„Die Kunst muss nichts. Die Kunst darf alles.“ (Ernst Fischer)
So wie es die Worte von Ernst Fischer aussagen, so steht es auch in Artikel 5 Abs. 3 des deutschen Grundgesetztes, dass die Kunst frei ist. Doch während der Zeit des Realsozialismus konnten Künstler, Musiker, Autoren und Dichter diese Freiheit nicht genießen. Vielmehr war ihre Kunst der Zensur ausgeliefert. Dem Realsozialismus zum Trotz gab es jedoch eine Reihe von Dichtern, die ihre politischen Ansichten in der Lyrik verarbeiteten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – Leben und Schreiben im Realsozialismus
1. Lyrik aus der DDR
1.1 Sarah Kirsch
1.2 Gedicht - „Von meinem Haus“
2. Polnische Lyrik
2.1 Adam Zagajewski
2.2 Gedicht - „Kleines Lied von der Zensur“
Fazit – literarische Zensur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss politischer Zensur im realsozialistischen System auf das Schreiben und Denken von Lyrikern. Anhand eines vergleichenden Analyserahmens der Gedichte „Von meinem Haus“ von Sarah Kirsch und „Kleines Lied von der Zensur“ von Adam Zagajewski wird die Forschungsfrage beantwortet, unter welchen Voraussetzungen die Autoren ihre Kritik äußerten und welche Ausdrucksmittel sie wählten, um ihre künstlerische Freiheit in einem repressiven Umfeld zu behaupten.
- Analyse der Auswirkungen von Zensur auf die literarische Produktion
- Gegenüberstellung der Sichtweisen polnischer und DDR-Lyriker
- Vergleich zwischen expliziter und metaphorischer Kritik an staatlichen Ideologien
- Untersuchung der Rolle von Ironie und emotionaler Sprache als Widerstandsmittel
Auszug aus dem Buch
1.2 Gedicht - „Von meinem Haus“
Auf inhaltlicher Ebene geht es um einen Dialog zwischen dem lyrischen Ich und dem lyrischen Du. Das lyrische Ich bezeichnet das lyrische Du als den großen Wind (vgl. Vers 1), welcher Kummer ins Gesicht des lyrischen Ichs blase (vgl. Vers 2). Das lyrische Du aber widerspricht und erklärt, dass es sich um keinen Sturm, sondern um eine warme Brise handle (vgl. Vers 3+4). Diese vier Anfangsverse skizzieren den Konflikt des lyrischen Ich mit dem lyrischen Du. Deutlich wird, dass beide dichotome Positionen vertreten. Die Anapher mit dem Wort „Du“ verdeutlicht in ihrem Aufzählungscharakter die Bedrohung, die vom lyrischen Du ausgeht. Während das lyrische Ich das lyrische Du als Bedrohung ansieht und den Wind durch das Adjektiv „groß“ in seiner Gefahr betont, so verharmlost das lyrische Du den Wind und äußert, dass es kein Sturm, sondern „nur eine kleine warme Brise“ sei (vgl. Vers 4). Dieser vierte Vers wirkt durch das verharmlosende Adverb „nur“ in Verbindung mit den Adjektiven „warm“ und „klein“ stark euphemistisch. Statt einer Bedrohung lässt das lyrische Du den Wind als etwas Positives und Angenehmes erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung – Leben und Schreiben im Realsozialismus: Dieses Kapitel erläutert die politisch-gesellschaftliche Situation unter dem Realsozialismus und beschreibt die Zensur als Mittel staatlicher Kontrolle über die Literatur.
1. Lyrik aus der DDR: Dieser Abschnitt widmet sich der Biografie von Sarah Kirsch und der spezifischen Analyse ihres Gedichtes „Von meinem Haus“ unter dem Aspekt der Zensur und künstlerischen Freiheit.
2. Polnische Lyrik: Hier wird der Lebensweg von Adam Zagajewski skizziert und sein Gedicht „Kleines Lied von der Zensur“ in Bezug auf seinen ironischen Umgang mit der Zensur analysiert.
Fazit – literarische Zensur: Das Fazit fasst die vergleichenden Erkenntnisse zusammen und betont den Einfluss des realsozialistischen Systems auf die Literatur und das Leiden der Autoren unter der psychischen Gewalt der Zensur.
Schlüsselwörter
Realsozialismus, Lyrik, Zensur, Sarah Kirsch, Adam Zagajewski, Künstlerische Freiheit, Literarische Zensur, DDR, Polen, Widerstand, Politische Lyrik, Ironie, Repression, Individuum, Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Lyriker in realsozialistischen Systemen durch staatliche Zensur in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt wurden und wie sie dies in ihrer Dichtung verarbeiteten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen den Einfluss staatlicher Ideologien, die psychische Belastung durch Zensur sowie die literarische Ausdrucksweise von Protest.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich, wie zwei verschiedene Autoren – Sarah Kirsch aus der DDR und Adam Zagajewski aus Polen – auf die Repressionen ihres jeweiligen Staates reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Literaturanalyse, bei der strukturelle und inhaltliche Aspekte der ausgewählten Gedichte gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Biografien der Dichter und dann die spezifischen Interpretationen der Gedichte „Von meinem Haus“ und „Kleines Lied von der Zensur“ detailliert ausgeführt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Realsozialismus, Zensur, künstlerische Freiheit, Ironie und politischer Protest zusammenfassen.
Warum verwendet Sarah Kirsch eine so metaphorische Sprache?
Die metaphorische Sprache dient ihr als Mittel, um ihre Kritik am Regime zu verschleiern und so ein Veröffentlichungsverbot durch die Zensurbehörden zu umgehen.
Wie unterscheidet sich Zagajewskis Umgang mit der Zensur von dem Kirschs?
Während Kirschs Ich seine Verzweiflung eher dramatisiert und mit Naturmetaphern arbeitet, nutzt Zagajewski eine kühlere, ironisch-distanzierte Haltung, um die Absurdität der Zensur durch eine Beamtin darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Nika B. (Autor:in), 2017, Dissidenz und Kritik am Realsozialismus in der Lyrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432066