Die Kohärenz zwischen Vernunft, dem Glauben und der Existenz Gottes, wird anhand der Methodik Anselms dargestellt. Dafür wird untersucht, mit welcher Methodik Anselm im "Monologion" Vernunft definiert und wie er darauf aufbauend seinen Gottesbeweis führt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Quod sit quiddam optimum et maximum et summum omnium quae sunt
III. Quod sit quaedam natura, per quam est quid-quid est, et quae per se est, et est summum omnium quae sunt
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodische Vorgehensweise Anselms von Canterbury in seinem Werk „Monologion“. Ziel ist es, exemplarisch aufzuzeigen, wie Anselm den Begriff der Vernunft definiert und dialektisch nutzt, um die Existenz eines höchsten, alles überragenden Etwas zu begründen, sowie kritisch zu reflektieren, inwiefern dies als Gottesbeweis fungieren kann.
- Biografischer Hintergrund und Kontext des Wirkens von Anselm von Canterbury.
- Analyse des Werks „Monologion“ als philosophisches Projekt.
- Methodik der dialektischen Argumentation und Vernunftdefinition bei Anselm.
- Untersuchung der Struktur des Gottesbeweises und des Strebens nach dem höchsten Guten.
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit von rationaler Argumentation auf den Gottesbegriff.
Auszug aus dem Buch
II. Quod sit quiddam optimum et maximum et summum omnium quae sunt
Der menschlichen Natur ist es geschuldet, dass der Mensch ein strebendes Wesen ist. Dass der Mensch nur nach Dingen strebt, die ihm als „gut“9 erscheinen, liegt ebenfalls in der Natur der Dinge. Der Mensch muss sich nun also unweigerlich fragen wodurch das Gute in den Dingen, die er erstrebt, denn gut ist. Anselm gibt die Antwort darauf, dass etwas Gut sein kann weil es ein Etwas gibt, durch das es gut ist, oder dass jedes Gute durch ein anderes Etwas als Gut zu definieren sei.
Dass es sich um das eine Etwas handelt, durch das etwas Gutes definiert wird, erläutert Anselm dadurch, dass Dinge durch einen gemeinsamen Wert (er nennt hier das Beispiel der Gerechtigkeit) in Relation gesetzt werden können. Dieser Wert, kann bei dem einen nicht etwas anderes sein als bei dem anderen. Hiermit ist laut Anselm aber nicht eine explizite Eigenschaft gemeint, sondern die allgemeine Nützlichkeit eines Dinges (Pferd-Räuber Vergleich). Er schließt daraus, dass alles Nützliche „per quod necesse est esse cuncta bona“10 und stellt die Frage „Quis autem duibet illud ipsum, per quod cuncta sunt bona, esse mangum bonum?“ 11.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben von Anselm von Canterbury und führt in die Entstehungsgeschichte sowie das Anliegen seines Werks „Monologion“ ein.
II. Quod sit quiddam optimum et maximum et summum omnium quae sunt: Hier wird Anselms dialektische Argumentation für das „höchste Gute“ dargelegt, welches als notwendiger Bezugspunkt für alle strebenden Wesen postuliert wird.
III. Quod sit quaedam natura, per quam est quid-quid est, et quae per se est, et est summum omnium quae sunt: In diesem Teil wird die Argumentation auf die Existenz eines höchsten Wesens ausgeweitet, das durch sich selbst existiert und die Grundlage für alles Seiende bildet.
IV. Fazit: Das Kapitel schließt mit einer kritischen Reflexion über Anselms dialektische Methode und der Erkenntnis, dass er zwar eine höchste Existenz rational belegen kann, der Identitätsschluss zu Gott jedoch aus einer theologischen Voraussetzung entspringt.
Schlüsselwörter
Anselm von Canterbury, Monologion, Dialektik, Vernunft, Gottesbeweis, Fides quaerens intellectum, höchstes Gut, Philosophie, Mittelalter, Argumentationsstil, Existenz, Wesenheit, Vernunftglaube, Scholastik, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Methode des Anselm von Canterbury, insbesondere im Hinblick auf sein Werk „Monologion“ und seine dialektische Herangehensweise an die Frage nach der Existenz Gottes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Vernunft bei Anselm, sein dialektischer Argumentationsstil, der Begriff des höchsten Guten sowie die logische Herleitung einer höchsten Existenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, exemplarisch zu zeigen, welche Methodik Anselm im Monologion anwendet, um Vernunft zu definieren und daraus die Notwendigkeit eines höchsten Seins abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Textanalyse der Primärquelle „Monologion“ unter Hinzunahme fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur, um Anselms dialektisches Vorgehen zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Konzepts vom höchsten Guten als Relation zu strebenden Wesen sowie die Untersuchung der logischen Notwendigkeit eines höchsten, durch sich selbst existierenden Wesens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Monologion, Dialektik, Vernunft, Gottesbeweis und das Motto „fides quaerens intellectum“.
Inwiefern unterscheidet sich Anselms dialektische Methode von einer klassischen wissenschaftlichen Vorgehensweise?
Anselm betreibt im Monologion keine empirische Wissenschaft, sondern nutzt die Dialektik, indem er Möglichkeiten durchspielt und durch den Ausschluss des Unmöglichen die Plausibilität des verbleibenden Schlusses begründet.
Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass Anselm keinen strikten Gottesbeweis im modernen Sinne liefert?
Die Autorin stellt fest, dass Anselm zwar logisch zwingend eine „höchste Essenz“ oder eine übergeordnete Einheit belegen kann, der Schritt zur Gleichsetzung dieses „Etwas“ mit dem christlichen Gott jedoch auf einer theologischen Setzung beruht, die über die rein vernunftbasierte Dialektik hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Zimmermann (Autor:in), 2017, Der Gott der Vernunft. Über die Methodik des Anselm von Canterbury, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430986