Eine kritische Auseinandersetzung mit Machtpositionen in Beratungsprozessen und ihrem möglichen Umgang


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

1. Einleitung

2. Das Phänomen Macht
2.1 Eine begriffliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Macht
2.2 Macht, Gewalt, Herrschaft - Eine Abgrenzung
2.3 Macht nach Niklas Luhmann

3. Macht in Beratungsprozessen - Das braucht man nicht?!
3.1 Beratung, Soziale Arbeit, Macht und ihre Verbindungslinien
3.2 Macht in Beratungskonstellationen
3.3 Empowerment als Chance gegen die Macht?!

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Historische und politische Ereignisse führten dazu, dass bis heute Machtpositionen meist abgelehnt werden. Die neulich bekannt gewordenen sexuellen Übergriffe in der Filmbranche, aber auch die zahlreichen sexuellen Übergriffe in sozialen Institutionen durch einflussreichere Personen, verstärkten diese Ablehnung, führten aber gleichzeitig dazu, dass das Thema Macht zunehmend wieder in das Zentrum der Gesellschaft gerückt wurde. Einhergehend mit diesen öffentlichen Skandalen tauchte auch die Frage nach den Machtpositionen in sozialen Settings auf und die Frage nach dessen Gestaltung zum Schutze der Unterworfenen. Doch in sozialen Settings wird das Thema Macht meist ignoriert und als nicht vorhanden ausgeschildert.

Dies führt zu der Notwendigkeit sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob Machtpositionen in Beratungssettings stets abzulehnen sind. Um einen ausreichenden Überblick über das Themengebiet zu erhalten, soll sich dem Thema auf zwei Dimensionen angenähert werden. Eine wichtige Dimension stellt dabei die theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Macht dar. Die andere Dimension soll dem Ziel einer praktischen Auseinandersetzung dienen.

Um diesem Vorgehen gerecht zu werden, wird sich im nachfolgenden Kapitel (Kapitel 2) mit dem Phänomen Macht beschäftigt. Zur Einführung in das Thema erfolgt eine begriffliche Auseinandersetzung mit dem Terminus Macht, wobei der Frage nachgegangen werden soll, ob Macht tatsächlich als etwas durchweg Negatives beschrieben werden kann. Anschließend folgt eine begriffliche Abgrenzung zu den Termini Gewalt und Herrschaft. Hierbei sollen mögliche Verbindungslinien zum Begriff Macht hergestellt werden, um eine mögliche Übertragung von negativen Bestimmungen aufzuzeigen.

Des Weiteren scheint eine Auseinandersetzung, im Hinblick auf das nachfolgende Kapitel, mit der Machtkonzeption von Niklas Luhmann unvermeidlich. Dieser setzte sich insbesondere mit der Macht auf der interaktionistischen und organisatorischen Ebene auseinander. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit einer eher praxisorientierten Ebene. Dazu sollen zunächst die Verbindungslinien zwischen Beratung, Macht und Sozialer Arbeit aufgezeigt werden.

Anschließend wird im Hinblick auf vorhandene Machtpositionen in konkreten Beratungsprozessen eine ausführliche Auseinandersetzung erfolgen. Dabei soll nicht nur die interaktionistische Ebene betrachtet werden, sondern auch das Verhältnis von Macht in der Beziehung des/der Beraters/Beraterin und seiner/ihrer Organisation.

Im folgenden Unterkapitel sollen mögliche Umgangsformen mit Macht in Beratungsprozessen aufgezeigt werden. Intensiv soll die Option des Empowerments in diesem Zusammenhang diskutiert werden.

Abschließend wird ein Resümee gezogen, ob Macht in Beratungsprozessen durchweg abgelehnt werden kann. Ein kurzer Ausblick auf die wohlmögliche Weiterentwicklung bezüglich des Umgangs mit Macht in Beratungsprozessen soll auch noch gegeben werden.

2. Das Phänomen Macht

2.1 Eine begriffliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Macht

Das Phänomen Macht weist eine soziale, gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Bedeutung auf (Scholl, 2007). Diese große Spannbreite ist wohlmöglich mit einer der Gründe, weshalb sich seit Jahrhunderten Theoretiker an einer einheitlichen Definition versuchen. Einflussreiche Theoretiker, wie beispielsweise Karl Marx, Pierre Boerdieu und Silvia Staub- Bernasconi, versuchten sich an Definitionen für diese Begrifflichkeit von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehend. Doch bis heute gelang es nicht eine einheitliche Definition zu finden, die das Phänomen Macht als Ganzes erfasst. Ein wohlmöglicher Grund dafür scheint zu sein, dass „Macht eben nichts Gegenständliches, unmittelbar Sichtbares […]“ (Imbusch, 1998, S.9). ist. Demnach sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass dieses Kapitel nicht als klare Begriffsbestimmung dienen kann. Es soll lediglich als eine Bewusstseinserweiterung für das Phänomen Macht gedacht sein.

Dennoch gilt bis heute die Definition von dem Soziologen Max Weber, als der bedeutendste Erklärungsversuch. Max Weber beschreibt Macht wie folgt: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber, 1976, S.28). Zum einen sieht Weber Macht als eine menschliche Fähigkeit, weshalb Machtstrukturen als veränderbar und vergänglich angesehen werden können (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., 2017). Zum anderen sieht Weber Macht als ein Potenzial, welches sowohl vorteilhaft genutzt, als auch missbraucht werden kann (Scholl, 2007).

Doch in der Realität zeigt sich ein anderes Verständnis. Mit dem Begriff der Macht wird meist assoziiert „mit der Behinderung der freien Persönlichkeit, der Unterdrückung von gesellschaftlichen Gruppen, der rücksichtslosen Durchsetzung partikularer Interessen und sogar mit der politischen Hintertriebenheit, dem zu verantwortenden Unrecht auch noch Legitimation zu verschaffen“ (Kraus, & Krieger, 2016, S.10). Der Begriff ist demnach negativ konnotiert und wird durchaus abgelehnt.

Doch das Phänomen Macht ist in allen sozialen Beziehungen allgegenwärtig (Witte & van Quaquebeke, 2007). Daher ist festzuhalten, dass „Macht keine feste unverrückbare Eigenschaft einer Person ist und sie im sozialen Kontext entsteht“ (Drinck, o.J., S.127). Es handelt sich also um eine „asymmetrische Interaktionsbeziehung“ (Drinck, o.J. S.124). Demnach gibt es immer eine/n Machthaber/in und eine/n Beherrschte/n, welche sich durch eine ungleiche Verteilung von Machtmitteln erkennen lassen (Drinck, o.J.).

Machtmittel können beispielsweise unterschiedliche Ressourcen oder Fähigkeiten sein (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., 2017). Machtmittel sind allerdings nicht beständig, das heißt, sie können, beispielsweise durch Wegfall, zu einer Umkehrung der Machtpositionen führen.

Neben Machtmitteln sind auch Machtquellen entscheidend für das Maß an Einfluss in einer sozialen Beziehung. Im Vergleich zu Machtmitteln, die von außen gegeben sind, gehören Machtquellen zu der inneren Ausstattung eines Menschen (ebd.). Unterschieden werden vier Machtquellen.

Die erste wird als Körpermacht beschrieben, also die physische Stärke und Attraktivität eines Menschen (ebd.). Man stelle sich beispielsweise ein Basketballspiel zwischen zwei Männern vor. Der eine ist groß und durchtrainiert; der andere klein und untrainiert. Der größere und durchtrainierte Mann würde in dieser sozialen Beziehung vermutlich die Rolle des Machthabers einnehmen, da er über eine größere Körpermacht verfügt.

Die zweite Machtquelle wird als Ressourcenmacht beschrieben, gemeint sind damit die Bildung eines Menschen, aber auch soziokulturelle Eigenschaften (ebd.).

Die Modell- und Artikulationsmacht stellt eine weitere Machtquelle dar. Dazu gehören unteranderem Fähigkeiten, die zur Problemlösung notwendig sind, aber auch Überzeugungsfähigkeit (ebd.).

Die letzte Machtquelle wird als Positions- und Organisationsmacht beschrieben. Dazu gehören die Vernetzungs- und Organisationsfähigkeiten einer Person (ebd.).

Zuletzt gilt es, sich mit den Ursachen für Machtausübung auseinanderzusetzen. Damit beschäftigten sich vor allem die Psychologen Betram Raven und John French, welche vier mögliche Formen beschreiben, die für Machtausübung verantwortlich sein können.

Eine mögliche Form stellt die Machtausübung durch Identifikation dar. Dabei wird eine Person zu dem/der Machthaber/in, dadurch, dass er/sie als Idol angesehen wird, dem gehorcht wird (Drinck, o.J.).

Die zweite Form sieht Macht durch Legitimation. Dies meint, dass soziale Normen und Werte einer Gesellschaft dafür sorgen, dass eine Person zu dem/der Machthaber/in wird, ohne jegliches Hinterfragen (ebd.).

Eine weitere Form, die die beiden Psychologen beschreiben, wird als Expertenmacht und Informationsmacht betitelt. Gemeint ist die Tatsache, dass eine Person zu dem/der Machthaber/in wird, indem er/sie beispielsweise über mehr Wissen verfügt (ebd.). Die letzte Form für Machtausübung wird beschrieben als die Macht durch Belohnung und die Macht durch Bestrafung. Hierbei sichert sich der/die Machthaber/in durch einen starken Einsatz von Kontrolle seine Machtposition (ebd.).

Die Macht durch Bestrafung ist sicherlich die Form, die als erstes mit dem Begriff Macht assoziiert wird. Wirft man einen Blick auf die anderen Formen der Macht, wird dennoch deutlich, dass es nicht immer etwas Aufgezwungenes sein muss.

Im Resümee lässt sich festhalten, dass es schwer ist den Begriff Macht im Ganzen zu definieren. Dennoch zeigte sich, dass der Begriff nicht ausschließlich etwas negativ zu bewertendes umschließt, von daher sollte der Begriff mit einer großen Skepsis gesehen werden.

2.2 Macht, Gewalt, Herrschaft - Eine Abgrenzung

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die negativ konnotierten Begrifflichkeiten Gewalt und Herrschaft oft als Synonym für den Begriff Macht verwendet.

Doch diese Verschleierung der Begrifflichkeiten kann dazu führen, dass der Begriff Macht negativ besetzt wird, obwohl dies, wie bereits festgestellt wurde, nicht durchweg der Fall ist. Deswegen soll im Folgenden zunächst ein Blick auf das Verhältnis von Macht und Gewalt erfolgen. Anschließend sollen noch mögliche Verbindungslinien zwischen Macht und Herrschaft aufgezeigt werden.

Macht und Gewalt werden meist in enger Verwandtschaft gesehen, nicht zuletzt „weil Macht in der Geschichte wiederholt in sozial illegitimer Form zusammen mit Gewalt zum Tragen kam […]“ (Imbusch, 1998, S.15).

Der bekannteste wissenschaftliche Ansatz zum Verständnis von Macht und Gewalt stammt von der deutsch-amerikanischen Soziologin Hannah Arendt. Arendt betrachtet Macht und Gewalt getrennt voneinander: „Macht und Gewalt sind Gegensätze: wo die eine absolut herrscht, ist die andere nicht vorhanden“ (Arendt, 2000, zit. n. Sagebiel, & Pankofer, 2015, S.56). Das heißt dort, wo eine große Macht vorliegt, wird Gewalt nicht benötigt und umgekehrt.

Des Weiteren weist Gewalt einen instrumentellen Charakter auf, der einer Zweck-Mittel-Kalkül folgt (Imbusch, 1998). Gewalt wird also zur Durchsetzung kurzfristiger Ziele verwendet. Macht hingegen ist, wie bereits festgestellt wurde, allgegenwärtig.

Gewalt wird also immer dort eingesetzt, wo Macht Gefahr läuft verloren zu gehen (Sagebiel, & Pankofer, 2015). Zur groben Verbildlichung soll das Thema häusliche Gewalt herangezogen werden. Man stelle sich einen Mann und eine Frau vor. In dieser Beziehung entscheidet sonst immer der Mann, wo das Paar sich am Wochenende aufhält. Normalerweise folgt die Frau dem Mann, doch an dem vorgestellten Abend will die Frau zuhause bleiben. Sie bringt damit die Macht des Mannes in Gefahr. Der Mann könnte nun Gewalt einsetzen, um die Frau durch ausgelöste Angst zum Gehorsam zu zwingen. Dieses stark zugespitzte Beispiel soll nicht gedacht sein, um häusliche Gewalt zu erklären. Es dient lediglich zur groben Orientierung.

Gleichzeitig kann Gewalt aber auch genutzt werden, um Macht zu zerstören (ebd.). Ein Beispiel hierfür stellen militärische Revolutionen aus der historischen Vergangenheit dar. Gewalt ist als ein starkes Mittel zu betrachten, denn es ist universell (ebd.). Gewalt ist ein Medium, welches jedem Menschen bekannt ist. Da Gewalt als negativ bewertet wird, reicht meistens die Androhung aus, um Gehorsam zu erzwingen. Zu beachten ist, dass dieser Gehorsam lediglich auf das Medium Gewalt zurück zu führen ist, aber nicht auf Macht.

Ein weiteres Synonym, was oft für den Begriff Macht verwendet wird, findet sich in der Begrifflichkeit Herrschaft. Zur Erläuterung der Verbindung dieser Begrifflichkeiten soll die Definition von Herrschaft von dem Soziologen Max Weber zu Grunde gelegt werden: „Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden […]“ (Weber, 1976, S.28).

Nach dieser Definition handelt es sich, im Gegensatz zur Macht, um „ein transpersonales Verhältnis, welches unabhängig von Person über Raum und Zeit hinweg existieren kann“ (Sagebiel, & Pankofer, 2015, S.28). Während Macht seine Wirkung in sozialen Beziehungen direkt entfaltet, entfaltet Herrschaft seine Wirkung in einer Gemeinschaft, unabhängig von einer direkten sozialen Beziehung (Sagebiel, & Pankofer, 2015).

Doch wo bestehen denn nun konkrete Zusammenhänge dieser zwei Begriffe? - Herrschaft wird als „eine gesteigerte Form institutionalisierter verfestigter Macht“ (Sagebiel, & Pankofer, 2015, S.28) verstanden. Wenn Macht also immer mehr in den Alltag etabliert wird, kann dies in Herrschaft münden. Herrschaft beginnt an dem Punkt zu wirken, wo die Gründe für die Legitimation von Herrschaft nicht mehr hinterfragt werden, sondern angenommen werden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Begriffe Gewalt und Herrschaft nicht als Synonym für Macht verwendet werden sollten, um so der negativen Bestimmung von Macht vorzubeugen. Gewalt ist als der Gegenpol von Macht zu betrachten; beide können nur getrennt voneinander betrachtet werden. Herrschaft hingegen hat sich als eine extrem verfestigte Form von Macht erwiesen. Beide Begriffe können demnach nicht gleichgesetzt werden mit dem Begriff der Macht.

2.3 Machtkonzept nach Niklas Luhmann

Der Soziologe Niklas Luhmann beschäftigte sich mit dem Phänomen Macht im Sinne seiner Theorie sozialer Systeme. Er zählt demnach nicht zu den klassischen Machttheoretikern, welche sich ausschließlich mit dem Phänomen Macht auseinandergesetzt haben (Brodocz, 1998). Mit Hinblick auf den Schwerpunkt der hiesigen Arbeit ist es notwendig sich insbesondere mit Luhmanns Grundverständnis von Macht als Kommunikationsmedium auseinanderzusetzen. Ebenfalls soll auch sein Verständnis von Macht in Organisationen beleuchtet werden. Damit dies gelingt, ist eine kurze Einführung in seine Theorie sozialer Systeme nötig.

Niklas Luhmann erhebt mit seiner soziologischen Theorie sozialer Systeme einen universellen Anspruch; die Theorie soll demnach alles Soziale erklären können, unter anderem aber auch das Phänomen Macht (Sagebiel & Pankofer, 2015). Soziale Systeme sind für Luhmann Einheiten, welche sich selbst durch die Elemente aus denen sie bestehen erzeugen. Er beschreibt sie demnach als autopoietisch (Brodocz, 1998). Darüber hinaus charakterisieren sich soziale Systeme dadurch, dass sie sich durch ihre Autopoiese von ihrer Umwelt abgrenzen (ebd.). Gleichzeitig ist aber zu beachten, dass soziale Systeme auf die Leistungen ihrer Umwelt angewiesen sind. Dies kann lediglich durch Kommunikation gelingen (ebd.).

Für Luhmann ist eine Kommunikation erst dann gelungen, „wenn die Mitteilung als Hinweis auf eine Information behandelt wird“ (Brodocz, 1998, S.185). Das soll aber noch nicht bedeuten, dass die Kommunikation angenommen wird, denn hinter einer anzunehmenden Kommunikation versteckt sich auch immer die Möglichkeit der Ablehnung, welche es im Sinne der Kommunikation zu vermeiden gilt (Brodocz, 1998). Um die Möglichkeit eines Abbruches zu verringern, fordert Luhmann ein Kommunikationsmedium, welches er wie folgt beschreibt: „Unter Kommunikationsmedien soll nach all dem verstanden werden eine Zusatzeinrichtung zur Sprache, nämlich ein Code generalisierter Symbole, der die Übertragung von Selektionsleistungen steuert“ (Luhmann, 2003, S.7). Hier kommt das Phänomen der Macht zum Tragen.

Macht wird als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium behandelt, welches einen universellen Anspruch erhebt, das heißt, dass Macht von jedem Menschen in den unterschiedlichsten Situationen verstanden wird.

Durch die Zuschreibung der Macht als ein Kommunikationsmedium, entwickelt Luhmann den Begriff der mächtigen Kommunikation. Diese ist „dadurch charakterisiert, daß das Mitteilungshandeln des Einen in einer Entscheidung über das Handeln des Anderen besteht, deren Befolgung verlangt wird“ (Brodocz, 1998, S.187).

Eine weitere Funktion der Macht stellt die Motivation für beide Seiten einer Kommunikation dar. Der Machtunterworfene soll durch Macht dazu motiviert werden eine mächtige Kommunikation anzunehmen, während der/die Machthaber/in durch die anzunehmende Annahme gestärkt werden soll (Brodocz, 1998).

Aber wie kann die Motivationsfunktion erfüllt werden? Luhmann versteht Macht als „eine soziale Beziehung, in der auf beiden Seiten anders gehandelt werden könnte“ (Luhmann, 2005 zit. n. Anter 2017, S.122). Macht bedient sich nämlich der Verdopplung der Handlungsmöglichkeiten, das heißt, in einer mächtigen Kommunikation werden immer zwei mögliche Handlungsverläufe aufgezeigt (Brodocz, 1998). Damit das Medium Macht seine Wirkung entfalten kann, muss es zum einen einen Kommunikationsverlauf geben, der für beide Parteien wünschenswert wäre und zum anderen muss es einen zweiten möglichen Kommunikationsverlauf geben, der für beide Parteien nicht wünschenswert erscheint, aber besonders für den/die Machtunterworfene/n mit negativen Sanktionen verbunden wäre (Sagebiel & Pankofer, 2015). In diesem Vorgang stellt der/die Machthaber/in die zwei Kommunikationsverläufe dar, aber der/die Machtunterworfene entscheidet (Brodocz, 1998). Daraus ergibt sich für Luhmann die Grundannahme: „Es bestehen immer Wahlmöglichkeiten, auf beiden Seiten auch anders zu handeln“ (Sagebiel & Pankofer, 2015, S.68).

Dadurch zeigt Macht aber auch ihre Grenzen auf. Dort wo der/die Machtunterworfene den Kommunikationsverlauf wählt, der mit negativen Sanktionen verbunden ist, wird der/die Machthaber/in dazu gezwungen Sanktionen zu verhängen oder auf diese zu verzichten (Sagebiel & Pankofer, 2015). Dabei würde das Medium Macht seine Funktion verlieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Eine kritische Auseinandersetzung mit Machtpositionen in Beratungsprozessen und ihrem möglichen Umgang
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V432648
ISBN (eBook)
9783668760905
ISBN (Buch)
9783668760912
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machtprozesse, Casemanagement, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Jaqueline Miebach (Autor), 2018, Eine kritische Auseinandersetzung mit Machtpositionen in Beratungsprozessen und ihrem möglichen Umgang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432648

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