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Anerkannt, geduldet oder abgelehnt? Jüdische Reserveoffiziere im Deutschen Kaiserreich

Titel: Anerkannt, geduldet oder abgelehnt? Jüdische Reserveoffiziere im Deutschen Kaiserreich

Seminararbeit , 2010 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Christoph Penning (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Stand des Militärs besaß im Deutschen Kaiserreich eine besondere, gesellschaftlich herausgehobene Stellung. Militärs, besonders Offiziere, standen im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses. Wer etwas auf sich hielt, wurde Offizier oder zumindest Reserveoffizier - und trug seine Uniform auch durchaus im zivilen Leben. Das Offizierkorps insgesamt war jedoch vor allem dem Adel und wohlhabenden Bürgern vorbehalten. Lediglich die Laufbahn als Reserveoffizier (auch dem "Einjährig-Freiwilligen") bot die Chance, dieser exklusiven Gruppe anzugehören.

Dementsprechend strebten viele junge Männer einen Dienstgrad als Reserveoffizier an. Schon der Dienstgrad eines Leutnants versprach hohes gesellschaftliches Ansehen. Doch war es auch jüdischen Bürgern möglich, Reserveoffizier zu werden? Was beförderte sie, was hinderte sie möglicherweise daran? Wurden sie in Armee und Reserveoffizierkorps anerkannt, geduldet oder abgelehnt?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Reserveoffizier im Deutschen Kaiserreich

3. Juden im kaiserlich-deutschen Militär

3.1 1871 bis 1914 - Zwischen Anerkennung und Ablehnung

3.2 1914 bis 1918 - Von Kriegsbegeisterung zur 'Judenzählung'

4. Jüdische Reserveoffiziere - Normalität im Deutschen Reich?

4.1 Reserveoffiziere in Preußen

4.2 Reserveoffiziere in Bayern

4.3 Preußen und Bayern im Vergleich

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob jüdischen Bürgern im Deutschen Kaiserreich der Zugang zum Rang eines Reserveoffiziers offenstand, welche Barrieren dabei bestanden und wie sich die Praxis zwischen den Bundesstaaten Preußen und Bayern unterschied. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwieweit gesellschaftlicher Antisemitismus und militärspezifische Auswahlmechanismen die Integration jüdischer Männer in das Offizierskorps verhinderten.

  • Die Rolle des Reserveoffiziers als gesellschaftlicher Status im wilhelminischen Deutschland.
  • Der Einfluss von Antisemitismus und Konfessionszugehörigkeit auf die militärische Laufbahn.
  • Vergleichende Analyse der Rekrutierungspraktiken in Preußen und Bayern.
  • Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Situation jüdischer Soldaten und Offiziere.

Auszug aus dem Buch

2. Der Reserveoffizier im deutschen Kaiserreich

Nach der Reichsgründung 1871 übertrug sich der Preußen prägende Militarismus bald auch auf die anderen Staaten innerhalb des Deutschen Reiches, wodurch der militärmonarchische Staatscharakter Preußens ein gesamtdeutsches Phänomen wurde. In der kaiserlichen Gesellschaft spielte vor allem das Offizierskorps als wichtigster Stand des Staates und somit Sicherungszentrum der Monarchie eine große Rolle. Wer Offizier wurde, gehörte zur einflussreichsten Schicht im Staat und hatte nicht nur bei gesellschaftlichen Anlässen, sondern auch im Alltag Vorrang vor allen anderen Bürgern, egal welchen Berufes, auch wenn er erst Leutnant war. Das lag vor allem daran, dass der Offiziersstand im kaiserlichen Reich durch Einflussnahme des Militärs in den Alltag der Menschen und der damit zusammenhängenden Vermischung kein Berufstand sondern ein Gesellschaftstand darstellte, wozu vor allem Monarch Kaiser Wilhelm II. durch sein Faible fürs Militär und Uniformen in weiten Teilen beitrug.

Symbolisch dafür steht insbesondere die Uniformverliebtheit in ausgeprägter Weise nicht nur des Militärs, sondern der gesamten Gesellschaft. Je höher der Dienstgrad, je geschmückter und dekorierter die Uniform, desto höher war das Ansehen. Wer also etwas auf sich hielt und eine Karriere machen wollte, kam um den Status des Offiziers nicht herum. Die jeweiligen Regimenter hatten bei der Erwählung des Offiziersnachwuchses freie Hand und in der Praxis hatte der Regimentskommandeur das entscheidende Wort. Nun gelang es längst nicht jedem Bewerber, die Aufnahmeprüfung zum Offizier zu bestehen, was vor allem an der benannten Auswahlpraxis lag. Als Bindeglied und Vermittler von elitären Werten der Offizierskorps zwischen der zivilen Gesellschaft und dem Umfeld der Offiziere entstand der Dienst des ‚Einjährig-Freiwilligen‘ für den ‚Offiziersersatz im Beurlaubtenstand‘ – die Ausbildung zum Reserveoffizier. Auch die Wahl des Offiziersersatzes aus bürgerlichen Kreisen stand dem jeweils aussuchenden Regiment zu. Der Titel eines Reserveoffiziers verlieh Ansehen und gesellschaftliches Renommee, er war ein „Mittel sozialer Angleichung des Bürgertums an den militärisch-monarchischen Staat.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Haltung prominenter konservativer Politiker und den systemischen Antisemitismus im wilhelminischen Deutschland, der jüdischen Männern den Zugang zum Reserveoffiziersstatus erschwerte.

2. Der Reserveoffizier im Deutschen Kaiserreich: Dieses Kapitel erläutert die zentrale gesellschaftliche Bedeutung des Offiziersstandes und die Rolle der Regimenter bei der Auswahl des Nachwuchses.

3. Juden im kaiserlich-deutschen Militär: Hier werden die zeitlichen Entwicklungen von 1871 bis 1918 analysiert, wobei der Fokus auf der Diskrepanz zwischen gesetzlicher Gleichstellung und praktischer Ausgrenzung liegt.

4. Jüdische Reserveoffiziere - Normalität im Deutschen Reich?: Dieses Kapitel bietet einen Vergleich zwischen der rigiden preußischen Ablehnungspraxis und der etwas liberaleren, aber dennoch exklusiven bayerischen Handhabung.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine echte gesellschaftliche Emanzipation durch den Offiziersrang für jüdische Bürger im Kaiserreich aufgrund tief verankerter antisemitischer Strukturen kaum möglich war.

Schlüsselwörter

Deutsches Kaiserreich, Reserveoffizier, Antisemitismus, Militär, Preußen, Bayern, Emanzipation, Offizierskorps, Einjährig-Freiwillige, Jüdische Soldaten, Reichsgründung, Erster Weltkrieg, Judenzählung, Konversion, Gesellschaftsstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Hindernisse für jüdische Bürger im Deutschen Kaiserreich, in den Status eines Reserveoffiziers aufzusteigen, und analysiert die dabei wirkenden antisemitischen Tendenzen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Zentrale Themen sind die Rolle des Offiziers als gesellschaftliches Statussymbol, der Einfluss von Antisemitismus auf das Militärwesen und der Vergleich staatlicher Beförderungspraktiken.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, ob und unter welchen Bedingungen Juden Reserveoffizier werden konnten und inwieweit staatliche Institutionen den Zugang aufgrund völkischer oder religiöser Kriterien aktiv verhinderten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse historischer Sekundärquellen, um die soziologische Struktur des Offizierskorps und die innenpolitische Praxis zwischen 1871 und 1918 zu rekonstruieren.

Was wird inhaltlich im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Rolle des Reserveoffiziers allgemein, betrachtet die Situation jüdischer Soldaten im Militär in verschiedenen Zeitabschnitten und vergleicht die unterschiedlichen Rekrutierungspraktiken in Preußen und Bayern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Antisemitismus, Offizierskorps, Reserveoffizier, Preußen, Bayern und Emanzipation im deutschen Militärwesen definieren.

Warum unterschied sich die Beförderungspraxis in Bayern von der in Preußen?

In Bayern behielt der König als Souverän auch in Friedenszeiten den Oberbefehl über die Truppen, was dem preußischen Militärkabinett und Kaiser Wilhelm II. weniger direkte Einflussmöglichkeiten auf die spezifische Personalpolitik in bayerischen Regimentern gab.

Welche Rolle spielte die Taufe für jüdische Bewerber um den Offiziersstatus?

Vor der Zunahme des völkischen Antisemitismus ab 1880 konnten jüdische Konvertiten inoffiziell leichter zum Offizier oder Reserveoffizier befördert werden, da die formale Bedingung des christlichen Glaubens damit erfüllt war.

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Details

Titel
Anerkannt, geduldet oder abgelehnt? Jüdische Reserveoffiziere im Deutschen Kaiserreich
Hochschule
Universität Osnabrück  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Antisemitismus in Europa (1871-1933)
Note
1,7
Autor
Christoph Penning (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V430851
ISBN (eBook)
9783668748071
ISBN (Buch)
9783668748088
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden Jüdische Offiziere Jüdische Reserveoffiziere Kaiserreich Kaiserliche Armee
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Penning (Autor:in), 2010, Anerkannt, geduldet oder abgelehnt? Jüdische Reserveoffiziere im Deutschen Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430851
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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