"Eine mentalitätsgeschichtliche, quellennahe Studie mit sicherem Zugriff auf die Sekundärliteratur"
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte und Inhalt
3. Wirkungsgeschichte
3.1 Die Rührung der Zeitgenossen
3.2 Der Briefwechsel zwischen Mendelson und Lessing
4. Schluß und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Ursachen für den außergewöhnlichen Erfolg der Uraufführung von Gotthold Ephraim Lessings „Miß Sara Sampson“ im Jahr 1755 und analysiert, inwiefern das Stück als mentalitätsgeschichtliches Ereignis im Kontext der zeitgenössischen Empfindsamkeit zu verstehen ist.
- Die Gefühlskultur des 18. Jahrhunderts (das „weinende Saeculum“)
- Theatergeschichtliche Neuerungen und Lessings Dramentheorie
- Die Wirkung des bürgerlichen Trauerspiels auf das zeitgenössische Publikum
- Die Bedeutung von Mitleid und Vergebung in der Dramenkonzeption
- Die Analyse der Korrespondenz zwischen Lessing und Mendelson
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rührung der Zeitgenossen
Die Uraufführung von „Miß Sara Sampson“ am 10. Juli 1755 im Exerzierhaus zu Frankfurt wurde zu einem großen Erfolg, der zahlreiche Nachspielungen zur Folge hatte. Dieser Erfolg hat sich sehr günstig auf die Quellenlage ausgewirkt, so daß es ein durchaus breites Spektrum von überlieferten zeitgenössischen Reaktionen auf das Stück gibt. Wohl am bekanntesten ist der Briefwechsel zwischen Mendelson, Lessing und Nicolai über das Trauerspiel, der mit „Miß Sara Sampson“ seinen Anfang nahm und v.a. für die Literaturwissenschaft ein wichtiges Dokument zur Entwicklungsgeschichte des Trauerspiels ist. An diesem Briefwechsel wird jedoch auch ein grundsätzliches Problem deutlich: Es bleibt eine Auseinandersetzung zwischen zwei professionalisierten Experten, die keineswegs repräsentativ für das Publikum der Zeit stehen können. Um eine halbwegs allgemeine Aussage über die zeitgenössische Aufnahme von „Miß Sara Sampson“ treffen zu können, ist es daher notwendig, so viele zeitgenössische Berichte wie möglich auszuwerten.
Zunächst kann anhand von fast allen zeitgenössischen Quellen übereinstimmend festgestellt werden, daß die Tränen bei den Aufführungen von Miß Sara Sampson nicht zu knapp geflossen sind. Mendelson muß Lessing vor allen theoretischen Äußerungen schreiben, daß „ich ungemein gerührt worden bin, daß ich bis an den Anfang des fünften Aufzugs öfters geweint habe, daß ich aber am Ende desselben, und bey der ganzen Szene mit der Sara, vor starker Rührung nicht habe weinen können“, ein Augenzeuge der Uraufführung schreibt, daß „die Zuschauer [...] drey und eine halbe Stunde zugehört wie Statüen, und geweint“ haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Legende des „Weinerfolgs“ von „Miß Sara Sampson“ ein und formuliert die Forschungsfrage, warum das Stück die zeitgenössische Gefühlskultur so maßgeblich prägen konnte.
2. Entstehungsgeschichte und Inhalt: Dieses Kapitel skizziert die Entstehungsbedingungen des Dramas und die theatergeschichtliche Abgrenzung Lessings zu Gottscheds Konzepten sowie die Einführung des „bürgerlichen Trauerspiels“.
3. Wirkungsgeschichte: Das Kapitel analysiert die zeitgenössische Rezeption, insbesondere das Phänomen des öffentlichen Weinens im Theatersaal, und untersucht die theoretische Auseinandersetzung zwischen Lessing und Mendelson.
3.1 Die Rührung der Zeitgenossen: Hier werden zeitgenössische Quellen und Augenzeugenberichte ausgewertet, um die emotionale Wirkung des Stücks auf das Publikum zu belegen.
3.2 Der Briefwechsel zwischen Mendelson und Lessing: Dieser Abschnitt analysiert die Korrespondenz zwischen den beiden Denkern als Fallbeispiel für die theoretische Fundierung des „empfindsamen Ideals“ in Lessings Dramaturgie.
4. Schluß und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass der Erfolg des Stücks auf einer bewussten, „generalstabsmäßigen“ Dramaturgie beruhte, die über zeitlose Themen wie Liebe und Eifersucht den Zuschauer emotional einband.
Schlüsselwörter
Lessing, Miß Sara Sampson, Empfindsamkeit, bürgerliches Trauerspiel, Aufklärung, Mentalitätsgeschichte, Mitleid, Theatergeschichte, Weinerfolg, Dramaturgie, Mendelson, Zeitgenossen, Gefühlskultur, Wirkungsgeschichte, Mittelcharaktere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Uraufführung von Lessings Stück „Miß Sara Sampson“ im Jahr 1755 und analysiert, warum das Theaterstück beim zeitgenössischen Publikum einen legendären Erfolg mit massiven emotionalen Reaktionen auslöste.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Kultur der Empfindsamkeit, die Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels, Lessings neue Dramaturgie und die spezifische Wirkung von Mitleid als zentralem Gefühl im 18. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Erfolg des Stücks nicht nur auf Modeerscheinungen beruhte, sondern das Ergebnis einer gezielten dramaturgischen Komposition Lessings war, die das Publikum durch „Mitfühlmomente“ und „Handlungsmomente“ emotional aktivierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer mentalitätsgeschichtlichen Analyse, die literaturwissenschaftliche Aspekte mit der Auswertung historischer Quellen, Briefwechseln und zeitgenössischer Berichte verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte, eine Analyse der Zuschauerreaktionen anhand von Augenzeugenberichten sowie eine Auswertung des Briefwechsels zwischen Lessing und Mendelson als theoretischer Überbau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Empfindsamkeit, bürgerliches Trauerspiel, Lessing, Mitleid, Dramaturgie und Mentalitätsgeschichte bestimmt.
Warum spielt der Begriff „Mittelcharaktere“ eine so zentrale Rolle bei Lessing?
Im Gegensatz zu den starren, schwarz-weiß gezeichneten Figuren vorangegangener Stücke ermöglichten Lessings „Mittelcharaktere“ eine höhere Identifikation und Nachvollziehbarkeit, da diese Figuren in Konflikten zwischen ihren Gefühlen und moralischen Werten stehen.
Wie unterschied sich Lessing in seiner Dramenkonzeption von Gottsched?
Während Gottsched das Theater primär als Lehrinstrument für aufklärerisches Gedankengut durch Distanz und Vernunft sah, wollte Lessing durch die Erweckung von Mitleid eine emotionale Resonanz beim Zuschauer erzeugen, die über die reine intellektuelle Belehrung hinausgeht.
Spiegeln die Tränen der Zuschauer eine echte Emotion wider?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Weinen im 18. Jahrhundert zwar kulturell geprägt und erstrebenswert war, Lessings Stück aber durch seine geschickte Dramaturgie tatsächlich eine besondere Intensität erreichte, die über das rein Konventionelle hinausging.
- Quote paper
- Alexander Kohlmann (Author), 2003, Kalkuliertes Weinen? Die Uraufführung von G. E. Lessings 'Miß Sara Sampson' als mentalitätsgeschichliches Ereignis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43099