Bereits 1979 stellte ANSOFF fest, dass die Unternehmensumwelt in zunehmendem Maße komplexer wird, sich schnell verändert und immer wieder Neues bringt. Gleichzeitig werden auch die Unternehmen immer größer, komplexer, so dass sie in vielen verschiedenen Ländern und Geschäftsbereichen aktiv sind.
ALBACH nennt vier Faktoren für eine turbulenter werdende Unternehmensumwelt :
- Aufgrund der stark gestiegenen Einkommen und der erfüllten Grundbedürfnisse wird die Voraussagbarkeit der Kaufströme erschwert.
- Die verminderten Wachstumsraten führen zu schnellen Veränderungen der Kaufströme.
- Der internationale Wettbewerb wirkt sich negativ auf die inländische Verteilungssituation aus.
- Die Möglichkeiten der Wirtschaftspolitik von Seiten der Regierung sind nur gering und können die Lage nur wenig verbessern.
HINTERHUBER sieht in der heutigen Welt eine einzige konstante Größe: „Die Beschleunigung der Veränderung.“ Er schlägt als Lösung eine langfristige, strategische Planung vor. Dem widerspricht SCHREYÖGG. Er hält es für gefährlich, gerade in turbulenten Zeiten eine langfristige Mittelbindung einzugehen, da das Unternehmen dadurch an Flexibilität verliert.
Welcher Ansatz ist vernünftig? Mehr Bindung oder mehr Planung?
An diesem Punkt setzt die Szenario-Technik an: Sie geht nicht von einer, sondern von mehreren möglichen Zukünften aus, die Szenarien genannt werden. Auf dieser Grundlage kann die Unternehmensführung eine robuste Strategie entwickeln, die in mehreren Zukünften Erfolg versprechend ist. Darüber hinaus können Strategien entworfen werden, auf die bei alternativen Umweltentwicklungen umgeschwenkt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Vorgehen
2. Das Konzept des Strategischen Managements
2.1 Grundlagen
2.1.1 Definition wichtiger Begriffe
2.1.1.1 Unternehmensziele
2.1.1.2 Der Strategiebegriff
2.1.1.3 Der Begriff der Planung
2.1.1.4 Der Begriff der Kontrolle
2.2 Der Weg zur Langfristplanung
2.3 Die Strategische Planung
2.4 Die Strategische Kontrolle
2.4.1 Die Strategische Prämissenkontrolle
2.4.2 Die Strategische Durchführungskontrolle
2.4.3 Die Strategische Überwachung
2.5 Das Strategische Management
2.5.1 Anfänge
2.5.2 Ein moderner Ansatz von Kirsch
2.5.2.1 Drei Generationen des Strategischen Managements
2.5.2.2 Die geplante Evolution
3. Die Szenario-Technik
3.1 Begriff und Definition
3.2 Anforderungen an die Szenariotechnik
4. Instrumente im Rahmen der Szenario-Technik
4.1 Grundlagen
4.2 Direkte und indirekte Abhängigkeiten zwischen Variablen
4.2.1 Die Einflussanalyse
4.2.2 Die MIC-MAC-Analyse
4.2.3 Cross-Impact-Analyse
4.3 Die Konsistenzanalyse
4.4 Die Delphi-Methode
4.5 Morphologischer Kasten
4.6 Simulationen
4.7 Relevanzbaum- oder Entscheidungsbaummethode
5. Die Ursprünge der Szenario-Technik
5.1 Übersicht
5.2 Der Ansatz von Kahn und Wiener
5.3 Der Ansatz der Shell-Gruppe
6. Weiterentwicklungen der Szenario-Technik
6.1 Formative Szenarioanalyse nach Scholz und Tietje
6.1.1 Grundlagen
6.1.2 Ablauf
6.1.3 Bewertung des Ansatzes von Scholz und Tietje
6.2 Intuitive Szenarioanalyse nach SRI-International
6.2.1 Ablauf
6.2.2 Bewertung des Ansatzes der SRI-International
6.3 Modellgestützte Szenarioanalyse nach dem Battelle-Institut
6.3.1 Grundlagen
6.3.2 Ablauf nach von Reibnitz
6.3.3 Bewertung des Ansatzes von von Reibnitz
6.3.4 Ergänzende Überlegungen von Mißler-Behr
6.3.4.1 Ablauf
6.3.4.2 Forschungsschwerpunkt
6.3.4.3 Bewertung der Überlegungen von Mißler-Behr
7. Zwischenbetrachtung
7.1 Eigene Überlegungen
7.2 Kritikpunkte an der bisherigen Herangehensweise durch die Paderborner
8. Paderborner Ansatz
8.1 Grundlagen
8.2 Szenarioentwicklung
8.2.1 Vorbereitung
8.2.2 Analyse des Szenariofeldes
8.2.3 Szenario-Prognostik
8.2.4 Szenariobildung
8.3 Szenariotransfer
8.3.1 Kommunikation der Szenarien
8.3.2 Entwicklung einer zukunftsrobusten Strategie
8.3.2.1 Optionsentwicklung
8.3.2.2 Strategiefindung
8.3.2.3 Strategieformulierung
8.3.3 Nutzung der Szenarien in der strategischen Frühaufklärung
8.4 Weitere Einsatzmöglichkeiten der Szenarien
8.4.1 Einsatz von Szenarien im strategischen Marketing
8.4.2 Einsatz von Szenarien im Produkt- und Technologiemanagement
8.4.3 Einsatz von Szenarien bei der strategischen Ausrichtung einer Organisation mit Geschäftsmodellen
8.5 Bewertung des Paderborner Ansatzes
9. Beurteilung der Szenario-Technik
9.1 Stärken der Szenario-Technik
9.1.1 Grundsätzliche Stärken der Szenario-Technik
9.1.2 Weitere Stärken der Szenario-Technik
9.2 Schwächen der Szenario-Technik
10. Schluss
10.1 Zusammenfassung
10.2 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Szenario-Technik als Instrument im strategischen Management, um Unternehmen in einer zunehmend komplexen und dynamischen Umwelt bei der strategischen Entscheidungsfindung und langfristigen Existenzsicherung zu unterstützen. Die Arbeit analysiert dabei verschiedene Ansätze zur Szenario-Erstellung und bewertet deren Praxistauglichkeit hinsichtlich der Bewältigung von Unsicherheit, Komplexität und Ignoranz.
- Grundlagen des strategischen Managements und Begriffsdefinitionen
- Methodische Instrumente innerhalb der Szenario-Technik (Einfluss-, Konsistenz-, Delphi-Analyse)
- Historische Ursprünge der Szenario-Technik (Kahn & Wiener, Shell)
- Weiterentwicklungen und spezifische methodische Ansätze (Scholz/Tietje, SRI, Battelle, Paderborner Ansatz)
- Kritische Bewertung der Ansätze und deren Integration in das Management
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriff und Definition
Die allgemeine Definition von OBERKAMPF ist weiterhin gültig: „Die Szenario-technik ist eine integrierte, systematische und vorausschauende Betrachtung, bei der ausgehend von einer heutigen Situation, unter Zugrundelegung und Beachtung des zeitlichen Bezugs plausibler Entwicklungen und Ereignisse, das Zustandekommen und der Rahmen zukünftiger Situationen aufgezeigt werden sollen.“85
Szenarien sind das Ergebnis systematischer Versuche, komplexe Stellungnahmen über die zukünftigen Umweltbedingungen für ein Unternehmen zu entwickeln. Das kann von einem kurzen, nur wenige hundert Worte umfassenden Bericht, bis zu einer umfangreichen Beschreibung reichen.86
Der Begriff Szenario entstammt dem Theater und meint Bühnenbild und Kulisse. Das Szenario ist der Rahmen in dem das Theaterstück aufgeführt wird. Davon abgeleitet, stellt das Szenario die Rahmenbedingungen dar, mit denen ein Unternehmen zurechtkommen muss. Dazu zählen u. a. Gesetze, Märkte, Mitbewerber, Struktur des Unternehmens.87
Die Entwicklung der näheren Zukunft – je nach Branche bis zu fünf Jahren88 – ist durch die heutigen Strukturen größtenteils determiniert. Je weiter versucht wird, in die Zukunft zu blicken, um so mehr Prämissen werden variabel. Dieser Effekt kann sehr anschaulich durch einen Szenariotrichter dargestellt werden, der sich im Zeitverlauf exponentiell vergrößert. Innerhalb des Trichters verlaufen mehrere mögliche Entwicklungslinien, die auf der Schnittfläche unterschiedliche Szenarien bilden. Im Trichter können Störereignisse und Gegenmaßnahmen eingespielt werden, die den Verlauf der Entwicklungslinien verändern können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die zunehmende Komplexität der Unternehmensumwelt ein und begründet die Notwendigkeit der Szenario-Technik zur Entwicklung robuster Strategien.
2. Das Konzept des Strategischen Managements: Es werden grundlegende Begriffe wie Ziele, Strategie, Planung und Kontrolle definiert sowie das Konzept der Geplanten Evolution nach Kirsch erläutert.
3. Die Szenario-Technik: Dieses Kapitel liefert eine Definition der Szenario-Technik und arbeitet die grundlegenden Anforderungen sowie das Prinzip des Szenariotrichters heraus.
4. Instrumente im Rahmen der Szenario-Technik: Hier wird eine Übersicht qualitativer Prognoseinstrumente gegeben, die zur Analyse von Einflussfaktoren und Abhängigkeiten dienen.
5. Die Ursprünge der Szenario-Technik: Die historischen Entwicklungsstränge der Szenario-Technik werden durch die Pionierarbeit von Kahn/Wiener und der Shell-Gruppe dargestellt.
6. Weiterentwicklungen der Szenario-Technik: Verschiedene Ansätze der Szenario-Analyse (Scholz/Tietje, SRI-International, Battelle-Institut) werden detailliert erläutert und hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit bewertet.
7. Zwischenbetrachtung: Es werden die Defizite der bestehenden Ansätze kritisch reflektiert, insbesondere hinsichtlich der Integration in den gesamten Managementprozess.
8. Paderborner Ansatz: Der als Fortschrittlichkeit geltende Ansatz der Paderborner Gruppe wird vorgestellt, der Szenario-Management als integralen, strategischen Prozess konzipiert.
9. Beurteilung der Szenario-Technik: Abschließend werden die Stärken und Schwächen der Szenario-Technik zusammenfassend gegenübergestellt.
10. Schluss: Die zentralen Ergebnisse werden resümiert und ein Ausblick auf die Relevanz der Technik für verschiedene Organisationstypen gegeben.
Schlüsselwörter
Szenario-Technik, Strategisches Management, Strategische Planung, Umweltanalyse, Szenario-Management, Frühaufklärung, Prognosemethoden, Zukunftsrobuste Strategien, Komplexität, Unsicherheit, Systemanalyse, Szenario-Entwicklung, Unternehmenserfolg, Entscheidungshilfe, Strategische Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Szenario-Technik als einem zentralen Werkzeug des strategischen Managements, um in einer komplexen und unsicheren Unternehmensumwelt fundierte Entscheidungen zu treffen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte des strategischen Managements, die historischen und methodischen Grundlagen der Szenario-Technik, verschiedene Analyseinstrumente sowie die praxisnahe Integration in den Unternehmensalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen der Szenario-Technik für die Unternehmensführung aufzuzeigen und Ansätze zu bewerten, die über eine bloße Prognose hinausgehen und zukunftsoffene, robuste Strategien ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Vergleich unterschiedlicher methodischer Ansätze der Szenario-Technik, ergänzt durch eine kritische Bewertung der Praxistauglichkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Konzepte, die Analyse spezifischer methodischer Instrumente, den Vergleich prominenter Szenario-Ansätze (wie Scholz/Tietje, SRI, Battelle) sowie die detaillierte Vorstellung des Paderborner Ansatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Szenario-Technik, Strategisches Management, Frühaufklärung, zukunftsrobuste Strategien und Komplexitätsmanagement beschreiben.
Warum ist der Paderborner Ansatz für den Autor besonders bemerkenswert?
Er gilt als der bisher fortschrittlichste Ansatz, da er die Szenario-Technik nicht nur isoliert als Prognosewerkzeug betrachtet, sondern als ganzheitliches "Szenario-Management" fest in den Managementprozess aller Unternehmensbereiche integriert.
Welche Rolle spielt die Shell-Gruppe historisch in diesem Kontext?
Die Shell-Gruppe nimmt eine Vorreiterrolle ein, da sie als erstes Unternehmen die Szenario-Technik für strategische Zwecke nutzte, um sich auf die Verwerfungen der Ölkrisen der 1970er Jahre vorzubereiten.
Was bedeutet das Konzept der "Geplanten Evolution" nach Kirsch?
Es beschreibt einen Prozess, in dem sich ein Unternehmen durch eine konzeptionelle Gesamtsicht und kontinuierliche, kleine Anpassungsschritte in einem instabilen Umfeld zukunftsfähig hält, angetrieben durch einen "kritischen Stachel".
- Quote paper
- Volker Michels (Author), 2004, Die Szenario-Technik als Instrument des Strategischen Managements, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43221