Am Schluss seiner „Deutschen Sprachstatistik“ nennt Meier (1964) die 512 häufigsten Wörter der deutschen Sprache. Davon sind unter den 15 wichtigsten in der Reihenfolge ihres Vorkommens die, der, den, das, des, dem. Diese außerordentlich hohe Textfrequenz des Lexems der sowie seiner Realisierungsformen in den anderen beiden Genera mit den entsprechenden Veränderungen in allen Kasus und Numeri lässt sich auf die Fähigkeit des Lexems der zurückführen, mehr als eine lexikalische Funktion in einem Satz übernehmen zu können: In den Grammatiken wird zwischen zwei verschiedenen der, dem Artikel der und dem Pronomen der, unterschieden.
In dem theoretischen Teil zu Beginn dieser Arbeit sollen Artikel und Pronomina voneinander abgegrenzt sowie Ansätze einer Deixisanalyse geliefert werden, um den Gegenstand unserer empirischen Untersuchung, die Demonstrativpronomina der, dieser, jener in Artikelverwendung zu definieren und innerhalb der Theorie der Deixis einzuordnen. Auch die diachrone Perspektive, die zu der Kategorisierung dieser Demonstrativa beiträgt, wird beachtet; sie führt schließlich zu einer Erklärung der Entstehung des deutschen Artikels aus dem Demonstrativpronomen.
Nach der Klärung der Verwendungsweisen von der / dieser / jener im Standarddeutschen und im Pfälzischen sowie der Unterscheidung ihrer Verwendung als Artikel oder als Determinationselement in situativer Verwendung sollen in einem empirischen Teil vier Thesen der Literatur zur situativen Verwendung der Pronominaldeixis ebenfalls für das (Umgangs)deutsche und das Pfälzische überprüft und die Ergebnisse diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Deutschen und im Pfälzischen
II.1. Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Deutschen
II.1.1 Abgrenzung und Definition der Pronominaldeixis
II.1.1.1 Artikel vs. Pronomen
II.1.1.2 Ansätze zu einer Deixisanalyse
II.1.1.2.1 Die lokale Dimension der Deixis
II.1.1.2.2 Die objektale Dimension der Deixis
II.1.2 Die Entstehung des deutschen Artikels aus dem Demonstrativpronomen
II.1.3 Unterschiede zwischen der, dieser, jener als Artikel oder als Determinationselement
II.1.4 Pragmatik der Definitheit
II.1.4.1 Verwendungsweisen der Pronominaldeixis der
II.1.4.1.1 Deiktische Verwendungen
II.1.4.1.2 Unmittelbar-situative Verwendungen
II.1.4.1.2.1 Starker und schwacher Artikel im Rheinischen und Friesischen
II.1.4.1.3 Abstrakt-situative Verwendungen
II.1.4.1.4 Anaphorische und Kataphorische Verwendungen
II.1.4.1.5 Assoziativ-anaphorische Verwendungen
II.1.4.2 Verwendungsweisen der Pronominaldeixis dieser
II.1.4.3 Verwendungsweisen der Pronominaldeixis jener
II.1.5 Pronominaldeixis im Pfälzischen
II.1.5.1 Der als Demonstrativum
II.1.5.1.1 Der als Relativpronomen
II.1.5.2 Der als bestimmter Artikel
II.1.5.3 Das Pronomen dieser
II.1.5.4 Das Pronomen jener
II.1.6 Hauptsächliche Unterschiede zwischen dem Deutschen (Standardvarietät) und dem Pfälzischen
II.2. Empirische Untersuchung
II.2.1 Gegenstand der empirischen Untersuchung
II.2.2 Anlage der Untersuchung (Methode)
II.2.2.1 Hypothese zum Gebrauch der Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Standarddeutschen und im Pfälzischen (Erwartungen bei den einzelnen Bildern)
II.2.3 Ergebnisse der Untersuchung
II.2.3.1 Standarddeutsch
II.2.3.2 Pfälzisch
II.2.3.2.1 Zwei unterschiedliche Formen des bestimmten Artikels im Pfälzischen
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gebrauch der Demonstrativpronomina der, dieser und jener in situativen Verwendungsweisen im Standarddeutschen und im pfälzischen Dialekt. Ziel ist es, theoretische Ansätze zur Deixisanalyse sowie Thesen zur situativen Verwendung dieser Pronominaldeixis empirisch zu überprüfen, Unterschiede zwischen Sprachvarietäten aufzuzeigen und die Rolle von Zeigegesten bei der Referenzbestimmung zu klären.
- Abgrenzung von Artikel und Pronomen in der deutschen Grammatiktheorie
- Analyse deiktischer, unmittelbar-situativer und abstrakt-situativer Verwendungsweisen
- Untersuchung von Distanzmarkierung und Abgrenzungsfunktionen
- Empirische Untersuchung des Sprachgebrauchs in verschiedenen Alltagssituationen
- Vergleich der Pronominaldeixis im Standarddeutschen und im Pfälzischen
Auszug aus dem Buch
II.1.1.1. Artikel vs. Pronomen
Welche sprachlichen Einheiten zum Paradigma der Artikel gerechnet werden sollen, scheint nach Darstellungen der Literatur eine der Streitfragen in der deutschen Grammatiktheorie (gewesen) zu sein. Die Uneinigkeit der Forscher ist hauptsächlich auf die in I. genannte Tatsache zurückzuführen, dass Elemente der deutschen Sprache sowohl die Funktion des Begleiters als auch die Funktion des Stellvertreters einer Nominalphrase übernehmen können. Aus diesem Grund sehen einige Wissenschaftler Artikel und Pronomen als eine Wortart an:
"Den Artikel betrachten wir als Pronomen mit speziellen kommunikativ-pragmatischen und syntaktischen Funktionen. Er wird zum Formensystem des Substantivs gerechnet, an dessen Wortklassencharakteristik er beteiligt ist.“ (Flämig, W. (1991), S.473)
Vater (1979) ging zunächst von einer auch alle traditionellen Pronomina umfassenden und eine unmittelbare Konstituente (IC) bildenden Gesamtklasse „Artikelwörter“ aus. (S.24f.)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung motiviert das Thema durch die hohe Frequenz des Lexems "der" und skizziert das Vorhaben, Demonstrativpronomina innerhalb der Deixistheorie zu definieren und ihre situative Verwendung empirisch zu untersuchen.
II. Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Deutschen und im Pfälzischen: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen zur Abgrenzung von Artikel und Pronomen, diskutiert Ansätze zur Deixisanalyse, die Entstehung des Artikels und verschiedene pragmatische Verwendungsweisen im Standarddeutschen und Pfälzischen.
II.1. Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Deutschen: Hier werden die theoretischen Grundlagen vertieft, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Pragmatik der Definitheit und den spezifischen Verwendungsweisen von "der", "dieser" und "jener".
II.2. Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt beschreibt das empirische Projekt, die methodische Anlage der Befragung anhand von sechs Bildsituationen und die daraus resultierenden Hypothesen für das Standarddeutsche und das Pfälzische.
III. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach sich die Tendenz zum Zeigen als Ersatz für verbale Distanzmarkierung in beiden Varietäten verstärkt hat, und ordnet dies in einen sprachgeschichtlichen Trend zum Visuellen ein.
Schlüsselwörter
Pronominaldeixis, situative Verwendung, Demonstrativpronomina, Definitartikel, Deixisanalyse, Pragmatik, Pfälzisch, Standarddeutsch, Referenz, Distanzmarkierung, Indexikalität, empirische Sprachforschung, Artikelwörter, Zeigegeste, Grammatikalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Demonstrativpronomina (insbesondere der, dieser, jener) in verschiedenen Alltagssituationen verwendet werden, um auf Gegenstände oder Personen in der Umgebung zu verweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die pragmatische Unterscheidung von Artikel und Pronomen, die Rolle von Distanz- und Abgrenzungsmarkierungen sowie die Entwicklung dieser sprachlichen Formen im Standarddeutschen im Vergleich zum pfälzischen Dialekt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, theoretische Thesen zur situativen Pronominaldeixis – wie etwa die Abgrenzungsfunktion von "dieser" oder die Existenz einer Triade von Demonstrativa – empirisch zu verifizieren oder zu falsifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führte eine empirische Befragung durch, bei der Sprechern sechs verschiedene Alltagssituationen (z.B. Fenster schließen, Ball holen) präsentiert wurden, um spontane Formulierungen und den Einsatz von Zeigegesten zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt zunächst eine umfangreiche theoretische Einordnung basierend auf der linguistischen Fachliteratur, gefolgt von der methodischen Anlage der Studie und der detaillierten Diskussion der Ergebnisse für das Standarddeutsche und das Pfälzische.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Pronominaldeixis, situative Verwendung, Demonstrativpronomina, Referenz, Distanzmarkierung, Pfälzisch sowie empirische Sprachforschung.
Welche Rolle spielen "dieser" und "jener" im Pfälzischen?
Die Untersuchung zeigt, dass "dieser" und "jener" im Pfälzischen weitgehend verschwunden sind und durch umschreibende Formen oder das betonte Demonstrativ "dér" in Kombination mit Zeigegesten ersetzt wurden.
Warum ist die Zeigegeste für die Referenz so wichtig?
Die Ergebnisse belegen, dass Demonstrativa bei situativem Gebrauch oft "unvollständig" sind und die Identifikation des Referenten ohne eine begleitende Zeigegeste häufig nicht eindeutig gelingt.
- Arbeit zitieren
- Daniela Becker (Autor:in), 2002, Pronominaldeixis in situativer Verwendung im Deutschen und im Pfälzischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43081