Die Kriegssterbeliste der Stadt Osnabrück (Staatsarchiv Osnabrück) für den Zeitraum des Ersten Weltkrieges umfasst ca. 2.200 Einträge - eine für die geschichtswissenschaftliche Forschung unschätzbare Quelle zum Leben und Sterben im Zeitalter der Weltkriege am Beispiel einer mittelgroßen Stadt des ausgehenden Deutschen Kaiserreiches. Wer waren die Kriegstoten Osnabrücks? Welcher sozialen Schicht sind sie zuzuordnen, welche Dienstgrade besaßen sie, welche Berufe übten sie aus? Glich sich die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht mit der entsprechenden militärischen Dienstgradgruppe? Wie wirkte sich der Tod solch vieler, auch junger Männer für eine Stadt wie Osnabrück (zu der Zeit ca. 80.000 Einwohner) aus? Kann das Kriegssterben Osnabrücker Männer als exemplarisches Beispiel für andere Regionen und Städte dienen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der soziostrukturelle Rahmen im ersten Vergleich
2.1 Deutsches Reich
2.2 Stadt Osnabrück
2.3 Exkurs zum Vergleich: Stadt Freiburg
3. Die Kriegstoten Osnabrücks 1914 bis 1918 und ihre soziale Schichtung
3.1 Offiziere
3.1.1 Altersstruktur
3.1.2 Sektorale Verteilung / Berufe
3.1.3 Schichtanalyse
3.2 Unteroffiziere
3.2.1 Altersstruktur
3.2.2 Sektorale Verteilung / Berufe
3.2.3 Schichtanalyse
3.3 Mannschaften
3.3.1 Altersstruktur
3.3.2 Sektorale Verteilung / Berufe
3.3.3 Schichtanalyse
4. Die Dienstgradgruppen im Vergleich – Veränderung des Sozialprofils Osnabrücker Gefallener zwischen 1914 und 1918
4.1 Altersstruktur
4.2 Sektorale Verteilung / Berufe
4.3 Schichtanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziostrukturelle Zusammensetzung der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Osnabrück. Ziel ist es, anhand der Kriegssterbefälle zu analysieren, inwiefern die zivile Klassengesellschaft des späten Kaiserreichs im militärischen Alltag der verschiedenen Dienstgradgruppen abgebildet wurde.
- Analyse der sozialen Schichtung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften
- Untersuchung der Altersstrukturen der gefallenen Soldaten
- Vergleichende Betrachtung der sektoralen Verteilung und Berufe
- Soziostruktureller Abgleich der Osnabrücker Daten mit dem Deutschen Reich und der Stadt Freiburg
- Beleuchtung der Veränderung des Sozialprofils im Kriegsverlauf
Auszug aus dem Buch
3.1 Offiziere
Im Deutschen Reich bis 1918 war die Armee als „Garant der bestehenden Gesellschaftsordnung“ zu verstehen. Vor allem an der Zusammensetzung des Offizierkorps kann man den Versuch erkennen, nicht staatserhaltende Elemente möglichst aus der politischen und militärischen Verantwortung herauszuhalten, da man im Zivilen letztlich nur Zugang zu den höchst angesehenen Kreisen erhielt, wenn man mindestens das Reserveoffizierpatent besaß. So setzten sich beispielsweise die Fahnenjunker noch 1913 zu 90% aus Söhnen des Adels, Beamtentums, Bürgertums und Großgrundbesitzes zusammen, also aus den „erwünschten Kreisen“ mit entsprechender Herkunft, Bildung und Vermögen.
Der Adelsanteil war traditionell und auch mit 30% im Jahr 1913 noch sehr hoch, auch wenn sich die Militärlaufbahn im späten Kaiserreich vielen Söhnen nichtadliger Familien öffnete - Beamten- und Bürgersöhne machten 1913 fast 40% aus. Zumindest für Preußen liefert der Historiker Christoph Jahr auch konkrete Gefallenenzahlen im Offizierkorps: 24%, also etwa 15.000 Mann der eingezogenen 39.170 aktiven Offiziere fielen. Zahlenmäßig mehr, wenn auch verhältnismäßig weniger Gefallene hatte jedoch das Reserveoffizierkorps zu beklagen. Von 169.625 verloren 16% ihr Leben, also etwa 27.000 Mann.
Vergleichend lohnt sich nun ein Blick auf die gefallenen Offiziere des Ersten Weltkrieges aus Osnabrück. Zwischen 1914 und 1918 sterben 119 Offiziere.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwiefern die kaiserliche Armee das Spiegelbild der zivilen Klassengesellschaft darstellte, und beschreibt die Datengrundlage der über 2.200 Osnabrücker Kriegssterbefälle.
2. Der soziostrukturelle Rahmen im ersten Vergleich: Dieses Kapitel bettet die Analyse in den soziokulturellen Kontext des Deutschen Reiches, der Stadt Osnabrück und zum Vergleich der Stadt Freiburg ein.
3. Die Kriegstoten Osnabrücks 1914 bis 1918 und ihre soziale Schichtung: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften hinsichtlich ihrer Altersstruktur, Berufsgruppen und sozialen Herkunft.
4. Die Dienstgradgruppen im Vergleich – Veränderung des Sozialprofils Osnabrücker Gefallener zwischen 1914 und 1918: Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen werden hier gegenübergestellt, um Veränderungen des Sozialprofils über die Kriegsjahre hinweg aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die militärische Hierarchie die zivile Klassengesellschaft weitgehend widerspiegelt, wobei das Unteroffizierkorps eine besondere Bindegliedfunktion einnimmt.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Osnabrück, Sozialstruktur, Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften, Kriegssterbefälle, Klassengesellschaft, Dienstgradgruppen, Altersstruktur, Berufssoziologie, Sozialgeschichte, Kaiserreich, Militärsoziologie, Schichtanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer soziostrukturellen Untersuchung der Osnabrücker Kriegstoten des Ersten Weltkriegs unter besonderer Berücksichtigung ihrer Dienstgradgruppen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die soziale Schichtung, die Altersstruktur sowie die sektorale Berufsverteilung der gefallenen Soldaten und deren Einordnung in die zeitgenössische Gesellschaftsstruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern die zivile Klassengesellschaft des deutschen Kaiserreichs sich in den militärischen Dienstgradgruppen der Gefallenen widerspiegelte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Analyse, die auf einer Stichprobe von über 2.200 Kriegssterbefällen basiert, welche statistisch ausgewertet und mit soziologischen Schichtmodellen abgeglichen wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der einzelnen Dienstgradgruppen (Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften) und einen anschließenden Vergleich, der die Veränderungen des Sozialprofils zwischen 1914 und 1918 aufzeigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialstruktur, Erste Weltkrieg, Osnabrück, Dienstgradgruppen und Klassengesellschaft charakterisiert.
Welche Rolle nehmen die Unteroffiziere in dieser Studie ein?
Die Studie identifiziert die Unteroffiziere als funktionales Bindeglied zwischen den Mannschaften und dem Offizierkorps, die in ihrer Schichtstruktur eine mittlere Position einnahmen.
Wie unterschied sich die soziale Herkunft der Dienstgradgruppen?
Es zeigte sich eine klare Trennung: Offiziere entstammten primär den oberen Schichten, Unteroffiziere deckten die mittlere soziale Herkunft ab, während die Mannschaften mehrheitlich aus den unteren Schichten rekrutiert wurden.
- Quote paper
- Christoph Penning (Author), 2013, Die Osnabrücker Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Spiegel ihrer Dienstgradgruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430854