Innerhalb der Onomastik bilden die den Toponymen zugeteilten Ortsnamen eine wichtige und umfangreiche Kategorie für die Untersuchung sprachlicher und in besonderem Maße siedlungsgeschichtlicher Entwicklungen. Zwar reicht die Ortsnamengebung zeitlich nicht so weit zurück wie die Benennungen von Gewässernamen, die zum Teil aus indoeuropäischer Zeit stammen und als älteste Bezeichnungen für landschaftliche Erscheinungen durch den Menschen gelten dürfen, doch können Ortsnamen bzw. deren Vergleich einen nützlichen Aufschluss über Siedlungsbewegungen und Gründungszeiten von Siedlungen und Städten geben. Nicht zuletzt spiegeln Ortsnamen die Sprachgeschichte wider, denn anhand ihrer kann man die einzelnen Sprachstufen einer Sprache nachvollziehen und darüber hinaus fremdsprachliche Einflüsse oder Wurzeln erkennen.
Neben den Ortsnamen germanischen Ursprungs sind auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands besonders im Westen und Südwesten gelegene Orte mit Namen keltischer und romanischer Herkunft belegbar. Dazu tauchen vereinzelt niederländischstämmige Ortsnamen auf, die durch Ansiedlung niederländischer Handwerker und Bauern z.T. weit östlich im so genannten Fläming liegen. In Ostbayern und vor allen Dingen östlich der Elbe und der Saale – die beiden Flüsse bildeten als Linie gedacht die Ostgrenze des fränkischen Reiches unter den Karolingern – finden sich zahlreiche Orte, die slawische Wurzeln aufweisen. Aber auch unweit der westlichen Ufer dieser Flüsse sind Ortsnamen altsorbischer Provenienz anzutreffen.
Diese Hausarbeit wird nun versuchen, einen Überblick über die Bildung altsorbischer Ortsnamen zu geben. Als Untersuchungsgebiete stehen dabei mit Hilfe der umfangreichen Arbeiten von Inge Bily sowie Ernst Eichler und Hans Walther das Mittelelbegebiet und der Raum zwischen mittlerer Saale und Weißer Elster zur Verfügung. Politisch-administrativ umfasst das Mittelelbegebiet heute die Kreise Schönebeck, Rosslau, Zerbst, Köthen, Dessau, Wittenberg, Torgau und Teile des Kreises Gräfenhainichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Siedlungsgeschichte
2. Zur Überlieferung der Ortsnamen
2.1 Die Quellen
2.2 Zur Problematik der Identifizierungen
3. Die Bildung der altsorbischen Ortsnamen
3.1 Ortsnamen aus Appellativen
3.1.1 Bildungen aus Nomina
3.1.1.1 Namenbildung durch semantische Wortbildung
3.1.1.2 Suffixderivation
3.1.1.3 Verbindung von Präfix + Appellativum (+ Suffix)
3.1.1.4 Verbindung von Nomen + Nomen
3.1.2 Bildungen aus Verben
3.2 Ortsnamen aus Personennamen
3.2.1 Possessivische Ortsnamen
3.2.2 Patronymische Ortsnamen
3.2.3 Pluralbildungen von PN als ON
3.3 Bewohnernamen
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über die Bildung altsorbischer Ortsnamen im Mittelelbegebiet sowie in der Region zwischen mittlerer Saale und Weißer Elster, um die siedlungsgeschichtlichen Hintergründe und sprachlichen Wurzeln dieser Toponyme zu beleuchten.
- Siedlungsgeschichte der slawischen Stämme im Elbe-Saale-Raum
- Quellenkritische Untersuchung zur Überlieferung mittelalterlicher Ortsnamen
- Morphologische Analyse der Ortsnamenbildung aus Appellativen
- Klassifizierung der Ortsnamen aus Personennamen
- Untersuchung der Entstehung von Ortsnamen aus Bewohnernamen
Auszug aus dem Buch
3.1.1.4 Verbindung von Nomen + Nomen
Ausschließlich im Mittelelbegebiet tauchen Ortsnamen dieses Typs auf, die aus der Verbindung Adjektiv + Nomen bestehen.
ME: aso. *Černy gał zu aso. *černy ‛schwarz’ und wahrsch. russ. gal ‛baumlose Gegend’
1380 Czernegal (SAW Cop.) … 1442 Zcernegal (SAW Reg.), 1528/1533 Zernigall (RK), 1551 Czernigall (SAD LSR), 1752 Zornigall (Schenk), 1791 Zornigal (AVS) – ZÖRNIGALL
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die onomastische Bedeutung von Ortsnamen als siedlungsgeschichtliche Zeugen und Vorstellung der Untersuchungsgebiete.
1. Siedlungsgeschichte: Darstellung der Besiedlung des Elbe-Saale-Gebietes durch sorbische Stämme und deren spätere Assimilation durch die deutsche Ostexpansion.
2. Zur Überlieferung der Ortsnamen: Analyse der schriftlichen Quellenlage sowie der methodischen Herausforderungen bei der Identifizierung historischer Ortsnamen.
3. Die Bildung der altsorbischen Ortsnamen: Hauptteil der Arbeit, der die morphologischen Strukturen und Ableitungsformen der Ortsnamen kategorisiert.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Namengebung und der siedlungsgeschichtlichen Entwicklung in den untersuchten Regionen.
Schlüsselwörter
Altsorbisch, Ortsnamen, Onomastik, Mittelelbegebiet, Saale-Elster-Raum, Suffixderivation, Siedlungsgeschichte, Appellative, Personennamen, Patronymika, Possessivbildungen, Bewohnernamen, Assimilation, Ostexpansion, Toponyme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bildung und Herkunft altsorbischer Ortsnamen in den Untersuchungsgebieten Mittelelbegebiet sowie zwischen mittlerer Saale und Weißer Elster.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Siedlungsgeschichte der Slawen in diesen Regionen, die etymologische Herleitung der Ortsnamen sowie die Klassifizierung nach bildungssprachlichen Kriterien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Mechanismen der altsorbischen Ortsnamenbildung zu geben und damit einen Einblick in die onomastische Forschung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse von Namensbelegen aus historischen Urkunden, Lehnbüchern und weiteren schriftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Ortsnamen, die aus Appellativen, Personennamen und Bewohnernamen abgeleitet wurden, wobei verschiedene Suffixe und Wortbildungstypen untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Altsorbisch, Onomastik, Suffixderivation, Siedlungsgeschichte und Toponyme.
Was unterscheidet das Mittelelbegebiet vom Saale-Elster-Raum in der Ortsnamenbildung?
Ein Unterschied ist beispielsweise das Auftreten von Ortsnamen aus der Verbindung von Nomen + Nomen, die ausschließlich im Mittelelbegebiet gefunden wurden.
Warum ist die Identifizierung der Ortsnamen oft schwierig?
Schwierigkeiten ergeben sich durch den Sprachwandel, Schriftzerfall, Wüstungen und die Unsicherheit, ob ein Name als Ortsname, Flurwüstung oder Holzmark zu klassifizieren ist.
Welche Rolle spielen Personennamen bei der Ortsnamenbildung?
Personennamen dienen oft als Basis für possessivische oder patronymische Ortsnamen, die meist durch spezifische Suffixe abgeleitet werden.
- Arbeit zitieren
- Erik Springstein (Autor:in), 2005, Die Bildung der altsorbischen Ortsnamen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43218