Wie entsteht eigentlich Machtbildung in der Gesellschaft? Was ist Macht überhaupt und wie entsteht dadurch eine Hierarchie sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Institution Schule? Diese Fragen rund um das Thema "Macht" werden in dieser Arbeit erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen von Macht
3. Prozesse der Machtbildung
4. Hierarchiebildung mit Bezug zur Institution Schule
5. Projektschule „Demokratische Schule Berlin“
6. Fazit und Selbstreflektion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Mechanismen der Macht- und Hierarchiebildung und deren spezifische Manifestation innerhalb der Institution Schule. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Grundlagen zu analysieren, wie Machtverhältnisse entstehen, welche Konsequenzen diese für die schulische Organisation haben und inwieweit alternative demokratische Schulkonzepte diesen Strukturen erfolgreich entgegenwirken können.
- Grundlagen der Machttheorie nach Norbert Elias und Parsons
- Entstehung informeller und formeller Hierarchien in sozialen Systemen
- Stigmatisierung und Machtgefälle in Peergroup-Strukturen der Schule
- Asymmetrische Machtverteilung zwischen Schulleitung, Lehrkräften und Schülern
- Kritische Evaluation demokratischer Schulmodelle als Gegenentwurf zur Hierarchie
Auszug aus dem Buch
Hierarchiebildung mit Bezug zur Institution Schule
Um vorgegebene Strukturen innerhalb eines Systems, die zwischen höheren und niederen Positionen entscheiden, hervorzubringen bedarf es einer Hierarchie, welche sich in verschiedenen Phasen bildet. Zunächst konstituiert sich eine Machtgruppe informell auf der Ebene eines lockeren Kontaktnetzes, um ihre gemeinsamen Werte und spezifischen Interessen zu vertreten. Anschließend wird ein innerer Kern, zu dem nur wenige Vertreter Zugang haben kontrolliert. Nur zugelassene Vertreter erhalten Zutritt auf dem Weg zu diesem inneren Kern, auf dem zugleich separiert wird. Ausgeschlossenen wird der Zutritt verweigert, wodurch der innere Kern weniger Konkurrenz zu befürchten hat. Das hilft ihm nicht nur bei der Auswahl der Personen des inneren Kerns, sondern auch um Verteidigungsrichtlinien nach außen zu errichten. Darauf folgend entsteht eine formelle Hierarchie, die Angehörige des inneren Kerns aufbauen. Diese können sich besser organisieren und erhalten dadurch einen Vorsprung gegenüber den Ausgeschlossenen.
Nach einer gewissen Zeit besetzen die Vertreter des inneren Kerns die Führungspositionen. Jeder der anschließend an diese Führungsposition gelangen möchte, wird abgewiesen und degradiert. Die anderen Führungspositionen werden danach besetzt, indem die übrigen Vertreter des inneren Kreises rekrutiert werden. Sobald alle Positionen des inneren Kreises besetzt sind, kann er sich vom äußeren Kreis entfernen und den eigenen Interessen nachgehen. Dadurch trennen sich auch die Wege und die Ziele des inneren und des Kreises.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Macht- und Hierarchiebildung und Skizzierung der Zielsetzung, inklusive der Vorstellung des gewählten Projektschulbeispiels.
2. Definitionen von Macht: Herleitung einer für die Institution Schule relevanten Machtdefinition, basierend auf der Fähigkeit zur gezielten Einflussnahme und der autoritären Durchsetzung von Entscheidungen.
3. Prozesse der Machtbildung: Analyse der soziologischen Mechanismen, durch die soziale Gruppen Machtgefälle und Stigmatisierungen erzeugen, um ihre eigene Position innerhalb eines Systems zu festigen.
4. Hierarchiebildung mit Bezug zur Institution Schule: Untersuchung der Entstehungsphasen von Hierarchien und deren Übertragung auf die asymmetrische Struktur des Schulwesens mit der Schulleitung als zentralem Akteur.
5. Projektschule „Demokratische Schule Berlin“: Vorstellung eines Pilotprojekts, das durch demokratische Partizipation und die Aufhebung klassischer Machtstrukturen versucht, Hierarchien abzubauen.
6. Fazit und Selbstreflektion: Kritische Auseinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit von Hierarchiefreiheit im Schulkontext und Reflexion über notwendige Mitspracherechte bei gleichzeitiger Wahrung organisatorischer Stabilität.
Schlüsselwörter
Machtbildung, Hierarchiebildung, Institution Schule, Soziologie, Machtgefälle, Stigmatisierung, Schulleitung, Demokratische Schule, Partizipation, Autorität, Peergroup, soziale Position, Machtasymmetrie, Schulwesen, Entscheidungsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologischen Ursprünge von Macht- und Hierarchiebildung und untersucht, wie diese theoretischen Erkenntnisse die Machtverhältnisse im deutschen Schulsystem erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Machttheorien von Norbert Elias und Parsons, die Dynamik von Gruppenstigmata in Schulen sowie die organisatorische Struktur der Institution Schule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, wie Macht in der Schule ausgeübt wird, welche Konsequenzen dies für Hierarchien hat und ob demokratische Alternativschulen eine tragfähige Lösung gegen diese Strukturen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die soziologische Fachliteratur zur Machtbildung mit aktuellen institutionellen Rahmenbedingungen (z.B. Schulgesetz) verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Machtbildung, die Analyse der schulischen Hierarchiestrukturen und die Fallstudie eines demokratischen Schulprojekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Machtgefälle, Hierarchie, Stigmatisierung, Institution Schule und Partizipation charakterisiert.
Warum hält der Verfasser eine komplette Aufhebung der Hierarchie für schwierig?
Der Autor argumentiert, dass eine vollständige hierarchiefreie Schule organisatorische und betriebswirtschaftliche Risiken birgt und dass bestehende soziale Dynamiken Hierarchien oft unterbewusst reproduzieren.
Welche Rolle spielt die Schulleitung laut der Arbeit?
Die Schulleitung fungiert als zentraler Machtknotenpunkt, der über eine formell legitimierte Verfügungsgewalt gegenüber Lehrkräften, Schülern und weiterem Personal verfügt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Stahl (Autor:in), 2016, Prozesse der Macht- und Hierarchiebildung mit Bezug zur Institution Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432092