Die Darstellung des Islam in Kinderbüchern

Am Beispiel von "Leyla und Linda feiern Ramadan"


Hausarbeit, 2014
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Darstellung des Islams in ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘
1) Über die Autorin
2) Inhaltsangabe von ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘
3) Nussbaums Kriterien eines gelungenen Kinderbuches
4) Analyse
5) Fazit

III. Schlusswort

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Wir müssen andere Denkweisen ausbilden, eine Haltung der Neugier, der Frage und des Wahrnehmens, die uns sagt: ‚Hier ist ein anderer Mensch. Ich möchte wissen, was er oder sie gerade sieht und fühlt‘.“[1] Diese Forderung stellt Martha Nussbaum in ihrem Buch ‚Die neue religiöse Intoleranz‘. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen und der Umgang mit Religion, besonders wenn es sich nicht um die eigene handelt, sind heute aktueller denn je und unerlässlich. Diese Hausarbeit beschäftigt sich beispielhaft mit dem Islam. Im Umgang mit Kultur und Religion plädiert Martha Nussbaum deshalb für eine „mitfühlende Fantasie (oder Empathie)“[2], die Teil des Primaten-Erbes ist, wodurch sie bereits Kleinkindern ab dem zweiten Lebensjahr zukommt.[3] Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder so früh wie möglich mit den verschiedenen Kulturen und Religionen vertraut gemacht werden, um Engstirnigkeit, Angst vor Unbekanntem und Intoleranz zu vermeiden. Zu diesem Zweck hat Arzu Gürz Abay, die Autorin von ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘, dieses Kinderbuch geschrieben. Mit diesem Hintergrund möchte ich im Folgenden ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘ analysieren. Dabei werde ich mich an den von Nussbaum angegebenen Kriterien für Kinderbuchautoren orientieren. Dazu stelle ich das Kinderbuch und die Autorin zunächst vor, bevor ich anschließend auf Nussbaums Kriterien eingehe und aufzeige, wie der Islam in ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘ dargestellt wird.

II. Die Darstellung des Islams in ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘

1) Über die Autorin

Arzu Gürz Abay ist 1972 in Berlin geboren. Als Tochter eines türkischen Diplomaten setzte sie sich schon früh mit interkulturellem Verständnis auseinander. Sie reiste sehr viel und studierte unter anderem in den USA und in München. Heute lebt sie in Köln mit zwei Töchtern und ihrem Mann.

‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘ ist ihr erstes zweisprachiges Kinderbuch. Sie schrieb das Buch mit dem Wunsch, es möge ihr gelingen, ihren Kindern in deren deutschem Alltag die türkische Kultur nahe zu bringen. Arzu Gürz Abay setzt sich dafür ein, dass Kinder in einer inklusiven Gesellschaft aufwachsen. Sie ist der Überzeugung, dass es möglich ist, andere Kulturen kennenzulernen, ohne dass man mit dem Flugzeug verreisen muss. Mit ihren Büchern möchte sie dazu beitragen, dass Kinder tolerant, neugierig und engagiert sind und einen offenen Umgang mit Religion und unterschiedlicher Herkunft entwickeln.

2) Inhaltsangabe von ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘

Leyla und Linda leben in Köln und gehen zusammen in den Kindergarten. Leylas Familie kommt aus der Türkei. Sie machen viel gemeinsam und auch ihre Eltern verstehen sich gut. In diesem Jahr machen die beiden Familien Urlaub in der Türkei, und sie entschließen sich, sich zu besuchen.[4] Leyla besucht, wie jeden Sommer, ihre Familie in der türkischen Hafenstadt Ayvalik. Sie hat dort viele Freunde und geht jede Woche auf den Wochenmarkt, wo es viele verschiedene Dinge zu kaufen gibt.[5] Leyla ist auch oft am Strand. Dieses Jahr ist sie besonders aufgeregt, denn sie ist während des Monats Ramadan in der Türkei. Während Ramadan wird gefastet, man darf nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang etwas essen und trinken. Fasten ist eine festgelegte Regel im Islam, um selbst zu erleben, wie es für arme Menschen ist, wenn sie nichts zu essen und zu trinken haben.[6] Leyla fastet allerdings noch nicht wie die Erwachsenen, da sie ein Kind ist. Trotzdem ist sie nachts wach, denn es ist eine Tradition, während des Ramadan von einem singenden Trommler geweckt zu werden. Wenn alle wach sind, isst, erzählt und lacht die ganze Familie gemeinsam.[7]

Linda kommt am letzten Tag des Ramadan mit dem Schiff an und Lindas Familie wird von Leylas Familie herzlich empfangen. Später hört man den Ezan, den Gebetsruf und Leylas Opa erklärt mit Blick auf die Moschee, dass der Müezzin fünfmal am Tag vom Minarett aus zum Gebet ruft.[8] Er erklärt Linda außerdem, dass das Gebet dazu dient, an Allah zu denken, und dass man beim Beten immer mit dem Gesicht Richtung Mekka schaut. Mit dem Gebet und einem Kanonenschuss wird die Fastenzeit beendet und die beiden Familien essen nun gemeinsam. Leyla berichtet Linda von dem Trommler, und die beiden stellen sich vor, wie es wäre wenn jemand nachts in Deutschland Trommel spielen und dazu singen würde.[9] Linda weißbereits von ihren Besuchen bei Leyla in Köln, dass es in der Türkei Speisen gibt, die es in Deutschland nicht gibt. Am nächsten Tag, nach dem Fastenmonat Ramadan, wird das sogenannte Zuckerfest gefeiert. Alle Männer der Familie gehen in die Moschee, in welcher großer Andrang herrscht. Nachdem sie wieder zuhause sind, beobachtet Linda ein weiteres Ritual: Leyla küsst ihren Opa auf dessen Handrücken und hebt die Hand an ihre Stirn, um den Älteren ihren Respekt zu zeigen.[10] Zurück in Deutschland ist Linda sehr glücklich und die Ramadan Feier „erwärmte ihr Herz, denn es erinnerte sie an die Weihnachtszeit, die sie mit ihrer eigenen Familie verbringt“[11].

3) Nussbaums Kriterien eines gelungenen Kinderbuches

Martha Nussbaum zeigt selbst anhand von ihr ausgewählter Kinderbücher, wie „‘Dummheit‘ durch mitfühlende Fantasieüberwunden werden kann.“[12] Sie stellt fest, dass Sympathie bei der Wahrheit beginnt und dass diese, durch die jeweiligen, in den Büchern dargestellten Situationen, mehr bewirkt als es eine alleinige Argumentation hätte bewirken können.[13]

Den Anspruch, den sie an (Kinderbuch-) Autoren stellt, ist ein dreifacher. Zunächst ist es die Aufgabe der Autoren, Tatsachen aufzuzeigen. Dies wiederum setzt kulturelle und historische Forschungsarbeit voraus. Außerdem soll es den Autoren gelingen, die Phantasie des Lesers in die dargestellte Welt zu entführen und „sie anzuregen, sich um die Menschen zu kümmern, die sie dort vorfinden“[14]. Als einen dritten und letzten Punkt führt Nussbaum an, dass es für die Autoren gilt, ihren Lesern deutlich zu machen und sie zuüberzeugen, dass jene Menschen, die aus fremden, vielleicht unbekannten Kulturen stammen und unterschiedliche Religionen haben, Respekt und Freundschaft verdienen und nicht mit Ekel betrachtet werden dürfen.[15]

4) Analyse

In ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘ geht die Autorin sowohl auf den Islam, für den hier beispielhaft der Monat Ramadan steht, als auch auf die türkische Kultur ein.

Leyla fährt in den Ferien zu ihrer Familie in die Türkei. Die Stadt, in der sie dort lebt (und insbesondere der Wochenmarkt) werden als sehr lebhaft und kunterbunt beschrieben.[16] Allgemein wird die Familie als sehr wichtig dargestellt und alle sind sehr herzlich und gesellig.[17] Dies wird im Folgenden besonders deutlich: „Leylas Mutter steht prompt auf der Schwelle und umarmt die Gäste: ‚Herzliche Willkommen! Kommt, lasst euch mal richtig drücken!‘“[18] Der Leser merkt, dass türkische Familien sehr großsind (Leyla besucht zur selben Zeit ihre Großeltern, Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel). Man spürt eine fröhliche, herzliche, einladende Stimmung, die sich auf den Leserüberträgt. Weiter wird auch die türkische Küche kurz thematisiert, in Form von gefüllten Weinblättern, Börek mit Spinat und Joghurt und Fladenbrot. Linda kennt das bereits von Leyla, da sie in Köln manchmal bei Leyla zuhause isst.[19] Dem Leser wird dadurch deutlich gemacht, dass man vor unbekannten Speisen nicht zurückschrecken muss, im Gegenteil…

Der Islam wird Linda kindgerecht von Leyla und ihrer Familie erklärt. Stellvertretend für die Religion wird im Buch der Monat Ramadan mit seinen Bräuchen und Sitten erläutert. So wird unter anderem erklärt, dass das Fasten eine Wichtige Regel im Islam darstellt und warum, wie und wie lange gefastet wird.[20] Außerdem erzählt Leyla von einer alten Tradition, nach der man in den Nächten der Ramadanzeit von einem Trommler geweckt wird.[21] Leylas Großvater erklärt Linda den Sinn des Gebetrufers und was es bedeutet Richtung Mekka zu beten.[22] Alles ist sehr bunt und detailreich illustriert, sodass die Leser des Buches einen durchweg positiven Einblick bekommen, wie das Ramadanfest unter Muslimen abläuft. Gegen Ende des Buches wird noch ein Moscheebesuch beschrieben.

Die Religion des Islams wird in ‚Leyla und Linda feiern Ramadan‘ als eine von Mitgefühl und Familienbewusstsein geprägte Lebens- und Glaubensweise dargestellt. Dies wird deutlich, als Leylas Großvater zum Thema Fasten erklärt: „So kann man an seinem eigenen Körper erleben, wie es für sehr arme Menschen ist, eine Zeit lang nichts zu essen und zu trinken.“[23] Die Innigkeit der Familie wird in folgender Szene besonders deutlich: „Alle im Haus umarmen sich, küssen sich herzlich auf die Wangen und wünschen einander ein frohes Ramadan-Fest. […] [S]ie küsst den Handrücken ihres Opas und hebt die Hand sanft auf ihre eigene Stirn. […] ‚Nun ja, denälteren zeige ich so meinen Respekt.‘ sagt Leyla.“[24]

[...]


[1] Nussbaum, Martha: Die neue religiöse Intoleranz. Ein Ausweg aus der Politik der Angst, Darmstadt 2014. S.121.

[2] Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.124.

[3] Vgl. Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.125.

[4] Vgl. Gürz Abay, Arzu: Leyla und Linda feiern Ramadan. Langenhagen 2011. S.14f.

[5] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.2-5.

[6] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.6-9.

[7] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.10-13.

[8] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.16-21.

[9] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.22-27

[10] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.28-33.

[11] Gürz Abay: Ramadan. S.34.

[12] Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.154.

[13] Vgl. Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.154.

[14] Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.154.

[15] Vgl. Nussbaum: Religiöse Intoleranz. S.154.

[16] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.4f.

[17] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.12f.

[18] Gürz Abay: Ramadan. S.18.

[19] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.28f.

[20] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.8f.

[21] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.10.

[22] Vgl. Gürz Abay: Ramadan. S.20-23.

[23] Gürz Abay: Ramadan. S.9.

[24] Gürz Abay: Ramadan. S.32f.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Islam in Kinderbüchern
Untertitel
Am Beispiel von "Leyla und Linda feiern Ramadan"
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V429776
ISBN (eBook)
9783668730403
ISBN (Buch)
9783668730410
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, islam, kinderbüchern, beispiel, leyla, linda, ramadan
Arbeit zitieren
B.A Lena Gabel (Autor), 2014, Die Darstellung des Islam in Kinderbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429776

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