Wie Schule soziale Ungleichheit beeinflusst


Essay, 2016

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Modulabschlussprüfung/ benoteter Leistungsnachweis

Verfassername: Daniel Stahl

Titel des Seminars: BW-E/Sb1, Bildungssystem und Organisation/Schule

und Organisation

Datum: 11.02.2016

Titel des Essays:

Wie wird soziale Ungleichheit definiert und wie wird sie durch die Institution Schule beeinflusst?

Zusammenfassungen von ausgewählten Beiträgen zur Erklärung allgemeiner Chancenungleichheit im Bezug auf das deutsche Bildungssystem und den daraus resultierenden Bildungsverlierern mit dem Fokus auf Migranten.

In diesem Essay geht es grundlegend um soziale Ungleichheit, begleitet von den Fragen, durch welche Rahmenbedingungen, Faktoren und Einflüsse sie produziert wird und wie die Institution Schule diese sozialen Ungleichheiten weiterführt und reproduziert. Dabei kommen weiterführende Fragen auf, die sich mit Bildungsentscheidungen von sozial Schwächeren, Bildungsverlierern, Migranten, organisierter Ungleichheit und den Lebenschancen benachteiligter Randgruppen beschäftigen. Das Essay beschreibt substantiell die Definition von sozialer Ungleichheit und die Entstehung von ungleichen Lebenschancen auf Grundlage organisierter Ungleichheit im bestehenden selektiven Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland. Um eine fundierte Aussagekraft zur Selektionsfunktion des Bildungssystems zu gewährleisten, werden Aspekte zur Selektion im Bildungssystem erwähnt.

Man kann im Zuge der Migrationswelle von Flüchtlingen und der resultierenden aktuellen Bildungsdebatte diesem Essay eine außerordentliche Relevanz zusprechen, weil Flüchtlinge zukünftig beschult werden müssen und vor allem der Berufserfolg von Migranten durch die Institution Schule bestimmt werden soll. Nicht nur für mich als einzelne Person, sondern auch für die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist es eine große Herausforderung mit dem Flüchtlingsdilemma umzugehen. Das ist ein weiterer Grund den Fokus auf Migranten und deren Bildungschancen zu setzen.

Da jede Lehrkraft in naher Zukunft verstärkt mit Flüchtlingen und Migranten in Kontakt tritt und für diese Bildungsentscheidungen treffen muss, ist es mir ein Anliegen, mich mit diesem Thema vertiefend zu beschäftigen um es für mich selbst transparenter und verständlicher zu machen.

Mit meiner eigenen Meinung möchte ich eine persönliche Stellungnahme bezüglich dieses Themas beziehen und mich als angehende Lehrkraft dazu äußern.

Sehr wichtig ist es mir zu schildern, wie ich die Determinanten des Schulsystems in Kooperation mit anderen Lehrkräften anfechten könnte, und was ich selbst als alleine Lehrkraft dagegen unternehmen würde, dass Migranten weniger stark diskriminiert und benachteiligt werden.

Es geht mir dabei im Wesentlichen darum, mich dem Problem zu stellen, es kritisch zu hinterfragen und auf meine eigene Lehrerpersönlichkeit zu reflektieren.

Um einen Einstieg in das Thema „soziale Ungleichheit“ zu schaffen habe ich mich auf zwei Definitionen von sozialer Ungleichheit beschränkt. Zunächst habe ich mich auf die Definition von Dahrendorf bezogen, um einleitend zu beschreiben, dass Individuen Unterschiede hinsichtlich ihrer Lebensverhältnisse aufweisen.

Die vier Formen der Verschiedenartigkeit der Menschen

Menschen sind von Geburt an nicht homogen und unterscheiden sich in verschiedenen Formen. Ralf Dahrendorf (Organisierte Ungleichheit, 2007, S.58 ff) unterscheidet dabei die natürlichen Verschiedenartigkeiten des Aussehens, der Charaktere und der jeweiligen spezifischen Interessen. Die Intelligenz, die Talente und die Kräfte seien unterschiedlich und auf soziale und genetische Ursachen zurückzuführen. Zudem spielen die sozialen Differenzierungen gleichwertiger beruflicher Positionen in einer Gesellschaft und die soziale Schichtung der Gesellschaftsmitglieder eine wesentliche Rolle. Individuelle Positionen innerhalb der hierarchischen Sozialstruktur und deren Rangfolge bestimmten die Statusordnung und würden über Prestige und die Inanspruchnahme von Rechten und Gütern entscheiden. Materielle und kulturelle Ressourcen, Haushalts- und Familienformen, Wohn- und Konsumbedingungen, sowie Werthaltungen und kollektive Mentalitäten würden über das Ausmaß an Lebenschancen entscheiden. Zusätzlich spielen das soziale Milieu, der sozioökonomische Status der Eltern, sowie der ethnische und religiöse Hintergrund eine wichtige Rolle bei der Differenzierung von Menschen.

Anhand der genannten Aspekte kann man feststellen, dass Menschen verschiedene hierarchische Ränge einnehmen, die durch unterschiedliche Ursachen bestimmte werden. Unterschiedliche Ränge in einer Hierarchie führen zwangsweise zu einer Differenzierung von Individuen in ihren Lebensverhältnissen.

Um einen grundlegenderen Einblick in die soziale Ungleichheit gewährleisten zu können, werden im weiteren Verlauf herkunftsspezifische Unterschiede angeführt, welche die Verschiedenartigkeiten der Menschen hinsichtlich ihres Bildungserfolges ausführlich beschreiben.

Dieser Abschnitt geht auf die sozialen Schichten und ihre Unterschiede ein, um zu verstehen, dass soziale Ungleichheit existiert, gegenwärtig präsent ist und wesentlich auch von Bildungserfolgen abhängt.

Die primären und sekundären Herkunftseffekte nach Boudon

Eine Theorie herkunftsspezifischer Unterschiede im Bezug auf Selektionsentscheidungen führte Boudon im Jahr 1974 an. (Bildungsentscheidungen, 2009, S. 38 ff)

Ökonomische Disparitäten seien Erklärungsmuster für die Entstehung sozialer Disparitäten. Dabei seien auch individuelle Entscheidungen eine Erklärung für soziale Ungleichheit. Gezeigte schulische Leistungen seien Produkt für die weiteren Bildungsentscheidungen von Kindern, die dann weiterführend den Selektionsmechanismus des Bildungssystems in Gang setzen würden. Elternwille und leistungsbezogene Voraussetzungen seien Indikatoren für den Entschluss auf die nächsthöhere Schulform. Leistungsunterschiede seien auf die Sozialschicht zurückzuführen und vor allem von unterschiedlichen Ausstattungen von Familien mit sozialem, ökonomischen und kulturellem Kapital abhängig. Kompetenzentwicklungen von Kindern seien so stark durch Statusunterschiede bestimmt, sodass man von schichtspezifischen habitualisierten Lerngewohnheiten sprechen könne, die wiederum direkt den Zugang zu schulischen Ressourcen, die Wertschätzung von Lernen und Bildung beeinflussen. Kompetenzentscheidungen werden demnach im Kontext der eigenen sozialen Stellung getroffen und würden Rückschlüsse auf die Schichtzugehörigkeit zulassen.

Zusammenfassend würde die soziale Herkunft von der Sozialisation im Elternhaus (kognitiven Fähigkeiten, soziale Fähigkeiten und Schulleistungen), den Kosten der Bildung (Investitionskosten, Opportunitätskosten) und den Bildungsrenditen (Erwartungen, soziale Aufstiege und Motive des Statuserhalts) bestimmt werden. Boudon unterscheidet primäre (Erfolgswahrscheinlichkeit in Abhängigkeit vom sozialen Status) und sekundäre Herkunftseffekte (Bildungsentscheidungen in Abhängigkeit vom sozialen Status), die zur sozialen Ungleichheit von Bildungschancen führen würden.

Boudon bestätigt mit seinen Thesen, dass soziale Ungleichheit nicht nur durch Sozioökonomien, hierarchische Ränge, Materialitäten oder von verschiedenen Rechten, die eine Person ergreifen kann, sondern auch von den Bildungschancen, die man selbst erfährt, produziert wird. Schlechte Bildungschancen führen demnach zu einer Benachteiligung derjenigen, die diese Bildungschancen erfahren.

Diese Definitionen beschreiben die Realität und die Verschiedenartigkeiten in unserer Gesellschaft. Diese sind nicht immer fair und gerecht, weshalb man ein Gesetz eingeführt hat, dass für Chancengleichheit plädiert und diese erhalten soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Wie Schule soziale Ungleichheit beeinflusst
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V432091
ISBN (eBook)
9783668742161
ISBN (Buch)
9783668742178
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, ungleichheit
Arbeit zitieren
Daniel Stahl (Autor), 2016, Wie Schule soziale Ungleichheit beeinflusst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432091

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