Die Friedensbewegung in Frankreich - Pax - Treuga Dei - Kommune


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politischer Zustand in Frankreich
2.1 Die inneren Zustände im 9. und 10. Jahrhundert
2.2 Die französische Kirche in der Zeit feudaler Zersplitterung

3 Die Entwicklung der kirchlichen Friedensbewegungen
3.1 Von der pax...
3.2 ... zur Treuga Dei
3.3 Das Übergreifen nach Nordfrankreich
3.4 Exkurs: Cambrai

4 Die nordfranzösische Kommunebewegung
4.1 Die Entstehung der Kommunen
4.2 Die Kommuneentwicklung in Cambrai

5 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der zu betrachtende Raum ist Frankreich und zwar im wesentlichen das Gebiet des modernen Frankreichs. Diese Absteckung des Themas erklärt sich einerseits aus der Forschungssituation, andrerseits aus dem Gang der Geschichte. Der Gottesfriede ist keine allgemein- abendländische Erscheinung gewesen. Seine Heimat liegt im westfränkischem Raum. Von dort strahlte er in die westliche Lombardei, nach Unteritalien und nach Deutschland aus. Die Friedensbewegung in Spanien, Italien und Deutschland haben andere Züge angenommen, daher wird nur gelegentlich auf diese Verhältnisse zurückgegriffen.

Friedenswahrung ist in heutiger Sicht Sache des Staates. Aber zu einer Zeit, da dieser als festgefügte Institution noch nicht bestand, teilte sich die geistliche Gewalt mit der weltlichen in vieles, was nach modernen Begriffen allein der letzteren zukommt.

Warum ist es überhaupt im 11./ 12. Jahrhundert zu diesen markanten Veränderungen in den Städten gekommen? Welche Voraussetzungen und Vorstellungen verbinden sich mit dem Prozess der Friedensbewegung? Wie konnte es überhaupt in einer stark herrschaftlich geprägten Gesellschaft wie der des Mittelalters zum Durchbruch gelangen? Diese Fragen zu beantworten wird das Ziel der folgenden Hausarbeit sein.

Am Beginn der modernen Erforschung des Gottesfriedens steht August Kluckhohns „Geschichte des Gottesfriedens“. Er liefert einen knappen Entwurf, der seine Dissertation zugrunde lag. Später hat das Thema dann vielfältige Beachtung gefunden.

Die Quellen sind recht spärlich. Die Konzilsakten liefern meist die Basis für die Erkenntnis. Hinzu kommen Mitteilungen aus Historiografie und Hagiografie, aus Briefen und Urkunden.

2 Politischer Zustand in Frankreich

2.1 Die inneren Zustände im 9. und 10. Jahrhundert

Es ist eine Zeit, die für Frankreich die traurigste Epoche der mittelalterlichen Ära ausmacht. Nach dem Tod Karl I., des Großen 814 übernahm dessen Sohn Ludwig der Fromme die Herrschaft im Karolingerreich. Unter Ludwig und dessen Nachkommen zerbröckelte das große Reich. Resultat war der Zerfall des fränkischen Gesamtreiches in fünf Teile: das ostfränkische Reich, das westfränkische Reich, Niederburgund, Hochburgund und Italien.

Nach dem gänzlichen Aussterben der ostfränkischen Linie der Karolinger wählten die Sachsen, die Franken, die Bayern und Alemannen Konrad, den Herzog von Franken, zum König, er regierte bis 918. Diese Zeit weist Erscheinungen auf, die eine Umwälzung der politischen, sozialen und rechtlichen Verhältnisse anzeigt.[1]

Eine entscheidende Wende in der französischen Geschichte trat mit dem Tode Ludwig V. ein. Es tauchte die Frage auf, ob die westfränkischen Großen an dem Stamme der Karolinger festhalten sollten oder nicht. 987 wählte der Adel den Kapetinger Hugo Capet, einen Nachfolger Odos, zum König. Als Herzog von Franzien war er einer der mächtigsten Fürsten in Frankreich.

Die Thronbesteigung Hugo Capets bezeichnet den Anfangspunkt einer neuen Ordnung der Dinge. Es ist eine Zeit „fortschreitender Umwandlung und Verschmelzung gallo- romanischer, christlich- kirchlicher und heidnisch- germanischer Rechtsansichten und Einrichtungen“[2]. Somit kommt es zur Auflösung des Reiches in eine Menge von einander getrennten Feudalstaaten.[3]

2.2 Die französische Kirche in der Zeit feudaler Zersplitterung

Die soeben geschilderten Verhältnisse wurden im 10. Jahrhundert von französischen Historikern als „siècle de fer“[4] bezeichnet. Diese Zustände wirkten sich auch auf die französische Kirche, besonders auf die Bistümer und Abteien, aus.

Die hohe Geistlichkeit wie auch der weltliche Adel waren zu feudalen Großgrund-besitzern geworden. Somit wurden besonders die reichen, mit staatliche Rechten ausgestatteten Bistümer aktive Teilnehmer an den inneren Auseinandersetzungen der herrschenden Klasse.[5]

In eben dieser Verflechtung mit dem Lehnswesen lag der Keim des Verderbens für die Kirche, denn dort muss man den Grund der argen Verweltlichung suchen. Die weltlichen Großen mochten mit gewaffneter Hand die ihnen zugefallenen Gebiete verteidigen; die Geistlichen dagegen bedurften fremden Schutzes und dadurch gerieten sie in Abhängigkeit. Und dieser Beistand bot Gelegenheit zur Unterdrückung und Raub.

Und so ruft Bischof Fulbert folgendes über seine Amtsgenossen aus:

„Ich wage nicht, sie Bischöfe zu nennen, um nicht der Religion Schmach anzutun; als Tyrannen möchte ich sie bezeichnen, die von zahlreichen Kriegsscharen umgeben – besser als weltliche Fürsten sich aufs Kriegshandwerk verstehen - um den Frieden der Kirche zu stören und das Blut der Christen zu vergiessen.“[6]

Nicht weniger verfügten die Könige willkürlich über die Bistümer und Abteien, erhoben unwürdige Menschen zu bischöflichen Würden und drangen Klöstern Laien als Äbte auf. So musste alle geistliche Zucht verfallen, das kirchliche Leben entarten und die allgemein herrschende Sittenlosigkeit sich auch über den Stand der Geistlichen erstrecken.[7]

Die Aufsplitterung der staatlichen Gewalt, die Schwäche der Lehnsbindungen und der dadurch bedingte Mangel einer Konzentration der Machtmittel der weltlichen Feudalherren führte nicht nur zur Verwirrung und Unterordnung der inneren Verhältnisse, sondern bedeuteten auch eine gewisse Schwäche des ganzen feudalen Systems. Nur dadurch ist es erklärlich, dass die geistlichen Gewalten im Zusammenhang mit der Reformbewegung eine überragende Stellung gewinnen und beispielsweise in der Gottesfriedensbewegung die Aufgabe der Friedenssicherung und damit Aufgaben der weltlichen Gewalt übernehmen konnten.[8]

3 Die Entwicklung der kirchlichen Friedensbewegungen

3.1 Von der pax...

Unter dem Begriff Gottesfrieden (lat. pax dei) werden im Allgemeinen zwei Formen der kirchlichen Friedensbestrebungen zusammengefasst: die zuerst auftretende ´pax´, welche auf eine dauernde Befriedung bestimmter Personenkreise, Orte und Sachen gerichtet war, und die später auftretende Treuga Dei, durch die die Herbeiführung eines Friedens für begrenzte Zeiten angedacht war.

Das Ausgangsgebiet all dieser Vorhaben war Frankreich, und zwar speziell Süd- und Mittelfrankreich. In diesen Gebieten hatte das Königtum, vor allem nach dem Antritt der Kapetinger im Jahre 987, jeden Einfluss verloren. Die daraus resultierende feudale Zersplitterung und das aufkeimende Fehdewesen erklären die Bemühungen der Kirche um Frieden.[9]

Die kirchlichen Bestrebungen zur Einführung des Gottesfriedens – und zwar zunächst in Gestalt der ´pax´ - griffen schon früh vom Süden her nach Nordfrankreich über. Dies geschah im Jahre 1023 im unmittelbaren Anschluss an die burgundische Synode von Verdun- sur- le- Doubs. Die frühste Quelle über eine kirchliche Versammlung, der man den Charakter einer Friedenssynode zusprechen kann, geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Jahre 989 zurück. Es handelt sich hierbei um die Synode von Charroux.[10]

[...]


[1] Vgl. Huberti, Ludwig: Die Entwicklung des Gottesfriedens in Frankreich. S. 3-6.

[2] Huberti, Ludwig: Die Entwicklung des Gottesfriedens in Frankreich. S. 7.

[3] Vgl. Kluckhohn, August: Geschichte des Gottesfriedens. S.1-3.

[4] Hoffmann, Hartmut: Gottesfriede und Treuga Dei. S. 11.

[5] Vgl. Hoffmann, Hartmut: Gottesfriede und Treuga Dei. S. 10-12.

[6] Kluckhohn, August: Geschichte des Gottesfriedens. S. 15.

[7] Vgl. Töpfer, Bernhard: Volk und Kirche. S. 7-9.

[8] Vgl. Töpfer, Bernhard: Volk und Kirche. S. 11-15.

[9] Vgl. Töpfer, Bernhard: Die Anfänge der Treuga Dei in Nordfrankreich. S. 876f.

[10] Vgl. Töpfer, Bernhard: Volk und Kirche. S. 66.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Friedensbewegung in Frankreich - Pax - Treuga Dei - Kommune
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V43025
ISBN (eBook)
9783638409162
ISBN (Buch)
9783638750158
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedensbewegung, Frankreich, Treuga, Kommune
Arbeit zitieren
Ramona Burkhardt (Autor:in), 2004, Die Friedensbewegung in Frankreich - Pax - Treuga Dei - Kommune, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43025

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