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Von der Verwissenschaftlichung der Beizjagd. Die Rolle von Buch- und Erfahrungswissen im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II.

Title: Von der Verwissenschaftlichung der Beizjagd. Die Rolle von Buch- und Erfahrungswissen im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II.

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nejla Demirkaya (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Forschungsliteratur wartet in der Charakterisierung des Falkenbuchs mit Begriffen wie „Solitär“ auf, bezeichnet es im Spiegel seiner Entstehungszeit als „einzigartig“, „seiner Zeit voraus“ und „etwas grundlegend Neues“, oder sogar als „eines der kompetentesten Falkenbücher, das je geschrieben wurde“. Allgemeinhin wird diese Bewertung auf den dahinterstehenden naturwissenschaftlichen Ehrgeiz und die daraus resultierende akribische Umsetzung zurückgeführt, die für das 13. Jahrhundert noch immer höchst ungewöhnlich war. Für Kaiser Friedrich II. stellte die Falkenjagd also offenbar weitaus mehr als ein reines Freizeitvergnügen dar. Vielmehr betrieb er sie wie eine Wissenschaft und erachtete sie gleichsam als eine Kunst, deren vollendete Beherrschung ihm zufolge einen „idealen Menschen“ hervorbrächte. In der Tradition zahlreicher arabischer und abendländischer Traktate über die Jagd mit Vögeln, die in den fünf Jahrhunderten vor des Kaisers Lebzeiten verfasst worden waren und auch am kaiserlichen Hof Anerkennung und Rezeption erfuhren, fasste Friedrich II. sein über Jahrzehnte angesammeltes Wissen in einem eigenen Werk mit dem Titel ‚De arte venandi cum avibus‘ – ‚Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen‘ zusammen. Diese Arbeit geht anhand dieses Falkenbuchs dem von Kaiser Friedrich II. dargelegten Verhältnis zwischen dem auf der Grundlage von Beobachtung und Experimenten erworbenen Wissen und dem Gelehrtenwissen nach, wie er es sich durch die Lektüre klassischer Schriften aus der Feder des Aristoteles sowie älterer Fachliteratur aneignete. Die Bedeutung des Buchgegenüber dem Erfahrungswissen für die Konzeption des Falkenbuchs und damit für die Beizjagd selbst soll erörtert, dadurch zudem vielleicht auch eine Aussage über die Stellung von Theorie und Praxis in Friedrichs Wissenschaftsverständnis ermöglicht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Beizjagd: Vom höfischen Vergnügen zur Wissenschaft

3. Der geistesgeschichtliche Kontext

4. Das Falkenbuch

4.1. Friedrichs Zielsetzung

4.2. Zur Gliederung des Falkenbuchs

4.3. Zwischen Buch- und Erfahrungswissen

5. Schlussbetrachtung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

6.1. Quellen

6.2. Forschungsliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen theoretischem Buchwissen und praktischem Erfahrungswissen im „Falkenbuch“ Kaiser Friedrichs II. Es wird analysiert, wie der Kaiser klassische antike Autoritäten kritisch hinterfragte, durch eigene empirische Beobachtungen ergänzte und die Beizjagd dadurch zu einer wissenschaftlichen Disziplin erhob.

  • Wissenschaftsverständnis im 13. Jahrhundert
  • Die Rolle der Empirie bei Kaiser Friedrich II.
  • Traditionelle Wissensvermittlung vs. praktische Beobachtung
  • Aristotelische Philosophie und ihre Rezeption am kaiserlichen Hof
  • Das Falkenbuch als fachspezifisches Lehrwerk

Auszug aus dem Buch

4.3. Zwischen Buch- und Erfahrungswissen

Dass die detaillierten Ausführungen über die Vogelwelt und die Praktiken und Hilfsmittel des Falkners zum größten Teil auf Friedrichs eigenen, aber auch fremden Erfahrungen, Beobachtungen und daran anschließenden Überlegungen basieren, geht nicht zuletzt aus Formulierungen wie „haben wir doch auch gesehen“, „wie wir aus eigener Erfahrung bestätigen können“ oder „[m]anche Falkner berichten auch von [...]“ hervor. Wie bereits erörtert bezog der Kaiser das Wissen, das er nicht durch eigene Beobachtung erlangt hat, nicht allein aus Büchern, sondern auch aus der persönlichen Begegnung mit Experten der Falknerei, die er, wie er im Prolog schreibt, „von weither und mit großem Kostenaufwand“ zu sich berief.

Demnach zehrte Friedrichs Wissensschatz auch von ‚fremden‘ Erfahrungen. Tatsächlich hätten diese Erfahrungen ebenso verschriftlicht und auf pergamentenen Seiten festgehalten für den Kaiser zugänglich gewesen sein können; zwischen der Rekapitulation eigener Erlebnisse, dem Austausch von Angesicht zu Angesicht und dem über teilweise seit Jahrtausenden konservierten Wissen eines weitgehend unbekannten Menschen, geschöpft aus dessen fremder Lebenswelt und ohne Möglichkeit der Verifikation, besteht jedoch weiterhin ein signifikanter Unterschied.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Falkenbuchs als einzigartiges Werk des 13. Jahrhunderts dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Gewichtung von Buchwissen gegenüber Erfahrungswissen.

2. Die Beizjagd: Vom höfischen Vergnügen zur Wissenschaft: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Beizjagd von einem höfischen Privileg hin zu einem intellektuell anspruchsvollen Waidwerk nach, dem Friedrich II. einen neuen wissenschaftlichen Stellenwert verlieh.

3. Der geistesgeschichtliche Kontext: Hier wird das Umfeld der intellektuellen Renaissance des 12. Jahrhunderts beleuchtet, das durch Aristoteles-Rezeption und die Neubewertung der menschlichen Vernunft geprägt war.

4. Das Falkenbuch: Dieses Kernkapitel analysiert Friedrichs Zielsetzung, die didaktische Gliederung des Werkes und das komplexe Spannungsfeld zwischen der Autorität antiker Schriften und der eigenen empirischen Evidenz.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Trennung von Buch- und Erfahrungswissen im Kontext des Falkenbuchs nicht strikt haltbar ist und Friedrich als einen empirisch arbeitenden Gelehrten ausweist.

6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Kaiser Friedrich II., Falkenbuch, Beizjagd, Erfahrungswissen, Buchwissen, Ornithologie, Mittelalter, Wissenschaftsgeschichte, Aristoteles, Empirie, Naturbeobachtung, Waidwerk, Wissenstransfer, Hofkultur, Scholastik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert das wissenschaftliche Werk „Falkenbuch“ des Stauferkaisers Friedrich II. und untersucht insbesondere, wie er traditionelles Gelehrtenwissen mit eigenen, empirisch gewonnenen Erkenntnissen in Einklang brachte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die mittelalterliche Ornithologie, das Wissenschaftsverständnis des 13. Jahrhunderts, die Geschichte der Beizjagd und der interkulturelle Wissenstransfer zwischen Orient und Okzident.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Verhältnis von Theorie und Praxis in Friedrichs Werk zu ergründen und aufzuzeigen, wie er durch Beobachtung und Experimente die Beizkunst von einem reinen Zeitvertreib zu einer Wissenschaft erhob.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse des Falkenbuchs und einer Kontextualisierung durch aktuelle Forschungsliteratur zur Wissenschafts- und Geistesgeschichte des Mittelalters.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung des Falkenbuchs, die Zielsetzung des Autors, die didaktische Struktur des Werkes sowie eine detaillierte Diskussion über die Dialektik von Buch- und Erfahrungswissen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Empirie, Falknerei, Aristotelismus, Naturbeobachtung und mittelalterliche Wissenskultur charakterisiert.

Warum stand Friedrich II. in Opposition zur Kirche?

Der Kaiser pflegte eine Haltung zur Jagd, die in direktem Gegensatz zur Auffassung der Kirche stand, welche das Waidwerk aufgrund moralischer Bedenken als verwerflich einstufte.

Wie verhielt sich Friedrich II. gegenüber antiken Autoritäten wie Aristoteles?

Er nutzte antike Schriften zwar als Referenz, zögerte jedoch nicht, diese kritisch zu hinterfragen und zu korrigieren, sofern seine eigenen langjährigen Beobachtungen zu anderen Ergebnissen führten.

Welche Rolle spielten Experten am Hof Friedrichs II.?

Friedrich holte gezielt Experten aus dem Orient und ließ Fachliteratur übersetzen, um seinen eigenen Wissensstand durch interkulturellen Austausch zu erweitern.

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Details

Title
Von der Verwissenschaftlichung der Beizjagd. Die Rolle von Buch- und Erfahrungswissen im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II.
College
University of Göttingen  (Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte)
Grade
1,3
Author
Nejla Demirkaya (Author)
Publication Year
2016
Pages
24
Catalog Number
V430891
ISBN (eBook)
9783668740662
ISBN (Book)
9783668740679
Language
German
Tags
verwissenschaftlichung beizjagd rolle buch- erfahrungswissen falkenbuch kaiser friedrichs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nejla Demirkaya (Author), 2016, Von der Verwissenschaftlichung der Beizjagd. Die Rolle von Buch- und Erfahrungswissen im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430891
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