Tiergestützte Therapie bei Anorexia, Bulimia Nervosa, Demenz und Alzheimer


Facharbeit (Schule), 2018

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tiergestützte Therapie Allgemein
2.1. Definition nach European Society for Animal Assisted Therapy = ESAAT
2.2. Geschichte der tiergestützten Therapie
2.2.1. Erste Ansätze
2.2.2 Anfänge der modernen tiergestützten Therapie
2.2.3 Erste Wissenschaftliche Studien
2.3. Wissenschaftliche Anerkennung der tiergestützte Therapie
2.4. Bedeutung für staatliche Gesundheitssysteme
2.5. Allgemeine Einwände
2.5.1. Tierschutz
2.5.2. Hygiene
2.5.3. Anthropomorphismus
2.5.4. Instrumentalisierung

3. Tiergestützte Therapie bei Anorexia und Bulimia Nervosa
3.1. Definition von Anorexia Nervosa
3.2. Definition von Bulimia-Nervosa
3.3. Unterstützung bei der Diagnose
3.4. Aufbau einer Arbeitsbeziehung zwischen Patient und Therapeut
3.5. Einstellung des Patienten
3.6. Dysmorphophobie und Selbstbewusstsein

4. Tiergestützte Therapie bei Demenz und Alzheimer
4.1. Definition von Demenz
4.2. Definition von Alzheimer
4.3. Kommunikation mit Demenz-Betroffenen
4.4. Positive Auswirkung auf Beziehungs- und Teilnahmslosigkeit, Isolation und Rückzug der Patienten
4.5. Verbesserung des Wohlbefindens und der Lebensqualität
4.6. Wann ist der Einsatz einer tiergestützten Therapie sinnvoll?

5. Fazit

6.Verweise

Abstract

Viele Personen sind sich der positiven Wirkung von Tieren auf den Menschen bereits bewusst. Diese literarische Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Tieren in derTherapie von Patienten mit Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa, wie auch mit der Therapie von Demenz und Alzheimer. Die dabei erzielten Verbesserungen, wie eine höhere Bereitschaft, sich aktiv an der Therapie zu beteiligen und eine geringere Anspannung, sind auf einige besondere Phänomene zurückzuführen. Die Anwesenheit von Tieren lässt Menschen innerlich leichter zur Ruhe kommen und lindert deren Ängste. Die Verbesserungen bei den jeweiligen Krankheitsbildern wurden einzeln betrachtet und abschließend kurz verglichen. Dabei sind große Ähnlichkeiten bei den langfristigen Verbesserungen aufgefallen. Die Patienten sind gegenüber der Therapie viel offener und langfristig ausgeglichener. Bei Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa können Tiere auch bei der Stellung der Diagnose helfen. Dies ist bei Demenz und Alzheimer nicht möglich.

1. Einleitung

„Einer seiner Patienten [...] traf in Levinsons Praxis dessen Hund Jingles. Sofort begann der Junge enthusiastisch mit dem Tier zu reden und zeigte sich auch im Verlauf der folgenden Sitzung ungewohnt offen und vertrauensvoll" (Spiegel Online , 2011). Das wohl bekannteste Beispiel und der Anfang der modernen tiergestützten Therapie. Dieser Zufall zeigt, was die reine Anwesenheit eines Tieres bewirken kann. Doch wie genau kann ein Tier bei derTherapie helfen? Welche Phänomene bewirken welche Verbesserungen? Diese Fragen werde ich im Laufe meiner Arbeit beantworten. Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren ist teils genauso rätselhaft wie auch wunderschön. Ein Tier akzeptiert einen Menschen so wie er ist und kann mit einer Person auf einer besonderen Ebene kommunizieren. Genau diese Besonderheit ermöglicht die tiergestützte Therapie. Allerdings konzentriert sich die Arbeit auf die Therapie von Klienten mit Anorexia Nervosa, Bulimia Nervosa, Demenz und Alzheimer, um den Inhalt in einem beschaulichen Rahmen zu halten. Im Zuge dessen wird auch der Frage nachgegangen, ob Ähnlichkeiten im Laufe der Therapie zu beobachten sind, obwohl die Krankheitsbilder sehr verschieden sind.

Zu Beginn der Arbeit wird der Begriff tiergestützte Therapie definiert und es wird ein allgemeiner Überblicküber diese Forschungsrichtung, ihre Entstehungsgeschichte sowie allgemeine Einwände und Problematiken geboten. Anschließend wird den Einsatz eines Tieres bei derTherapie für Patienten mit Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa. Abschließend wird die Therapie von Personen mit Demenz und Alzheimer behandelt.

Dies ist eine rein literarische Arbeit, die auf Werken von etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie zum Beispiel Dr. phil. Carola Otterstedt, basiert. Auch Arbeiten von jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie zum Beispiel Jessica Dziobek, waren sehr essentiell für diese Arbeit.

In meiner Arbeit habe ich auf jegliche Art des Genderns verzichtet, um eine bessere Lesbarkeit zu ermöglichen.

2. Tiergestützte Therapie Allgemein

2.1. Definition nach European Society for Animal Assisted Therapy = ESAAT

Tiergestützte Therapie beschreibt den bewussten, geplanten und zielorientierten Einsatz von Tieren. Klienten jeder Altersgruppe sind dafür geeignet. Es werden kognitive sowie sozial-emotionale Defizite, Auffälligkeiten des Verhaltens und physische Einschränkungen behandelt. Die Klienten sollen eine dauerhafte Verbesserung ihrer Lebensqualität erhalten.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Beziehungsdreieck Klient-Tier-Therapeut. In Einzel- und Gruppensettings soll mit dem Tier interagiert,über das Tier kommuniziert und für das Tier gesorgt werden. Der Therapieplan wird individuell, je nach Klient, dessen Umfeld und den gewünschten Verbesserungen, erstellt. Anschließend werden die Fort- sowie Rückschritte dokumentiert und reflektiert. Dies unterscheidet die professionelle tiergestützte Therapie von der, meist ehrenamtlich durchgeführten, tiergestützten Aktivität (Vgl. Wohlfarth, 2017).

2.2. Geschichte der tiergestützten Therapie

2.2.1. Erste Ansätze

Der erste Einsatz von Tieren für therapeutische Maßnahmen kann nicht genau datiert werden, aber es wird eine jahrhundertealte Tradition dahinter vermutet. Erste grobe Dokumentationen stammen aus dem neunten Jahrhundert aus Gheel, Belgien. Dort wurde die sogenannte „therapie naturelle" angewandt, um Menschen mit psychischen Störungen zu helfen. Aufgrund der Behandlung von Menschen mit geistigen Auffälligkeiten, die bekanntlich nicht sehr human war, sah dieser tiertherapeutische Einsatz sehr anders aus als wir ihn heute kennen (Vgl. Wohlfarth, 2013).

Weitere grobe literarische Aufzeichnungenüber frühere tiergestützte Therapieansätze berichtenüber das York Retreat, England. Es wurde offiziell am 11. Mai 1796 eröffnet und von dem Quäker William Tuke gegründet. Den Entschluss, eine solche Einrichtung zu eröffnen, fasste er zusammen mit Freunden nach dem Tod von Hannah Mills, die während einer Behandlung ihrer Melancholie im York Asylum aufgrund von unmenschlichen Bedingungen verstarb. Mit dem York Retreat wollte William Tuke Menschen mit psychischen Einschränkungen die Möglichkeit bieten, ein würdevolles, möglichst angenehmes sowie eigenständiges Leben zu führen. Den Patienten wurde in Folge dessen eine große Grünanlage zur Verfügung gestellt, auf der sie sich um Pflanzen und Tiere kümmern konnten (Vgl. The Retreat York, 2014). Auch Florence Nightingale setzte ab ca. 1860 Tiere bei der Krankenpflege ein. „The Lady with the Lamp", wie sie später genannt wurde, gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege. Sie bewies nicht nur die Notwendigkeit von schneller und fachlicher Hilfe für verletzte Soldaten, sondern setzte sich auch für mehr Hygiene in Hospitälern ein (Daniel, o.A.).

Die Heilanstalt für Epilepsiekranke, die 1867 in Bethel in der Nähe von Bielefeld gegründet wurde, wurde extra auf einem alten Hofgelände gebaut, damit die dort lebenden Tiere die Patienten aufheitern konnten (Vgl. Wohlfarth, 2013).

Im Jahre 1942 wurde das U.S. Army Air Forces Convalescent Hospital in New York gegründet. Ziel war es, traumatisierten Kriegsveteranen zu helfen. Neben offiziellen Therapieformen wurde großer Wert auf den engen Kontakt der Patienten zu Tieren gelegt (Vgl. Wohlfarth, 2013).

Samuel B. Ross Jr., gründete im Jahre 1947 die Schule, eher eine Art Internat, namens Green Chimneys, die anfangs für Kinder von drei bis sechs Jahren entwickelt worden war. Die Schule befand sich auf einem Farmgelände in New York und die Kindersollten möglichst viel Kontakt mit der Natur haben. Im Laufe der Jahre bemerkte er, dass manche Kinder, so begabt sie auch sein mochten, mit mentalen Problemen zu kämpfen hatten. Er widmete diesen Kindern besonders viel Aufmerksamkeit und half ihnen durch diese schwierige Zeit. So verschob sich der Schwerpunkt der Schule von naturnahem Unterricht auf Hilfe für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Heute hat Samuel Ross zusammen mit seiner Frau ein tiergestütztes Therapieprogramm für Kinder mit emotionalen und mentalen Problemen entworfen (Vgl. Chimneys, o.A.). All diese Beispiele sind sehr wichtig für den Werdegang dieser Therapieform. Man muss aber berücksichtigen, dass diese aus heutiger Sicht nicht als tiergestützte Therapie gesehen werden.

2.2.2. Anfänge der modernen tiergestützten Therapie

Der amerikanische Psychotherapeut Boris Levinson gilt als Vorreiter der modernen tiergestützten Therapie. Entstanden ist diese Therapieform jedoch durch einen Zufall. Levinsons Hund Jingles war bei einer Erstsitzung durch Zufall anwesend. Der kleine Junge reagierte ungewöhnlich offen auf den Hund und willigte dadurch auch ein, die

Therapiesitzungen bei Levinson fortzusetzten. Nach und nach konnte sich Levinson in die Interaktion zwischen Klient und Tier einbringen und gewann das Vertrauen des Jungen. Das Beziehungsdreieck war geschaffen. Nach weiterer Forschung veröffentlichte der Psychotherapeut 1962 sein erstes Buch „The dog as a Co­Therapist". Dieses Buch gilt als der Anfang der modernen tiergestützten Therapie. Sieben Jahre später prägte er den Begriff „pet-therapy", zu Deutsch „Heimtiertherapie", doch wurde er von seinen Kollegen nur ausgelacht und verspottet. Mit seiner Entdeckung und den darauffolgenden Forschungen ebnete er den Weg einer neuen interdisziplinären Forschungsrichtung (Vgl. Wohlfarth, 2013).

2.2.3. Erste wissenschaftliche Studien

Die erste wissenschaftliche Studie wurde von Erika Friedmann und ihrem Team um 1980 durchgeführt. Sie beobachtete 96 Herzinfarktpatienten ein Jahr lang. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass sich der Besitz eines Heimtieres positiv auf den physischen wie psychischen Zustand der Personen auswirkt:

"Only 5,7% of the 53 pet owners compared with 28,2% of the 39 patients who did not own pets died within 1 year of discharge from a coronary care unit [...]. The effect of pet ownership on survival was independent of the severity of the cardiovascular disease" (Friedmann, 2000, p. 42).

Dabei ist zu betonen, dass kein Unterschied zwischen Besitzern eines Hundes und denen anderer Heimtiere festgestellt werden konnte. Dies schließt den Faktor der regelmäßigen Bewegung als Begründung der höheren Überlebensrate aus. Ein bislang unbekannter Faktor diesbezüglich wird vermutet.

1983 untersuchte Friedmann, wie sich die Anwesenheit eines unbekannten Hundes auf Puls und Blutdruck von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Die Testpersonen sollten einfach ruhig sitzen oder ein Buch lesen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sich die Werte der gemessenen Vitalfunktionen senkten, sobald ein Hund, auch wenn er den Probanden nicht vertraut war und diese keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit dem Tier hatten, anwesend war (Vgl. Wohlfarth, 2013).

Dr. Karen Allen leitete eine Studieüber den Einfluss von Heimtieren auf das Stressverhalten von verheirateten Personen. Überprüft wurde die Veränderung des Blutdrucks während Kopfrechenaufgaben und einem Eisbad. Die Probanden sollten die Situation alleine, in Anwesenheit des Ehepartners und in Anwesenheit des Heimtieres meistern. Bei den Kopfrechenaufgaben wurden die höchsten Blutdruckwerte unter Anwesenheit des Ehepartners gemessen, die niedrigsten beim Heimtier. Während des Eisbades waren die Probanden am entspanntesten, wenn ihr Tier dabei war, und fühlten sich am meisten gestresst, wenn sie alleine waren. Auf Grund dieser Ergebnisse stellte Dr. Allen fest, dass sich die Personen in der Gegenwart des Tieres am wohlsten fühlten (ebd.).

Dr. Aaron Katcher hat 1983 in einerähnlichen Studie, wie die Friedmanns 1983, bewiesen, dass die Anwesenheit eines Hundes, auch wenn dieser fremd ist, bereits stresssenkend wirkt. Katcher hat daraufhin zusammen mit Alan Beck die Hypothese aufgestellt, dass sich Menschen in der Gegenwart von Tieren wohler fühlen, weil bereits am Anfang der Evolution ein ruhendes Tier ein Zeichen von Sicherheit war. Denn in derfreien Wildbahn ruht ein Tier nur, wenn es von der Abwesenheit jeglicher Feinde ausgeht (ebd.).

2.3. Wissenschaftliche Anerkennung der tiergestützten Therapie

Viele Organisationen und Forscher arbeiten bereits daran, der tiergestützten Therapie dasöffentliche Ansehen sowie die wissenschaftliche Anerkennung zu verschaffen, die sie verdient. Noch sind zu wenig allgemeine Regeln und Gesetze existent, um diese im vollen Umfang wissenschaftlich zu respektieren. Ein weiteres Problem ist die wissenschaftliche Messung der Verbesserungen, die durch diese Behandlungsmethode erzielt werden. Greiffenhagenäußerte sich folgender Maßen: „Es ist außerordentlich schwierig, die in Rede stehenden Faktoren einer Beziehung von Menschen und Tieren exakt zu messen. (...) Aber problematischer ist, dass nur die wenigsten Studien im strengsten Sinne wissenschaftlichen Ansprüchen genügen" (Greiffenhagen, 1992, p.60).

Es gibt zu viele Privatpersonen, die durch ihre höchst unprofessionelle Arbeit, die sie unter dem Titel tiergestützte Therapie anbieten, diesem somit die Ernsthaftigkeit entziehen. Nach einer einheitlichen gesetzlichen Regelung müssten Ärzte und Therapeuten diese Methode anerkennen und bestenfalls empfehlen. Andernfalls wird dieser noch nicht gänzlich erklärbare Prozess wohl nie vollständig erforscht werden können, geschweige denn einer Großzahl der Menschen helfen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Tiergestützte Therapie bei Anorexia, Bulimia Nervosa, Demenz und Alzheimer
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V429874
ISBN (eBook)
9783668733213
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tiergestützte, therapie, anorexia, bulimia, nervosa, demenz, alzheimer
Arbeit zitieren
Stephanie Pejrimovsky (Autor), 2018, Tiergestützte Therapie bei Anorexia, Bulimia Nervosa, Demenz und Alzheimer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429874

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