Häusliche Gewalt findet in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, noch sehr häufig statt. Wenn von häuslicher Gewalt gesprochen wird, assoziiert man hiermit einen gewalttätigen Mann, der eine unschuldige Frau schlägt. Aber ist das immer so? Wer schlägt eigentlich wen? Und warum ist die Dunkelziffer in diesem Bereich so hoch? Welche Ergebnisse brachte die Forschung in diesem Bereich? Und vor allem: Inwieweit stellt das gesellschaftliche Männerbild ein Problem für das Anzeigeverhalten von häuslicher Gewalt dar? Dieses Themenfeld und die damit zusammenhängenden Fragen werden in dieser Hausarbeit erarbeitet. Im Vordergrund steht das Gewalterleiden von Männern in Deutschland und das Rollenbild des männlichen Geschlechts in der heutigen Gesellschaft und im Kontext häuslicher Gewalt. Zunächst werden in dieser Arbeit die Begrifflichkeiten Gewalt und Häusliche Gewalt zum besseren Verständnis definiert. Außerdem wird auf die Zusammenhänge häuslicher Gewalt in der Gesellschaft geschaut und ob die Stellung in der Gesellschaft wie beispielsweise die Schichtzugehörigkeit eine Rolle spielt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Häusliche Gewalt gegen Männer
3. Das männliche Rollenbild
3.1 Das männliche Rollenbild in der Gesellschaft
3.2 Das männliche Rollenbild im Kontext häuslicher Gewalt
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen häuslicher Gewalt gegen Männer in Deutschland und analysiert, inwieweit das gesellschaftliche Rollenbild des Mannes das Anzeigeverhalten der Betroffenen beeinflusst und die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten erschwert.
- Definitionen von Gewalt und häuslicher Gewalt
- Die Dynamik des Gewaltkreislaufs in Partnerschaften
- Einfluss gesellschaftlicher Stigmatisierung und Geschlechterrollen
- Statistische Auswertung zum Gewalterleiden von Männern und Frauen
- Herausforderungen für Betroffene bei der Suche nach professioneller Hilfe
Auszug aus dem Buch
3.2 Das männliche Rollenbild im Kontext häuslicher Gewalt
Männer sind statistisch gesehen häufiger Opfer von Gewalthandlungen als Frauen. Das hängt damit zusammen, dass Männer im öffentlichen Bereich und von Fremden öfter Gewalt erfahren, aber auch Gewalt ausüben. Im Kontext der häuslichen Gewalt finden sich ganz andere Muster als in Gewalthandlungen in anderen Bereichen. Für viele sind häusliche Gewalthandlungen gegen Männer kaum denkbar. Das hängt mit einer starken gesellschaftlichen Stigmatisierung zusammen. Vielen fällt es schwer einen Mann als Opfer einer Gewalthandlung anzuerkennen. ‚Die Schläge waren bestimmt berechtigt!‘ oder ‚Er ist doch ein Mann, der muss sich noch wehren können‘ hören männliche Opfer von häuslicher Gewalt nicht selten. Im Gewaltkontext ist der Mann meist der Täter – egal um welches Delikt es sich handelt. Diese Denkweise scheint jedenfalls in vielen Köpfen tief verankert zu sein. Frauen stellen in unserer Gesellschaft oft Opfer dar, welche von den starken Männern beschützt werden. Diese sexistischen Muster erschweren es den Menschen manche Straftaten zu erkennen. Opfer sind schwach und unschuldig, während Täter stark und kalt sind. Wie kann dann ein großer, starker Mann Opfer von häuslicher Gewalt werden und sich von seiner kleinen, schwachen Frau unterdrücken lassen? Das entspricht den typischen Rollenklischees der meisten Menschen nicht. Durch eine solche Stigmatisierung fällt es Betroffenen umso schwerer Hilfen in Anspruch zu nehmen (vgl. Gauder/Schaper 2016: 29). Die Vorstellung, dass eine zierliche Frau einen Mann schlägt, scheint für viele unvorstellbar. Die Stigmatisierung des männlichen Rollenbilds im Kontext der häuslichen Gewalt verhindert die rechtzeitige Intervention in gewalttätigen Partnerschaften (vgl. Gauder/Schaper 2016: 29). Männer sind nicht verletzbar und wenn sie doch geschlagen werden, sind sie stark genug sich zu wehren (vgl. R. Puchert et. Al. 2004: 13). Wenn man von häuslicher Gewalt spricht, stellt man sich ganz klar das Bild eines gewalttätigen Mannes und einer schwachen Frau vor. „Dennoch gibt es vereinzelte Studien, die belegen, dass Männer rein zahlenmäßig nahezu ebenso häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen“ (Schlack/Rüdel et al. 2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema häusliche Gewalt unter besonderer Berücksichtigung der männlichen Betroffenen und der Problematik des Anzeigeverhaltens.
2. Häusliche Gewalt gegen Männer: Theoretische Definition von Gewalt sowie Analyse der Dynamiken und Phasen des Gewaltkreislaufs in Partnerschaften.
3. Das männliche Rollenbild: Untersuchung der gesellschaftlichen Erwartungen an Männer und wie diese die Wahrnehmung von Opfern und Tätern im Kontext häuslicher Gewalt beeinflussen.
3.1 Das männliche Rollenbild in der Gesellschaft: Erörterung geschlechtsspezifischer Zuschreibungen und der daraus resultierenden Schwierigkeiten für Männer, als Opfer anerkannt zu werden.
3.2 Das männliche Rollenbild im Kontext häuslicher Gewalt: Analyse der tief verwurzelten Klischees, die eine Intervention und Hilfeleistung bei männlichen Opfern häuslicher Gewalt behindern.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Forderung nach mehr Aufklärung sowie besseren Hilfsangeboten für männliche Opfer.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Männliche Opfer, Rollenbild, Anzeigeverhalten, Gewaltkreislauf, Stigmatisierung, Geschlechterstereotypen, Gewaltprävention, Partnerschaftsgewalt, Hilfsangebote, Psychische Gewalt, Körperliche Gewalt, Männergewalt, Beratungsstellen, Opferstatus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert häusliche Gewalt gegen Männer und analysiert die gesellschaftlichen Barrieren, die das Anzeigeverhalten und die Inanspruchnahme von Unterstützung durch die betroffenen Männer erschweren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gewaltformen, die Dynamik des Gewaltkreislaufs sowie die Auswirkungen von Geschlechterrollen und Klischees auf die Wahrnehmung häuslicher Gewalt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu verstehen, inwieweit das gesellschaftliche Männerbild ein Problem für das Anzeigeverhalten von männlichen Opfern häuslicher Gewalt darstellt und warum dieses Thema bisher stark tabuisiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die Einbeziehung statistischer Daten aus gesundheitswissenschaftlichen Studien sowie die Analyse soziologischer Diskursbeiträge zum Thema.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begrifflichkeiten geklärt, der Gewaltkreislauf nach Walker erläutert und die Wechselwirkung zwischen dem männlichen Rollenbild und der gesellschaftlichen Ausblendung männlicher Opfererfahrungen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind häusliche Gewalt, männliche Opfer, Geschlechterrollen, Stigmatisierung, Gewaltkreislauf, Anzeigeverhalten und soziale Hilfsangebote.
Wie unterscheidet sich die Situation männlicher Opfer von der weiblicher Opfer bei der Hilfesuche?
Während weibliche Opfer von ihrem Umfeld meist eher Unterstützung erfahren, stoßen männliche Betroffene häufig auf Unverständnis, werden nicht ernst genommen oder sogar ausgelacht, was durch das Bild des „starken Mannes“ verstärkt wird.
Welche Bedeutung hat das „Sorgerecht“ im Kontext dieser Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Angst vor dem Verlust der Kinder bei einer Trennung sowie die Annahme, dass Gerichte eher der Mutter das Sorgerecht zusprechen, Männer davon abhält, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu lösen.
- Quote paper
- Julia Holle (Author), 2017, Häusliche Gewalt gegen Männer. Inwieweit stellt das gesellschaftliche Männerbild ein Problem für das Anzeigeverhalten von häuslicher Gewalt dar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431006