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Was heißt sprechen? Sprache und symbolische Macht in der Theorie Pierre Bourdieus

Titre: Was heißt sprechen? Sprache und symbolische Macht in der Theorie Pierre Bourdieus

Dossier / Travail , 2016 , 22 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Sarah David (Auteur)

Philosophie - Théorique (Conscience, Science, Logique, Langage)
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Der französische Philosoph, Ethnologe und Soziologe Pierre Bourdieu (1930–2002) zählt zu den einflussreichsten Sozialwissenschaftlern und politisch engagierten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen seiner Untersuchungen arbeitet Bourdieu die Wechselwirkungen zwischen dem überindividuellen Gesellschaftsgefüge und den alltäglichen Handlungen der Subjekte heraus und betont die Relation zwischen sozialen Strukturen und symbolischen Systemen.

Hierbei schreibt er insbesondere der Sprache und ihrem Gebrauch eine hohe Relevanz für die Genese und Reproduktion sozialer Unterschiede zu. Diesen für Bourdieus Sprachanalyse wichtigen Gedanken möchte ich in der vorliegenden Hausarbeit näher untersuchen. Dabei soll die Frage leitend sein, wie Bourdieu die spezifische Macht der Sprache definiert und worin er ihre Wirksamkeit begründet sieht.

Hierzu wird sein Buch „Was heißt sprechen? Zur Ökonomie des sprachlichen Tausches“ herangezogen, das die wichtigsten Schriften seiner Sprachanalyse umfasst, sowie einschlägige Passagen aus seinem Werk „Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft“. Anhand dieser Primärliteratur lassen sich wesentliche Machtdimensionen des Sprachgebrauchs aufzeigen und hinsichtlich des Theorems der symbolischen Macht konkretisieren.

Ausgehend von Bourdieus Bezug auf John L. Austins Kategorie performativer Sprechakte soll deutlich werden, dass Bourdieu sowohl den sozialen Bedingungen der Textproduktion und -rezeption als auch der gesellschaftlichen Anerkennung der Sprechenden eine essentielle Bedeutung für die performative Kraft der Wörter beimisst. Sein Konzept der symbolischen Macht wird am Beispiel der Einsetzungsriten konkretisiert, jenen performativen Kommunikationsakten, bei denen einer Person qua kollektiv anerkannter Grenzziehung eine soziale Identität zugeschrieben wird.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Dominanz der offiziellen Sprache

2.1 Bourdieus Kritik am Formalismus de Saussures und Chomskys

2.2 Die zensierende Macht legitimer Sprachpraxen

3 Sprache als Instrument sozialer Praxis

3.1 Bourdieus Rückgriff auf Austins Kategorie performativer Sprechakte

3.2 Das symbolische Kapital anerkannter Sprecher

4 Die symbolische Macht der Sprache

5 Resümee

Zielsetzung und zentrale Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Sprache und symbolischer Macht im Werk von Pierre Bourdieu. Dabei wird analysiert, wie Bourdieu die Wirksamkeit sprachlicher Äußerungen in soziale Kontexte einbettet und durch den Begriff des symbolischen Kapitals sowie das Konzept der Einsetzungsriten definiert.

  • Kritik an der formalen Linguistik (de Saussure und Chomsky)
  • Die Etablierung und Dominanz der offiziellen Nationalsprache
  • Sprache als Instrument sozialer Praxis und symbolische Investition
  • Die Rolle performativer Sprechakte und sozialer Institutionen
  • Symbolische Macht als relationales Instrument der Herrschaft

Auszug aus dem Buch

3.1 Bourdieus Rückgriff auf Austins Kategorie performativer Sprechakte

In seinen Überlegungen greift Bourdieu einen zentralen Gedanken Austins auf, demzufolge zwei wesentliche Möglichkeiten der Sprachverwendung unterschieden werden können: konstative und performative Äußerungen. Im ersten Fall handelt es sich um die Wiedergabe von bereits Existierendem, beispielsweise die Beschreibung eines Sachverhalts, die wahr oder falsch sein kann. Performative Sprechakte – etwa das Versprechen, die Taufe oder der Richterspruch – vollziehen dagegen eine Handlung. Sie sind Austin zufolge weder wahr noch falsch, vielmehr können sie glücken oder auch missglücken. Geglückte performative Aussagen verwirklichen, was sie besagen, sie implizieren eine Handlungsmacht. Neben dem Aussprechen der Worte schreibt Austin den Umständen, unter denen sie geäußert werden, für den Vollzug der Handlung eine entscheidende Bedeutung zu: Eine Schiffstaufe kann nur von einer befugten Person innerhalb eines bestimmten rituellen Ablaufs vor Publikum vollzogen werden. Die bloße Aussage ‚Hiermit taufe ich dieses Schiff…‘ reicht für den Taufakt nicht aus. Somit kennzeichnet Austin die gesellschaftlichen Umstände als eine wichtige Voraussetzung für die Wirksamkeit performativer Äußerungen.

Wenngleich Austin die Bedeutung sozialer Kontexte für das Gelingen performativer Sprechakte markiert, kritisiert Bourdieu, dass Sprachwissenschaftler im Anschluss an Austins Theorie die soziale Dimension nicht in der erforderlichen Tragweite beachten. Bourdieu argumentiert, dass die Wirkmechanismen performativer Aussagen unter rein sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht in vollem Umfang erfasst werden können. Daher fordert er eine differenzierte Analyse derjenigen sozialen Phänomene, die erfüllt sein müssen, damit Worte zu Taten werden. Performative Sprechakte können nicht unabhängig von den sozialen Bedingungen ihrer Durchführung betrachtet werden, ihre Kraft wird nur innerhalb eines sozialen Systems interdependenter Beziehungen entfaltet. Dementsprechend ist die „magische Wirkung“ performativer Aussagen für Bourdieu „nicht von der Existenz einer Institution zu trennen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Sprachanalyse bei Pierre Bourdieu ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs von Sprache und symbolischer Macht.

2 Die Dominanz der offiziellen Sprache: Dieses Kapitel kritisiert die klassische formale Linguistik und erläutert, wie durch die Etablierung einer Nationalsprache soziale Herrschaftsverhältnisse und zensierende Normen geschaffen werden.

2.1 Bourdieus Kritik am Formalismus de Saussures und Chomskys: Hier wird Bourdieus Abkehr von einer rein immanenten Sprachanalyse dargelegt, die soziohistorische Kontexte ausklammert.

2.2 Die zensierende Macht legitimer Sprachpraxen: Das Kapitel behandelt die Standardisierung von Sprache und deren ökonomische sowie soziale Relevanz innerhalb eines organisierten Bildungssystems.

3 Sprache als Instrument sozialer Praxis: Es wird die soziale Funktionalität von Sprache beleuchtet, indem Bourdieu Sprachgebrauch als soziale Praxis und Tauschverhältnis begreift.

3.1 Bourdieus Rückgriff auf Austins Kategorie performativer Sprechakte: Dieses Kapitel diskutiert die Rezeption von John L. Austin und betont, dass soziale Bedingungen für das Gelingen performativer Akte entscheidend sind.

3.2 Das symbolische Kapital anerkannter Sprecher: Hier wird erläutert, wie durch symbolisches Kapital gesellschaftliche Anerkennung generiert wird, die als Voraussetzung für sprachliche Handlungsmacht dient.

4 Die symbolische Macht der Sprache: Das Kapitel analysiert Einsetzungsriten als Instrumente zur Legitimierung von Grenzziehungen und zur Festschreibung sozialer Identitäten.

5 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, in denen Sprache als zentrales Medium der symbolischen Macht bestätigt wird.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Sprachsoziologie, symbolische Macht, performative Sprechakte, symbolisches Kapital, offizielle Sprache, soziale Praxis, Habitus, Einsetzungsriten, soziale Differenzierung, linguistischer Markt, Legitimität, Herrschaftsverhältnisse, Distinktion, Sprachkompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der sozialphilosophischen Untersuchung der Sprache bei Pierre Bourdieu und arbeitet heraus, wie Sprache nicht nur Kommunikation, sondern ein Instrument zur Ausübung von Macht ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik an formaler Linguistik, die Bedeutung des sozialen Kontextes für das Sprechen, die Ökonomie symbolischer Güter sowie die performative Kraft von rituellen Sprechakten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Bourdieus Konzept der „symbolischen Macht“ zu explizieren und aufzuzeigen, wie soziale Strukturen und Herrschaftsverhältnisse durch Sprachpraxen reproduziert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der primären Schriften Bourdieus, insbesondere „Was heißt sprechen?“, sowie auf eine vergleichende Auseinandersetzung mit sprachphilosophischen Theorien wie der von John L. Austin.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird Bourdieus Kritik an de Saussure und Chomsky analysiert, die Verbindung von Sprache zu sozialem Kapital geklärt und anhand von Einsetzungsriten die Machtdimensionen des Sprachgebrauchs veranschaulicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie symbolische Macht, symbolisches Kapital, performative Akte, Habitus und soziale Distinktion charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Bourdieus Sicht auf die Sprache von der klassischen Linguistik?

Bourdieu lehnt eine rein formale oder immanente Analyse ab, da diese die soziohistorischen und machttheoretischen Bedingungen, unter denen Sprache entsteht und verwendet wird, völlig ignoriert.

Welche Rolle spielen Institutionen bei der Wirksamkeit von Sprache?

Institutionen legitimieren den Sprecher. Ohne die staatliche oder institutionelle Einbettung (z.B. bei einem richterlichen Urteil) würden performative Aussagen ihre verbindliche Wirkung verlieren.

Wie ist der Zusammenhang zwischen symbolischem Kapital und der Sprache zu verstehen?

Sprache fungiert als symbolisches Kapital, wenn die Art des Sprechens sozial anerkannt ist. Wer diese legitime Ausdrucksweise beherrscht, erzielt einen „Distinktionsprofit“, der den sozialen Status festigt.

Welchen Bezug stellt die Arbeit zu aktuellen politischen Phänomenen her?

Die Arbeit zieht Parallelen zu rechtspopulistischen Kundgebungen, um zu zeigen, dass auch nicht-offizielle oder „außerstaatliche“ Sprachpraxen performative Macht entfalten können, sofern sie soziale Identitäten stiften.

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Résumé des informations

Titre
Was heißt sprechen? Sprache und symbolische Macht in der Theorie Pierre Bourdieus
Université
University of Hagen
Note
1,0
Auteur
Sarah David (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
22
N° de catalogue
V431608
ISBN (ebook)
9783668750159
ISBN (Livre)
9783668750166
Langue
allemand
mots-clé
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Citation du texte
Sarah David (Auteur), 2016, Was heißt sprechen? Sprache und symbolische Macht in der Theorie Pierre Bourdieus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431608
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Extrait de  22  pages
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