisher bedeuten. Die Neuheit der NGLs ist allerdings angesichts der Verwendung von musikalischen Formen die zur Hochzeit des NGL während der „1970er – und 80er-Jahren“[10] populär waren, nicht mehr offensichtlich. Nach Peter Hahnen ist >das Neue< an den Liedern einerseits im Unterschied zur traditionellen Kirchenmusik zu suchen, wobei eine genaue Definition des Spezifikums nicht einheitlich und umfänglich festzumachen ist.[11] Zudem bleibt es fraglich, wie gut es dem NGL gelingt, den Anspruch auf Gegenwartsbezug durch Weiterentwicklung seiner musikalischen Szene einzulösen, um sich die Aufgabe zu stellen, weiterhin neu zu bleiben.[12]

Für die nähere Profilierung des NGL führt Hahnen daher drei Profilmerkmale – „Reproduzierbarkeit, Sitz im Leben, Entstehungszusammenhang“ – an. Diese schärfen zusätzlich das Bild des NGL. Mit Reproduzierbarkeit ist gemeint, dass die Lieder von den Kirchengemeinden ohne über den Gottesdienst hinausgehende Proben und gesangliche Expertise zu singen sein sollen. Hier ist angesichts zunehmender Professionalisierung der Lieder allerdings anzumerken, dass dies längst nicht mehr für alle NG-Lieder zutrifft und so der Charakter des Mitreißens und Mitnehmens in Gefahr gerät.[13] Das Profilmerkmal „Sitz im Leben“ beschreibt auch ein Verlag, laut dem für NGL es der „Anspruch dieser Lieder ist, der Verkündigung zu zeitgemäßer Sprache und moderner Musik zu verhelfen“[14]. Inhaltlich wird der lebensweltliche Bezug der NGLs folgend beschrieben: „Text[e] sind […] zugeneigt und mitfühlend, ansprechend und verbunden: „sympathische“ Lieder im Wortsinn, also ganz nah bei den Menschen, um von dem singen zu können, was bewegt.“[15]

Mit dem Entstehungszusammenhang wird der religiöse Hintergrund angespielt, es wird Musik von Gläubigen dieser Zeit für zeitgenössische Gläubige gemacht. Außerdem sind die Akteure zudem meist „nebenberuflich“ tätig und verdienen eher an Auftritten denn am Verkauf von Tonträgern[16].

3 Bedingungsanalyse: Das Setting des RUs

Das NGL ist im Setting von Gemeinden, wo sich Religions-Affine zusammenfinden natürlicher als im Setting des staatlichen RU beheimatet. Deshalb stellt sich die Frage: Sind NGL den mehrheitlich nicht religiös sozialisierten SuS zumutbar?

Einerseits gehören Musik und damit das religiöse Lied von alters her (wie beispielsweise Psalmen) zu den bedeutendsten ästhetischen Ausdrucksformen von Religion, gelebter Religiosität und kirchlicher Glaubenstradition und –praxis, andererseits treten folgende Herausforderungen auf, die im vorherigen Kapitel bereits angesprochen wurden:

- Fehlender Lebenswelt[17] Bezug: Generation des NGL ist nicht (mehr) die Jugend, das bedeutet NGL ist nicht mehr automatisches „Singen vom Glauben“ sondern zunehmend Herausforderung, wenn Glauben selbst, die religiösen Sprachcodes (und das Singen) fremd sind.
- religiöse Sprache / Codes, welche von den SuS nicht mehr selbstverständlich entschlüsselt werden können.
- unübliche Metaphorik
- von heutigem Lebensgefühl und Selbstverständnis der SuS wie Lehrenden teils nicht nachvollziehbare Existenzgefühle der Autoren

Chancen:

Anknüpfen an den Anfängen des NGLs, als gottesdienstliche Musik in den Kontext (damals) populärer Musik gestellt wurde.[18]

Die Korrelationsdidaktik will sich weder eine Welt ohne Kirchenbezug, noch eine Kirche ohne Weltbezug denken. Daher liegen einige Aufgaben vor ReligionslehrerInnen a) sensibel sein für beide „Welten“ b) „fremde“ Codes zumuten c) decodieren und in Korrelation zur Lebenswelt bringen: die Kluft zwischen den unverständlich gesendeten Codes der Kirche und der „Leseschwäche“ der SuS zu überwinden.

Konkret nach der Lebenswelt fragt die Subjektorientierte Religionspädagogik. Sie weiß, die SuS sind mehrheitlich nicht religiös sozialisiert. Aus Studien weiß sie allerdings auch um die Grundsehnsüchte nach Liebe, Geborgenheit, Heimat und Frieden, gerade auch der jungen Vertreter der schnelllebigen, postmodernen Getriebenheit. Die postmoderne Lebenswelt ist arm an Orten an denen diese Sehnsüchte zur Sprache gebracht werden können. Hier liegt die Chance des RU das NGL mit seiner bild- und symbolreichen Sprache diesen Sehnsuchts-fragen Ausdrucks- und Antwortmöglichkeiten anzubieten (in Korrelation zu den entsprechenden Glaubensüberzeugungen der kirchlichen Verkündigung). RU kann hier das Ästhetische Zeitalter, welches besonders visuell geprägt ist und die „User“ tendenziell verwöhnt durch Omnipräsenz von Popstimmen, und entwöhnt von natürlichem Gesang, einerseits nutzen und andererseits ausgleichen.[19]

[...]


[1] LThK 7, 756.

[2] Konrad 2005, 13.

[3] Konrad 2005, 93.

[4] Vgl. Konrad 2005, 93.

[5] Vgl Konrad 2005, 96.

[6] http://www.kathpedia.com/index.php?title=Neues_Geistliches_Lied

[7] Bubmann, . http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2010/id=4427

[8] Vgl. zum Folgenden: Hahnen 2009.

[9] Hahnen 2009, 11.

[10] Konrad 2005, 93.

[11] Vgl. Hahnen 1998, 370.

[12] Vgl. Konrad 2005, 12-13.

[13] Vgl. Wünsche, SoSe 17.

[14] http://www.neuesgeistlicheslied.de/

[15] http://www.neuesgeistlicheslied.de/

[16] Hahnen 2009, 24.

[17] Lebenswelt meint nach Hilger (2001) jene Phänomene, die in den Lebenszusammenhängen von Kindern und Jugendlichen a) unmittelbar vorkommen, das heißt, die sie erfahren b) deren Welt qualitativ und quantitativ entscheidend prägen und c) in denen sich Kinder und Jugendliche passivisch (konsumierend) und/oder aktivisch (gestaltend)auszudrücken vermögen. Spezielle Defizite auf das NGL: - Das NGL kommt nicht unmittelbar im Leben der Menschen vor (Kontakt wird zumeist nicht aktiv gesucht).
- Der Kontakt kommt dann eher „zwangsläufig“ oder zufällig in gottesdienstlichen Zusammenhängen zu Stande.
- Aus denselben Gründen trägt das NGL auch eher selten qualitativ oder quantitativ zur Prägung der Welt bei.
- Auch gehört das NGL mehrheitlich nicht (mehr) zu den Ausdrucksmedien der Menschen.

[19] Wenn eine ästhetisch Wende gelingt, liegt hier jedoch auch eine Chance für das NGL, wenn es den Sprung zu neuen Performanceformen (weg von Pfeifenorgel und Gitarrenbegleitung schafft). Dies erfordert den Mut Kooperation mit Fachleuten zu suchen (für Internetpräsenz ect.).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Neues Geistliches Lied". Didaktische Bemerkungen zur Umsetzung im Religionsunterricht
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V429690
ISBN (eBook)
9783668740402
ISBN (Buch)
9783668740419
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neues, geistliches, lied, didaktische, bemerkungen, umsetzung, religionsunterricht
Arbeit zitieren
Natalie Blöchl (Autor), 2018, "Neues Geistliches Lied". Didaktische Bemerkungen zur Umsetzung im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429690

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