80% der Kinder und Jugendlichen in stationären Heimen haben in der häuslichen Situation über einen längeren Zeitraum hinweg Traumatisierungen in Form von Vernachlässigung, Missbrauch oder Isolation durchlebt. Besonders gravierend sind die Folgen von traumatisierenden Erlebnissen, wenn diese durch die eigenen Bezugsperson(en) ausgelöst wurden und somit die Rolle des sicheren Hafen missachtet wurde. Derartige kumulative Traumata bewirken einen Zusammenbruch des kindlichen Ichs. Daher ist es unsere Aufgabe als Pädagogen das Netz psychischer Sicherheit wieder herzustellen und den Kindern Erfahrungen zur Entwicklung einer straken psychischen Widerstandsfähigkeit, Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und Erfahrungen des Selbstwertes zu ermöglichen, sodass die Autonomie des Kindes wieder hergestellt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Bindung
1.1 Grundannahmen der Bindungstheorie
1.2 Bindungsqualitäten
2. Traumata
2.1 Trauma- eine Definition
2.2 Traumatisierung durch Bindungsverlust
2.3 Umgang mit traumatisierten Kindern
3. Heimkinder und Heimerziehung
3.1 Strukturwandel der Heimerziehung
3.2 Bindungsverhalten bei Heimkindern
3.3 Das Heim als sicherer Ort?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen bei Kindern im stationären Heimkontext und analysiert, inwieweit pädagogische Einrichtungen als „sicherer Ort“ korrigierende Bindungserfahrungen ermöglichen können, um die psychische Entwicklung der betroffenen Kinder zu fördern.
- Grundlagen der Bindungstheorie und verschiedene Bindungsqualitäten
- Definition und Formen traumatischer Erfahrungen (Schocktrauma vs. kumulatives Trauma)
- Bindungstraumatisierung durch primäre Bezugspersonen und deren Folgen
- Strukturwandel der Heimerziehung und die Bedeutung der Traumapädagogik
- Anforderungen an pädagogische Fachkräfte im Umgang mit traumatisierten Kindern
Auszug aus dem Buch
2.1 Trauma - eine Definition
„Parasiten des Geistes“ (Charcot zit. nach Korrittko 2016, S.20)
Charcot fand mit dieser Aussage eine passende Beschreibung hinsichtlich der seelischen Verfassung der Menschen nach traumatisierenden Erlebnissen. Denn durch derartig einschlagende Ereignisse wird nicht nur der Körper, sondern vor allem die Seele enormen Verletzungen ausgesetzt. Die Erforschung psychischer Folgen von bedrohlichen Ereignissen aufgrund von physischer oder psychischer Gewalt, sexuellem Missbrauch oder Naturkatastrophen begann Ende des 19. Jahrhunderts. Der Traumabegriff beinhaltete von nun an nicht nur körperliche Verletzungen, sondern wurde zunehmend über „emotionale Belastungen“ definiert (Korrittko 2016, S.20). Eine in der Trauma-Literatur oft zitierte Definition von Trauma ist die von Fischer und Riedesser (2004). Sie definieren das Trauma als ein „[v]itales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer/Riedesser, 2004, S.84).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bindung: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der Bindungstheorie nach John Bowlby und stellt verschiedene Bindungsqualitäten sowie deren Einfluss auf die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes dar.
2. Traumata: Es erfolgt eine theoretische Definition des Traumabegriffs, wobei der Schwerpunkt auf kumulativen Bindungs- und Beziehungstraumata sowie deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und Bewältigungsstrategien von Kindern liegt.
3. Heimkinder und Heimerziehung: Dieses Kapitel analysiert den Strukturwandel der Heimerziehung, das Bindungsverhalten von Heimkindern und die schwierige Rolle des Kinderheims als "sicherer Ort" zur Traumaverarbeitung.
Schlüsselwörter
Bindungstheorie, Bindungsqualität, Trauma, Traumapädagogik, Heimerziehung, Bindungsverlust, kumulatives Trauma, sicherer Hafen, psychische Entwicklung, Resilienz, Beziehungserfahrungen, inneres Arbeitsmodell, Bindungsstörung, pädagogisches Handeln, institutionelle Rahmenbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychischen Situation von Heimkindern, die unter Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen leiden, und untersucht die Möglichkeiten der stationären Heimerziehung, diesen Kindern therapeutische Unterstützung zu bieten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Bindungstheorie, die Definition und Klassifizierung von Traumata, die Analyse des Bindungsverhaltens bei Heimkindern sowie die professionellen Anforderungen an Pädagogen in der Traumapädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist zu klären, unter welchen Bedingungen stationäre Heime einen "sicheren Ort" darstellen können, der es ermöglicht, zerstörte Bindungserfahrungen durch korrigierende Interaktionen zu heilen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der theoretischen Aufarbeitung psychologischer sowie traumapädagogischer Konzepte, wie etwa der Arbeit von John Bowlby, Mary Ainsworth und weiteren Fachautoren.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Bindungstheorie und Traumadefinitionen erörtert, gefolgt von einer kritischen Betrachtung der Heimerziehung und der spezifischen Herausforderungen im Umgang mit traumatisierten Kindern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bindungstheorie, Trauma, Traumapädagogik, Heimerziehung, Resilienz und die Bedeutung korrigierender Beziehungserfahrungen.
Warum ist laut der Arbeit ein "innerer sicherer Ort" für Kinder so essenziell?
Weil ein Trauma die innere Sicherheit zerstört; nur wenn Kinder einen solchen inneren Ort entwickeln können – unterstützt durch ein sicheres äußeres pädagogisches Umfeld –, sind sie in der Lage, traumatische Erlebnisse zu bewältigen.
Welche Rolle spielt der ständige Personalwechsel im Heim für das Kind?
Der Personalwechsel wird kritisch gesehen, da er für traumatisierte Kinder eine erneute Trennungserfahrung darstellt, die den Aufbau stabiler, sicherer Bindungen erschwert und potenziell zu Retraumatisierungen führen kann.
- Citar trabajo
- Veronika Belz (Autor), 2018, Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen bei Heimkindern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431857