Zuletzt wurde über Ziele und Perspektiven der deutschen Außenpolitik vor 14 Jahren, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, diskutiert. Kernpunkt der nun wieder entfachten Diskussion sind die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges den größten Einfluss auf die Ausrichtung der deutschen Außenpolitik ausübten, und lange Zeit einen wichtigen Handelspartner und eine zentrale Schutzmacht Deutschlands darstellten.
Das ausschlaggebende Ereignis für die Wiederaufnahme der Diskussion über die derzeitige und zukünftige Ausrichtung deutscher Außenpolitik, war die Krise der deutsch- amerikanischen Beziehungen, die nach dem 11.September 2001 im Rahmen des Terroranschlages auf die zwei Türme des World Trade Center in New York ihren Anfang nahm.
Wurde Anfang der Neunziger die mäßige Beteiligung der deutschen Regierung im militärischen Vorgehen gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein von den USA noch toleriert, hatte die Kritik an der Politik der US. Regierung und die generelle Ablehnung einer Beteiligung an einer von den USA geplanten Militäraktion zur Durchsetzung der Waffeninspektionen im Irak, „den wohl größten Bruch der deutsch- amerikanischen Beziehungen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges zur Folge.“
Besonders gravierend erscheint diese Krise da die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nicht ohne Bezugnahme der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika zu verstehen ist, und die deutsch-amerikanischen Beziehungen als stabil und effektiv galten. In dieser Arbeit werde ich mich der Frage widmen, ob die Krise der deutsch- amerikanischen Beziehungen eine Neuorientierung der deutschen Außenpolitik kennzeichnet, die bereits latent vorher begann. Es entstand der Verdacht, Deutschland würde sich vom Konzept einer „Zivilmacht“ distanzieren und sei im Begriff sich zu einem Nationalstaat entwickeln, der verstärkt eigene Interessen verfolgt.
Zudem möchte ich Ursachen für die Krise aufzeigen, und untersuchen welche Konsequenzen die Krise für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik auf Dauer nach sich ziehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Deutsch- amerikanische Beziehungen in der Krise
2.1 Eine grobe Darstellung der deutsch- amerikanischen Beziehungen nach der Wiedervereinigung bis zum 11.September
2.1.1 Entstehung der Krise: Unterteilung in drei Phasen
2.1.2 Reaktionen der US. Regierung
3 Neuorientierung der deutschen Außenpolitik ?
3.1 Deutsche Außenpolitik nach 1990
3.1.1 Selbstverständnis deutscher Außenpolitik
3.1.2 Regierung unter Schröder
4 Meinungen
4.1 Meinungen zu Ursachen und Folgen der Krise
4.2 Frage nach einer Neuorientierung deutscher Außenpolitik
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und analysiert, inwiefern dieser Konflikt eine grundlegende Neuorientierung der deutschen Außenpolitik einleitete oder lediglich eine Anpassung an veränderte internationale Rahmenbedingungen darstellt.
- Historische Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach 1990
- Analyse der Krisenursachen und der gegenseitigen Wahrnehmung
- Untersuchung des Zivilmachtkonzepts in der deutschen Außenpolitik
- Diskussion über eine mögliche Abkehr vom Multilateralismus
- Bewertung der Rolle der Bundeswehr und ihres Wandels im internationalen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Entstehung der Krise: Unterteilung in drei Phasen
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es mehrere Konflikte die auf unterschiedliche Ansichten in der Außen- und Sicherheitspolitik zurück zu führen waren, doch sprechen Experten von einer nie zuvor erreichten Intensität der Entfremdung beider Staaten in Bezug auf die jüngste Krise, welche in Anbetracht zahlreicher gemeinsamer kultureller Werte und jahrelanger politischer Kooperation besonders überrascht.
Die jüngste Krise kann möglicherweise als Indikator für grundlegende Veränderungen der deutschen Außenpolitik verstanden werden, worauf ich im Verlauf dieser Arbeit genauer eingehen werde.
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der Amtszeit George W. Bushs jr. können nach Georg Schild in drei Phasen unterteilt werden. Dieser Idee möchte ich mich anschließen.
Zunächst gab es zahlreiche Vorbehalte gegenüber einem amerikanischen Präsidenten, der scheinbar all das repräsentierte, was Europäer an den USA kritisieren. Nämlich eine zu enge Verbindung von Politik und Wirtschaft, die Todesstrafe und einen außenpolitischen Unilateralismus (= Handeln im Alleingang). Zudem sagte er zu allem Nein was seine europäischen Verbündeten als wichtig und notwendig erachteten, wie zum Beispiel das Kyoto-Protokoll über die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen und Vereinbarungen über das Verbot der Produktion biologischer Waffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Wiederaufnahme der Diskussion über die deutsche Außenpolitik infolge der Krise der Beziehungen zu den USA nach dem 11. September 2001.
2 Deutsch- amerikanische Beziehungen in der Krise: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Partnerschaft nach 1990 nach und gliedert die Entstehung der Krise in drei Phasen sowie die Reaktionen der US-Regierung.
3 Neuorientierung der deutschen Außenpolitik ?: Hier wird das Selbstverständnis der deutschen Außenpolitik als Zivilmacht sowie die Rolle der Regierung Schröder in Bezug auf mögliche Veränderungen analysiert.
4 Meinungen: Das Kapitel stellt verschiedene Expertenmeinungen zu den Ursachen der Krise und zur Frage nach einer tatsächlichen Neuorientierung der Außenpolitik gegenüber.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine einzelne Ursache für die Entfremdung gibt, sondern diese als Anpassung an eine veränderte Sicherheitslage unter Beibehaltung multilateraler Grundprinzipien zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Deutsche Außenpolitik, Deutsch-amerikanische Beziehungen, Zivilmacht, 11. September, Irak-Krise, Multilateralismus, Gerhard Schröder, Джордж У. Буш, Transatlantik, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Krisenmanagement, Souveränität, Bündnispolitik, Auslandseinsätze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die deutsch-amerikanischen Beziehungen während der Krise nach dem 11. September 2001 und untersucht die Debatte über eine mögliche Neuorientierung der deutschen Außenpolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen das Zivilmachtkonzept, die Rolle der Bundeswehr, der transatlantische Unilateralismus sowie die Einordnung der deutschen Position in der Irak-Frage.
Welche Forschungsfrage wird verfolgt?
Die zentrale Frage ist, ob die Krise der Beziehungen zu den USA eine grundlegende Abkehr Deutschlands von seinen außenpolitischen Maximen, insbesondere dem Zivilmachtkonzept, bedeutet.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es erfolgt eine fundierte Literaturanalyse und der Vergleich verschiedener Expertenmeinungen, um die Ursachen der Krise und die Entwicklung deutscher Außenpolitik differenziert zu betrachten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil intensiv behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Beziehungsgeschichte, die Analyse der Reaktionen der US-Regierung sowie die theoretische Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis deutscher Außenpolitik.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit maßgeblich?
Wichtige Begriffe sind Multilateralismus, Kontinuität, Zivilmacht, Sonderweg und transatlantische Partnerschaft.
Was bedeutet die "Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen" in diesem Kontext konkret?
Sie beschreibt die diplomatische und rhetorische Entfremdung zwischen Deutschland und den USA infolge der unterschiedlichen sicherheitspolitischen Einschätzungen, insbesondere bezüglich der Irak-Politik.
Wie bewerten die Experten den "deutschen Weg" unter Kanzler Schröder?
Die Meinungen reichen von der Unterstützung als zeitgemäße Interessenvertretung bis hin zur Kritik an einem als "Sonderweg" wahrgenommenen Kurs, der die deutsch-französische Achse stärkte.
- Quote paper
- Markus Mikikis (Author), 2004, Die Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem 11. September, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43016