Das Anliegen dieser Arbeit ist es, den Einfluss des Frz. auf den dt. Wortschatz und die damit einhergehenden Entlehnungsszenarien zu beleuchten. Vordergründig wird dabei der Fokus auf das Phänomen der Entlehnung aus dem Frz. in die dt. Sprache gelegt, womit der Ausgangspunkt die Betrachtung dt. Wörterbücher in diachroner Hinsicht sein soll, um Veränderungen eines ‚Fremd‘- bzw. Lehnwortes im Verlaufe der Geschichte beobachten zu können. Dabei gilt es, den Prozess der Adaption dieser assimilierten ‚Fremdwörter‘ – also die Integration jener Elemente in das dt. Laut- und Formensystem in verschiedenen Sprachperioden – näher zu betrachten. Anhand einiger gewählter Beispiele wird aufgezeigt, wie die dt. Sprache durch ‚fremdes‘ Wortgut bereichert wurde. Die Grundlagen für diese Arbeit finden sich allen voran bei BRIGITTE VOLLAND (1986), deren zugrundeliegendes Belegmaterial 726 frz. Lehnwörter umfasst und bei PETER VON POLENZ (2000; 2013), der sich auf die Erstbelege gebuchter Lehnwörter im Chronologischen Register des Deutschen Fremdwörterbuchs (DFWB) am Institut für deutsche Sprache, Mannheim, stützt (SCHULZ/BASLER/Ids, Bd. 7).
Da ein geschichtlicher Blick den aussagekräftigsten Horizont entwirft, erscheint es sinnvoll, einige Präliminarien zur Geschichte unserer Sprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts zwischen dem Dt. und dem Frz. abzuhandeln. Hierbei ist es notwendig, die Gründe zu erfragen, welche zur Entlehnung führten und die jeweiligen Umstände auszumachen, unter denen sich diese vollzogen hat. In diesem Kontext werden sowohl gesellschaftliche als auch kulturhistorische Entwicklungen, die den Hintergrund für die im Wortschatz zutage tretenden Sprachkontakte bilden, in den Blick genommen. Somit sollen ganzheitlichere Betrachtungsweisen im Hinblick auf Motivation und Funktion hinsichtlich der Übernahme fremden Wortgutes ermöglicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zielsetzung
3. Präliminarien
4. Zur höfischen Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts
4.1 Rezeption französischer Gesellschaftsformen
4.2 Rezeption/ Vorbildfunktion französischer Literatur
4.3 Beispiele für Integrationsmuster im höfischen Mittelhochdeutsch
5. Zur Integration französischen Lehngutes
5.1 Morphologische Integration
5.1.1 Die deutsche Lehnwortbildung
5.1.2 Integration von Wortbildungsmechanismen
5.2 Lexikalisch-semantische Integration
6. Zur absolutistischen Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts
6.1 Historische Informationen
6.2 Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts
6.3 Bewertung der Sprache als Ausdruck des aufkommenden Nationalgefühls
7. Zusammenfassung
7.1 Entlehnung: Motivation und Funktion
7.2 Resümee
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den historischen Einfluss der französischen Sprache auf den deutschen Wortschatz, wobei der Fokus auf den zwei zentralen Phasen der höfischen Kultur des Mittelalters sowie der absolutistischen Epoche liegt. Dabei wird analysiert, wie französische Begriffe integriert und adaptiert wurden und welche soziokulturellen Motive diese Entlehnungsprozesse maßgeblich beeinflussten.
- Diachrone Analyse französischer Lehnwörter im Deutschen
- Integration in Laut- und Formensysteme
- Einfluss der höfischen Kultur im 12./13. Jahrhundert
- Sprachkontakte während des Absolutismus im 17./18. Jahrhundert
- Rolle von Sprachgesellschaften und nationalem Identitätsgefühl
Auszug aus dem Buch
4.3 Beispiele für Integrationsmuster im höfischen Mittelhochdeutsch
Wie gesehen, wurden sowohl die in Frankreich entwickelten Formen des Feudalismus und des Rittertums als auch die höfische Literatur nachgeahmt. So gelang es einer beträchtlichen Anzahl afrz. Wortgutes, über die ritterliche Standessprache und die höfische Dichtung, in die überwiegend vom Feudaladel getragenen territorialen Varianten mhd. Literatursprache einzudringen. Der Lehneinfluss des Frz. begann allerdings bereits vereinzelt, bevor die ersten frz. Dichtungen ins Dt. übertragen wurden (vgl. 4.1!). Der ältesten Schicht gehören frz. Wörter in der religiösen Dichtung des 12. Jhs. an, von denen bereits einige in der höfischen Kultur zu verorten sind:
prîs ‚Preis‘; palas ‚Wohnhaus‘; turn ‚Turm‘; tanzen ‚tanzen‘ und firnîs ‚Schminke‘. Zudem müssten die dem König Rother und der Kaiserchronik immanenten frz. Wörter in der Mitte des 12. Jhs. in Deutschland schon bekannt gewesen sein: bûhurt ‚Reiterspiel‘; buckel ‚Schildbeschlag‘ sowie die Bezeichnungen kostbarer Seidenstoffe wie samît, siglât und bônît.
Die Rezeption frz. Epik wurde erst um 1170 intensiver, wo demnach auch der breite Strom von Entlehnungen einsetzt (vgl. 4.2!). Es überrascht daher nicht, dass die Ausbeute in Lamprechts Alexander (ca. 1150), dem ersten dt. Epos nach frz. Vorlage, sehr gering ist: Nebst den uns schon zuvor begegneten Wörtern prîs und turn lassen sich nur gemuoset ‚als Mosaik eingelegt‘ sowie sarrazîn ‚Sarazene‘ finden, welche beide auch dem Lat. entlehnt sein könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Phänomen des Sprachwandels und die historische Wahrnehmung von Sprachverderb sowie die Unvermeidbarkeit von Lehneinflüssen im Sprachkontakt.
2. Zielsetzung: Das Kapitel definiert den Fokus auf die diachrone Betrachtung des französischen Einflusses auf den deutschen Wortschatz und die Analyse der Adaptionsprozesse.
3. Präliminarien: Hier werden die historischen Grundlagen des frühen Sprachkontakts zwischen dem Deutschen und dem Französischen seit dem Mittelalter dargelegt.
4. Zur höfischen Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beschreibt die Übernahme französischer Gesellschaftsformen und Literatur, die als Vorbild für den deutschen Adel dienten.
5. Zur Integration französischen Lehngutes: Im Zentrum stehen hier die morphologischen sowie lexikalisch-semantischen Integrationsmechanismen des französischen Wortguts im Deutschen.
6. Zur absolutistischen Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts: Es wird die zweite, prägende Welle französischen Einflusses und die Reaktion durch zeitgenössische Sprachgesellschaften thematisiert.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Motivationen hinter Entlehnungen und ein Resümee über die Dynamik von Sprache.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Lehnwort, Französisch, Deutsch, Wortbildung, Sprachwandel, Höfische Kultur, Absolutismus, Sprachgesellschaften, Integration, Adaption, Sprachgeschichte, Sprachpurismus, Entlehnung, Kulturimport
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Einfluss der französischen Sprache auf den deutschen Wortschatz in zwei zentralen Epochen: dem Mittelalter und der Zeit des Absolutismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entlehnung von Begriffen, die Integration in deutsche Laut- und Formensysteme sowie die soziokulturelle Bedeutung des französischen Prestiges für den deutschen Adel und das Bürgertum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Prozesse der Entlehnung und Adaption diachron zu beleuchten und aufzuzeigen, wie sich durch den Kontakt das deutsche sprachliche Ausdrucksvermögen veränderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer philologischen Analyse von Wörterbüchern und historischer Fachliteratur, um die Chronologie und Art der Wortschatzerweiterungen nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die höfische Kultur des 12./13. Jahrhunderts sowie die absolutistische Ära des 17./18. Jahrhunderts, inklusive der Rolle der Sprachgesellschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachkontakt, Lehnwortbildung, Integration, Sprachgeschichte und kultureller Prestigegewinn.
Wie unterschieden sich die Entlehnungsmotive in den beiden untersuchten Epochen?
Während im Mittelalter vor allem die höfische Adelskultur und neue literarische Gattungen als Motor für Entlehnungen fungierten, war die absolutistische Phase durch einen breiteren kulturellen Import und eine bewusste kulturpatriotische Gegenreaktion geprägt.
Welche Rolle spielten Sprachgesellschaften bei der Integration des Französischen?
Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts fungierten als Korrektiv; sie bemühten sich, durch Lehnübersetzungen adäquate deutsche Pendants für französische Begriffe zu finden, um die deutsche Sprache vor einer wahrgenommenen Überfremdung zu schützen.
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- Jane Hübinger (Author), 2014, Der Sprachkontakt zwischen dem Deutschen und Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432450