Wer heute über Öffentlichkeit spricht, meint damit mehr und mehr die massenmediale Öffentlichkeit. Denn durch die Etablierung von Massenmedien verändert sich unser Verständnis von Öffentlichkeit. Immer mehr Menschen können immer schneller und flächendeckender erreicht werden. Gleichzeitig verschieben sich die Grenzen zwischen der öffentlichen und der privaten Sphäre.
Wirken sich diese Veränderungen auf bestehende Machtverhältnisse aus? Welche Auswirkungen haben sie genau? Jana Wienken untersucht den Zusammenhang zwischen der Strukturkategorie Geschlecht und dem Zugang zu beziehungsweise der Repräsentation in der Öffentlichkeit.
Wienken verdeutlicht dabei, dass in der Öffentlichkeit immer noch ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern vorherrscht. Sie stützt sich dabei auf die Öffentlichkeit der Sozialen Medien, insbesondere eine feministische Kampagne auf Social Media. Darauf aufbauend analysiert sie die Einflussmöglichkeiten von Social Media auf geschlechterspezifische Öffentlichkeitsstrukturen.
Aus dem Inhalt:
- Feminismus;
- Massenmedien;
- Öffentlichkeit;
- Machtverhältnisse;
- Social Media
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Begriff der Öffentlichkeit
2.1 Räsonierende Bürger – Öffentlichkeit in Jürgen Habermas‘ Strukturwandel der Öffentlichkeit
2.2 Medien und Öffentlichkeitsstrukturen
3 3. Öffentlichkeit und das Problem der Macht
3.1 Gender als herrschaftsstrukturierende Kategorie
3.2 Die männliche Aufladung öffentlicher Räume
3.3 Frauen und die massenmedialen Öffentlichkeiten
4 Neue Technologien, neue Räume?
4.1 Soziale Medien und Öffentlichkeitsstrukturen
4.2 Online DIY Kulturen und die Free The Nipple Kampagne
4.3 Ausweichen auf Alternativöffentlichkeiten in Online DIY Kulturen als weibliches Phänomen
4.4 Feministische Gegenöffentlichkeiten im öffentlichen Raum – eine kritische Auseinandersetzung mit den Reaktionen auf Free The Nipple
5 Fazit – Raumfüller oder Vehikel für gesellschaftliche Veränderung?
6 Literaturverzeichnis
6.1 Bibliographie
6.2 Filmographie
6.3 Bildmaterial
6.4 Sonstiges
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Strukturkategorie Geschlecht, dem Zugang zu Öffentlichkeit und der medialen Repräsentation von Frauen, wobei sie analysiert, inwiefern Social Media einerseits als Indikator für ein fortbestehendes Geschlechtergefälle dienen und andererseits als emanzipatorisches Vehikel für feministischen Aktivismus fungieren können.
- Die gesellschaftliche Konstruktion der Dichotomie von öffentlich und privat.
- Machtstrukturen und Ausschlussmechanismen innerhalb öffentlicher Räume.
- Die Rolle digitaler Plattformen und "Online DIY Kulturen" für feministische Gegenöffentlichkeiten.
- Fallbeispiel: Die "Free The Nipple"-Kampagne als subversives Potential vs. Kommerzialisierung.
- Der Einfluss von Social Media auf klassische Geschlechterstereotype.
Auszug aus dem Buch
4.2 Online DIY Kulturen und die Free The Nipple Kampagne
Online DIY Kulturen sind eine vor allem unter jungen Frauen besonders häufig genutzte Form der Partizipationskultur der Sozialen Medien. Laut Anita Harris umfassen Online DIY Kulturen all jene, durch die neuen Technologien des Web 2.0 ermöglichten Praktiken, die sich sozialen und politischen Themen widmen, ohne dabei politisch im konventionellen Sinne zu sein. Sie umfassen Onlineauftritte, die von jungen Frauen erstellt werden und die sich mit politischen Themen auseinandersetzen, die für die Gestalterinnen von Belang sind. Die Free The Nipple Kampagne bezeichnet sich selbst als eine globale Bewegung, die sich dem Einsatz für die Freiheit, Gleichberechtigung und Ermächtigung aller Menschen verschrieben hat. Sie hat sich 2012 als Ausweitung einer filmischen Protestaktion von Lina Esco gegründet. Der 2014 veröffentlichte Film zeigt die Geschichte einer Gruppe von jungen Frauen, die eine Protestbewegung organisieren, deren Ziel es ist die nackte weibliche Brust in der Öffentlichkeit zu dekriminalisieren und den weiblichen Körper zu entsexualisieren. Basierend auf einer wahren Geschichte folgt der Film dem Verlauf des Massenprotests, der sich gegen Tabus und die gesellschaftliche Doppelmoral richtet. Die ‚Befreiung des weiblichen Nippels‘ wird dabei der allgemeinen Befreiung von geschlechtsbedingten Einschränkungen gleichgesetzt.
Mittlerweile versteht sich die Bewegung als eine der aktivsten Stimmen im Einsatz für Gleichberechtigung. Sie möchte öffentlich auf die täglich praktizierten Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen und auch die zugrunde liegenden strukturellen Problematiken aufdecken. Die Bewegung ist auf allen gängigen Social Media Plattformen (Twitter, Instagram, Youtube und Facebook) vertreten, um ein weitreichendes öffentliches Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit zu schaffen und um Veränderungen in diesen Bereichen zu bewirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Begriffe öffentlich und privat im Kontext von Social Media ein und definiert die zentralen Thesen zur geschlechterspezifischen Ungleichheit und zum subversiven Potential neuer Medien.
2 Zum Begriff der Öffentlichkeit: Dieses Kapitel erläutert die Begriffsgeschichte der Öffentlichkeit, diskutiert Habermas‘ Modell der bürgerlichen Öffentlichkeit sowie Nancy Frasers Kritik und das Konzept subalterner Gegenöffentlichkeiten.
3 3. Öffentlichkeit und das Problem der Macht: Es wird die Verflechtung der Kategorie Geschlecht mit Machtstrukturen analysiert, wobei die Verortung der Frau im Privaten und die maskuline Aufladung des öffentlichen Raums kritisch hinterfragt werden.
4 Neue Technologien, neue Räume?: Dieses Kapitel untersucht, wie soziale Medien traditionelle Grenzziehungen zwischen privat und öffentlich verschieben und welche Rolle "Online DIY Kulturen" wie die "Free The Nipple"-Kampagne bei der Etablierung feministischer Gegenöffentlichkeiten spielen.
5 Fazit – Raumfüller oder Vehikel für gesellschaftliche Veränderung?: Das Fazit resümiert, dass Social Media zwar emanzipatorisches Potential bieten, die Bewegung jedoch durch Neutralisierungsmechanismen und die Einbettung in kommerzielle Strukturen vor großen Herausforderungen steht.
6 Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten Quellen, unterteilt in Bibliographie, Filmographie, Bildmaterial und Sonstiges, aufgeführt.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeit, Privatheit, Social Media, Feminismus, Free The Nipple, Geschlechterverhältnis, Machtstrukturen, Online DIY Kulturen, Gegenöffentlichkeit, Repräsentation, digitale Partizipation, Gendering, Patriarchat, Internet, gesellschaftlicher Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen öffentlicher und privater Sphäre unter dem Einfluss digitaler Medien und beleuchtet, wie feministischer Aktivismus versucht, dieses Verhältnis zugunsten von Frauen neu zu strukturieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Öffentlichkeitsbegriffs, die Analyse machttheoretischer Geschlechterstrukturen sowie die praktische Anwendung von Social Media als Werkzeug für feministischen Protest.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, ob Social Media lediglich als Raumfüller fungieren oder tatsächlich als Vehikel für gesellschaftliche Veränderungen dienen können, insbesondere im Hinblick auf die Überwindung geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit klassischen und aktuellen Öffentlichkeitstheorien (u.a. Habermas, Fraser) mit einer diskursiven Analyse der feministischen Online-Kampagne "Free The Nipple".
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs der Öffentlichkeit, eine Untersuchung von Machtdynamiken im Zusammenhang mit Geschlecht sowie eine Fallstudie zu Online DIY Kulturen und deren subversivem Potential.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Öffentlichkeit, Feminismus, Social Media, geschlechtsspezifische Machtstrukturen und digitale Gegenöffentlichkeit geprägt.
Wie reagieren Nutzerinnen und Nutzer auf die "Free The Nipple"-Kampagne in sozialen Medien?
Die Reaktionen sind gespalten: Während sich solidarische Netzwerke bilden, ist die Kampagne gleichzeitig massiven Anfeindungen, Sexismus, digitaler Gewalt und "Trolling" ausgesetzt, die oft darauf abzielen, feministische Akteurinnen aus dem Netz zu drängen.
Welche Rolle spielt die kommerzielle Ausrichtung von Social-Media-Plattformen bei der Kampagne?
Die kommerzielle Struktur der Plattformen führt oft zu einer Neutralisierung politischer Botschaften; so wird die Kampagne teils auf Modeaspekte reduziert oder durch Zensurrichtlinien in ihrer Sichtbarkeit stark eingeschränkt.
Konnte die "Free The Nipple"-Kampagne nachweisbare Erfolge verbuchen?
Ja, die Kampagne konnte sowohl medialen Druck erzeugen, der zu Anpassungen von Zensurrichtlinien (z.B. Facebook) führte, als auch juristische Erfolge erzielen, die diskriminierende Gesetze gegen das öffentliche Auftreten von Frauen hinterfragten.
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- Jana Wienken (Author), 2018, Feministischer Aktivismus und Öffentlichkeit in Social Media. Raumfüller oder Vehikel für gesellschaftliche Veränderungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431381