Ab Mitte der 90er Jahre zeichnete sich eine Veränderung innerhalb der Schweizer Parteienlandschaft ab. Eine Partei, die bis dahin die schwächste aller Schweizer Bundesparteien gewesen war, schickte sich an, die stärkste zu werden: die Schweizer Volkspartei (SVP). Bis zu diesem Zeitpunkt war sie eine kleine bürgerliche Partei, hauptsächlich in der Deutschschweiz vertreten. Innerhalb weniger Jahre wurde aus ihr eine rechtspopulistische „Musterpartei“ mit Christoph Blocher als einer Galionsfigur, die sich zum Volkstribun stilisierte, die es wie kein anderer verstand, die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auch verfügt keine andere Partei in der Schweiz annähernd über die finanziellen Mittel der SVP.
In meiner Hausarbeit werde ich die Entwicklung einer eher kleinen, lediglich in der Deutschschweiz vertretenen Partei zur mittlerweile stärksten Partei der Schweiz analysieren. Ausgehend von der Geschichte der SVP werde ic h den Wandel der Partei in den 90er Jahren und deren Organisation beschreiben (Kap. 2). Danach gehe ich auf die Gründe für den Erfolg der SVP ein. Dabei soll zunächst die ideologische und programmatische Ausrichtung der SVP untersucht werden, deren außerparlamentarische Unterstützung, im besonderen die Verbindung zu der von Blocher bis 2003 geführten „Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz“ (AUNS) (Kap.3).
Darauf folgend werde ich die zentrale Figur der SVP, Christoph Blocher und die kommunikative Strategie der SVP beleuchten. Die charismatische Person Christoph Blocher spielt eine bedeutende Rolle für den Wandel der SVP zu einer rechtspopulistischen und medienorientierten Partei und deren immensen Erfolg bis heute.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE SCHWEIZERISCHE VOLKSPARTEI
2.1. VON DER BGB ZUR SVP
2.2. DER WANDEL DER SVP IN DEN 90ER JAHREN
2.3. DIE PARTEIORGANISATION
3. GRÜNDE FÜR DEN ERFOLG DER SVP
3.1. IDEOLOGISCHE UND PROGRAMMATISCHE AUSRICHTUNG
3.2. AUßERPARTEILICHE UNTERSTÜTZUNG
3.3. DER POPULIST CHRISTOP H BLOCHER
3.5. DER MODERNE KAMPAGNENWAHLKAMPF
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Aufstieg der Schweizer Volkspartei (SVP) von einer kleinen, in der Deutschschweiz verwurzelten bürgerlichen Gruppierung zur stärksten politischen Kraft des Landes. Dabei wird untersucht, welche Faktoren, insbesondere unter dem Einfluss von Christoph Blocher, diesen tiefgreifenden Wandel in den 1990er Jahren ermöglicht haben.
- Historische Entwicklung der Partei von der BGB zur SVP.
- Einfluss der ideologischen Neuausrichtung und des Nationalkonservatismus.
- Die Rolle der außerparteilichen Unterstützung durch die AUNS.
- Die Bedeutung von Christoph Blocher als charismatische Führungspersönlichkeit.
- Strategien der modernen politischen Kommunikation und des Kampagnenwahlkampfs.
Auszug aus dem Buch
3.3. Der Populist Christoph Blocher
Die treibende Kraft hinter der SVP und damit bei der Veränderung des schweizerischen Parteiensystems ist deren charismatischer Führer und Volkstribun Christoph Blocher. Ohne ihn als Gallionsfigur wäre der erdrutschartige Erfolg der SVP wahrscheinlich nicht zustande gekommen.
Der 1940 geborene Christoph Blocher ist Besitzer der EMS-Chemie und gilt mit einem Privatvermögen von mehreren Milliarden Schweizer Franken als einer der reichsten Schweizer. 1972 tritt er durch seinen Beitritt zur SVP in die Politik ein und wird bereits 1977 Präsident der Züricher SVP. Durch ihn wandelte sich die Partei von einer bürgerlichen Partei der Mitte zu einer nationalkonservativen und rechtspopulistischen Partei.
Er ist der bekannteste Parlamentarier in der Schweiz und ein geschickter Kommunikator. Für die Eidgenossenschaft stellt er ein Politiker neuen Typs dar: Wie kein anderer versteht er es, die modernen Kommunikationsmittel zu benutzen und die Menschen mittels seiner Rethorik in seinen Bann zu ziehen. Er versucht zu polarisieren und ist mehr auf Konflikt statt auf Kompromiss und Einstimmigkeit aus. Komplexe politische Sachverhalte werden zu medien- und wahlkampfgerechten Themen reduziert und emotional aufgeladen. Bei seinen regelmäßigen Großveranstaltungen wird traditionsgerecht bei volkstümlicher Musik ein kostenloses „Buurezmorge“ angeboten.
Besonders wichtig für die SVP ist er auch, weil es ihm gelingt widersprüchliche Politikelemente miteinander zu verbinden, wie z.B. eine protektionistische Wirtschaftspolitik mit einer neoliberalen Gesellschafts- und Staatspolitik. Dadurch erreicht er ein breites Spektrum der Gesellschaft und ist nicht auf bestimmte Wählerschichten begrenzt wie die anderen etablierten Schweizer Parteien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die thematische Fragestellung und den beobachteten Wandel der SVP von einer kleinen bürgerlichen Partei zur stärksten politischen Kraft.
2. DIE SCHWEIZERISCHE VOLKSPARTEI: Darstellung der historischen Entstehung der SVP, der parteiinternen Strukturveränderungen in den 90er Jahren und der organisationspolitischen Rahmenbedingungen.
3. GRÜNDE FÜR DEN ERFOLG DER SVP: Analyse der Ursachen des Wahlerfolgs, unterteilt in ideologische Neuausrichtung, außerparteiliche Unterstützung, die Rolle von Christoph Blocher und moderne Wahlkampfstrategien.
4. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Faktoren, die zum Aufstieg der SVP geführt haben, sowie ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen der Partei innerhalb der Regierung.
Schlüsselwörter
SVP, Christoph Blocher, Rechtspopulismus, Parteienlandschaft, Schweiz, AUNS, Nationalkonservatismus, Kampagnenwahlkampf, politische Kommunikation, Agenda-Setting, Wählerverhalten, Polarisierung, Transformation, Wahlerfolg, Milizsystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den tiefgreifenden Wandel der Schweizer Volkspartei (SVP) in den 1990er Jahren von einer kleinen bürgerlichen Partei zur stärksten politischen Kraft der Schweiz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, der ideologischen Ausrichtung, der Rolle der außerparteilichen Organisation AUNS sowie der medialen und strategischen Inszenierung durch Christoph Blocher.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Gründe und Ursachen den Erfolg der SVP begünstigten und wie der Wandel zu einer rechtspopulistischen Partei vollzogen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Daten, Parteiprogramme und Wahlergebnisse heranzieht, um die Entwicklung der SVP zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Parteigeschichte und -organisation sowie die Analyse der Erfolgsfaktoren (Ideologie, Netzwerke, Führungsperson, Kampagnenführung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rechtspopulismus, Nationalkonservatismus, Agenda-Setting, Christoph Blocher und das schweizerische politische System.
Welchen Einfluss hatte die AUNS auf den Erfolg der SVP?
Die AUNS fungierte als einflussreiches außerparteiliches Druckmittel, das half, extreme Positionen zu vereinen und die politische Agenda zugunsten der SVP zu beeinflussen.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Christoph Blocher von traditionellen Politikern?
Blocher wird als "Volkstribun" charakterisiert, der es meisterhaft versteht, komplexe Themen emotional aufzuladen, die Medien zu instrumentalisieren und Konflikte zur Profilierung zu nutzen.
Warum wird die SVP als "moderne Kampagnenpartei" bezeichnet?
Aufgrund ihrer Fähigkeit, medienwirksame Kampagnen zu führen, ihre Botschaften radikal zu vereinfachen und ihre enorme finanzielle Schlagkraft zur Erzeugung einer Dauerpräsenz zu nutzen.
Welche Bedeutung hat die "Klammerfunktion" von Blocher?
Die Klammerfunktion beschreibt Blochers Fähigkeit, protektionistische und neoliberale politische Elemente in der Partei zu vereinen, um so ein breites Wählerspektrum anzusprechen.
- Quote paper
- Falk Herbrechtsmeier (Author), 2004, Der Aufstieg der SVP - Die Gründe und Ursachen für den tief greifenden Wandel im Parteienspektrum der Schweiz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43014