Ein kontrastiver Vergleich zwischen dem Deutschen und dem Niederländischen bietet sich in erster Linie aufgrund des hohen Verwandtschaftsgrads der beiden Sprachen an, denn sowohl das Deutsche als auch das Niederländische gehören zur westgermanischen Gruppe des germanischen Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie. Ziel der kontrastiven Linguistik ist es hierbei, einen synchronen und diachronen Vergleich von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zweier oder mehrerer Sprachsysteme bezüglich unterschiedlicher Ebenen heranzuziehen, so zum Beispiel auf phonologisch-phonetischer, morphologischer und syntaktisch-semantischer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Movierung im Deutschen
2.1 Movierung im Deutschen aus diachroner Perspektive
2.2 Das Movierungssuffix -in als Genusmarker
3. Movierung im Niederländischen
3.1 Morphologische Beschränkungen bei der Motionsbildung im Niederländischen
3.2 Einschränkungen der Motionsbildung im Niederländischen
3.3 Phonologische Beschränkungen bei der Motionsbildung im Niederländischen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht kontrastiv die Movierung im Deutschen und Niederländischen, um zu erklären, warum sich im Deutschen das Suffix -in als dominierendes Mittel durchgesetzt hat, während im Niederländischen eine Vielfalt an unterschiedlichen Suffixen fortbesteht.
- Diachrone Entwicklung der Movierung im Deutschen
- Die Funktion des Suffixes -in als Genusmarker
- Morphologische und phonologische Restriktionen bei der Motionsbildung im Niederländischen
- Kontrastive Analyse der Genussysteme und deren Auswirkungen auf die Wortbildung
Auszug aus dem Buch
2.1 Movierung im Deutschen aus diachroner Perspektive
In den früheren Sprachstufen des Deutschen gab es eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten um Feminina zu bilden. So bildet zunächst das Idg. Feminina aus Maskulina mit Hilfe eines reinen a Stamms, was sich an dem Beispiel lat. dominus ‚Herr‘ zu domina ‚Herrin‘ verdeutlichen lässt (vgl. Henzen 1965:152). Im Germ. lässt sich das Suffix -o nachweisen, welches der Motionsbildung dient (Bsp.: got. garazna ‚Nachbar‘ zu garazno ‚Nachbarin‘ (Wilmanns 1896:308). Im Got. existierten die Ableitungsmöglichkeiten -o-, wie z.B. in daurawardos 'Türhüterin', -i-, wie z.B. in quenins 'Frau' oder -i und -jo, wie z.B. in mawi 'Mädchen' und arbjo ‚Erbin‘ (vgl. Eisermann 2003:46).
Die Wurzeln des Movierungssuffix -in liegen bereits im Got., denn wie aus den Maskulina got. pius 'gesegneter Toter' und got. magus 'Magier' mit Hilfe des Suffix -i die weiblichen Entsprechungen got. piwi 'gesegnete Tote' und got. mawi 'Magierin' gebildet wurden, so konnte -i auch an n-Stämme herantreten. Das -i- im Got. geht wie im Hochdeutschen dem n voran und wird auf das Idg. e zurückgeführt, sodass man von der ursprünglichen Endung -eni ausgehen kann (vgl. Wilmanns 1896:308).
Durch Lautentwicklung wurde später im Got. aus dem Suffix -eni zunächst -ini und dann im Ahd. das Movierungssuffix -in (Bsp.: ahd. bërö 'Bär' zu birin 'Bärin'). Es gibt lediglich einen Beleg für das Suffix -ini, aus dem sich unser heutiges Movierungssuffix -in entwickelte (saur 'Syrer' zu saurini 'Syrerin'). Allerdings gibt es für das Ahd. bereits eine Vielzahl von Belegen für dieses Suffix; am häufigsten sind Feminina zu finden, welche zu männlichen Appellativen mit einer persönlichen Bedeutung gebildet wurden, so zum Beispiel fiant 'Feind' zu fiantin 'Feindin' oder friund 'Freund' zu friuntin 'Freundin' (vgl. Wilmanns 1896:310).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den kontrastiven Vergleich als Methode und führt in das Ziel der Arbeit ein, die Unterschiede der Movierung im Deutschen und Niederländischen morphologisch zu untersuchen.
2. Movierung im Deutschen: Dieses Kapitel analysiert die diachrone Entwicklung des Suffixes -in und seine Etablierung als produktiver Genusmarker im Gegenwartsdeutschen.
3. Movierung im Niederländischen: Der Abschnitt beleuchtet die morphologischen, syntaktischen und phonologischen Faktoren, die im Niederländischen eine Vielfalt an Movierungssuffixen statt eines dominierenden Markers bedingen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entwicklung zum Genusmarker im Deutschen entscheidend für die Verdrängung konkurrierender Suffixe war, während im Niederländischen der Zusammenfall der Genera und spezifische Sprachstrukturen diese Entwicklung verhinderten.
Schlüsselwörter
Movierung, Motionsbildung, Suffix, Genusmarker, kontrastive Linguistik, morphologische Beschränkungen, phonologische Restriktionen, Wortbildung, Deutsch, Niederländisch, Grammatikalisierung, Utrum, Feminina, Sprachvergleich, Derivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der kontrastiven Untersuchung der Movierung (der Bildung von weiblichen Personenbezeichnungen) im Deutschen und im Niederländischen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die morphologischen, phonologischen und diachronen Aspekte der Wortbildung, insbesondere die Frage, warum das Suffix -in im Deutschen so dominant wurde.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum im Deutschen ein einheitliches Movierungssuffix existiert, während im Niederländischen eine Vielfalt an Suffixen zu finden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine kontrastive linguistische Methode angewandt, die synchronen und diachronen Vergleich kombiniert, um Unterschiede in den Sprachsystemen herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diachrone Analyse des deutschen Suffixes -in, seine Rolle als Genusmarker sowie die verschiedenen morphologischen und phonologischen Beschränkungen, die die Movierung im Niederländischen regulieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Movierung, Genusmarker, Wortbildung, diachrone Sprachwissenschaft und kontrastive Analyse.
Warum spielt der "Zusammenfall der Genera" im Niederländischen eine Rolle für die Movierung?
Da Maskulinum und Femininum im Niederländischen zum Utrum verschmolzen sind, ist die explizite Markierung des Geschlechts weniger zwingend als im Deutschen, wo das Genus die Artikelwahl und Flexion direkt beeinflusst.
Gibt es im Niederländischen keine Möglichkeit, eine Frau explizit zu benennen?
Doch, es gibt Suffixe wie -ster und -e, oder man nutzt zur expliziten Kennzeichnung das dem Nomen vorangestellte Adjektiv "vrouwelijke".
Was bedeutet "Grammatikalisierung" in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt den Prozess, bei dem sich das Movierungssuffix -in von einem reinen Wortbildungselement zu einem unverzichtbaren Genusmarker entwickelt hat, der grammatikalische Informationen trägt.
- Quote paper
- M.Ed. Christopher Domke (Author), 2016, Einheit vs. Vielfalt. Movierung im Deutschen und im Niederländischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431056