Das bedingungslose Grundeinkommen ist in aller Munde. Was ist das bedingungslose Grundeinkommen genau und ist es überhaupt ein gerechtes politisches Instrument zur finanziellen Grundabsicherung eines Menschen?
Diese Arbeit nimmt das bedingungslose Grundeinkommen als ein möglicherweise gerechtfertigtes politisches Instrument anhand der weltweit vielbeachteten Theorie der Gerechtigkeit als Fairness von John Rawls in Form eines fiktiven Interviews mit dem Philosophen unter die Lupe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung des bedingungslosen Grundeinkommens
3. Contra dem bedingungslosen Grundeinkommen
4. Ist das bedingungslose Grundeinkommen ethisch gerecht & fair? Ein fiktives Gespräch mit John Rawls
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) auf seine ethische Rechtfertigung hin. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, ob ein solches Existenzsicherungskonzept den Ansprüchen eines würdevollen, freiheitlichen und gerechten Lebens innerhalb einer Gesellschaft unter Rückgriff auf die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls gerecht werden kann.
- Historische Einordnung und Begriffsbestimmung des bedingungslosen Grundeinkommens
- Analyse kritischer Gegenpositionen und ökonomischer Bedenken
- Ethische Bewertung durch die Brille der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls
- Diskussion des "Urzustands" und des "Schleiers des Nichtwissens" im Kontext des BGE
- Vergleich des BGE mit dem aktuellen Hartz-4-Konzept als soziale Alternative
Auszug aus dem Buch
4. Ist das bedingungslose Grundeinkommen ethisch gerecht & fair? Ein fiktives Gespräch mit John Rawls
Autor: „Herr Rawls, Sie haben eine, wenn nicht sogar die philosophisch bedeutsamste, Theorie der Gerechtigkeit (1971) entwickelt. Inwieweit kann das in vieler Munde beliebte Konzept des bedingungslosen Grundeinkommen Ihrem theoretischen Verständnis von Gerechtigkeit entsprechen?“
Rawls: „Zunächst einmal hat das bedingungslose Grundeinkommen mit meiner Konzeption der Gerechtigkeit eine Gemeinsamkeit. Das BGE ist bislang nur eine Idee. Einige Projektversuche hat es zwar bereits gegeben bzw. diese laufen wie beispielsweise in Finnland noch. Eine konkrete, dauerhafte und allgemeine Umsetzung in einem Staat fehlt bislang noch. Worauf ich hinaus möchte, ist der gemeinsame Ausgangspunkt beider Konzepte. In meiner Gerechtigkeitstheorie spreche ich vom so genannten Urzustand.“
Autor: „Das klingt interessant, was verstehen Sie genau darunter?“
Rawls: „Als Urzustand bezeichne ich eine abstrahierte Ebene, wo die bisherigen pluralen Auffassungen zur Gerechtigkeit erst einmal zurück gestellt werden. Ziel meiner Theorie ist es zu einer bestimmten Gerechtigkeitsvorstellung in einem Staat zu kommen. Dieser Urzustand korrespondiert mit dem von mir bezeichneten Schleier des Nichtwissens, wo im Wesentlichen kein Gesellschaftsmitglied seine gesellschaftliche Stellung, seine Milieuzugehörigkeit, seinen Status sowie sein Los bei der Verteilung der natürlichen Gaben wie Intelligenz oder Physis vorab kennt. Des Weiteren kennen sie nicht mal die Vorstellung vom Guten und ihre psychologischen Neigungen. Damit schließe ich vorab alle natürlichen und gesellschaftlichen Einflüsse aus, die die daraus resultierende Gerechtigkeitsvorstellung aller Beteiligten beeinflussen könnte. Diese Ausgangsbasis zur Ermittlung eines gemeinsamen Gerechtigkeitsverständnis nenne ich fair, da niemand bei der Verhandlung von Gerechtigkeitsgrundsätzen seinen persönlichen Neigungen und seiner Vorstellung vom Guten oder Bösen bei der Entscheidung folgen kann.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen ein, beleuchtet das Scheitern des Schweizer Volksentscheids und hinterfragt die ethische Legitimation des Konzepts.
2. Begriffsklärung des bedingungslosen Grundeinkommens: Das Kapitel definiert den Begriff des BGE, zeigt historische Wurzeln auf und erläutert die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle von Vertretern wie Götz W. Werner und Thomas Straubhaar.
3. Contra dem bedingungslosen Grundeinkommen: Hier werden kritische Stimmen und empirische Bedenken wie sinkendes Arbeitsvolumen, moralische Arbeitspflichten und die Gefahr gesellschaftlicher Spaltung durch Autoren wie Höffe, Alt und Nida-Rümelin zusammengefasst.
4. Ist das bedingungslose Grundeinkommen ethisch gerecht & fair? Ein fiktives Gespräch mit John Rawls: In einem simulierten Dialog wird das BGE mithilfe von Rawls' Theorie des Urzustands und des Schleiers des Nichtwissens gegenüber dem Hartz-4-System als ethisch überlegen bewertet.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Rawls' Konzept eine geeignete Abstraktionsebene bietet, um das BGE jenseits menschlicher Vorurteile als ein Instrument zur Verbesserung der sozialen Verteilungsgerechtigkeit zu prüfen.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Hartz-4, soziale Gerechtigkeit, Arbeitsgesellschaft, Existenzsicherung, Sozialethik, Wirtschaftsethik, Umverteilung, Arbeitsmarkt, Freiheit, Existenzminimum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) unter ethischen Gesichtspunkten als ein gerechtes und faires Existenzsicherungskonzept für eine moderne Gesellschaft angesehen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen und begrifflichen Klärung des BGE, der Analyse der ökonomischen Gegenargumente sowie der Anwendung philosophischer Gerechtigkeitsprinzipien auf sozialpolitische Fragen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das BGE mithilfe der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls auf seine ethische Validität zu prüfen und es dem aktuellen Hartz-4-Modell gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und ein fiktives philosophisches Gespräch als Methode, um komplexe Gerechtigkeitstheorien auf die praktische Frage des BGE anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, die Darstellung konträrer Positionen aus Wirtschaft und Philosophie sowie die theoretische Herleitung der Gerechtigkeit eines BGE durch das Gedankenexperiment des "Urzustands".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das bedingungslose Grundeinkommen, John Rawls' Gerechtigkeitstheorie, der Schleier des Nichtwissens, soziale Sicherung und die ethische Bewertung von Erwerbsarbeit.
Warum wird im Buch ein fiktives Gespräch mit John Rawls geführt?
Das fiktive Gespräch dient dazu, die abstrakte Gerechtigkeitstheorie von Rawls konkret auf die aktuelle politische Debatte um das BGE anzuwenden und für den Leser anschaulich zu machen.
Wie bewertet Rawls laut dem Autor das Hartz-4-System im Vergleich zum BGE?
Im fiktiven Gespräch kommt Rawls zu dem Schluss, dass rationale Akteure hinter dem "Schleier des Nichtwissens" das BGE bevorzugen würden, da das Hartz-4-System mit einer stigmatisierenden Bedürftigkeitsprüfung und einer Pflicht zur Annahme von Erwerbsarbeit verbunden ist.
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- Dipl.-Kfm. (FH), Master of Arts (Univ.) Jörg Löschmann (Autor), 2018, Das bedingungslose Grundeinkommen. Ethisch gerecht und fair?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432114