In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, inwieweit sich die Lebenswirklichkeit einer neuen deutschstämmigen namibischen Generation in der Umgangsvarietät Namslang widerspiegelt. Anhand der Analyse des YouTube-Kanals EES TV untermauere ich die These, dass Namslang zwei Aspekte besonders reflektiert. Zum einen zeigt die Nutzung dieser Umgangsvarietät durch den deutsch-namibischen Rapper und Betreiber des Kanals EES (mit bürgerlichem Namen Eric Sell) die Überwindung alter, unter anderem sprachlich manifestierter Strukturen, zum anderen auch die Suche nach einer Orientierung zwischen regionaler Verwurzelung und globaler Aufgeschlossenheit.
Hierzu erfolgt zunächst eine Nachvollziehung der Entwicklung von dem durch Sprachkontakt mit deutschen Siedlern entstandenen „Südwesterdeutsch“ hin zu einer postkolonial kontextualisierten und durch einen multilingualen Alltag geprägten Umgangsvarietät Namslang. Anschließend wird besonderes Augenmerk auf den durch lexikalische Transferenzen geprägten Sprachgebrauch des Musikers gelegt, um anschließend eine soziolinguistische Verortung dieser sprachlichen Phänomene vornehmen zu können.
Dabei ist die Frage genauso von Interesse, inwieweit Namslang Kriterien einer Jugendsprache erfüllt, wie die, weshalb Entlehnungen aus den Bantu- und Khoisan-Sprachen neben denen aus dem Afrikaans und dem Englischen sehr viel seltener vorkommen. Schließlich werde ich auch das Präsentationsmedium des YouTube-Kanals in die Überlegungen miteinbeziehen.
Mit Hilfe ausgewählter Strophen des Stücks „Diese NAM BOYS“ von EES feat. Manni$ wird nachgewiesen, dass sich auch hier die internationale Ausrichtung einer neuen, durch das Internet weltweit vernetzten Generation zeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Von „Südwesterdeutsch“ zu Namslang im postkolonialen Namibia
2.2 Lexikalische Transferenzen am Beispiel von EES TV
2.3 Soziolinguistische Einordnung von EES‘ Sprachgebrauch
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Umgangsvarietät „Namslang“ die Identitätsfindung einer neuen, deutschstämmigen Generation im heutigen Namibia widerspiegelt. Hierbei wird analysiert, wie durch den Gebrauch dieser Varietät das Streben nach lokaler Verwurzelung und globaler Aufgeschlossenheit durch den Musiker EES medial verarbeitet wird.
- Entwicklung des „Südwesterdeutsch“ hin zum multikulturellen Namslang
- Analyse lexikalischer Transferenzen und Sprachkontakte im Namibischen
- Die Rolle von YouTube-Inhalten für die Selbstinszenierung
- Soziolinguistische Verortung von Namslang als Jugendsprache
- Spannungsfeld zwischen lokaler Identität und Globalisierung („Glokalisierung“)
Auszug aus dem Buch
2.2 Lexikalische Transferenzen am Beispiel von EES TV
Um im Anschluss die Frage näher erörtern zu können, inwieweit die Umgangsvarietät Namslang die gesellschaftliche Umgebung ihrer Sprecher_innen widerspiegelt, werde ich zunächst anhand von Transkriptionen einiger ausgewählter Videos des Rappers und YouTubers EES eine systemlinguistische Analyse vornehmen und anschließend die These untermauern, dass Namslang als Jugendsprache gesehen werden kann, welche auf der Suche nach einer eigenen neuen jugendkulturellen Identität entstanden ist, um sich von bestehenden sprachlichen Strukturen abzugrenzen. Hierzu werde ich mit Rücksicht auf den Umfang dieser Arbeit besonderes Augenmerk auf lexikalische Transferenzen legen. Die Untersuchung von grammatischen Konvergenzen oder phonologischen und morphosyntaktischen Übertragungen vom einen in das andere Sprachsystem können außen vor gelassen werden, da auf Ebene der Wortsemantik die fremdsprachlichen Einflüsse bereits ausreichend sichtbar werden.
Seinen YouTube-Kanal, bewirbt der deutschstämmige Namibier EES mit folgenden Worten:
YES-JA!!..mein Name ist EES, ich bin Namibianer aus AFRIKA, und will euch gerne meinen lifestyle und Leben zeigen! Ich bin Musiker einer Musikart die heist "Kwaito" - die Pop Music des südlichen Afrikas. Ich spreche "NAM släng" das ist ein anderes Deutsch was wir in Namibia sprechen (EES TV, YouTube, Stand 16.08.17),
bietet mit seinen 339 Clips (Stand 16.08.17) eine Auswahl an Musikvideos und kleinen Filmen, die der Musiker produziert, um einem internationalen deutschsprachigen und überwiegend jugendlichen Publikum Einblicke in die namibische Lebensweise zu ermöglichen. „Meine Kindheit in Afrika“ ist zum Beispiel der Titel eines am 22. Mai 2015 auf YouTube erschienenen Videos, das EES mit folgenden Worten einleitet:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Namslang die Identität junger Deutsch-Namibier widerspiegelt und welche Rolle der YouTube-Kanal EES TV dabei spielt.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung von der deutschen Kolonialsprache zum modernen Namslang, untersucht lexikalische Einflüsse und nimmt eine soziolinguistische Einordnung vor.
2.1 Von „Südwesterdeutsch“ zu Namslang im postkolonialen Namibia: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund der deutschsprachigen Minderheit in Namibia und den Sprachwandel hin zu einer multikulturellen Umgangssprache.
2.2 Lexikalische Transferenzen am Beispiel von EES TV: Hier wird der Sprachgebrauch des Künstlers EES linguistisch analysiert, wobei besonders der Einfluss von Englisch und Afrikaans auf das lokale Deutsch untersucht wird.
2.3 Soziolinguistische Einordnung von EES‘ Sprachgebrauch: Dieses Kapitel diskutiert, ob Namslang als eigenständige Jugendsprache fungiert, die zur bewussten Abgrenzung gegenüber Erwachsenen und zur Identitätsbildung dient.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Namslang ein Ausdruck für den Wunsch ist, koloniale Strukturen zu überwinden und eine moderne, multikulturelle Identität zu formen.
Schlüsselwörter
Namslang, Namibia, Deutsch-Namibier, EES, Südwesterdeutsch, Sprachkontakt, Jugendsprache, Glokalisierung, Identitätsbildung, Lexik, Transferenzen, Multikulturalität, YouTube, Kwaito, Postkolonialismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten der Umgangsvarietät „Namslang“ bei der deutschstämmigen Bevölkerung in Namibia.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von der deutschen Kolonialsprache zur modernen Jugendsprache, dem Einfluss von Bantu-, Khoisan-Sprachen, Afrikaans und Englisch sowie der digitalen Identitätskonstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Sprache des Rappers EES als Medium dient, um eine eigene Identität zwischen lokaler Verwurzelung und globaler Vernetzung auszudrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine systemlinguistische Analyse von Transkriptionen des YouTube-Kanals „EES TV“ durchgeführt, um lexikalische Transferenzen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die historische Genese der Sprache, analysiert konkrete Sprachbeispiele aus Videos des Musikers EES und ordnet diese soziolinguistisch als Jugendsprache ein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Namslang, Identitätsbildung, Sprachwandel, Namibia, EES und Glokalisierung sind die zentralen Begriffe.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Globalisierung und Lokalisierung bei EES?
Die Arbeit verwendet hierfür den Begriff der „Glokalisierung“, da EES einerseits seine spezifisch namibische Herkunft betont, sich aber gleichzeitig über globale Medien wie YouTube einem internationalen Publikum präsentiert.
Welche Rolle spielen „Lehnwörter“ für die Identität der Sprecher?
Lehnwörter dienen als Zeichen lokaler Zugehörigkeit und als Abgrenzungsmerkmal gegenüber der älteren Generation sowie den traditionellen Normen des Standarddeutschen.
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- Anonym (Author), 2017, Die Jugendsprache Namslang als Spiegel eines Orientierungsprozesses zwischen lokaler und globaler Identität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430034