Adressaten sind 10 – 18-jährige Lernende (Flüchtlinge, Asylanten), die in der Regel AnfängerInnen sind und im Unterschied zu den bisher üblichen DaZ-Schülern und zu den ABC-Schützen in der Grundschule sowie zu anderen Analphabeten in der Regel auch keinen mündlichen Vorlauf haben. Das ist bei der Erlernung der Schrift sowie der Semantisierung von Wörtern und Sätzen zu berücksichtigen.
Wir gehen davon aus, dass es sich um Lernende mit verschiedenen Herkunftssprachen handelt. Die fördernden und hemmenden Wirkungen der Muttersprache müssen daher weitgehend unberücksichtigt bleiben. Wir gehen weiter davon aus, dass das Lernen in der Regel nicht von einer Dolmetscherin oder einem Dolmetscher begleitet wird, sondern von einer Deutsch-Lehrkraft, die die Muttersprache der Lernenden in der Regel nicht beherrscht. Und drittens wird davon ausgegangen, dass die Lehrkräfte nur in seltenen Fällen eine Zusatzqualifikation für Deutsch als Fremd-/Zweitsprache haben. Eventuell sollen auch Nicht-Deutschlehrer, die aber die deutsche Sprache beherrschen, leicht damit arbeiten können.
Inhaltsverzeichnis
Schritt 1 Ich, du – wir
1. Begrüßung, Verabschiedung; Namen erlesen; Alphabet
2. Hallo, ich bin … Und wer bist du? – Ich bin …; Das ist …. Und das sind …
3. Das ist ein(e) … Das sind …; Das ist Herr …; der Mann – die Frau; Weißt du, wer/was das ist?
4. Was machst du gerne?; Ich lese (nicht) gerne.; Verbformen; Wohin gehst du?
5. Läufst du oder fährst du?; Modalverben; Numeralien; Uhrzeit; Rechenaufgaben; Genus
6. Ist das dein/e Heft/ Gitarre?; Adverbialbestimmungen; Meine Familie
7. Teste dich!
Schritt 2 Schule macht Geschichten
1. Stellen und Beantworten allgemeiner Fragen zur Schule/Klasse
2. Bezeichnung sämtlicher Schulsachen, Schulmöbel; Was ist das?
3. Was tun wir in der Schule?; Ich kann (sehr) gut …
4. Ortsangaben; Wo ist mein Bleistift?; Dativ der Nomen
5. Personen; Wir sprechen miteinander; Lehrerinnen und Lehrer; menschliche Eigenschaften
6. Teste dich!
Schritt 3 Mit und ohne Stadtplan unterwegs
1. Stadt, Land, Fluss …; Wo wohnen sie?; Wo liegt …?; Orte im Wohnort benennen
2. Wo wir wohnen; Wo befindet sich die Wohnung/die Unterkunft/das Heim?
3. Wie die Menschen früher lebten, was sie aßen … ?; Präteritumformen
4. Einkaufen; Einkaufsgespräche; Wie viel kostet …?
5. Teste dich!
Schritt 4 Wie wir leben
1. Der Alltag; Mein Tag; reflexive Verben
2. Feste und Feiern; Monate; Einladungen; Gefühle ausdrücken
3. Wir leben zusammen mit Tieren; Haustiere; Imperativformen
4. Wetter, Klima, Kleidung; Gespräche über das Wetter; Wettererscheinungen
5. Teste dich!
Zielsetzung und Themen
Das vorliegende Stoffkonzept zielt darauf ab, 10- bis 18-jährigen DaZ-Lernenden ohne vorherige Kenntnisse der lateinischen Schrift oder mündlichen Vorlauf einen strukturierten, kumulativen Einstieg in die deutsche Sprache zu ermöglichen, wobei die Vermittlung von Sprachmustern und die Alphabetisierung im Zentrum stehen.
- Strukturierte Alphabetisierung für Lernende ohne lateinische Schriftvorkenntnisse
- Spiralcurriculare Stoffprogression von Null bis zum Grundkursniveau
- Fokus auf produktive Sprachmuster und rezeptives Textverständnis
- Alltagsbezogene Themenfelder wie Schule, Wohnen und Alltag
- Integration von Grammatik durch Bewusstmachung statt theoretischer Regelpaukerei
Auszug aus dem Buch
- Materialform:
Es wird vorgeschlagen, in vier Schritten vorzugehen:
Die Kompetenzentwicklung und Stoffprogression sollen spiralcurriculär und kumulativ von Null bis zum Grundkursniveau erfolgen. Bei den Aufgaben soll der Übungscharakter auf der Grundlage von Sprachmustern dominieren. Allerdings sollte das imitativ-intuitive Vorgehen auch ganz allmählich durch ein verständliches Bewusstmachen von einfachen Regeln ergänzt werden, etwa bei der Vermittlung von Morphologie (Konjugation, Deklination) und Syntax (z.B.Kasus nach Präpositionen). Ein Grammatisieren ist aber von vornherein auszuschließen.
Wir unterscheiden bei neuzuvermittelndem Stoff zwischen produktiver und rezeptiver Aneignung. Nicht alle Wörter und grammatischen Formen, die in Texten enthalten sind, müssen für den produktiven Sprachgebrauch (Sprechen und Schreiben) bewusst gelernt werden. Die Aussagen, die beim Lesen und Hören verstanden werden, übersteigen deshalb im Laufe des Lehrganges zunehmend die Äußerungen im Bereich des Sprechens und Schreibens.
Schülerinnen und Schüler, die in Mutter- und Fremdsprache noch keine lateinische Schrift gelernt haben (z.B. Lernende mit arabischen und kyrillischen Schriften in der Herkunftssprache), müssten aber unbedingt den Laut-Schriftzeichen-Lehrgang zur Alphabetisierung absolvieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Schritt 1 Ich, du – wir: Einführung in grundlegende Kommunikation, Personalpronomen, einfaches Präsens sowie die Laut-Buchstaben-Zuordnung des Deutschen.
Schritt 2 Schule macht Geschichten: Vertiefung der Sprachkenntnisse im schulischen Kontext unter Einbeziehung von Numeralien, Dativ-Strukturen und dem Beschreiben von Personen.
Schritt 3 Mit und ohne Stadtplan unterwegs: Erweiterung des Wortschatzes um räumliche Orientierung, Wohnsituationen und das Präteritum für erzählende Strukturen.
Schritt 4 Wie wir leben: Behandlung komplexerer Alltagsthemen wie Tagesabläufe, Feste, Tiere und Wetter unter Verwendung reflexiver Verben und Adjektivdeklination.
Schlüsselwörter
Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Alphabetisierung, Sprachmuster, Stoffprogression, Grammatikvermittlung, DaZ-Lernende, Basisbildung, Sprachdidaktik, Kumulatives Lernen, Kommunikative Kompetenz, Lehrgangsentwurf, Integrationssprache, Präteritum, Wortschatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Stoffkonzept grundsätzlich?
Es handelt sich um einen methodischen Entwurf für einen Grundkurs in Deutsch als Zweitsprache, der sich speziell an jugendliche Flüchtlinge ohne Vorkenntnisse richtet.
Was sind die zentralen Themenfelder des Konzepts?
Die Arbeit behandelt die Bereiche Ich/Du, Schule, räumliche Orientierung im Stadtplan sowie alltägliche Lebensbereiche wie Wetter, Wohnen und Feste.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein spiralcurriculärer Aufbau von Sprachkompetenz, der von der Alphabetisierung bis hin zum Grundkursniveau reicht, ohne dabei auf komplexe grammatikalische Theorie zurückzugreifen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für den Spracherwerb vorgeschlagen?
Das Konzept setzt auf einen imitativ-intuitiven Ansatz, der durch eine bewusste Anwendung von Sprachmustern ergänzt wird, wobei Grammatik nur funktional und nicht isoliert vermittelt wird.
Was wird im Hauptteil des Konzepts behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Lehrgang in vier klare Schritte, die sowohl die Kommunikation als auch die spezifische Lexik und Grammatik für jedes Modul definieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Konzept?
Wichtige Aspekte sind Alphabetisierung, DaZ-Didaktik, Sprachmuster, kumulative Stoffprogression und alltagsorientierter Spracherwerb.
Wie geht das Konzept mit unterschiedlichen Herkunftssprachen um?
Das Konzept geht davon aus, dass die Einflüsse der Muttersprachen weitgehend unberücksichtigt bleiben können, da es sich um eine heterogene Gruppe handelt.
Ist das Material für Lehrkräfte ohne spezielle DaZ-Qualifikation geeignet?
Ja, das Konzept ist so konzipiert, dass auch fachfremde Deutsch-Lehrkräfte oder Personen mit guten Deutschkenntnissen leicht mit den Materialien arbeiten können.
Welche Rolle spielt die Schrift bei den Lernenden?
Da viele Lernende keine lateinische Schrift kennen, ist ein dedizierter Laut-Schriftzeichen-Lehrgang zur Alphabetisierung als grundlegende Voraussetzung vorgesehen.
Wie wird mit der Unterscheidung zwischen produktiver und rezeptiver Sprache umgegangen?
Das Konzept unterscheidet zwischen beiden Formen: Nicht alles Gelernte muss sofort aktiv gesprochen oder geschrieben werden; das Verständnis beim Lesen und Hören soll den produktiven Wortschatz deutlich übersteigen.
- Citation du texte
- Prof. Dr. Sabine Utheß (Auteur), 2018, Stoffkonzept DaF-Grundkurs. Grundlegende Grammatiken und Floskeln des Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430997