Unterschiede und Gemeinsamkeiten didaktischer Theorien des Berufsorientierungs-Unterrichts

Vergleichende Literaturanalyse


Seminararbeit, 2017

34 Seiten, Note: 1,00

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begriffsklärungen
1.1 Zum Begriff „Didaktik“
1.1.2 Didaktische W-Fragen
1.2 Zum Begriff „BO-Unterricht“
1.2.1 Ziele des „BO-Unterrichts“
1.3 Didaktik im BO-Unterricht
1.3.1 Persönliche didaktische Kompetenz

2 Didaktische Ansätze für den BO-Unterricht
2.1 Handlungsorientierter Unterricht
2.1.1 Päd. Bedeutsamkeit Handlungsorientierten Unterricht im Fach BO
2.2. Selbstgesteuertes Lernen
2.2.1 Päd. Bedeutsamkeit Selbstgesteuerten Lernens im Fach BO

3 Theorien im Vergleich
3.1 Bildungstheoretische Didaktik
3.1.1 Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung
3.2 Lerntheoretische Didaktik am Beispiel des Berliner Modells
3.2.1 Strukturanalyse von Unterricht (Berliner Modell)
3.2.2 Faktorenanalyse von Unterricht (Berliner Modell)
3.2.3 Weiterentwicklung: vom Berliner Modell zum Hamburger Modell
3.3 Kritisch-Konstruktivistische Didaktik
3.3.1 Von den Schlüsselproblemen zum Problemunterricht

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

7 Tabellenverzeichnis

8 Abkürzungsverzeichnis

Kurzzusammenfassung

Der Kern der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen didaktischen Ansätzen und Theorien, die im BO-Unterricht, aber auch in anderen Unterrichtsgegenständen, Einsatz finden können.

- Diese theoretische Arbeit klärt zunächst die Begriffe „Didaktik“, „BO-Unterricht“ und„Didaktik im BO-Unterricht“.
- Es werden die didaktischen Ansätze des Handlungsorientierten Unterrichts unddes Selbstgesteuerten Lernens mit ihrer pädagogischen Bedeutsamkeit für den BO-Unterricht beleuchtet.
- Die Bildungstheoretische Didaktik, die Lerntheoretische Didaktik und die Kritisch-konstruktivistische Didaktik werden definiert und zum Vergleich herangezogen.

Es ergab sich, dass je nach Kapitel des BO-Lernplanes eine oder mehrere der abgehandelten Theorien im Unterricht eingesetzt werden können. Da meist ein großer Lerneffekt beim selbstgesteuerten Handeln erzielt wird, ist es sinnvoll konstruktivistische Didaktik im BO-Unterricht anzuwenden.

Vorwort und Dank

Das Zustandekommen dieser Arbeit basiert auf dem Forschungsdesign meiner Masterthesis. Hierbei untersuche ich die schriftlichen Ergebnisse von zwei Schulklassen an der Polytechnischen Schule Himberg von zwölf Berufspraktischen Tagen. Außerdem wird das Feedback des Betreuungspersonals in den Firmen, aber auch das Feedback der Betreuungslehrpersonen, ausgewertet.

Durch das Forschen näherte ich mich der Thematik der verschiedenen didaktischen Theorien an. Um die Hintergründe der Forschungsergebnisse zu verstehen, wollte ich mich in diesen Bereichen vertiefen.

Ich erhoffe mir ein Grundgerüst der Ansätze und Theorien aufgebaut zu haben um weitere Verbindungen zwischen Theorie und Praxis im BO-Unterricht erkennen und ausbauen zukönnen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die maßgeblich zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben. Manuel und meine Familie waren mir in dieser Zeit eine große Stütze und haben stets an mich geglaubt.

1 Begriffsklärungen

Zu Beginn der Arbeit sollen die drei wichtigen Begriffe „Didaktik“, „Berufsorientierungsunterricht“ und „Didaktik im BO-Unterricht“ näher erläutert werden.

1.1 Zum Begriff „Didaktik“

Zum Begriff „Didaktik“ gibt es unzählig viele Definitionen. In Verbindung mit der Institution Schule wird „Didaktik“ oft als eine auf den Unterricht bezogene Disziplin dargestellt. „Didaktik“ ist die Lehre vom WAS im Unterricht. Das Gegenstück dazu ist die „Methodik“. Sie ist die Lehre vom WIE im Unterricht. (vgl. PETERSSEN 1989, S. 16)

LEHNER spricht von einer Wissenschaft, die von handlungsorientierten Prozessen geprägt ist. Das Wort „Didaktik“ stammt aus der griechischen Antike (ca. 600-200 vor Christus) und „didáskein“ heißt „unterrichten“ oder „lehren. (2009, S. 9-10)

Das lateinische Wort „didactica“ wurde als griechisches Fremdwort in die deutsche Sprache übernommen. Johann Amos COMENIUS (1592-1670) schrieb die bis heutewichtige Programmschrift „Didactica magna“ („Große Didaktik“) nieder. Diese beinhaltetsowohl Theorie, aber auch ein praktisches Programm für die Gestaltung von Schule und Unterricht. Autoren wie Otto WILLMANN (1839-1920), Wolfgang KLAFKI (geb. 1927) und Herwig BLANKERTZ (1927-1983) entwickelten den Begriff der „Didaktik“ weiter und dieserwurde endgültig im Bereich der Wissenschaft etabliert. (vgl. JANK & MEYER 2004, S. 11-13)

1.1.2 Didaktische W-Fragen

„Um „Didaktik“ verstehen zu können, gibt es einen Leitfaden an W-Fragen, die wichtig zur Planung des Unterrichts sind.

- WER soll lernen? Lernende bzw. Zielgruppen WAS soll gelernt werden? Inhalte und Ziele
- VON WEM soll gelernt werden? Lehrende, andere Lernende
- WANN soll gelernt werden? Zeiten und Zeitpunkte
- MIT WEM soll gelernt werden? Lernpartnerinnen und Lernpartner  WO soll gelernt werden? Institutionen, Lernorte
- WIE soll gelernt werden? Methoden, Lehr- und Lerntechniken  WOMIT soll gelernt werden? Medien
- WOZU soll gelernt werden? Bildung, eigene und fremde Zwecke“

(LEHNER, 2009, S. 26)

KRON zeigt in seinem Modell der didaktischen W-Fragen nur acht Fragen auf. Er lässt die Frage WOMIT weg, aber umschreibt die Ziele des didaktischen Handelns im Unterricht ähnlich. (vgl. KRON 2008, S. 23)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Didaktische W-Fragen (KRON 2008, S. 23)

1.2 Zum Begriff „BO-Unterricht“

„Berufsorientierung ist die Vorbereitung der jungen Menschen auf die Arbeits- und Wirtschaftswelt sowie die Ausbildungs- und Berufswahl.“ (FAHNL & FORSTNER 1997, S.2)

Die jungen Erwachsenen bekommen einen Einblick in den Arbeitsalltag. Dieser soll ihnen auch Probleme in der Arbeitswelt aufzeigen. Berufe und Berufsmöglichkeiten werden von der Lehrperson veranschaulicht. Schülerinnen und Schüler erproben sich in verschiedenen Bereichen im Zuge der Berufspraktischen Tage. Außerdem umfasst der BO-Unterricht Betriebsbesichtigungen und -erkundungen.

Der „BO-Unterricht“ wurde lange vernachlässigt, inzwischen wird er als eine zentraleund fächerübergreifende Aufgabe in der Pflichtschule gesehen. (vgl. SCHUDY 2002, S.9)

1.2.1 Ziele des „BO-Unterrichts“

„Berufsorientierung“ im Unterricht umfasst nicht nur das gleichnamige Unterrichtsfachsondern ist ganzheitliches Lernen und als fächerübergreifende Interaktion zu verstehen.Neben der Persönlichkeitsbildung, werden der kompetente Umgang mit neuen Medienund der Umgang mit neuen Informationen geschult. Nicht zu vergessen ist dabei das Ziel,dass sich die Jugendlichen in verschiedenen Berufsfeldern versuchen. (vgl. FAHNL &FORSTNER 1997, S.3)

„Die Ziele des „BO-Unterrichts“ können wie folgt aufgeschlüsselt werden:

- Berufswahlkompetenz (Berufswahlreife)
- Qualifikation für eine Berufsausbildung (Schulausbildung) sowie für berufliche undallgemeine Weiterbildung (life-long-learning, lebensbegleitendes Lernen)
- Auseinandersetzung mit Anforderungen, Entwicklungen und Technologien in der Arbeits- und Berufswelt
- Weckung und Förderung der Bereitschaft zur aktiven Gestaltung der beruflichen Tätigkeit und des beruflichen Umfelds
- Förderung der Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen,Neigungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten. (…)
- Befähigung zur Mitwirkung an der Änderung der Arbeitsbedingungen und an der Humanisierung der Arbeit
- Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen Technik, Wirtschaft, Politik und Arbeit“

(FAHNL & FORSTNER 1997, S.3)

1.3 Didaktik im BO-Unterricht

Dieser Abschnitt soll veranschaulichen welche didaktischen Hinweise zur Gestaltung des BO-Unterrichts im dazugehörigen Lehrplan zu finden sind.

- Der Einstieg in die BO soll über die persönlichen Erfahrungen der Lernendenangeleitet werden. (z.B. Berührungspunkte mit verschiedenen Berufen und Ausbildungen)
- Individuelle Interessen und Fähigkeiten sollen durch Aktionen (z.B. Experteninterviews) entdeckt werden.
- Die Jugendlichen evaluieren sämtliche Betriebserkundungen und Berufspraktische Tage mit den Lehrenden. Dafür muss eine gute Vorbereitung und Betreuungseitens der Lehrpersonen vorangegangen sein.
- Diskussionsrunden über Biographien sollten in den BO-Unterricht unbedingteingebettet werden. Fallbeispiele aus der Schullaufbahn, aber auch aus derumliegenden Arbeits- und Berufswelt können herangezogen werden. Der Unterricht sollte problem- und projektorientiert sein. (z.B. Projekt-Generation Hand in Hand - Schülerinnen und Schüler besuchen einmal in der Woche das Landespflegeheim im Ort und helfen mit.)
- Die Lehrperson soll Anleitungen und Hilfestellungen bei der Anwendung von Medien geben. (z.B. Dokumentieren der Berufspraktischen Tage am Computer)(vgl. FAHNL & FORSTNER 1997, S. 2)

1.3.1 Persönliche didaktische Kompetenz

Um die diese didaktischen Einzelheiten im BO-Unterricht umsetzen zu können, erfordert es ein hohes Maß an persönlicher didaktischer Kompetenz.

Die didaktische Kompetenz einer Lehrperson ist individuell durch viele Einflussfaktoren (z.B. durch die eigene Biografie) geprägt. Hierbei spielen Theoriewissen, Handlungskompetenz und praktisches Handeln eine essenzielle Rolle. (vgl. JANK & MEYER 2004, S. 162)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Theoriewissen, Praxiswissen, Handlungskompetenz (JANK & MEYER 2004, S. 162)

Erfolgreicher (BO)-Unterricht setzt voraus, dass die Lehrperson über Praxiswissenverfügt. Das Handlungsrepertoire sollte „materialisiert“ sein. Es setzt sich aus Kommunikationskompetenz, Inszenierungskompetenz und Erziehungskompetenzzusammen. Ein gesunder Abstand zum eigentlichen Tun im Unterricht sollte gegebensein. Die Schülerinnen und Schüler müssen motiviert werden, damit sie sich auf den Lernprozess einlassen. Während und nach dem BO-Unterricht muss die Lehrperson ihrunterrichtspraktisches Handeln reflektieren. (vgl. JANK & MEYER 2004, S. 162-163)

2 Didaktische Ansätze für den BO-Unterricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 - Didaktische Ansätze (vgl. LEHNER 2009, S. 50-51)

2.1 Handlungsorientierter Unterricht

Handlungsorientierter Unterricht ist nach GUDJONS (2001, S. 87) kein didaktisches Modell. Es ist ein Unterrichtsprinzip, das bestimmte Merkmale besitzt.

GUDJONS (1997, S. 7) meint, dass vereinzelte methodische Angebote an die Schülerinnen und Schüler, selbst aktiv zu werden (in einem Rollenspiel oder auf einer Betriebserkundung), kein Beleg für eine handlungsorientierte Gestaltung des Unterrichts sind. Er behauptet jedoch, dass der Lehrende ähnlich vorgehen soll, um die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Unterrichtsstunde motivieren.

Nach MEYER (1987, S. 79) ist ein Handlungsorientierter Unterricht von Ganzheitlichkeit und Schüleraktivität geprägt. Dabei ist arbeiten die Jugendlichen zu möglichst gleichen Teilen mit Kopf und Hand.

Ziel sollte sein, dass die Jugendlichen so oft wie möglich zu brauchbaren anfassbaren Ergebnissen kommen. Sie lernen durch das eigenständige Handeln mehr als in einem “Regelunterricht”, wo schon alles vorgegeben ist. Außerdem geht der Autor davon aus, dass sich nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer mit einem solchen Unterricht besser identifizieren können.

LEHNER (2009, S. 50) betont ebenfalls, dass die Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung der Handlungsprozesse teilhaben und dass die Ergebnisse durchaus gut weiterverwendet werden können.

2.1.1 Päd. Bedeutsamkeit Handlungsorientierten Unterricht im Fach BO

Etliche Ziele des BO-Unterrichts verlangen nach einem Handlungsorientierten Unterricht,wie z.B. das Entdecken der eigenen Stärken und Fähigkeiten. Schülerinnen und Schülerkönnen bei Betriebserkundungen angeleitete Tätigkeiten ausprobieren und sehen, ob dies ihr Interesse weckt oder nicht. Im weiteren Sinn sind die Berufspraktischen Tage ein Teil von Handlungsorientiertem Lernen. Der Jugendliche muss selbst aktiv werden, sichüberlegen welche Branche ihn interessiert und wo er sich für eine „Schnupperstelle“vorstellen geht. Der junge Erwachsene organisiert sich selbst indem sie oder er sich selbstorganisiert, für eine kurze Zeit in den Arbeitsalltag „hineinschnuppert“ und diese Arbeitdanach reflektiert.

2.2. Selbstgesteuertes Lernen

Selbstgesteuertes Lernen findet seinen Ursprung in der Humanistischen Pädagogik. Esist eine bestimmte Form des Lernens, wobei die Schülerinnen und Schüler selbst den Lernprozess steuern, d.h. die Verantwortung dafür liegt bei ihnen. (vgl. LEHNER 2009, S.51)

KONRAD & TRAUB definieren das Selbstgesteuerte Lernen, als „eine Form des Lernens, bei der die Person in Abhängigkeit von der Art ihrer Lernmotivation sowie den Anforderungen der aktuellen Lernsituation selbstbestimmt eine oder mehrere Selbststeuerungsmaßnahmen (…) ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst überwacht, reguliert und bewertet.“ (2015, S. 8)

2.2.1 Päd. Bedeutsamkeit Selbstgesteuerten Lernens im Fach BO

Tabelle 2 visualisiert einen Überblick zur Verteilung der Lernaktivitäten eines Regelunterrichts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 - Typische Aktivitäten von Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler (KONRAD & TRAUB 2015, S. 9)

Beim Selbstgesteuerten Lernen tritt der größte Lerneffekt ein, wenn die Jugendlichen ihre eigene Lehrperson werden, d.h. die Aktivitäten, die wie oben der Lehrerin und dem Lehrer zugeschrieben werden, übernimmt der Lernende selbst. (vgl. KONRAD & TRAUB 2015, S. 13)

Die jungen Erwachsenen sollen sich Bildungsinhalte, z.B. Informationen zu einembestimmten Lehrberuf oder für eine weiterführende Schule, selbstständig erarbeiten,vorbereiten und sich aneignen. Durch diese selbstständige Arbeit leitet die Schülerin undder Schüler seinen Lernprozess selbst an und eignet sich durch eigene Kraft Wissen an.

[...]

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Details

Titel
Unterschiede und Gemeinsamkeiten didaktischer Theorien des Berufsorientierungs-Unterrichts
Untertitel
Vergleichende Literaturanalyse
Hochschule
Pädagogische Hochschule Niederösterreich (ehem. Pädagogische Akademie des Bundes in Niederösterreich)
Note
1,00
Jahr
2017
Seiten
34
Katalognummer
V430908
ISBN (eBook)
9783668750579
ISBN (Buch)
9783668750586
Dateigröße
1250 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Berufsorientierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Unterschiede und Gemeinsamkeiten didaktischer Theorien des Berufsorientierungs-Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430908

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